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SIGMA DP2 QUATTRO // EINE KAMERA AUS EINEM ANDEREN UNIVERSUM

5. August 2014 | Technik

Wie ihr sicherlich wisst sind wir jederzeit und allzeit heiß auf neue Kameras und Objektive. Was die Forscher aus ihren Laboren entwickeln, das gucken wir uns gerne doch genauer an. Und umso spannender ist dies dann, wenn ein Hersteller einfach mal einige Regeln bricht.

Bei Sigma kommt noch eine besondere Beziehung mit ins Spiel. Nachdem meine erste Kamera eine Sigma SD9 war habe ich zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits hat Sigma damals meine erste Kamera gemacht, andererseits hat es schon einen Grund, warum Sigma hauptsächlich Objektive baut und die Kameras eher eine Nebengeschäft sind.

Aber das hindert einen ja nicht daran, einfach mal zu gucken was da Neues aus dem Ei geschlüpft ist und ob sich das eine Herz dem anderen anschließen darf. Immerhin war Sigma seit dem Foveon-Sensor bekannt dafür, sich nicht immer an die strikten Regeln von „allen anderen“ zu halten und hat gerade bei den Kameras immer versucht eine eigene Individualität zu entwickeln.

Gerade dies ist Sigma mit der neuen Kamera augenscheinlich gelungen. Die DP2 ist ein Hingucker. Wobei Geschmack in Punkto Design immer nach hinten und nach vorne los gehen kann. Das haben schon sämtliche Autohersteller erfahren müssen, warum nicht dann auch Kamerahersteller. Während der eine die DP2 als Kunstobjekt lieben wird, hält der andere Fotograf die Kamera für ein schlecht gemachtes Handy oder einen Telefonhörer.

Wir denken, dass die Kamera von Sigma gerade auch über das Aussehen einfach ihre Andersheit demonstrieren möchte. Natürlich wäre es eine Leichtigkeit für Sigma gewesen die Kamera in ein herkömmliches Gehäuse zu stecken. Aber schließlich soll die Kamera intern ja nicht herkömmlich sein, dann darf die Kamera eben auch anders aussehen.
Die Kamera sieht von oben aus wie ein Knochen aus dem menschlichen Körper und ist keine Systemkamera. Das Objektiv ist also nicht wechselbar. Man kann die Kamera in 3 Objektiv-Versionen kaufen und muss sich dabei von Beginn an schon vor dem Kauf auf einen gewissen Stil und Bildllook festlegen.

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Für manche stellt sicherlich dies eine Beschränktheit dar, für uns ist es eine andere Art der Fotografie. Wenn selbst der Kauf schon über die Bildsprache mitentscheidet. Denn Sigma möchte mit der DP2 nicht nur eine neue, bessere Kamera verkaufen sondern schreibt sich damit auch etwas auf die Fahne, eine andere Art der Fotografie zu verbreiten. Und tatsächlich, nach dem ersten Schockzustand beim Anfassen der neuartig aussehenden Kamera passierte es auch bei uns, dass wir anders mit der Kamera umgingen. Wir haben weniger schnell fotografiert, uns mehr Zeit gelassen. Das mag jetzt komisch klingen aber die Kamera fasst sich anders an und dadurch fotografiert man anders mit der Kamera.

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Kommen wir an dieser Stelle doch einfach mal zu einigen Erfahrungswerten mit der DP2.

  • Fokus
    Der Fokus der Kamera ist NICHT mit aktuellen DSLR zu vergleichen. Die Kamera ist eher für stationär arbeitende Fotografen sinnvoll. Der Fokus braucht definitiv kein sich bewegendes sondern eher ein stehendes Motiv. Aber das nächste Action-Fotoshooting auf dem Bolzplatz wollten wir jetzt sowieso nicht mit der DP2 machen.
  • Akku
    Ein für Sigma kritisches Thema ist der Akku. Die Frage war also ob man ohne ein Kernkraftwerk um die Ecke die Kamera wirklich auch nutzen kann. Und die Antwort ist ja. Sigma bekommt jetzt keinen Öko-Preis für 5 Millionen Bilder aus nur einer Akkuladung aber endlich ist die Kamera sparsam genug (und der Akku anscheinend groß genug) um damit auch ordentlich zu fotografieren. Den Bildschirm ohne Sinn und Verstand an zu lassen ist trotzdem keine gute Idee.
  • Geschwindigkeit
    Absolut in Ordnung!
  • Bediendung & Kameradisplay
    Die Bedienungsfrage geht vorteilhaft für die DP2 aus. Grund dafür ist die Einfachheit der Kamera. Bei so rudimentären Elementen kann man kaum Müll mit der Bedienung bauen! Wobei, können geht schon aber es ist auf jeden Fall sehr schwer. Das Kameradisplay verdient ein Upgrade! Das ist nicht mehr 2014 sondern eher 2010. Heute darf es bitte ein OLED-Display mit deutlich höherer Auflösung sein.
  • Bildschärfe
    Abgefahren!!!! Wirklich, was aus einer so kleinen Kamera heraus kommen kann, das steckt mitunter aktuelle Fuji und Olympus-Modelle in den Schatten und ich wage zu sagen, dass bei der gewählten Brennweite schon eine sehr gute, sehr teure und mit einem ebenfalls teuren Objektiv ausgestattet DSLR her kommen muss, um überhaupt in den Bereich der DP2 zu kommen.
  • Dynamik inkl. Farbdynamik
    Für uns ist bei einer Kamera besonders die Dynamik und die Farbklarheit wichtig. Tonwertabrisse und Lichtkanten z.B. bei hellen Wolken sind ein Graus! Das darf 2014 nicht mehr sein. Und erstaunlicherweise liefert der Foveon-Sensor wirklich gute Werte ab. Wir haben es natürlich trotzdem irgendwie geschafft nachträglich das Bild zum Kippen zu bekommen, mussten dafür die Regler in der PostPro schon mehr als nur ein bisschen quälen.#
  • Detailreichtumg
    Der Hauptgrund für die Kamera dürfte aber absolut der Detailreichtum der Aufnahmen sein. Und damit ist jetzt nicht die Schärfe gemeint sondern wirklich die DETAILS! Wir sprechen dabei von Texturen und leichten Helligkeitskontrasten. Bilder aus der DP2 sehen besonders knackig und texturiert aus. Wir kennen derlei Looks nur von der D800E oder der PhaseOne.

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FAZIT: Die Kamera ist anders und ist für die gedacht, die auch anders ein wollen und auch anders fotografieren können. Es ist keine Point-And-Shoot Kamera sondern gemacht für gezielte, ausgewählte Fotografien. Die Kamera ist optisch auf einem extrem hohen Niveau aber man muss eben wissen auf was man sich dabei festlegt. Wer diese Art von Fotografie zelebrieren kann, der wird sicherlich viel Spaß haben. Eine Alltagskamera für Berufsfotografen ist die DP2 sicherlich nicht. Die müssten sich sicherlich viel zu viele Fragen nach dem komisch aussehenden Ding anhören 🙂

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Kommentare (7)

7 thoughts on “SIGMA DP2 QUATTRO // EINE KAMERA AUS EINEM ANDEREN UNIVERSUM

  1. Hallo Martin!

    Du schreibst: „Bilder aus der DP2 sehen besonders knackig und texturiert aus. Wir kennen derlei Looks nur von der D800E oder der PhaseOne …“. Sag, wie schaut es denn an den Rändern aus?

    Danke & Gruss Piro

  2. Oooch, ein paar Beispielbilder wären aber schön gewesen..
    Ja dass Sigma Kameras was besonderes sind für besondere Menschen mit besonderen Ansprüchen ist ja nicht unbekannt. Sehr schön geschriebener Artikel. Ich würd das Ding gern mal in den Händen halten, bin gespannt.
    Die anderen Merrills sind in Sachen Schärfe und Auflösung ja schon der Hammer, ist die Quattro nochmal besser?
    Auch an den Rändern?
    Freu mich schon auf Bilder!

  3. Hallo ihr habt einen schrecklichen Schreibfehler es muß heißen ist eine Systemkamera, nicht kene Systemkamera…das ist schon wichtig….wennman weiterliest ist klar….aber wer will solche feelär?

  4. Habe die Digital Entwicklung von der Ersten (sehr teueren) Stunde begleitet, zuvor habe ich analog fotografiert und entwickelt in sw und Farbe. Ich hatte mich schnell von der digitalen Welt verabschiedet, was da geboten wurde und auch noch geboten wird, spricht mich ästhethisch nicht an. Bis ich zu Sigma kam mit der SD 9 ein paar Bilder machte und ich das erste mal das Gefühl hatte, daß die Bilder lebten…wohlgemerkt als Bild unabhängig vom Motiv. Natürlich hat die Kamera, wie alle, Fehler. Es wird viel gemessen und es werden Standards entwickelt. Mein Eindruck ist, daß die Standards und Messverfahren nach den Möglichkeiten der Bayer Sensoren gemacht worden sind. Sie sollten aber nach dem Menschen gemacht werden, nämlich den technischen Möglichkeiten unserer Augen und unserer Wahrnehmung, also der Leistung des Gehirns. Es werden also Standards geschaffen die als wichtig und das entscheidende Niveau propagiert sind und eine den Herstellern genehme Realität schaffen. Es ist im Detail zu erkennen, aber auch an ganz offensichtlichen Dingen, wenn man mt seiner Technologie dem Wachstunsgedanken nicht mehr folgen kann. Dann werden Redundanzien als Verkaufsargument bemüht. Mein Eindruck bei Sigma ist, daß sie diesen Weg nicht mitgehen. Auch diese Technik hat Fehler, aber vielleicht ist sie unserer „menschlichen Fehlerhaftigkeit“ kongruenter als die plakativ-schönflächige Bayer-Sicht, entwickelt mit immer wieder verwendeten Standard -Algorithmen, entwickelt aus einem Standard Geschmack und einem Standard-Menschenmodell? Ich kann keinen Fehler darin erklennen, daß eine Fotokamera nicht filmt, ich kann keine Unzumutbarkeit darin erkennen, einen 2. Akku mitzuführen, der sage und schreibe 27 Gramm (!!) wiegt. Ich finde es nicht einmal erwähnenswert. Mir hilft sogar, kleine Akkus mitzuführen, denn ich habe dann einen viel besseren Überblick über verbleibende Kapazitäten. Ich mach sehr gern tagelange Radtouren und habe manchmal, aber eher selten einen Zweitakku benötigt. Die Bilder schau ich mir dann auf dem Tablet (dell Venue8″ =180 €) an, das kalibiriert ist, an der Kamera selbst nur die Schärfe, wollte aber auch nie was anderes damit beurteilen. Mit einem einzigen Akku kann jeder eingigermassen versierte Fotogaf eine Menge Bilder schiessen, und an andere wendet sich die Kamera vielleicht erst mal auch nicht. Fürs Studio gibt es einen total günstiges Netztteil. Mein Bruder ist kein versierter Fotograf, eher absoluter Laie, aber er liebt seine alte DP1, wegen ihrer analogen Bildsprache und weil sie auch noch klein ist. Ich bin ein großer Fan der DP1 und DP3 Merrill, mit denen es wirklich schwer ist, schlechte Bilder zu machen. Die Quattro interessier mich auch, ich habe diese Brennweite ja noch nicht. Mal schauen, wie die Entwicklung auf dem Girokonto sind…..

  5. Ich habe die Kamera nun ausprobiert, ich stimme dem oben Geschriebenen in weiten Bereichen nicht zu. Von hinten angefangen, einem Berufsfotograf ist es egal was die Leute sagen, solange sie seine Bilder kaufen. Das tun sie aber besonders gern, wenn der Fotograf auch ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt hat. Viel wichtiger, als jeder neuen Technologie die nicht direkt die Bildqualität betrifft nachzurennen ist, sein Gefühl für das Bild und den Raum einzusetzen. Das Display ist absolut in der Lage die Information zu bringen, welche für die schon besprochene Bildqualität von nöten sind. Hier zählt vor allem Farbechtheit und die Möglichkeit die Schärfe und Bildaufbau klar und schnell bewerten zu können. Ich benötige beim Fotografieren einen anderen Blick, als zu hause für Fußballstunden vor dem HD Fernseher. Überhaupt ist die Kamera ja ein Fotoapparat und nichts anderes will sie sein. Das Display stellt überhaupt keine Schmälerung dar! Meine einwöchige Testphase habe ich überhaupt nicht stationär gemacht, sondern bin herummarschiert, die Kamera startet schnell und scharfe Bilder waren trotz des aussergewöhnlichen Designs als Streetfotografie problemlos möglich. Ich konnte eben mal schnell unbemerkt Leute und Gruppen aufnehmen, UNd zwar bei sehr mässigem Licht. Die Kamera ist zwar groß doch eigentlich sehr leicht und nicht wirklich auffällig, wenn man sie nciht dauernd selbst zwanghaft von allen Seiten beguckt. Die Bedienung ist einfach. Neu bei dieser Sigma ist die Möglichkeit, die Voreinstellungen für die Lichtsituationen, also wolken , Auto etc. selbst neu zu kalibrieren, das ist einer Änderung in der neuen Firmware zu verdanken (1.03). Geht ganz leicht, super komfortabel und ist eine echte Bereicherung und eine echt professionelle Neuerung, da sie eine wirklich Effektivisierung des Arbeitsablaufes darstellen kann (im Gegensatz zu einem Oled Gimmick, oder anderen Menü-Müll). Damit komme ich auch zur Bewertung, ob die Kmaera eine Pro Option ist. Ich bin der Meinung das das unbedingt bejaht werden muß! Das Design ist nämlcih nicht dem Wunsch entsprungen, besonders sein zu wollen, sondern wird dem Bedürfnis gerecht, möglichst verwackelungsfrei arbeiten zu können und als HAuptgrund dürfte der Lichtschacht zu sehen sein, den Sigma extra für professionelles Arbeiten als Option anbietet. Damit verfügt die Kamera auf der Hinteren Seite über eine professionellen optischen Aufsatz der die Beurteilungmöglichkeit der Bilder auf einem LCD Display wohl auf eine neues Niveau hebt. Da Sigma gute Optiken baut, dürfte dieser Lichtschacht wohl auch von hoher Qualität sein. Bedauerlicherweise gibts den noch nicht, so konnte ich ihn nicht ausprobieren. Mit diesem Zubehör ist diese Kamera in der Lage dem Fotografen ein Instrument zu geben, das in allen relevanten Belangen professionelle Ansprüche befriedigt und darüber hinaus weiterhin Flexibilität gewährleistet. Was die Bildqualität betrifft, die Abbildungsleistung erfüllt alle Kriterien der Oberliga und stellt im Gegensatz zu anderen Herstellern ein Alleinstellungsmerkmal betreffend der Bild-und Pixelästhetik zur Verfügung. Auf grund des niedrigen Preises der Kamera, glaube ich nicht,daß ein Profi Fotograf in seinem Port-Folio auf diese Kamera verzichten kann. Schonmal eine Einarbeitung nicht nötig ist.

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