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Voigtländer Nokton 40mm F1.2

24. Juli 2018 | Technik

Was ist nur aus dem klassischen 50er geworden? Bei Tamron wird aus 50mm plötzlich 45mm und bei Voigtländer wird es direkt zu 40mm. Nikon fängt mit 58mm an und Sony mit 55mm. Fragt sich natürlich aber auch im Gegenzug, was an 50mm so besonders sein sollte, dass man immer nur 50mm haben muss? Ist es wirklich das Entsprechen des menschlichen Sehens oder steckt da mehr dahinter?

Offenblende-Unschärfe-Fetischist

Auf jeden Fall habe ich mir das 40mm Voigtländer von einem freundlichen Dresdner Fotokollegen ausgeliehen. Danke an dieser Stelle nach Dresden. Immerhin weiß besagter Fotograf auch, dass ich offenblendige Objektive liebe und es mir gar nicht offen genug sein kann. Das Mitakon 50mm 0.95 ist da nur ein Beispiel. Das Voigtländer wurde mir übergeben mit dem Kommentar, „sau geil“ und erwartungsgemäß war ich entsprechend euphorisch und enthusiastisch.

Was soll ich sagen?? Oft nehme ich in meinen Beiträgen hier auf dem Blog das Ergebnis schon früh vorweg. Und auch heute bleibe ich dieser Tradition treu. Das Voigtländer 40mm ist ein komisches Objektiv. Wenn das Objektiv in meinen Rucksack Einzug halten würde, dann nur weil es eine ganz komische Mischung aus Zutaten enthält.

Ich habe irgendwo zu diesem Objektiv gelesen, dass ein alter Spruch gut zur Linse passen würde. „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“. Das kann man positiv aber auch negativ werten. Ich jedenfalls wurde im Gesamten nicht warm mit der Linse.

Durchwachsene Linse

Warum? Das liegt eben an besagtem Ganzen. An der Kombination aller Elemente.

Ich habe kein Problem mit Vignettierung. Menschen zu fotografieren benötigt eben selten Schärfe bis in die Ränder. Geschweige denn wenn man sowieso mit einer Freistellung arbeitet. Auch CAs sind jetzt nicht so das Urproblem. Damit kann ich ebenfalls leben. Auch Schärfe ist nicht alles. Dafür gibt es andere Linsen und nicht gerade die offenen 1.2er Linsen. Man kann manche optischen Konstruktionen nicht machen, ohne dass man gewisse Nachteile akzeptiert. Wen dieses Thema weiter interessiert, der darf gerne in die Objektivstrecke rein schauen. Anders Uschold erklärt da fein säuberlich, was es mit derlei Konstruktionen auf sich hat. Kurzum, ich kann mit Nachteilen leben WENN dafür der Look und die Handhabung passt. Und genau daran scheitert es bei mir mit dem Voigtländer.

Weder komme ich gut mit dem Fokussieren klar, noch kann ich die Schärfe gut im digitalen Sucher der Sony beurteilen.

Für mich ist es die Übersetzung des Fokusrings und auch die Schärfe selbst, die das Arbeiten mit dem Voigtländer so unnatürlich macht. Ich kenne genug andere Linsen und weiß, dass es eben nicht so sein muss. Es geht auch anders. Ich habe so derbe mich auf das Fokussieren konzentrieren müssen und deutlich mehr Ausschuss gehabt als mit jeder anderen Linse die ich besitze. Und ich bin manuelles Fokussieren an der Sony mehr gewohnt als deren AF System.

Phänomenal am Objektiv ist die Verarbeitungsqualität und das haptische Feeling. Muss ich echt loben. Ist in der Klasse von Zeiss. Hut ab… es macht Spaß die Linse in der Hand zu haben und auch damit zu hantieren. Nur das Fotografieren selbst hat mir eben keinen Spaß damit gemacht. Oder ich bin einfach zu blöde für die Linse… wobei ich weiterhin ein Fan des Mitakon 50mm 0.95 bleibe.

Also in dieser Hinsicht ein vollkommenes Lob an Voigtländer. Da kann man echt nicht meckern! Absolut nicht!

Mitakon VS. Voigtländer

Das löst sich bei uns zwar schon in seine Bestandteile auf, klappert und ist sicherlich absolut dezentriert, aber immerhin kann ich damit einfach und gut umgehen und es fotografiert sich damit weniger kritisch.

Als Offenblende-Unschärfe-Junkie wie ich einer bin, bleiben also weiterhin zwei Möglichkeiten. Beide Möglichkeiten, das Mitakon und das Voigtländer, sind schweineteuer, haben keinerlei Fokus für das viele Geld, haben saftige optische Probleme. Das eine Objektiv ist deutlich geiler im Look (Mitakon) und lässt sich besser handhaben, löst sich dafür aber bei regem Gebrauch in seine Einzelteile auf. Das andere Objektiv (Voigtländer) ist doch „nur“ f1.2 und ist kaum ohne die 6,2x Vergrößerung zu fokussieren und zu nutzen. Das ist so wie die Wahl zwischen Pest und Cholera…

Ich würde jetzt nicht so weit gehen vor dem Objektiv zu warnen. Es ist ein schickes Ding und auch der Look hat es in sich. 40mm ist nicht ganz 50mm und die Freistellung von F1.2 ist gerade in diesem seichten Weitwinkel noch interessanter. Denn Weitwinkel und Freistellung vertragen sich eigentlich nicht. Trotzdem würde ich in er aktuellen Situation für mich das Mitakon bevorzugen. Man darf da eben nicht dran denken, dass es sich beim Fotografieren selbst zerlegt.

Auf jeden Fall habe ich ausgiebig mit dem Objektiv fotografieren können. Anbei einige Fotos, aufgenommen natürlich auf f1.2 und allesamt aus und mit verschiedenen Lichtsituationen. Mir ging es nämlich auch darum, zu sehen ob es an der Lichtsituation liegt, warum ich so Probleme mit dem Objektiv hatte. Schließlich ist das manuelle Fokussieren im Gegenlicht komplett anders als im Seitenlicht, was ja die Kontraste naturgemäß verstärkt und damit auch das Fokussieren sofort vereinfacht.

Was ist mit technischen Aspekten?

Wer es so weit geschafft hat zu lesen, der mag sich jetzt sicherlich fragen, was denn ein Objektiv-Test soll ohne wirkliche Angaben zu den optischen Leistungen. Und darauf möchte ich gerne nochmals eingehen. Ein F1.2 Objektiv ist einfach GROTTIG in allen optischen Fragen. PUNKT! Da gibt es nix zu rütteln. In Zeiten in denen selbst SIGMA oder ZEISS sagen, dass F1.4 die maximale sinnvolle Obergrenze bilden, bewegt man sich bei Objektiven jenseits dieser Grenze einfach auf ziemlich dünnen Eis. Auch hier verweise ich gerne wieder auf die Objektivreihe mit Anders Uschold. Man kann einfach die Physik nicht überlisten. Das geht nicht! Irgendwie sinnbildlich passend dass sogar die MakingOf Fotos des Objektivs in diesem Beitrag nur so von CAs strotzen :-)… nicht?

Das Voigtländer ist solide in der optischen Leistung. Das wäre meine Aussage wenn mich jemand fragt. SOLIDE! Und das kann für mich als Schwaben schon genug gelobt sein. Es ist schärfer als Mitakon aber deutlich hinter modernen Linsen wie das Otus, das 85mm GM oder auch das 55mm 1.8er.

Das Mitakon ist noch deutlich schlimmer als das Voigtländer aber auch die F1.2 Linsen von Canon beweisen alle einfach die selbe Aussage. Irgendwo hört es auf sinnvoll zu sein und da fängt optische Grausamkeit an. Aber all das ist gar nicht so relevant denn ein solches Objektiv kauft man sich gerade weil man derlei Fotos mag. Und ich muss zugeben, selbst als Schärfe-Fetischist, finde ich gerade das den Reiz dieser Linsen.

Auch entbehrt sich mir die Logik eine Linse abzublenden um sie „scharf“ zu machen nachdem man sich ja gerade die Linse wegen eines bestimmten Looks oder einer bestimmten Fähigkeit gekauft hat. Aussagen, dass die Linse ab F4 richtig geil scharf wäre, das bringt mir nix. Sowas kann ich auch beim Kit-Objektiv haben.

Und genau aus diesen Gründen geht es hier in diesem Test auch nicht um optische Leistung. F0.95 oder f1.2… das ist einfach grottig aber genau das macht ja auch diese gewisse Ästhetik in den Fotos aus.

Die nachfolgenden Fotos zeigen hoffentlich was genau mit diesem Look auch gemeint ist. Eine Mischung aus sanft und doch scharf, ein Verlauf in die Unschärfe der sehr eigen ist… Weichheit und Extremheit eben.


Alle Bilder übrigens ohne Retusche und Co…


Das bezaubernde Model war übrigens Alexandra aus Hamburg.


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Kommentare (4)

4 thoughts on “Voigtländer Nokton 40mm F1.2

  1. Hi Martin,
    ich hab die Linse seid ein paar Wochen als meine Freizeit Immerdrauf.
    Es gibt zu der Linse einen 130 Thread auf dem Fred Miranda Forum. Im Nahbereich ist sie jetzt nicht wirklich scharf bei 1.2, aber ab 1-1.5m ist sie schon ziemlich scharf(für Offenblende). Ich hab als „Arbeitsobjektiv“ das 35mm Art, also ich weiß schon was scharf ist. Die lila Farbsäume sind brutal, aber grottig ist schon ganz schön hart ausgedrückt. Find sie eigentlich ziemlich geil(auf 24Mpx). Ok du bist Fotograf.
    Sie ist halt Alternativlos als kompaktes lichtstarkes Weitwinkel im e-mount. Im Vergleich zu ausgewählten „scharfen“ manuellen Minoltas oder Takumare ist sie schon extrem scharf, sehr gut zu fokussieren und hat einen modernen Look.
    Das war bloß meine Hobbymeinung.
    Danke für die Objektivreihe, den Blog und den ganzen Rest. Hoffentlich schaff ichs mal auf einen Workshop von Euch. Mit Nokton 🙂

  2. Hallo Martin,
    Ich finde es toll, dass du dich auch mal mit Linsen auseinander setzt, die nicht zum Mainstream gehören. Gerade zu Canon, Nikon, Sony, Sigma und Tamron findet man ja sehr viele Beiträge auf Foren, Zeitschriften, Blogs und auf Youtube.

    Auf den ersten Blick ist mir an den Fotografien gar nichts negatives aufgefallen. Wenn man sie jedoch öffnet und sie ein klein wenig größer Betrachtet, geht es schon los.
    Ich finde, anhand der Beispielbilder, dass es ganz gut für Portraits geeignet ist. Vor allem, wenn man einen gewissen Retro Look erzeugen möchte. Deshalb gefallen mir die Schwarzweiß Aufnahmen auch besonders gut. Für die farbigen Bilder und um Ca‘s zu vermeiden, würde ich wohl zu einer anderen Linse greifen.
    Schade nur, dass es so teuer ist. Aber Voigtländer ist ja auch nicht gerade ein Unbekannter Hersteller aus Fernost. Und das „perfekte“ Objektiv existiert ohnehin nicht.

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