27.10.2015    7

DER ESPRIT DER FOTOGRAFIE… POLAROID PACKFILM 600SE

27. Oktober 2015 | Lichtführung und setzung

Mit diesem Beitrag möchte ich etwas gegen unsere heute hoch technisierte Zeit schreiben. In Zeiten in denen die Megapixelzahlen der Kameras wohl bald dreistellig werden und wir Objektive anscheinend nur noch nach dem Schärfegrad an den Ecken aussuchen, in solchen Zeiten muss man sich selbst immer wieder zusammenreißen und versuchen auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Was ist eigentlich Fotografie und warum machen wir Fotos?

Mir besonders fällt diese Frage mit einer klaren Aussage zu beantworten besonders schwer denn ich lebe und arbeite immer gerne mit der neuesten Technik. Eines meiner beiden Herzen, das sollte wohl bekannt sein, schlägt nur für neue Technik. Ich bin ein Foto-Nerd! Erfindungen, Verbesserungen und neue Features, was gibt es denn Cooleres??? Trotzdem ist da noch ein anderes Herz und das schlägt für die Fotografie und dieses Herz fragt sich, was der restliche Körper da macht?

Es ist schon einige Zeit her, da habe ich mit einer alten, auf dem Flohmarkt erstandenen Polaroid-Kamera samt abgelaufenem Packfilm von Fuji einige Fotos gemacht. Nach einem Workshop in der Schweiz haben wir damals noch einen Abend lang ein paar Pakete Film verschossen. Und was soll ich sagen, es funktioniert. Bilder leben nicht über die jeweilige Kamera dahinter sondern über den Inhalt.

TECHNICAL Vergleich Fotos                   TECHNICAL Vergleich Fotos

Ich habe herausgefunden dass ein besonderer Reiz darin liegt, alt und neu zu kombinieren. Es ist großartig eine alte Kamera mit einem modernen Licht zu kombinieren. Genauso wie es in der Fotografie auch immer schon spannend war mit Kontrasten im Motiv zu arbeiten, können wir fotografen auch Spannung in unsere Arbeit bringen, in dem wir Techniken und Technik von früher und heute kombinieren.

Eine andere Erkenntnis ist mir bei diesem Fotoshooting zusätzlich gekommen. Die Macht von Fotos ist im Jahr 2015 so gering wie selten zuvor. Wir haben einen großen des Teils des Charmes der Fotografie verloren. 

Diese These möchte ich auch direkt erklären und begründen! Wir machen Fotos, damit Menschen an Momenten und an Situation teilhaben. Komischerweise wandern die meisten Bilder irgendwie ins digitale Nirvana. Bei meinen Fotoshootings, und das muss ich zu meiner eigenen Schande zugeben, warten die Modelle und anderen Beteiligten nicht selten 3 Monaten auf die fertigen Fotos. Natürlich hat die Wartezeit nix mit der eigentlichen Aussage der Fotografie zu tun aber oft erscheinen die Bilder dann kurz in irgendwelchen Web-Portfolios und das wars… der Moment, das Happening ist weg.

Fotografie sollte wieder mehr ein Erlebnis werden und weniger für uns Fotografen sondern für alle daran Beteiligten und alle nicht Beteiligten.

Selten habe ich bei der Arbeit als Fotograf so viel Freude beim Fotoshooting erleben können, wie beim Fotografieren mit „Instant“-Packfilm. Und damit meine ich nicht die Freude am Fotografieren sondern die Faszination der Fotos selbst. Im nachfolgenden Foto erkennt man die ehrliche und echte Freude beim Angucken des Fotos. So strahlt niemand der mal kurz auf das Display einer 50 Megapixel schaut, egal wie scharf die Wimpern oder die Augen sind. Außer man ist Fotofuzzi 🙂 dann reicht auch das schon für ein Strahlen! :-9 Ich selbst habe das leider auch viel zu spät gesehen. Im Moment damals habe ich das gar nicht wahrgenommen. Da war ich schon mit der großen Softbox X und dem Blitz Y beschäftigt. Erst zuhause habe ich durch dieses Nebenherfoto die eigentliche Begeisterung von Model und MakeupArtistin erkannt.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Komisch eigentlich, dass sich die Fotografie mit all ihrer Entwicklung nicht mehr in die Richtung entwickelt hat, ein Erlebnis zu werden. Seitdem habe ich einige Sachen in Petto, die ich als Fotograf aktiv nutze. Auch wenn ich es nicht immer mache aber wenn ich es mache, dann ist die Wirkung meistens bombastisch!

  1. In-Kamera-JPG
    Ich speichere und entwickle seitdem IMMER Raw als auch JPG und ich bearbeite die JPGs in der Kamera bereits so gut es geht vor. Kontrast, Sättigung, Mikrokontraste, Kurven, Weißabgleich und so viel wie eben an der jeweiligen Kamera geht. Ich nutze sogar die Haut-Glättung bei den Sony-Kameras. Ja, ich gebe es zu… ich nutze jede Spielerei die mir die Kamera für die interne Entwicklung gibt. Denn??? Ich möchte so gut es geht fertige Fotos auf der Kamera sehen. Nicht nur für mich beim Shooting sondern gerade auch für alle die dabei sind.
  2. NFC Transfer bzw. Wifi-Transfer
    Mit den fertigen JPGs auf der Kamera gehe ich sehr frei um. Wenn ein Model ein Foto wirklich dringend haben möchte, dann kriegt sie das Foto mit NFC einfach auf ihre Handy geworfen. Oder ich schicke die Bilder mit Wifi an ihr Iphone. Das geht alles und was das Model dann macht, das ist ihr überlassen. Bilder direkt vom Shooting mit nach Hause nehmen! Ohne Wartezeit!!!
    Bei NFC ist es echt grandios einfach, klappt aber nicht mit Iphones. Dranhalten und das Bild ist da! Echt der Hammer! Es gab schon Modelle die haben ihren halben Instagram Account mit Bildern aus dem Shooting BEIM Shooting geflutet. Aus purer Begeisterung über den Moment…
  3. Shooting-Direkt-Print
    Wenn ich wirklich MegaPimp sein möchte, dann nutze ich den Drucker beim Fotografieren. Die Bilder werden evtl. getethered auf den Laptop übertragen und von dort aus Lightroom an den WLAN Drucker geschickt. Eine Vorlage in Lightroom ist ständig angelegt und der Drucker braucht circa. 2 Minuten mit einem A4 Passepartout.

Probiert es doch mal aus und legt mehr Energie darin, mit Fotos im im richtigen Moment zu begeistern als den technischen Olymp zu erklimmen. Fotografie hat viel mit Freude und mit Gefühlen zu tun aber kein Foto kann Gefühle auslösen, wenn es nur auf der Festplatte schlummert und oder viel zu spät in falscher Form kommt.

TECHNICAL Vergleich Fotos


Für die unbelehrbaren Technik-Fanatisten 🙂

So und anbei noch ein paar Fotos für die Krolop&Gerst’schen Lichtfanatiker. Wir haben wie gesagt mit der Polaroid 600SE fotografiert, dabei eine Blende von 8 bei einer Belichtungszeit von 1/250 verwendet. Im Lichteinsatz war ein Elinchrom 500Ws Blitz mit einer 1,5m großen Octabox. Der Blitz war eine Blende heller gestellt als die eigentliche Belichtung, dafür haben wir aber auch die Entwicklung des Films etwas länger laufen lassen.

Die Kamera war fix auf einem Stativ, wir haben aber auch einige Topshots von der Leiter versucht, diese Idee aber schnell wieder verworfen. Bei einer Sensorgröße wie einem Post-it ist f5.6 einfach zu schwer scharf zu bekommen. Selbst halbwegs scharf funktioniert kaum von einer Leiter 🙂

In diesem Sinne, viel Spaß mit den Bildern vom Setup…

Euer Martin

SETUP HOW TO Tutorial Photo
SETUP HOW TO Tutorial Photo
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SETUP HOW TO Tutorial Photo
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SETUP HOW TO Tutorial Photo
SETUP HOW TO Tutorial Photo

  • Kamera: CLX-3170 Series

Kommentare (7)

7 thoughts on “DER ESPRIT DER FOTOGRAFIE… POLAROID PACKFILM 600SE

  1. Sehr schöne Anregungen. Allerdings werde ich mir das in camera bearbeiten wohl eher nicht zu eigen machen. Normalerweise bin ich sehrsehr auf das Modell fixiert und möchte nicht, das wir die Konzentration und den Moment verlieren. Da bleibt keine Zeit für Kamera gefummel.
    Aber ich habe die Bilder normalerweise direkt in Lightroom, da könnte man was machen. Das direkt drucken, das man vom Passbild Fotografen an der Ecke kennt, ist eine gute Idee. Müsste man etwas veredeln. Und natürlich vernünftige Fotos direkt ooc machen ?

    Gruß, Daniel

  2. Der aha-Effekt wenn man ein Fuji Instax Bild oder Polaroid Zip direkt mit gibt ist immer sehr groß bei Shootings.
    Die Menschen freuen sich etwas in der Hand zu halten.

    Strahlende Augen wenn man durch die Stadt läuft ein Foto macht und es dann direkt auch in Papier gibt.
    Oder einfach das Warten bis das Impossible Bild da ist 🙂
    Das sind die Momente, die die Fotografie noch schöner machen.

    LG
    Ingo

  3. Die Bilder auf Trennbildfilm aus der 600 SE sind einfach eine tolle Überraschung für jedes Brautpaar. Da ernte ich jedes Mal ungläubige / staunende Blicke sobald ich die Kamera auspacke. Es gibt direkt ein paar Bilder fürs Paar. Ich behalte den „Abfall“ , also das vom Bild abgezogene Restmaterial. Das gereinigt und mit Klorix behandelt und schon hat man ein Negativ im Aquarellstyle. Dies dann aufgescannt und auf Leinwand gedruckt, ist DAS Turboüberraschungsgeschenk! Generell bin ich auch der Überzeugung, dass Bilder gedruckt und nicht nur auf die Festplatte gehören. Mein Fotobooth wird von Kunden (fast) immer mit Printfunktion geordert. Gruß aus Hamburg, Ralf

  4. Schön, daß Du dieses Thema aufgreifst.
    Genau aus diesem Grund gibt es meine Hochzeitsreportagen nur in Kombination Digital UND Album /Prints. Ganz selten gebe ich nur digitales Material raus. Ich habe mir wirklich auch schon überlegt im Studio meinen Photobooth Printer aufzustellen um direkt Bilder ausdrucken zu können in 15*20. Was der nämlich in Verbindung mit Lightroom an Qualität auspuckt hätte ich nicht gedacht –> hammer. Dann hat der Kunde direkt was zum mitnehmen und zeigen…
    Wünsche einen schönen Tag.
    VG Marczs

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