12.11.2015    31

ÜBERBELICHTUNGS-WARNUNG! DER BREMSKLOTZ AM SIEGESZUG DER FOTOGRAFIE!

12. November 2015 | Lichtführung und setzung

Der heutige Beitrag liegt mir besonders am Herzen. Auch wenn jetzt gerade schon wieder fast ein neuer Tag anbricht und ich definitiv eine Mütze voll Schlaf brauche. Aber so ist das eben als Fotograf und ich kann mich noch kaum an den letzten Tag erinnern, an dem die Arbeitszeiten anders waren. 🙂 Also haue ich einfach in die Tasten und schreibe mir meine ernst gemeinten Worte von der Seele.

Sicherlich wird der eine oder andere Fotograf diesen Beitrag wieder als Humbug abtun. Man muss eben auch zwischen den Zeilen lesen. Ich sage weder, dass es für das Histogramm nie einen Einsatz gibt, ich sage auch nicht, dass man damit keine guten Fotos machen kann. Es gibt ja genügend Fotografen die darauf schwören und tolle Fotos aus der Kamera zaubern. Ich versuche meine Meinung mit stichhaltigen Gründen zu hinterlegen. Und wer dem nicht folgen kann, dem möchte ich auch nie zu nahe treten und der darf natürlich all das machen was er machen möchte!

Es geht mal wieder um das Thema Belichtung und insbesondere um das Histogramm bzw. die Belichtungswarnungen am Display der Kamera.

Hätte mir jemand diesen Beitrag vor einigen Jahren zu lesen gegeben, wäre ich selber wahrscheinlich viel früher auf eine andere Denkweise und nach meinem heutigen Kenntnisstand auch auf bessere Fotos gekommen.

Vom falschen Streben vieler Techniknerds

Im Grunde genommen streben wir alle nach Sicherheit und nach einer Situation, in der wir wissen, das Richtige gemacht zu haben. Im gesamten Leben, als auch in der Fotografie gilt dieser unentwegliche Drang nach Richtig oder Falsch. Problematisch ist dies aber in einem Metier, in dem RICHTIG oder FALSCH subjektiv sind und nicht wie in der Mathematik einer überprüfbaren Formel folgen.

Das Kopfproblem

Da kommt es natürlich gelegen, dass mit der digitalen Fotografie auch das Richtig oder Falsch wieder greifbar wurde. Sensoren sehen in Nullen und Einsen und das liegt ja sehr nah an einer objektiven Entscheidung. Was früher völlig in Ordnung war, nämlich ein Foto zu machen und einfach ob des Gefallens zu entscheiden, wird heute viel mehr das Histogramm nach der Richtigkeit eines Fotos befragt, denn das muss es ja wissen… meint man.

Jetzt kann ich an dieser Stelle nicht das Denken der fotografierenden Menschheit von Grund auf ändern, aber ich kann doch einfach mal objektive Fakten ins Rennen werfen. Und das Grundproblem bleibt dieser gerade beschriebene Drang weg von Geschmack hin dazu, dass die Kamera, der Belichtungsmesser oder ein Forum in Internet über die Qualität eines Bildes entscheidet. Diese Dinge scheinen mehr Gewicht zu haben als die eigene Meinung. Diese wird scheinbar immer öfter immer konsequenter ignoriert.

Ein wirkliches Unding ist für mich das gesamte Histogramm bzw. vielmehr die Belichtungswarnung der Kamera. Sicherlich gibt es beschränkte Einsätze und auch ich kenne zwei drei Sonderfälle, in denen das Histogramm sinnvoll ist. Ich bleibe aber dabei: das Histogramm mitsamt der nervig blinkenden Warnung wird landläufig einfach nur falsch genutzt und ist einer der Hauptgründe für viele furchtbar langweilige Fotos.

Warnung ≠ Verbot

Im Kern meiner Aussage steckt ein falsches Denken. Eine „Warnung“ wird nämlich nicht als „Warnung“ genommen sondern als Verbot. Macht doch einfach mal den Versuch und googelt nach Überbelichtungswarnung und es werden reihenweise falsche Weisheiten verzapft. Von „Keine Zeichnung“ ist dann die Rede. Von „Darf nicht ausfressen und nicht absaufen“ oder auch, dass das Histogramm nie links und rechts anstoßen darf.

So wird landläufig ein falsches Wissen in den Kopf aller Fotografen gepflanzt. Vorschläge verdichten sich zu Richtlinien und Richtlinien werden zu Regeln und Regel werden zu Verboten:

  • Niemals links und rechts anecken!
  • Niemals blinken, weil das dann ausfrisst!
  • Niemals weiß fotografieren – keine Zeichnung mehr!
  • Niemals niemals niemals!!!

Der Sinn der eigentlichen Warnfunktion wird völlig durch den Sinn-Fleischwolf gedreht. Das darf nicht sein!

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Daher brauchen wir schnellstmöglich ein radikales Umdenken! Und zwar quer durch alle Bücher, Tutorials und Workshops. Von den Schulen und Unis spreche ich besser nicht. Denen sowas abzugewöhnen wird wahrscheinlich länger dauern als es gebraucht hat, dort die digitale Fotografie einzuführen.

Ich habe an all meinen Kameras die Warnung ausgeschaltet. Vielmehr habe ich sogar ALLE anderen Warnungen deaktiviert. Genauso wie ich an allen Canon-Kameras immer jedwede Einstellungen über dem Bild ausblenden lasse. Für mich zählt nur noch das Bild und der Gesamtlook. Ich hätte viel mehr Zeit darin investieren sollen, meine Kamera kennen zu lernen als dem Histogramm wie ein dummer Hund hinterher zu hecheln.

Ich hab da mal ein persönliches Beispiel in Bezug auf das Arbeiten mit „ungefähren Maschinen“. Oft wird mir nämlich vorgeworfen, dass das Display-Bild niemals richtig verlässlich sein könne. Nun, dazu eine kleine Geschichte: meine Oma hatte früher lange Zeit einen defekten Backofen. Der heizte nie so, wie auf dem Drehrad eingestellt, sondern für mich nach einer undefinierbaren Logik. Trotzdem gelangen meiner Oma immer die besten und tollsten Kuchen. Warum? Weil sie IHREN BACKOFEN KANNTE. Natürlich hat sie sicherlich einige Kuchen in den Sand gesetzt. Darum gehts aber nicht. Es geht darum, dass wir Menschen uns fantastisch anpassen können. Wir lernen, mit Fehlern umzugehen und passen unser Handeln an. Wenn ich merke, dass ich fünf Mal immer mit zu hellen Bildern nach Hause komme, weil ich in der Sonne die Belichtung versaut habe, dann passe ich das eben beim sechsten Mal an und belichtet in der Sonne gefühlt unter. Wenn ich zu so einer „Anpassung“ nicht in der Lage bin, dann sollte ich die Kamera lieber liegen lassen. Das ist nämlich sogar einfacher, als ein paar Bücher über Histogramme zu lesen!

Eine Warnung vor dem Nichts

Wie falsch diese Histogramm-Warnung in Wirklichkeit ist, das wissen wir eigentlich alle! Ich verstehe auch nicht, wie es sein kann, dass man dem noch irgendeine Beachtung schenken kann. Daher möchte ich einfach im Nachfolgenden mal demonstrieren wie unsinnig die Warnung ist. Eine Warnung, die vor etwas warnt, was gar kein Problem ist, die bringt doch nix…

Auf dem nachfolgenden Foto habe ich an einem Kellerfenster einen Akt fotografiert. Das Histogramm zeigt einen deutlichen Ausschlag. Da ist nicht nur etwas weiß sondern anscheinend ziemlich viel! Aber ANSCHEINEND ist hier das Schlüsselwort.

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Achtet man auf die Überbelichtungswarnung, dann ist das komplette Fenster völlig ausgebrannt. Nach der allgemein gültigen Devise dürfte da also nix mehr an Zeichnung zu finden sein.

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Komischerweise sieht die ganze Sache anders aus, wenn wir die Belichtung anpassen. Unten sieht man das Histogramm nachdem das Bild um 3 Blenden abgedunkelt wurde. Der Berg endet kurz vor dem Ende des Histogramms.

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Und schaut man auf das Fenster, so erkennt man draußen den Lichtschacht in den Keller. Die Wäde haben plötzlich wieder Zeichnung. Huch? Wie kann das sein? Gerade eben wurde ich doch noch gewarnt, dass da nix mehr zu finden ist!?

Und wer mir jetzt kommt mit „Ja, das macht Lightroom“ oder so… der ist schief gewickelt 🙂 Das hat nix mit Lightroom zu tun. Dieses Phänomen hat einen anderen Grund.

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Der einzige Grund für diese Verwirrung ist die Tatsache, dass jedes Histogramm eine Art JPG darstellt. Egal, ob ich an meiner Kamera RAW ONLY oder RAW und JPG speichere. Mir wird das Histogramm immer aus einem JPG errechnet. Speichert der Fotograf kein extra JPG als Datei ab, so greift die Kamera auf das eingebettete JPG Bild zurück. In jeder RAW Datei steckt nämlich so eine Art JPG mit drin! Und das definiert das Histogramm. Nicht die Rawdatei!!! (Ausnahme: Leica M)

Aus diesem Grund blinkt so manches Display fröhlich vor sich hin, in Wirklichkeit befindet sich aber in der RAW-Datei noch massig Zeichnung. Würde ich ausschließlich in JPG fotografieren, dann wäre mit dem Blinken wirklich auch Schluss mit der Zeichnung. Nicht aber in der RAW-Entwicklung.

Und genau daher wirkt diese Warnfunktion nicht. Es ist im Endeffekt eine hohle Warnung, denn der Fotograf weiß – obwohl es blinkt – trotzdem nix. Er weiß, dass dort die Zeichnung weg sein könnte, aber es muss nicht sein. Na toll… viel schlauer wird man dadurch auch nicht!

Wenn nix blinkt, dann ist nix weiß, wenn was blinkt, kann aber auch alles noch da sein!!! Das Blinken sagt also im Grunde nichts aus.

Als Fotograf könnte man also hin gehen uns nach dem Blick aufs Display freudig ausrufen: „Schaut her, nix blinkt, ist also überall noch Zeichnung drin.“

Es macht eins… ES LENKT VOM BILD AB

Viel Schlimmer als die Sache mit der Suggestion des Fehlens von Bildinformationen ist aber die Tatsache, dass die meisten Fotografen sich vom Histogramm und dem Blinken total ablenken lassen. Kurz gefolgt vom bescheuerten (sorry aber :-)) Kontrollblick ob die Augen denn auch 100% scharf sind! Das lenkt nur ab! Ich unterstelle jetzt einfach mal frech und dreist, dass, wer ein Blinken und den Fokuspunkt auf seiner Kamera in der Wiedergabe angestellt hat, gar nicht mehr wirklich aufs fertige Motiv achtet.

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Wie kann man auch, wenn die ganze Zeit Teile des Bildes blinken und leuchten? Außerdem vergessen viele Fotografen dabei einen weiteren Punkt:

FOTOS LEBEN DURCH SCHWARZ UND WEIß. KONTRASTE SIND DIE SPIELZEUGE EINES GUTEN FOTOGRAFEN.

Wer immer nur ein defacto HDR fotografiert, der nutzt nicht alle Möglichkeiten der Fotografie. Viele Bilder brauchen weiß, sei es durch die natürliche Logik der Situation oder um einen Gegensatz zum Motiv zu bilden. Eine Sonne muss ausfressen und ein Fenster im Hintergrund durch das viel Sonne scheint, das darf auch ruhig richtig hell sein!

Schaut euch doch mal die Bilder im Nachfolgenden genauer an. Ich habe jeweils die Weißwerte mit grün und die Schwarzwerte mit Rot markiert. Wenn man nach den Warnungen geht, dann müssten diese Bilder ja allesamt schlecht sein und gelöscht werden.

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Ein Foto hat nix mit Blinken zu tun!

Wir merken also, dass ein Foto nichts mit BLINKEN zu tun hat. Wir als Fotografen müssen die Verknüpfung WARNUNG = VERBOT aus unserem Kopf bekommen. Damals, als Kameras noch Displays in der Art eines Wackelbildes hatte, da war ein Histogramm sinnvoll. In Zeiten von OLED Displays und Megapixelanzeigen in der Kamera sind diese Denkweisen überholt. Gerade in der Fotografie mit ROHDATEN zeigt das Histogramm gar nicht die tatsächliche Information an sondern eben nur einen Bruchteil davon.

Was ist so schlimm an Weiß und Schwarz?

Ist Weiß und Schwarz denn wirklich so schlimm? Ganz im Gegenteil, mein Tipp geht weiter… versucht doch mal, gezielt mit Weiß und Schwarz zu arbeiten. Versucht doch schon beim Fotografieren diese beiden Dinge ins Foto zu bekommen. Macht mehr Licht dort wo schon Licht ist und dunkelt den Schatten zusätzlich ab! Vergesst einfach mal die Warnmeldungen und achtet einfach auf das Motiv. Gebt dem Bild eine Chance, überhaupt in euren Kopf zu kommen und blockiert nicht dessen Weg mit „Schärfe in den Augen“ und „Blinkenden Lichtern“. Ein Bild lebt von mehr als nur der Technik… und nicht zuletzt von eurem Geschmack und eurem Stil.

In diesem Sinne…

Euer Martin

  • Kamera: Canon EOS 6D
  • Brennweite: 100mm
  • Blende: ƒ/2.8
  • Verschlusszeit: 1/125s

Kommentare (31)

31 thoughts on “ÜBERBELICHTUNGS-WARNUNG! DER BREMSKLOTZ AM SIEGESZUG DER FOTOGRAFIE!

  1. Moin Moin

    Ich bin wohl doch schon zu alt und zu weise um auf das Histogramm hereinzufallen oder es mir überhaupt groß anzusehen auf dem Display, aber du magst Recht haben, das es Leute gibt, die sich nur nach dem Ding orientieren.

    Aber es gibt auch genug Trainer im Netz die ja nix besseres zu tun haben und den Leuten sagen das man ja alle Fehler in RAW korrigieren könnte (was genau so ein Mumpitz ist).

    Leider ist es in der Fotografie „Mode“ geworden nicht mehr selbst zu denken, sondern nur noch nach Lernvideos zu handeln. Und diese „Weisheiten“ kann man dann auch oft genug auf den Stammtischen hören wie: „Der hat aber in seinem letzten Video gesagt … so und so“

    Aber so erhält man sich auch möglichst lange die Kundschaft

    LG Sven

  2. Naja, letzlich kommt es doch vor allem darauf an, dass man eventuelle Warnungen etc. sinnvoll interpretiert. Das bedeutet, man muss die Eigenheiten seiner Ausrüstung kennen und in welchen Situationen sie wie reagiert. Bei bestimmten Himmelssituationen z.B. ist meine D810 (nicht gerade für Dynamikschwäche bekannt) bei der Landschaftsfotografie am Limit, sprich die Lichter fressen aus. Und zwar wirklich unschön, nicht „künstlerisch wertvoll“. Wenn ich dann auf die Warnung reagiere und 1/3 – 2/3 abblende, hab ich die Reserven, die ich am Ende brauche.

    In anderen Situationen kann ich es hingegen getrost ignorieren. Soll heißen: Tendenzielle Zustimmung aber halt nicht immer und unter allen Umständen.

  3. Wahre Worte – ich hab dem Histogramm noch nie Beachtung geschenkt. Ich weiss einfach, was meine Kamera im Stande ist, aufzuzeichnen. Und manchmal will ich es auch schwarz. Richtig schwarz. Genauso mit der Schärfe: Habe ich ein stimmiges Licht, und ich weiss, dass ich das Foto aufgrund der langen Belichtungszeite nicht komplett scharf bekomme, ist mir das Wurscht. Bevor ich die Lichtstimmung mit einem Blitz zerstöre, lebe ich lieber mit einer Belichtungszeit von 1/15, etwas Unschärfe und freue mich über stimmungsvolle Bilder. In diesem Sinne: Danke Martin, dass du das mal einer großen Maße zugänglich machst!

  4. Hallo Martin,

    wahre Worte! Wenn man (zu) viel in den Social Media Netzwerken unterwegs ist, dann verstärkt sich der Eindruck, dass viele ein Bild nur nach diesen „objektiven“ Maßstäben bewerten. Die Wirkung des Bildes gerät in den Diskussionen in den Hintergrund.

    Ich denke, dass dies auch einer der Gründe ist, warum ich so gerne Hochzeiten fotografiere. Die Brautpaare interessieren sich nicht für Histogramme und „perfekte“ Aufnahmen UND ich habe gar keine Zeit diese zu kontrollieren 🙂 – was ich übrigens eh sehr selten mache.

    Wäre toll, wenn Dein Artikel hilft wieder das Bild ins richtige Licht zu rücken.

  5. Danke für den tollen Gedankenanstoß! Dein Text spiegelt meine Erfahrung auf den Punkt wieder!

    Als ich am Anfang meiner Fotografie stand wurde mir aus 1000 Ecken immer gesagt ich solle aufs Histogramm schauen. Habe es damals aber nie richtig zu gebrauchen gewusst. **zum Glück**
    Das ganze Blinken im Display….viel zu kompliziert. Ich wollt ein Foto machen, mehr nicht!

    In der selben Zeit sagte mir ein guter Freund: Vertraue deinem Geschmack und probiere aus wie weit du unter oder überbelichten kannst und wie weit es anschließend korrigierbar ist. Wenn du diese Erfahrung mit deiner Kamera gesammelt hast brauchst du das Histogramm nicht mehr und dein Auge hat Zeit sich aufs Wesentliche zu konzentrieren.

    Was soll ich sagen? Ich habe das Histogram bis heute nicht gebraucht 🙂

  6. Servus Martin,

    ein toller Blogeintrag, mit dem ich endlich bestätigt werde! Ich habe von Anfang an das Histogramm und alle Einblendungen im Bild ausgeschaltet! Auch die Überbelichtungswarnung habe ich nach kurzer Zeit wieder ausgeschaltet, weil es mich nur gestört hat. In einigen Videos und Fotoworkshops habe ich gehört: „Das Histogramm und die Überbelichtungswarnung sind unverzichtbare Dinge in der Kamera, die man unbedingt eingeschaltet haben sollte“. Ich brauch es nicht und verlasse mich da voll und ganz auf mein Auge. Oft nutzt man doch auch das „ausfressen“ als Stilmittel und wem meine Bilder nicht gefallen, der hat Pech gehabt! Mir müssen ja die Bilder gefallen!
    Mach weiter so….

    Grüße aus Bayern
    Martin

  7. Sauber geschrieben!
    Ich habe von Anfang an diese nervigen Warnungen deaktiviert da ich wusste das sie viel Quatsch durch das eingebettete jpg (woraus das Histogram gelesen wird) verbreiten und ich in der Nachbearbeitung der Raw eh zu anderen Ergebnissen komme – was aber nicht bedeutet das man völlig frei drauf los fotografieren kann. Das gibt dann auch wieder Murks.

    Lg

  8. Hi,
    ich bin was das Histogramm angeht eine totale Pfeife 😉 Bei mir wird in allen Kameras nur die Blidnummer angezeigt und die Bildkontrolle ist aus. Die Information reicht damit ich auf dem Rückweg schon mal schauen kann welche Bilder mir so plus/minus am besten gefallen und mir eventuell eine Nummer merken kann die mir besonders ins Auge gesprungen ist. Das Histogramm benutze ich wirklich nur in Spezialfällen wie zum Beispiel bei einer Landschaftsfotografie in der ich noch Informationen herausarbeiten möchte in der Nachbearbeitung… also so gut wie nie.

    Es gibt einfach Diskusionen bei denen mein Hirn sofort Offline geht:
    1. Geilste Kamera oder Bester Hersteller
    2. Megapixel
    3. Richtig belichten Histogramm … bla bla

    Natürlich habe ich Bilder die ich anschaue und denke Upps nicht so der Hit, aber für das gibt es einfach kein Tool. Aus dem Grund schreibt Martin in dem Artikel wirklich direkt aus meinem Herzen, denn Highkey und Lowkey hätten so absolut kein Existenzrecht.
    In diesem Sinne einen schönen Tag.

  9. Ich stimme hier den meisten Kommentaren zu- der Bildeindruck muss stimmen und mit der Zeit lernt man die Leistungsgrenzen der Kamera kennen, man weiss, wo noch Reserven liegen, die man in der raw-Entwicklung nutzen kann.
    Um jedoch ein Bild vor Ort sinnvoll beurteilen zu können, sollte man das Display nicht minder beachten. Die Helligkeit und eine evtl. automatische Anpassung selbiger können einen falschen Bildeindruck hervorrufen. Kann man abstellen, hier sind wir wieder bei der eigenen Kamera, die man kennen sollte.
    Jemand, der noch nicht so lange dabei ist bzw seine Kamera aufgrund nichttäglicher Nutzung nicht so genau kennt wie jmd, der ständig damit
    arbeitet, kann durchaus einen Nutzen aus dem Histogramm ziehen. Denn wenn meine Tonwerte im dynamikarmen JPG schon nicht verloren gehen, weiss ich ja sicher, dass sie es später im raw auch nicht tun werden. So schafft man sich eine gewisse Pufferzone.
    Weiters soll es ja auch Leute geben, deren Ziel es ist, ein passendes Bild im jpg-Format direkt aus der Kamera zu kriegen.
    Hierbei ist dann die Belichtungswarnung nicht ganz nutzlos, gerade wenn das Display wie im Bereich von Einsteigerkameras eben nicht
    so hochauflösend oder falsch eingestellt ist.

    Ich glaube, es hat alles Vor- und auch Nachteile. Das Schöne ist ja, dass man sich alles so einstellen kann, wie man es will.
    Dass ein Ausbrennen oder Absaufen im Bild durchaus auch Teil der Bildaussage sein kann, unterschreibe ich komplett.
    Mein Beitrag bezog sich jetzt mal nur auf den technischen Nutzen.
    Ich selbst nutze gelegentlich auch das Histogramm, aber eher als Orientierung, nicht als Regel oder Verbot.

    Grüsse

  10. Hi Martin,

    schöner Text und cool, dass es mal einer laut sagt.
    Ich habe mich noch nie ans Histogramm gehalten. Das Bild soll ja so aussehen wie ich es will und nicht wie es ein Computer errechnet hat, der keine Ahnung von Gestaltung und meiner Bildsprache bzw. meiner Idee hat. 🙂

    Beste Grüße aus Wuppertal
    Sebastian

  11. Sehr guter Text. Als ich mit der „richtigen“ digitalen Fotografie anfing sog ich zahlreiche Videos und Texte zum Thema „richtig belichten“ in mich auf. Sehr angetan war ich vor allem auch von Landschaftsfotografen, die u.a. mittels Graufiltern minutenlang das Histogramm so optimierten, bis der Dynamikumfang vollständig ausgereizt war. Ich ärgerte mich sogar darüber, dass es bei vielen meiner Bilder „ausbrennen“ in den Lichtern und Tiefen gab, und korrigierte es dann mühevoll in Lightroom – bis mein Bildstil dann einem HDR entsprach…
    Bei People Fotos, Reportage oder Streetfotos fragte ich mich dann, warum meine Bilder nicht gut (entwickelt) waren. Oftmals weil ich die Tiefen oder Lichter schlicht „weg optimiert“ hatte.
    Heute sehe ich es genauso wie du – ich betrachte das Bild sehr subjektiv – und das ist gut so.
    Eine Ausnahme gibt es aber für mich: die Landschaftsfotografie. Hier achte ich tatsächlich auch heute noch intensiv auf das Histogramm. Des Dynamikumfangs wegen 😉

  12. Na super, ein Freibrief für alle! „Scheiß auf die Belichtung, das ist Kunst und muss so sein!“
    Sorry, aber das Histogramm ist DAS Werkzeug überhaupt. Wenn etwas weiß sein soll, woher weißt Du ob es wirklich rein weiß ist? Histogramm!

    Vergiss die Kamera Blinkies, o.k. Aber gerade in der Entwicklung der Raws ist das Histogramm unschätzbar, egal ob kalibriert oder nicht!

  13. ja, genau richtig. Deshalb belichten wir beim Film auch nicht nach dem Histogramm, sondern mit Hilfe von Zebra. Ein ähnliches Thema wäre: nicht die Blende ist dafür verantwortlich wie hell das Bild ist, sondern wie viel Licht gesetzt wurde. 😉

  14. Generell stimme ich dem Beitrag zu. Ich nutze das Histogramm hauptsächlich dafür um z.B. bei Sonne besser einschätzen zu können ob ich mit der Belichtung ungefähr richtig bin. Die Warnung dient maximal um zu signalisieren da KÖNNTE es jetzt nix mehr an zeichnung zu holen geben beim raw edit. allerdings wie im beitrag angesprochen ist der unterschied zwischen warnung geht an und tatsächlicher grenze oftmals einige blenden entfernt. In der Landschaftsfotografie (und Expose to the right) ist ein technisches arbeiten sicherlich nicht grundsätzlich falsch .. in der peoplefotografie dagegen bringt die warnung tatsächlich so gut wie nie was.

    und wie auch im beitrag erwähnt: warum wird die belichtungswarnung nicht je nach eingestelltem dateiformat benutzt? handelt es sich um ein RAW ist es auch hier kein problem die bereiche anzuzeigen die eben WIRKLICh ausgebrannt sind .. DANN wäre auch eine überbelichtungswarnung sinnvoll (so mann denn in genau diesen bildbereichen noch zeichnung haben möchte). mit der so wie in den meisten kameras umgesetzten belichtungswarnung des eingebetteten jpgs kann eben diese aber wie im beitrag korrekt dargestellt in 99% der fälle vergessen 😉

  15. Ein Ja … Noch eins …. Und noch eins … gehen wir über zur Schärfe … Diskussion über Diskussion anhand von Bilder.Jedes Ziel ist eine „fette Schärfe „aber wie kommt der Wandel zustande ? Ist die Schärfe ein Indiz für Top Qualität ? Ich habe für mich ganz tolle alte Linsen gefunden und bin gerade schon fast dabei meine AF Linsen zum Teil zu verkaufen den das was da raus kommt ist echt krass und hätte ich nie erwartet. Naja ist nicht immer scharf wie ein L aber bei weitem mehr Charme. Toller Artikel Martin und nun ab ins Bett …. Grüße aus Rheurdt
    Sven Schubert

  16. Hallo Martin,
    wie immer hat es Spaß gemacht deinen Text zu lesen.Du hast oft eine erfrischende Sichtweise der Dinge.

    Ich persöhnlich halte von den ganzen Regeln und Richtlienen,( von Drittelregel,Goldener Schnitt bis hin zur korreckten Belichtung), bei der Fotografie garnichts.
    Mir geht es auschließlich um die Bildaussage und die Bildwirkung. Ich habe mir im Laufe der Zeit eine eigene Art zu fotografieren angeeignet.

    Die Überbelichtungswarnung benutze ich oft um festzustellen ob ich genug Überbelichtet habe. Find`s ganz praktisch. 🙂

  17. Hallo Martin,

    wie (immer) 😉 ein super Text. Zum Glück habe ich nicht lange das Histogramm als Anhaltspunkt verwendet. Denn ich habe schnell gemerkt, dass dann viele Fotos sehr langweilig geworden wären. Wenn ich an mein damaliges Buch zurück denke, wurde dort dem Histogramm eine hohe Bedeutung zugesprochen…

    Gruß
    Ben

  18. Musste spontan an den Begriff „selektive Wahrnehmung“ aus der Psychologie denken.

    Alles was Du in Bezug auf Histogramm und JPG sagst, stimmt natürlich. Trifft aber 1:1 auf die Anzeige des Kameradisplays zu. Auch hier siehste nur eine JPG Interpretation (geht ja auch gar nicht anders – noch nie hat ein Mensch ein RAW als Bild gesehen – wie sollte das auch gehen?).
    Und alles, was Du in Bezug auf Kameradisplay und kennen der eigenen Kamera/Interpreattion der Anzeige gesagt hast, stimmt auch – trifft aber eben genau so auch auf das Histogramm zu.

    Genau genommen machen Displayansicht und Histogramm genau das Gleiche: sie zeigen den Bildinhalt an – nur unterschiedlich in der Darstellung. Und beides bedarf der Interpretation des Fotografen. Und bei beiden kann man sich dem Bildinhalt auf unterschiedliche Arten nähern. Ich nutze beide – je nach Bedarf. Wüßte nicht, wieso ich auf ein Hilfsmittel verzichten sollte – aber wenn es Dich ablenkt, dann solltest Du es natürlich nicht nutzen (ich nutze auch nur, was ich beherrsche) – es aber generell zu verteufeln ist auch nicht so toll.
    Mich hat es zumindest noch nie davon abgehalten, ein Bild auch mal überzubelichten, wenn es der Bildwirkung gut getan hat. Diese zwei Dinge (Histogramm und Überbelichten) habe doch gar nix miteinander zu tun – nix ausfressen zu lassen, hat was mit der Meinung/Geschmack von Fotografen zu tun.

    Mir hilft es, Bildbereiche dort nicht ausfressen zu lassen, wo ich es eben nicht will. Und das geht zuverlässig nur mit dem Histogramm bzw. der Überbelichtungswarnung. Übrigens: man kann sich auch ein JPG Preset in der Kamera erstellen, die einen so nahe wie gewünscht an eine zuverlässige Anzeige (Ausgebrannt ist tatsächlich ausgebrannt) heranbringt. Ich bleibe da gerne zwei/drei Punkte darunter, um auf der sicheren Seite zu sein – aber das kann man eben auch anders lösen – genau so, wie man das mit der Displayansicht ja auch machen kann.

    Wenn man das Histogramm kritisiert, kann man übrigens auch gleich das Zonensystem kritisieren – wen jucken denn schon gezielt gesetzte Tonwerte – Hauptsache Bildeindruck. Das Selbe für Schärfe – Hauptsache Bildeindruck. Ach ja, und Bildqualität? Was hat das mit Bildeindruck zu tun – der geht auch mit ner Polaroid. Frag‘ mich nur, wenn denn der Bildeindruck _als einziges Merkmal_ so hervorgehoben wird, wieso Du so viel Technikkram testest…

    Es gibt übrigens auch Bilder, wo eine Überbelichtung ein Bild zerstört. Und an der falschen Stelle ist das bei jedem Bild der Fall.

    vg, Stefan

  19. es ist doch ganz simpel: Ist der für mich wichtige Teil des Bildes so wie ich es mir vorstelle belichtet. Der Rest ergibt sich dann von selbst. Das setzt natürlich voraus, dass ich eine Idee von dem habe, was ich erreichen möchte.

    Gruß Günter

  20. Es ist gut zu wissen, wofür man das Histogram braucht. Ich habe mich allerdings (glücklicherweise) sogut wie nie daran gehalten. Einfach immer ein paar Testschüsse gemacht und subjektiv eingestellt. Man will ja selbst einen Stil entwickeln, also lieber frei Schanuze belichten und einfach machen.

  21. es gibt Kameras mit einem Dynamikumfang von z.B. 8 eV und auch einige mit 12 eV. Bei 12 eV und 14 Bit braucht man kein Histogramm, ich jedenfalls nicht. 16384 Graustufen bei 14 Bit sind aber auch was anderes als 1024 bei 10 Bit, das bleibt für scharz und weiß auch viel mehr übrig für danach.
    Peter

  22. Der Artikel enthält für meinen Geschmack zu viele Verallgemeinerungen. Zeigen Sie doch mal das Beispielfoto der Dame vor dem weißen Fenster ohne die rote Überbelichtungswarnung. „Passt“ es dann auch noch? Vermutlich ebenso wenig wie das gnadenlos unterbelichtete Pendant.

    Überbelichtungswarnung od. Histogramm sind weder gut noch schlecht noch überflüssig. Jeder soll daraus machen, was er möchte. Für den einen ist es hilfreich einzuschalten, für den anderen auszuschalten. Für mich lautet die Frage weniger ob als vielmehr wann.

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