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Panasonic Lumix Leica 10-25mm f1.7 Objektiv, MFT ist nicht tot… die verrückte Linse im Praxistest

18. Juni 2019 | Technik

#TRANSPARENZ
Es handelt sich um ein Presse-Objektiv. Und ja, als MFT Urgestein haben wir das Objektiv ausgiebig testen dürfen. Das Objektiv ist ein Leihobjektiv und geht wieder zurück in den Presse-Pool von Panasonic.

MicroFourThirds – Format mit Streitpotential

MFT ist für viele Fotografen immer noch ein Einstiegsding. Vollformat, das ist wo richtige Fotografie beginnt. Ok, die Amateure dürfen auch mit ihren APS-C Kameras semi-mitreden aber naja, ist halt doch nix Richtiges.

Dass die Wahrheit nicht ganz so einfach ist, das sollte man im Jahr 2019 verstanden haben. MicroFourThird, das Format von Olympus und Panasonic hat schon viele Streitigkeiten ausgelöst und so richtig haben nur wenige auserwählte Fotografen das volle Potential dieser Sensorgröße erkannt.

Ohne jetzt noch Öl ins Feuer zu gießen und möglichst neutral bleibend, geht es heute um ein Objektiv der Extraklasse. Sowohl was die Technik, aber vor allem was auch den Preis angeht.

Ein MFT Objektiv, was irgendwie nicht ganz ins Schema passen möchte. Aber ein Objektiv, womit sicherlich die Firma Panasonic zeigen möchte (und muss), dass mit der Einführung einer Vollformatkamera S1 und S1R ihr langjähriges Baby nicht auf das Abstellgleis gestellt wird. Sozusagen eine technische Visitenkarte oder das Revier-Ecken-Pinkel in Objektivform. Lumix hat Großes vor und mit diesem Objektiv möchte man, sicherlich wie beim „schärfsten 50er aller Zeiten„, zeigen wie gut man ist und was die Techniker können.

Tatsache, es wurde ein Leica DG Vario-Summilux 10-25mm f1.7. Umgerechnet auf Vollformat bedeutet das, ein 20-50mm T1.7 und F3.4 (nicht steinigen, so grob passt das!). Also ein 20-50mm Objektiv was so viel Licht rein lässt wie ein F1.7er auf Kleinbild, aber den Unschärfe-Look eines 3.4er gibt.

Und ja, es ist ein reichlich perverses Objektiv. MFT, wir erinnern uns, klein handlich und kompakt. Schauen wir auf das Bild unten, dann sehen wir im direkten Vergleich Sony GMaster Vollformat Objektive mit f2.8. Und hey, wer hätte das Gedacht. Das MFT Objektiv könnte sich unter den KB Objektiven recht gut verstecken.

Preislich liegt das 10-25mm bei 2000€. 1999€ sicherlich, aber der 1 € macht auch kein Unterscheid. Und dann steht auch wenigstens die 2 vorne.

Leica DG Vario-Summilux 10-25mm F/1.7

Also Butter bei däää Fischääää… wie gut ist das Objektiv und lohnt es sich vielleicht doch seine Leber oder seine zweite Niere zu verkaufen um sich das feine Gläschen leisten zu können? Das alles gibt es ausführlich im Video beantwortet.

Und ja, der Preis tut weh… so richtig. Warum wäre das nicht für nen Tausender gegangen? Warum?

Und ganz am Ende des Beitrages gibt es noch für die Videografen hier. Nämlich der direkte Vergleich zum 18-35er Art von Sigma* der über einen Metabones Speedbooster*  an der GH5* ja grob die gleiche Brennweite abdeckt. (Blogbeitrag zum Speedbooster für Canon Objektive gibt es auch!)

Jetzt aber erstmal los mit dem Video.

Das Video des Panasonic Leica 10-25mm  Praxistests

Die Ergebnisse des Mini Foto-Ausflugs

Ich muss ehrlich gestehen, die Kombo aus 10-25er und G9 haut mich wirklich um. Ich bin baff wie cool der Look und wie einfach es war die Fotos zu fotografieren. Man hat wirklich zwei Brennweiten in einem Objektiv. Und ich meine mit zwei Brennweiten die zwei sehr getrennten Bereiche. Eigentlich ein Landschafts- und ein Portraitobjektiv in Personalunion.


Danke an Hülya für die Zeit und die Nerven mit mir und einer „neuen“ Linse fotografieren zu gehen. Muss komisch sein für ein Model, wenn der Fotograf mehr Augen für das Objektiv als für die Person hat. 🙂

Das Lumix Leica DG Vario-Summilux 10-25mm f1.7 im Detail

An dieser Stelle wollen wir nochmals die Ergebnisse aus dem Video vergleichen. Unretuschierte Fotos im 1:1 Vergleich. Bitte allerdings im Hinterkopf behalten, dass hier auf einer responsiven Webseite Größenänderungen stattfinden. Und zwar durch den jeweiligen Webbrowser. Also 1:1 Pixeldarstellung erreicht man lediglich in der größten Ansicht.

Look

Das erstaunliche am 10-25er ist der Look am langen Ende. Hier wurde gegenüber dem Sigma 30mm f1.4 verglichen. Und zwar nicht beide auf f1.7 sondern das Sigma und das Leica, beide so offen wie möglich. Erstaunlich dass ein Zoom mit der Festbrennweite mithalten kann.

Das ist sowieso das Besondere an der Linse. Es ist eigentlich eine zoombare Festbrennweite. Jedenfalls für MFT Kameras.

Die Detailschärfe gegenüber einer Festbrennweite

Zum Schärfevergleich muss man nicht viel sagen. Das Lumix lässt das Sigma alt aussehen. Und das, obwohl das Sigma 30mm Art* dem Lumix Leica 25mm f1.4 um Welten überlegen ist. Wer das nicht glaub und wer wissen möchte, warum wir das Sigma und nicht das 25er Lumix hier an dieser Stelle verglichen haben, der muss einfach unseren direkten Test beider Festbrennweiten lesen > SIGMA 30MM f1.4 für MFT das bessere 25MM? TEST/REVIEW!

Wir haben übrigens verschiedene Aufnahmen gemacht. Wir dachten immer an einen Fehler beim Fotografieren. Der Unterschied der Schärfe kam uns schon vor Ort viel zu krass vor und unser erster Gedanke war, dass wir uns ständig verfokussieren würden. Oder dass das Sigma auf den Boden gefallen sei und dezentriert wäre… aber nein… das 10-25mm ist einfach nur unfassbar scharf.

 

ACHTUNG: Das ist fast eine 3:1 Vergrößerung. Das ist keine 1:1 Ansicht. Die 16MP der Lumix sind keine 47MP einer D850.

Die Freistellung

Die Freistellung bei 25mm f1.7 ist natürlich der 30mm f1.4 deutlich unterlegen. Sichtbare Abstriche muss man dabei machen und das ist natürlich für einen sowieso schon Freistellungs-Unterversorgten MFTler bitter.

Von Weitwinkel bis Normalbrennweite

Das ist der Hauptknackpunkt und zum ersten Mal würde ich sogar behaupten, dass es ein Objektiv für MFT gibt, was den Namen IMMERDRAUF wirklich verdient. 24mm finde ich z.B. in vielen Situationen schon nicht mehr genug. Ich habe mir auf KB z,B. das 20mm Sigma Art f1.4 geholt und bevorzuge die 4mm gegenüber den 24mm doch sehr.

Das 10-25mm hat einfach so unfassbar Potential. Die Brennweite ist nicht ein Look, es ist ein aufziehender Weitwinkel und es ist ein sehr neutrales Normalobjektiv. Beides, in einer Linse. Genau das, was man in 80% der Fälle als „Nicht-600mm-Tierfotograf“ braucht.

Martins LikeMost – Flares

Was mir besonders aufgefallen ist, ist die Klasse der Flares. Ich liebe Gegenlicht. Aber ich liebe auch Schärfe. Ein gutes Objektiv kann Beides. Etwas, was eigentlich nicht funktioniert. Meistens bekommt man als Fotograf nur ENTWEDER-ODER in dieser Frage. Aber da muss ich einfach loben. SAU GEIL!

Martins Don’t Do Tipp

Eine Sache die mir allerdings sehr negativ aufgefallen ist und die sicherlich zu vielen traurigen Fotografierten führen wird, ist die Tatsache, dass man mit dem 10-25mm zu einfach ein Bild versauen kann. Der Weitwinkel ist bei Menschen tödlich. Eierkopf-tödlich. Und die Drehung am Objektiv ist einfach zu einfach und zu schnell passiert. Da will man mehr Hintergrund drauf, dreht, macht Foto und schon ist das Alien vor der Kamera perfekt. Riesen Kopf, winziger Körper.

Das ist sau gefährlich und man hat es beim Fotografieren kaum unter Kontrolle. Ich jedenfalls bin etliche Male in die Falle getappst.

Die Video-Todes-Kombo Speedbooster + Sigma Art

Man nehme ein Canon 18-35er Art von Sigma* dazu packe man einen Metabones Speedbooster*  und schraube das Ganze an eine GH5* und fertig ist die Todes-Video Kombo. Lichtstärke bei f1.1 und dazu ein ordentlicher Zoombereich von um die 23mm bis 45mm (18mm MAL 2 (MFT) MAL 0,64 ergibt 23mm).

Das Ganze kostet dann zwar knapp 800€ für das Objektiv und zusätzlich knapp 800€ für den Adapter, aber der Look und das Handling ist einfach Bombe.
Jedenfalls WENN man auf den Focus verzichten kann. Unser Sigma hat schon so einige Länder, viele Stürme und noch mehr Nächte erlebt und macht einen tollen Job. Autofokus nutzen wir aber NIE! Und mit NIE meine ich in diesem Fall auch NIE.

Das 10-25er könnte die Arbeit schon vereinfachen. Vor allem weil es weiter und länger ist aber die Blende eben nicht ganz so weit auf geht. Das Sigma mit Booster geht durchgängig auf f1.1 oder f1.2, je nach Fokusstellung. Das LeicaLumix eben „nur“ bis f1.7. Aber wer arbeitet schon im Videobereich soooo offenblendig? Außer eben wir!!!! 🙂

Schauen wir uns mal ein paar Fotos aus dem Fenster an. Dann kann man deutlich erkennen, wie beide Objektive zueinander stehen. Ohne jetzt irgendwelche Punkte von 1-100 zu verteilen, man sieht den Unterschied sofort. Das Leica wird auf den nachfolgenden Fotos immer bei f1.7 fotografiert, das Sigma ist abgeblendet ebenfalls auf f1.7.

Der erste Vergleich zeigt das lange Ende beider Objektive. Also 45 gegen 50mm.

Man kann die 5mm kaum erkennen. Ja, etwas näher ran, aber kaum merklich.

Interessanter wird es im Weitwinkel. Da machen die 23mm gegen die 20mm des Lumix schon was aus.

Und auch hier, zeigt sich der große Unterschied der nativen 2000€ Linse gegen die 1600€ Adapterlösung. Der Rand ist deutlich und zwar so richtig deutlich verzogen, schwammig und matschig.

In der mittigen Schärfe liegen beide Objektive viel näher beisammen. Da würde ich dem Lumix aber trotzdem den ersten Platz zuteilen, obgleich schon auffällig ist, wie körnig die Häuserwand ist. Vielleicht findet da doch etwas Schärfe-Optimierung in der Kamera statt.
Bei dem unten stehenden Vergleich sollte man bedenken, dass es sich um einen 250% Crop handelt. Also nicht 1:1 Pixel sondern fast 3fach vergrößert. Es ist wirklich nur ein winziger Teil der Weitwinkelaufnahme die wir oben gesehen haben.

Bleibt also zu sagen, dass das Lumix das Sigma-Speedbooster gespannt defacto ersetzt. Und zwar schärfer, mit weniger Ritzen und Adapterwackeln und leichter ist es auch noch. Die Blende Unterschied merkt man zwar, aber auch nur, wenn man wirklich so verrückt ist und bei f1.2 filmt. Ansonsten gibt es für 400€ Mehrpreis das deutlich bessere Videoobjektiv.

FAZIT

Wirklich ein Kracher. Ein Objektiv mit Potential. Potential zu einem finanziellen Bankrott zu kommen, das Konto zu malträtieren und einen Ehestreit auszulösen… aber eben auch Potential DAS OBJEKTIV schlechthin für MFT zu sein. Und ich sage das nicht einfach so. Ich bin schwer beeindruckt. Und das ist meine ehrliche Meinung.

Ich finde es toll wenn sich der Objektivbau verändert. Die letzten Jahre haben sich alle Firmen darauf konzentriert Mark 1, Mark 2 und Mark 3 eines bescheuerten 24-70 f2.8 zu machen. Jetzt wird die Energie langsam immer mehr in besondere Objektive gesteckt. Sei es jetzt das Sigma 18-35mm, das Tamron 35-150 oder jetzt so ein MFT Objektiv von Lumix. Wow… HUT AB!


*es handelt sich um Amazon Affiliate Partner Links. Das bedeutet, wir bekommen Miniprovisionen wenn jemand was kauft, das Produkt wird aber nicht teurer dadurch.

Kommentare (5)

5 thoughts on “Panasonic Lumix Leica 10-25mm f1.7 Objektiv, MFT ist nicht tot… die verrückte Linse im Praxistest

  1. Vielen Dank für den Test! Wirklich interessant. Für meinen Geschmack sehen die Bilder aber zu scharf aus. Ich will nicht auf dem „Analog“-Look rumreiten, doch gerade bei den Ganzkörperaufnahmen, sieht das Bild aus, wie 2 Ebenen in Photoshop zusammengesetzt – und die vordere Ebene wurde dabei nochmals geschärft. Die Linse ist bestimmt nen tolles Werkzeug für jeden, der das Geld auf den Tisch legt, doch ich finde, dass die Schärfe zu aggressiv rüberkommt. An alle Leser: Ich habe hier meine Meinung mitgeteilt, niemand muss sich angesprochen fühlen.

  2. Interessanter Beitrag. 20-50 ist ein schöner Bereich. Würde ich direkt in die Alpen mitnehmen wenns nicht so teuer wäre 🙂
    Kleine Korrektur: das Sigma ist nicht aus der Art Serie oder zumindest der Link geht auf ein contemporary.

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