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Mit dem Ringblitz „DEZENT“ aufhellen!

26. Juli 2014 | Lichtsetups

Heute geht es um eine etwas ausgefeiltere Technik und eine deutlich anstrengendere Lichtsituation. Es geht um das nachfolgende Bild. Bevor wir anfangen mit den technischen Erklärungen sollten wir das Bild analysieren und uns genau fragen, was das Spannende und Außergewöhnliche an dieser Aufnahme ist.

Grundsätzlich ist das Besondere an diesem Foto, der unerklärliche Zwischenlook aus Blitz und AL. Während die Gesamtstimmung des Bildes irgendwie total künstlich nach Blitz ausschaut, so findet sich auf dem Model kein wirklicher Blitzschattenwurf. Das Licht auf dem Model wirkt natürlich und irgendwie anders.

Und genau dieser Mix aus den verschiedenen Looks ist das heutige Thema. Denn mit künstlicher Lichtführung kann man trotzdem natürliche Fotolooks erzeugen. Natürliches Blitzlicht kann trotzdem noch weiterhin abgefahrene Looks erzeugen. Das ist genau der Grund, warum ich Blitzen so sehr liebe. Man kann Realität anders wirken lassen, neues Licht setzen und ein Bild von Grund auf neu bauen. Aber scheut euch doch mal das heutige Foto genauer an. Dann gehen wir gleich in die Technik.

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Das Foto wurde aufgenommen mit einer D800 und einem 24-70mm Objektiv. Einstellungen waren ISO100 bei f2.8 und einer 1/125s Belichtungszeit. Die gewählte Brennweite war wirklich 24mm und der Tag war vollkommen diesig und bewölkt.

Die Wolken sind nämlich die Ausgangssituation dieses Bildes. Denn ohne die diesige Stimmung hätten wir nicht die Grundcharakteristik, die wir für diesen Bildlook benötigen.

Ausgangsbasis für das Bild ist nämlich ein grundsätzlich unterbelichtetes Bild. Auf dieses unterbelichtete Bild setzen wir dann etwas Blitzlicht. Schwierig ist dabei eben die Mischung. Denn die Unterbelichtung über das vorhandene Tageslicht darf nicht zu stark sein um dann plötzlich nur Blitzlicht auf dem Bild zu haben. Belichtet man zu hell, hat also sehr viel Umgebungslicht auf dem Bild, dann fehlt nachher auf dem fertigen Foto dann der Blitzlook und das Bild sieht einfach wie mit diesigem Wetter fotografiert aus.

Eine Unterbelichtung von ca. 1 1/3 Blenden sollte stark genug sein. Wobei die Zahl immer weniger sagt, als mir lieb wäre. Wichtiger ist auf die Grauwerte und Highlights zu achten. Das Grundbild ohne Blitzlicht sollte keine wirklichen Lichter haben und sich nur im dunklen und mittleren Helligkeitsbereich belaufen. Findet man im Bild wirkliche Weißwerte, dann ist die Belichtung noch zu hell.

Jetzt kommt der Kniff. Wir setzen als Blitz einen Ringblitz ein. Aber nicht wirklich stark sondern nur so hoch gepegelt, dass das Model von vorne aus dem Dunkel hervor geholt wird.

Dabei ist auch besonders wichtig im Weitwinkel zu arbeiten. Nur so bekommt man weiterhin die Tiefe im Motiv und belichtet mit dem Blitz nicht das Ganze Bild bis in die Tiefe. Der Hintergrund soll weiterhin dunkel sein und dunkel bleiben. Entfernt man sich zu weit mit dem Blitz vom Model, so hellt der Blitz den gesamten Bereich der Location auf und der gesamte Look geht flöten.

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Wichtig ist der Ringblitz deswegen, weil der Ringblitz die einzige künstliche Lichtquelle ist, die für das menschliche Auge wenig sichtbar ist. Das erklärt sich aus den Schatten. Wir können Licht nur anhand von Schattenwürfen erkennen. Sehen wir einen Schatten auf der linken Seite des Models, dann erkennen wir, dass wohl rechts die Lichtquelle stehen muss. Der Ringblitz hat keinen wirklichen Schatten (abgesehen von dem Aura-Schatten der aber nur bei sehr starker Dominanz auftritt) und hellt das Model direkt von vorne auf. Ich bekomme also die Möglichkeit zu blitzen, ohne dass man das Blitzlicht erkennen kann.

Der Ringblitz sorgt auch für die unglaublich schönen Glanzlichter auf der Haut und auf die dezenten Tiefen in den dunklen Kleidungsteilen.

Beim Einstellen der richtigen Blitzmenge beim Ringblitz ist absolut essentiell, dass die Entfernung nach dem Einstellen nicht weiter verändert wird. Die Lichtleistung auf dem Model hängt ja von der Entfernung von Ringblitz zu Model ab und bewegt sich der Fotograf, dann verändert sich die Lichtmenge auf dem Model. Daher sollte man vorher die Einstellung und den Bildschnitt perfekt haben. Was gemacht werden kann ist, dass sich Model und Fotograf in gleichem Maße bewegen. Also an der Wand entlang z.B.. Die Entfernungen zwischen Blitz und Model müssen aber gleich bleiben sonst wirkt der Ringblitz sehr schnell unglaublich dominant.

Wichtig bei diesem Look ist auch das leicht düster-Blaue im Motiv. Ein warmer Weißabgleich wäre sicherlich nicht so stimmig und würde die Atmosphäre ändern. Achtet in diesem Sinne auch auf das Motiv selbst. Also Metal und Stein ohne krasse Farben sind einfacher in diesen trostlos-düsteren Look zu bekommen wie eine orangene Mülltonne.

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Fotografiert haben wir übrigens mit einem Jinbei FLII 500 Blitz. Günstiger geht es nicht in punkto Ringblitz. Der Ringblitz kostet ca. 170 € und der Generator liegt mit regulärem Blitzkopf bei 400 €. Andere Lösungen kosten zusammen ca. 1000€ oder mehr.

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Probiert es doch mal aus. Gerade bei bewölktem Wetter ist es nicht notwendig 400Ws zu blitzen sondern ein Ringblitzaufsatz für den Aufsteckblitz würde genauso gut funktionieren. Von der Leistung sowieso und vom Look allemal. Eine Ringblitzsoftbox haben wir auch schon vorgestellt.

In diesem Sinn, viel Spaß beim Fotografieren und tolle Fotos

Martin & Marc

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3 thoughts on “Mit dem Ringblitz „DEZENT“ aufhellen!

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