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Was taugst das Sony GM 24mm f1.4 – TEST

24. Oktober 2018 | Technik

Kurzzusammenfassung

Das neue 24mm GM Objektiv von Sony mit offenster Blende von f1.4 war mit in LA. Heute geht es um die Qualität dieses Objektivs.

#TRANSPARENZ
Unser Objektiv war ein geliehenes Testobjektiv aus dem Pressepool.

Was ist besonders an 24mm f1.4?

Vor einigen Wochen wurde das 24mm GM-Objektiv von Sony vorgestellt. Nicht als allererste aber schlussendlich doch, konnte ich ein Presse-Exemplar in die Hände bekommen.

Das 24mm ist eine Festbrennweite, die ich besonders liebe. Damals war das 24mm f1.4 L meine erste neuwertige L-Linse vor Jahren für mein Canon System. Nach einem gebrauchten 50mm und einem ebenfalls gebrauchten 85mm f1.2 L waren 24mm mir damals sogar einen Neukauf wert. Nach dem 24mm f1.4 L Mark 1 kam dann auch sofort das Mark II von Martin Achatzi geliefert ins Haus.

Was genau möchte ich damit ausdrücken, wenn ich auf einen Kauf von vor fast über 10 Jahren zurück blicke: Ich spreche von der Bedeutung der Brennweite. 24mm ist super wichtig. Warum? Weil es ein astreiner Weitwinkel ist ohne gleichzeitig viel zu kritisch in der Anwendung oder im Look zu werden. Und als Festbrennweite sprechen wir nochmals von ganz anderen Möglichkeiten als mit einem Zoom. Gerade in Punkto Verzerrung und Abbildungsleistung.

Und dann gibt es eben noch die Freistellung selbst. F1.4 ist in einem wirklichen Weitwinkel super faszinierend.

Schauen wir uns doch einfach mal das nächste Bild an. Das zeigt zwar nur einen blöden Hydranten in den USA, dafür erkennt man die Wirkung der Weitwinkel-F1.4-Kombo. Man bekommt eine Freistellung bei gleichzeitiger Erkennbarkeit des Hintergrundes.

Es ist eben nicht wie bei einem 50er oder 85er. Dort wäre der Hintergrund „weg“… Beim 24er ist der Hintergrund völlig erkennbar. Selbst die Personen auf der andere Straßenseite sind erkennbar. Aber gleichzeitig ist das Motiv im Vordergrund glasklar erkennbar hervorgestellt.

Das ist also genau der Grund, warum ich das 24mm f1.4 für eines der wichtigsten Objektive überhaupt halte. Fragt sich jetzt nur noch, wie gut Sony den Job gemacht hat und was man da für aktuell knapp 1600€ Straßenpreis bekommt.

Stadt der Engel für ein himmlisches Objektiv?

Mit dabei hatte ich das Objektiv übrigens in der Stadt der Engel. Los Angeles für die AdobeMax war das Ziel und drei Tage bin ich ständig fotografierend durch die Gegend gerannt. Egal ob in der Früh oder spät in der Nacht, das 24mm war ständig im Einsatz an meiner 7r2 (ja, Mark II!!!, die 3er Sonys wurden währenddessen in Köln im Studio gebraucht). LA war aber göttlich als Spielwiese für den Test, denn die Herausforderungen waren perfekt.

LowLight Aufnahmen bei Nacht bis hin zu starkem Gegenlicht tagsüber. Schauen wir uns doch nochmals ein paar Fotos an. Mit einer offensten Blende von f1.4 bekommt man als Fotograf zwei Blenden mehr Lichtleistung und kann damit bei gleicher Helligkeit logischerweise auch zwei Stufen im ISO niedriger bleiben. Gerade bei wenig Licht und trotz besonders toller Sony Kameras und Sensoren kann das immer noch den Bobbes retten. Oder es macht nachfolgende Aufnahmen möglich. Aus der Hand während man vom Restaurant ins Hotel rennt und nur nebenher aus der Hüfte schießt. Ohne Stativ und mit einer faszinierenden Helligkeitsdynamik.

Besonders schön finde ich auf den letztgezeigten Bildern übrigens auch die Flare-Charakteristik des neuen 24ers von Sony. Es sind wunderschöne Lichtquellenpunkte die gleichzeitig eine besonders sanfte Lichtaura um den Helligkeitskern herum haben.Viel schöner hätte man diese Lichtreflexe selbst mit Photoshop nicht basteln können.

Das GM von Sony ist wirklich sehr schön geworden. GM steht ja für G-MASTER und damit die höchste Objektivklasse der hauseigenen E-Mount Objektiv.

Was viele Fotografen, selbst Sonygrafen, nicht wissen. GM steht nicht für höchste optische Qualität sondern für den bestmögliche Abgleichung zwischen Schärfe und Bokeh. Jeder mit nur halbwegs Ahnung im Objektivbau weiß nämlich, dass Schärfe und Bokeh zwei gegensätzliche, antiproportionale Attribute sind. Macht man eine Sache schöner, nimmt zwangsweise die Gegenseite in der Performance ab. Und umgekehrt eben. Das ist ja auch die Kunst im Objektivbau. Scharf ist einfach, Bokeh ist einfach aber die Abstimmung zwischen beiden Werten, das ist die Kunst.

Was ist ein GM-Objektiv?

Das GM-Objektiv zeichnet sich aus durch zwei zusätzliche Fähigkeiten. Einmal ist es DE-CLICKbar. Bedeutet, dass man die Blende weich und völlig ohne Abstufungen schließen und öffnen kann. Zudem besitzt es eine Funktionstaste am Objektiv und erlaubt so etwas zusätzliche Kamerasteuerung mit der Objektivhand. Beides sind übrigens Kleinigkeiten mit großem Background. Solche Dinge mag man vielleicht auch erst nur als „Winzigkeit“ betrachten. Selbst wenn ein einzelnes Bauteil nur 2-3 € kosten wird, im Entwicklungs- und Produktionsprozess werden schnell größere Summen daraus. So braucht das Objektiv mit Funktionstaste z.B. eine andere Softwaresteuerung und auch das verursacht im Endeffekt wieder Kosten. Die Fähigkeit dieses Objektivs muss auch in zukünftigen Firmwareversionen und Kameraversionen bedacht werden.

Die CLICK-Funktion brauche ich selbst eher weniger. Finde es sogar teilweise hinderlich, wenn man dann doch zufällig auf die Funktion kommt. Der Knopf hingegen ist der Hammer. Da kann man gar nicht in Wortform genug lobend darüber sprechen. Gerade bei der Bedienbarkeit einer Sony ist ein zusätzlicher FN-Knopf wirklich Gold wert.

Das Objektiv ist solide verbaut und liegt wirklich wertig in der Hand. Es hat die absolut richtige Oberfläche für ein Objektiv und alle Läufe sind fliesend weich mit dem richtigen Gegendruck. Gerade wenn man selbst mit AF-Objektiven gerne manuell fokussiert, dann weiß man diese Fähigkeit sehr zu schätzen.

Die meisten Fotografen werden zusätzlich zur Bauqualität und zum Funktionsumfang sicherlich folgende Kernfragen zum Objektiv haben.

Dabei geht es meistens um die „optische Leistung“.

  • Maximale Schärfe
  • Randunschärfe
  • CAs
  • Verzeichnung
  • Vignettierung
  • Flare-Anfälligkeit

Zudem ist ein weitere Punkt sicherlich die Fokus-Performance. Also kommen wir doch direkt zu den oben aufgezählten Aspekten der optischen Leistung.

Dafür gibt es dann auch die nachfolgenden Fotos und Bildvergleiche.

CAs sind sehr reduziert wenngleich bei f1.4 auch vorhanden. Verzeichnung ist wirklich gelungen minimal und die Flare-Anfälligkeit ist ebenfalls minimal. Spricht für herausragende Vergütungen und einen soliden Innenbau des Objektivs um Lichtverwerfungen zu vermeiden.

Die Flare-Anfälligkeit ist übrigens für ein Weitwinkel ein viel wichtigerer Punkt als bei einem Teleobjektiv. Weitwinkel kommen viel häufiger in die Gefahr einen Flare zu erzeugen. Immerhin lässt der breite Bildwinkel ja kaum vermeiden, die Sonne irgendwie ins Bild kommen zu lassen. Je weiter man fotografiert, umso mehr Sonne hat man seitlich ins Objektiv scheinen. Das Extrembeispiel: Ein FishEye-Objektiv. Da kann man praktisch gar keine Gegenlichtblende für bauen, denn der Bildwinkel verhindert dies schon.

Genau daher ist das Flare- und Gegenlichtverhalten auch so außergewöhnlich wichtig bei einem 24er.

Schärfe Schärfe Schärfe

Die optische Maximalleistung selbst bei Offenblende ist beeindruckend. Auch gerade die geringe Vignettierung bei f1.4 ist atemberaubend. Ich würde sogar behaupten, dass gefühlt die Vignettierung das schönste optische Geschenk von Sony ist, was es beim 24er gibt. Aber da stehe ich leider auf verlorenem Posten nachdem die halbe Welt die Vignettierung so sehr liebt, dass diese meist nachträglich und digital noch zusätzlich ins Bild gebracht wird.

Die Auflösung der Sony 7r2 und 7r3 sind für das GM keine Hürde. Jedenfalls in der Mitte.

Allerdings kann man nicht behaupten, dass das Objektiv scharf bis in alle Ecken ist. Jedenfalls nicht offenblendig. Ich würde aus dem Gefühl heraus behaupten, dass das Objektiv maximal bei f2.5 oder f2.8 performt. Das steht auch übrigens mit Anders Uschold These (auf zur Objektivstrecke) im Einklang, nachdem moderne Objektive mit starker Offenblende oftmals früher ihren Sweetspot haben als „alte“ Objektive das früher hatten.

Allerdings sieht man auf dem nachfolgenden Foto, wie sehr die Schärfe bei f1.4 nach außen abfällt. Es wurde hier auf kurz vor die Unendlichkeit fokussiert und der Schärfeverlust von der Mitte zum seitlichen Rand ist schon sehr spürbar. Das Geländer ist kaum weiter entfernt als das große Haus in der Bildmitte.

Zur Performance selbst kommen wir aber gleich noch. Denn an dieser Stelle mag man jetzt mit sehr gemischten Gefühlen dem Objektiv gegenüber stehen. Es ist also verdammt scharf aber verliert zum Rand hin Schärfe. Sony verkauft das Objektiv als „bin in alle Ecken sau scharf“ (kein Zitat sondern sinngemäß rezitiert). Ist es das jetzt oder ist es das jetzt nicht?

Die Antwort ist mal wieder etwas unbefriedigend. JEIN. Was wir gleich sehen werden ist die Tatsache wie scharf und wie überlegen das neue GM-Objektiv optisch ist. Aber auch das GM-Objektiv unterliegt der Physik und ein Objektiv mit f1.4 Offenblende mit gleichbleibender Schärfe bis in alle Ecken zu bauen ist technisch einfach unmöglich. Wir sprechen also von einer Art Relativierung. Es ist nach außen hin abfallend scharf aber in einem so geringen Maße wie kaum ein anderes Objektiv vorher.

Dazu aber gleich mehr, wenn das Objektiv gegen das aktuell verkaufte Canon 24mm f1.4 L Mark2 antreten muss. Kommen wir vorher noch zu ein paar weiteren Details.

Abgeblendet auch ein Hingucker!

Bei meinen kleinen Langzeitbelichtungen in der AdobeMax Halle habe ich auch noch kurz die Sterneffekte des Objektivs kennenlernen dürfen. Sehr viel Strahlen deuten auf sehr viele Lamellen hin. Werten möchte ich es jetzt nicht. Das ist Geschmacksache ob einem pfeiligere Sterne mit mehr oder weniger Spitzen gefallen oder nicht.

Eine Sache für die Landschafter unter uns: Filterdurchmesser

Was ich auch einen spannenden Sidefact finde, dass ist der Filterdurchmesser. 67mm ist sehr klein für ein Weitwinkel f1.4 Objektiv. Zum Vergleich. Canon braucht 77mm Durchmesser und damit einen ganzen Centimeter mehr als Sony. Das schlägt sich natürlich auch im Gewicht nieder und auch im Geldbeutel vieler Fotografen. Auch wenn 77mm sehr verbreitet ist, wer mal solide ND-Filter oder einen guten Pol-Filter kauft, der weiß was ein Zentimeter Durchmesser im Kaufpreis für Filter bedeutet.

Performance Check OneOnOne

Mein bisherigen Lieblings-24er war das Canon L Mark II. „War“ ist das betonte Wort. Weil das Sony GM das Objektiv wirklich in den Schatten stellt. Ok, ich werde das Canon jetzt nicht sofort in den Mülleimer werfen. Es hat mir viele tolle Fotos beschert und nur weil Sony jetzt ein neues Objektiv auf den Markt gebracht hat, macht das meine Fotos und auch das Objektiv keinen Deut schlechter.

Nur habe ich ab sofort immer eine kleine Stimme in meinem Kopf… warum… seht selbst.

Ich habe mit beiden Objektiv, manuell fokussiert mit 100% Ansicht eine Aufnahme gemacht im Gegenlicht. Dabei habe ich auf möglichst starke Helligkeiten im Hintergrund geachtet. Mögliche CAs treten ja maximal an Lichtkanten auf. Zudem habe ich eine kleine, sehr feine Schrift in der Mitte fotografiert.

Schauen wir uns das Ausgangsbild an. JPG, OutOfCam übrigens. Fotos bei ISO400, f1.4 aufgenommen mit 10 Sekunden Selbstauslöser vom Stativ.

Man kann deutlich erkennen, dass das Canon in der Lichtleistung bei f1.4 sichtbar dunkler ist. In diesem Falle war es wirklich nicht das Umgebungslicht sondern das Objektiv.

Und jetzt kommt der Kracher… 100% der Mitte. Man könnte denken, dass das Canon Glas aus einem Raucherhaushalt kommt oder mit dass eine Nebelmaschine davor steht. Oder Fett auf der Frontlinse ist. Nichts von alledem ist der Fall.

Das GM ist so viel schärfer, brillianter und farbstärker. Man kann beim Sony GM auch CAs erkennen aber die sind deutlich reduziert gegenüber dem Canon L-Objektiv. Das teure L-Glas von Canon wirkt was wie durch eine milchige, dreckige Scheibe fotografiert im Vergleich zum Sony.

Und bevor jetzt jemand aufschreit und behauptet, dass sein 24er von Canon nicht so schlecht ist… keine Ahnung. Hat man den direkten Vergleich gemacht? Beide Objektive wurden eben auch nicht an 20Megapixel sondern an 42 Megapixel fotografiert. Dafür wurde das Canon Objektiv nie konstruiert. Und vielleicht habe ich ein Montagsobjektiv von Canon bekommen, vielleicht aber auch nicht.

Ich möchte niemand jetzt sein geliebtes Canon-Glas kaputtreden. Darum geht es nicht. Für mich, der das Canon-Glas sich hart abgespart hat, tut diese Erkenntnis eben genauso weh. Aber Sony hat eben ein neues, deutlich neueres Glas auf den Markt gebracht. Und das merkt man.

Da diese Vergleichschieber hier im Blog zwar toll sind, aber natürlich nicht den heimischen Rechner ersetzen sollen, hier noch die beiden JPG Daten zum Vergleich.

DOWNLOAD: 2x Vergleichsaufnahmen JPG OutOfCam

FAZIT

Das Sony GM 24er ist ein Traumobjektiv. 1600€ ist ne Menge Holz. Ne menge Menge und zu viel für ein Nebenher-Spiel-Mal-Objektiv. „Haben ist besser als Brauchen“ ist eben nicht immer richtig. Wer allerdings die ein Tausend und sechs Hundert Scheinchen auf den Tresen wirft, der bekommt ein Objektiv vom Feinsten.

PS: Noch ein Wort zur Kamera

Ich hatte ja die Sony 7r2 mit dabei. Die mit den „alten“ Sony Akkus. Und daher hatte ich auch 12 Akkus eingepackt, weil ich nie wusste, wann ich wo im Hotel zum Laden kommen würde, ob überhaupt. Und gebraucht habe ich ohne Laden gerade mal einen vollen und einen halb vollen Akku. Für 4 Tage. Und ich habe mich wirklich nicht mal zurück gehalten mit dem Fotografieren. Sei es im Flieger oder in LA selbst. Ich finde so aus der Praxis heraus, sind viele Dinge oftmals gar nicht so, wie sie in manchen Tests anmuten. Gemeinsam mit dem 24er war es die richtige Entscheidung und das Fotografieren in LA hat richtig Spaß gemacht.

Kommentare (7)

7 thoughts on “Was taugst das Sony GM 24mm f1.4 – TEST

  1. Hi, ich bin bei mir immer noch am Überlegen wie man den Button am Objektiv belegt. Es haben halt nicht alle Objektive einen. @Martin wie machst du das denn?

  2. Das Canon ist ja schon etwas älter und nicht für diese Auflösung gerechnet. Ein Vergleich mit den Sigma Arts wäre mal interessant. Wie wäre es, mal vom 14mm – 105mm alles auf den Sony-Kameras durchzutesten.

    Ich nutze das 14er am Crop, weil ich den Blickwinkel der ca. 22mm am KB auch mag und das 35er.

  3. Danke für deinen Interessanten Test Martin. Ich hatte das Sigma 24mm E-Mount zum Vergleich hergezogen und sah da deutliche Unterschiede. Am ehesten was die Genauigkeit und Schnelligkeit des AF betrifft, hier war das GM deutlich besser. Ich denke es ist auch eine Alternative zu einem 35mm – Noch vielseitiger!

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