23.8.2015    12

Handgehaltener Blitz bei Nacht

23. August 2015 | Lichtsetups

In der Nacht sind alle Katzen grau! Das ist nur teilweise richtig. Denn mit einem Blitzlicht lässt sich doch wohl Farbe ins Dunkle bringen und tolle Fotos machen. Wie, darum geht es in diesem Beitrag. Martin nutzt einen handgehalten Blitz und zaubert damit tolle Fotos! Dieser Beitrag geht besonders auf die Balance zwischen Umgebungslicht und Blitzlicht ein.

Schwierigkeit: Einsteiger // Ausrüstungslevel: Portable Blitz oder Aufsteckblitz (ONE LIGHT)


Im heutigen Beitrag geht es mal wieder um die Fotografie bei Nacht. Mein absolutes Steckpferd und in Punkto Herausforderung echt eine Liga für sich. Nicht nur, weil man mit extrem wenig Licht arbeiten muss, nein, oftmals ist das Licht auch nicht gerade perfekt und zeigt gar nicht das, was man eigentlich zeigen möchte.

Bei Nacht, so sagt man ja, sind alle Katzen grau. Und das stimmt auch! Denn durch schlimme Spektren in den gewöhnlichen Lichtquellen in der Nacht ist Farbe nicht Farbe. Das ist auch der Grund warum wir Blitzlicht brauchen. Um scharfe aber auch farbige Fotos zu machen. Qualität in der Nacht bekommt man nicht durch komisch bunte Straßenlaternen sondern durch einen gezielten Blitzeinsatz.

Für unser heutiges Blitzrezept brauchen wir einen mittelstarken Blitz. Ein Aufsteckblitz (YONGNUO YN560 IV) reicht auch, selbst ein kleiner Generator ist aber in der Praxis viel schöner und effektiver, denn es erlaubt ein schnelleres Blitzen und deutlich höhere Distanzen. Als Vorschlag von uns gibt es dann einen günstigen Yongnuo Aufsteckblitz oder der Jinbei FLII 500. Für alle bei denen Geld nicht die primäre Rolle spielt, ist der Profoto B2 das ideale Gerät. Im Grunde genommen ist das heutige Setup sehr einfach und genau das ist der Vorteil daran. Es ist mobil und genau das, was bei Nacht am Besten ist. Große Lichtaufbauten kann man sich in der Dunkelheit selten erlauben. Ich hingegen brauche nur meine beiden Hände. Es kommt nämlich viel weniger auf Blitz oder Kamera an als vielmehr auf die Balance zwischen Blitzlicht und Umgebungslicht. Gerade in der Nacht wird die Stimmung des Bildes über den Hintergrund geregelt. Das gleiche Blitzlicht kann mit unterschiedlichen Umgebungshelligkeiten zu komplett verschiedenen Ergebnissen führen. Bevor wir aber zur gar nicht so einfachen Balance der Helligkeiten kommen, gilt es noch ein paar Worte über das generelle Setup zu verlieren.

ringblitz-bei-nacht-jenny-06

Das Setup ist ein Standard Blitz, den Generator um den Hals getragen und der Blitz wird per Hand genau über die Kamera gehalten. Wem das jetzt bekannt vor kommt, der könnte hier auf dem Blog schon folgende Beiträge gelesen haben.

FLASH BRACKET FASHION-„PORN“-LOOK 28.2.2014
LICHTSETUP: SNAKE-ARM-AUFSTECK-DISH-KOMBO 18.5.2012
LICHTSETUP: AUFSTECKBLITZ AUF BLITZSCHIENE VS THE SUN 20.5.2013
TECHNIK: DIE PERFEKTE BLITZSCHIENE (VON SEAGULL) 15.3.2011
LICHTSETUP: MAGIC ARM DELUXE-LIGHT I (RANGERQ RX) 28.1.2011

Es geht aber eben auch noch einfacher, ganz ohne Schiene oder Halterung und genau das zeigt dieses Beispiel. Wir nehmen mit dem runden Standardreflektor vor dem Blitz die Position über der Kamera ein und balancieren mit dem Umgebungslicht unser finales Foto. Das Licht ist hochfrontal und ich nenne es gerne ENG-HOCHFRONTAL weil die Entfernung von Blitz zur Kameralinse weniger ist sie sogar bei einem Aufsteckblitz wäre. Das Licht ist noch aggressiver und deutlich flacher.

Und da wären wir auch schon beim Thema der Balance. Für mich gab es beim oben gezeigten Aufbau mit Jenny zwei Settings. Einmal die Betonung des Umgebungslichts und dann als krassen Gegensatz das völlig ausblenden der Umgebungshelligkeiten. Einmal haben wir also einen Look der die Location und deren Licht ins Bild integriert und dann wäre da noch der Look, der gänzlich keine Rücksicht mehr auf das Umgebungslicht nimmt.

einstellungen-kamera

Beide Bilder haben identische Einstellungen bezgl. des Lichts, sind also nur mit der Belichtungszeit anders geregelt. Und genau das ist der Trick aus der Praxis heraus. Die Belichtungszeit ist das Spielrad des Fotografens und kann herrlich dazu dienen die Belichtung zu variieren, ohne gleichzeitig das Blitzlicht anzugreifen. Ändere ich ausschließlich die Belichtungszeit und belasse ISO, Blende und Blitzleistung gleich, dann erhöhe ich damit nur das Umgebungslicht bei gleichbleibendem Blitzlicht. Und so kann ich in Millisekunden verschiedene Looks erzeugen.

ringblitz-bei-nacht-jenny-01ringblitz-bei-nacht-jenny-02

Erstaunlich ist dabei auch die komplett unterschiedliche Wirkung. Während auf dem linken Bild die Stimmung sehr viel natürlicher ausschaut, wirkt das rechte Bild eher künstlich. Der Look ist brachialer als auf dem AL-Bild auf der Linken. Die Haut wird durch das stetig steigende Umgebungslicht auch deutlich wärmer gefärbt und sorgt zusätzlich für mehr Natürlichkeit.

Wer sich jetzt fragt, wie man überhaupt scharfe Fotos bei einer Zeit von 1/5 machen kann, dem sei beruhigend mitgeteilt, dass das Blitzlicht für die Schärfe auf dem Model zuständig ist. Im schlimmsten Falle verschwimmt der Hintergrund, das Model bleibt aber immer scharf geblitzt.

Eine wirklich wichtige Bemerkung muss ich aber auch noch anbringen und zwar, dass man auch und der Nacht den Mut besitzen muss, Lichtquellen überschießen zu lassen. Damit meine ich, dass auch die eigentlich sehr dunklen Lichtquellen der Nacht zu einem ordentlichen Überstrahlen taugen. Dafür muss man aber auch extrem lange belichten und sich trauen eine Neonröhre so hell zu machen, dass Bildteile überstrahlen. Dann bekommt man nochmals einen zusätzlichen Push an Atmosphäre ins Bild.

In diesem Sinne probiert es doch mal aus… Blitz auf Kamera, direkt auf Model und dann aber schön mit der Location spielen.

Euer Martin

Kommentare (12)

12 thoughts on “Handgehaltener Blitz bei Nacht

  1. Moin Moin Martin, danke euch für den Artikel, genau dass was ich demnächst auch angepeilt habe. Ist es bei der ersten Variante mit einbezogenem Umgebungdlicht erforderlich auf den zweiten Vorhang zu blitzen? Grüße aus Magdeburg

    1. Je „schlechter“ die verwendete Kamera, desto besser wird den Hobbyisten ersichtlich, dass man nicht das beste Zeugs für tolle Fotos benötigt. Außerdem ist das Adjektiv „schlecht“ bei der Kamera nicht passend. 🙂
      Wieso sind wir denn so latent auf Krawall gebürstet Mr. Henne? Das Video tut doch keinem weh.

      1. genau so schaut´s aus. Wenn man weiß, was man tut und das Licht beherrscht (in der Fotografie geht´s meiner Meinung nach nur ums Licht, alles andere ist sekundär) kann man mit allem gute Bilder machen, mit ner Phase One, mit ner DSLR, mit dem iPhone, mit ner Polaroid, mit nem Toaster (haha :D).
        Es muss aber auch immer ein paar geben, die alles schlechtreden müssen… gehört dazu. Und die 5D Mark II (mit der offensichtlich hier gearbeitet wurde) ist für mich die beste Cam, die es gibt 😀

        Cheers, Max

  2. Hallo, finde den Beitrag richtig interessant. Hast echt auf neueIdeen gebracht. Kurz, bevor ich los ziehe. Hast du den Blitz auf „2 Vorhang“ eingestellt. Dankeschöne im Voraus. VG Alexander.

  3. Hi… ich überlege mir, diesen Porty anzuschaffen, ebenfalls für Aufnahmen mit Model bei Nacht. Ist denn der Blitz so weit in der Leistung zu reduzieren, dass ich auch mit völlig offener Blende (1,4 oder 1,8) ein sinnvolles Blitzergebnis hinzubekommen? Oder wird´s dann zu hell?

Schreibe einen Kommentar zu Henne Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zu unseren Datenschutzbestimmungen


The maximum upload file size: 12 MB.
You can upload: image.

Anzeigen