10.10.2015    4

PORTRAITS MIT HOHER UNSCHÄRFE DANK DAUERLICHT

10. Oktober 2015 | Lichtsetups

Im heutigen Beitrag geht es um die das Fotografieren mit sehr offener Blende im Studio. Unschärfe ist gerade in der Portraitfotografie ein tolles Feature und macht Bilder oft besonders. Für ein offenblendiges Portrait braucht man aber extrem wenig Licht und genau da liegt das Problem mit Blitzlicht!

Schwierigkeit: Fortgeschritten // Ausrüstungslevel: 2 Dauerleuchten mit ca. 1000W


Es gibt eine Sache die mich schon lange beschäftigt. Und zwar ist es eine komische Art der Fotografen-Logik. 🙂 Aufgepasst! Überall in der Fotografenszene ist der Vollformatsensor in der Peoplefotografie die Ziel der Ziele. Ein offenblendiges Objektiv gehört natürlich auch in jede Fotografentasche. Großer Sensor heißt schöne Unschärfe. Große Blendenzahl heißt ebenfalls schöne Unschärfe. Unschärfe im Hintergrund, Freistellung des Motivs und das ominöse Bokeh scheinen die größten und schönsten Ziele in der Portraitfotografie zu sein.

Da stehen wir also mit unserem großen Sensor, mit dem offenblendigen 1.8er Objektiv und würden gerne schöne Unschärfe in unsere Fotos zaubern. Kaum betreten wir aber ein Fotostudio, so schließen wir die Blende auf 8 oder gar 11. Ist ja immerhin die Standardblende im Studio. Und wir alle wissen, dass es mit Blitzlicht oft denkbar unmöglich ist, ein nicht überbelichtetes Foto bei f1.4 zu machen.

Natürlich schreiben wir schon seit langer Zeit im Blog, dass es im Studio kein 500Ws Blitz sein muss. Wir plädieren für eine Reduzierung der Blitzstärken auf z.B. 100Ws. Aber selbst mit den kleinsten Studioblitzen kann es immer noch schwierig sein, das Bild bei derartig offenen Blenden nicht vollkommen überzubelichten.

Die Lösung ist einfach. Dauerlicht. Dauerlicht, anders als Blitzlicht, kann nämlich über die Belichtungszeit reguliert werden. Hat man zu viel Licht, dann belichtet man einfach kürzer und das Problem war mal ein Problem. Und in heutigen Zeiten immer verbesserter ISO-Werte ist die Einschränkung durch eine scheinbar geringe Leistung des Dauerlichts kein wirkliches Problem mehr. ISO400 oder ISO800 und schon ist 1000W Dauerlicht verdammt hell.

Heute zeige ich ein einfaches Setup mit Dauerlicht für freundliche und bezaubernde Portraits im Studio. Wir selbst nutzen Dauerlicht von Hedler. Einmal 650W für den Hintergrund und eine Leuchte mit 2x650W für das Führungslicht. Wer nicht gleich auf die Hedler Leuchten zugreifen kann/möchte, der findet viele günstige Alternativen.

Solide 1000W Leuchten gibt es für etwas über 100 € überall zu kaufen. Und keine Sorge, die Leuchten werden heiß, das geschieht aber auch bei den Hedler-Leuchten. Man sollte einfach keine günstige Softbox direkt vor die Leuchte schnallen. Wir nutzen aus diesem Grund auch Schirme. Durch den Abstand von der Leuchte besteht dabei keine Brandgefahr. Metallene Reflektoren können problemlos genutzt werden.

Jetzt aber direkt zum Fotoset. Ausgangsmaterial war die Verwendung des 50mm 1.4 auf einer Vollformatkamera bei f2.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Das Setup ist relativ einfach. Das Führungslicht bildet ein großer, weicher Schirm genau über der Kamera. Dieses weiche, hochfrontale Licht sorgt für eine sehr schattenfreie Ausleuchtung von vorne. Um den unterhalb des Kinns entstehenden Schatten zu reduzieren haben wir zusätzlich einen Reflektor genau von unten positioniert. Dieser Reflektor hellt die Schatten auf und bringt noch zusätzliches Licht in die Augen.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Auf einer Achse mit dem Licht, der Aufhellung und dem Model steht genau hinter dem Model eine kleine Leuchte und strahlt den Hintergrund an. Dabei sorgt die Position genau hinter dem Model dafür, dass das Licht einheitlich auf den Hintergrund trifft und nicht von links nach rechts oder von rechts nach links verläuft. Man bekommt maximal eine Art Vignettierung auf dem Hintergrund durch den Spot-Effekt.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Beim Schirm handelt es sich um einen weißen Reflexschirm. Silber wäre deutlich härter und würde mehr Schatten und Lichter auf dem Motiv erzeugen. Unser Ziel war aber eine möglichst flache und einheitliche Ausleuchtung.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Die Leuchte im Hintergrund besitzt keinen besonderen Lichtformer sondern ist direkt auf die weiße Studiowand gerichtet. Für einen platten weißen Fleck braucht man nicht zwangsweise einen weichen Lichtformer. Allerdings sollte man das Licht halbwegs richten.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Mit Dauerlicht lässt sich dann problemlos arbeiten. Es ist auch nicht zu hell für das Model. Mit dem riesigen Schirm als Hauptlichtquelle kamen wir für unsere Fotos immer noch auf ISO200, 1/125 und f2. Ich würde mal sagen, das ist doch ziemlich perfekt. Eine viel höhere Qualität kann man kaum erreichen. Zwischen ISO100 und ISO200 ist wirklich kein Unterschied und maximal die Belichtungszeit könnte man bei modernen High-Megapixel-Kameras deutlich verkürzen und dafür auf ISO400 oder ISO800 erhöhen.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Zusatz: Der Funkauslöser liegt noch von einem anderen Set auf dem Hocker! Also nicht verwirren lassen.

Jetzt möchte ich uns aber nicht länger auf die Folter spannen. Hier kommen die fertigen Fotos. Ich würde sagen, so schön unscharf dürfen Studiofotos auch mal aussehen. Da haben wir immerhin einen guten Grund für unseren großen Sensoren und unsere tollen Objektive.

TECHNICAL Vergleich FotosTECHNICAL Vergleich FotosTECHNICAL Vergleich Fotos

In diesem Sinne, probiert es aus!

Euer Martin

Kommentare (4)

4 thoughts on “PORTRAITS MIT HOHER UNSCHÄRFE DANK DAUERLICHT

  1. Guter Beitrag. Ich probier es mal aus. Noch kurz ein kleiner Schreibfehler mit großer Wirkung. Erster Absatz hast geschrieben „große Blendenzahl schöne Unschärfe“ glaub du meinst kleine oder kleinste Blendenzahl.

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