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AUFWENDIGES ABSCHATTER-BLITZ-AUFBAU“CHEN“

30. März 2015 | Lichtsetups

Langsam naht wieder die Outdoor-Saison und damit werden die Reflektoren entstaubt, die Blitzakkus aufgeladen und die Softboxen von den Spinnweben befreit. Passend zum Thema wollen wir heute diese Thematik aufgreifen und euch fit machen für die kommenden Sonnenstrahlen. Das heutige Setup ist etwas aufwendiger, arbeitet mit einem Abschatter und einem Blitz. Dafür ist es aber auch umso spannender zu sehen, welche Möglichkeiten und Optionen in dieser Kombination stecken.

Generell möchte ich diesen Blogpost wie eine Art Geschichte des Fotografierens an diesem damaligen Tag aufbauen. Das bedeutet gemeinsam Schritt für Schritt durch die Entstehung gehen. Im zweiten Part dieses Blogposts werden wir auch gleich darauf eingehen, welchen Fehler sicherlich viele Fotografen immer wieder machen und welche Möglichkeit man nutzen kann, wenn das Licht anders gesetzt wird.

Beginnen wollen wir mit der Location. Einer tollen verrosteten Lokomotive auf einem Abstellgleis im fernen Saarland. Ein toller Hintergrund. Farblich stimmig und einheitlich und dazu nicht nur eine rostige Wand, sondern eine funktionelle Form gehüllt in Rost.

TIPP: Bei der Locationsuche immer auf Außergewöhnliches achten, dabei aber auch besonderes Augenmerk auf die Homogenität der Farben und der Location selbst legen. Ein Hintergrund ist ein Hintergrund und nicht das Motiv. Viele Hintergründe sind zu spannend und nehmen die Aufmerksamkeit eher weg als dass sie unterstützen.

TECHNICAL Vergleich Fotos

Ich beginne das Fotografieren oft mit einer Belichtungsreihe. So wie im Beispiel oben. Dabei gehe ich eigentlich nur negativ vor und schaue mir von der „vollständig hellen Belichtung“ die Optionen mit weniger Licht an. Also auf „Richtig“ folgt -1 oder -2 und dann nochmals extrem düster -3 oder -4 sogar. Das ist besonders wichtig beim Einsatz von Blitzlicht. Blitzlicht kommt ja additiv zum Bild hinzu und kann kein bereits belichtetes Foto wieder abdunkeln. Ich kann also nur dann mit Blitzlicht spielen, wenn ich ein Negativ-Saldo an Licht auf dem Motiv habe. Die überbelichteten Fotos bringen mir in dieser Reihe reichlich wenig.

Aus dieser Grundbelichtungs-Reihe entscheide ich mich für einen Look. Je dunkler das Bild ist, umso mehr Blitzlicht werde ich brauchen. Umso künstlicher wird das Bild wirken und umso blitzdominierter wird das Bild werden. Je heller das Grundbild ist, umso weniger Blitz wird benötigt werden und umso natürlicher ist die Grundstimmung.

Der Sonnenstand war links oben und daher war es naheliegend den Blitz von vorne rechts kommen zu lassen. In der Fotografie nennt man die Kombination CROSS-LIGHTING oder zu deutsch KREUZLICHT. Die vorhandenen Lichtquellen kreuzen sich dann wirklich gegeneinander, besitzen also einen Winkel von 180° aus der flachen Vogelperspektive.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Nachdem der Blitz mitsamt einer mittelgroßen Softbox gesetzt war, muss nachfolgend natürlich die Leistung eingestellt werden. Das ist nicht schwierig weil vorher bereits die Einstellungen an der Kamera getroffen wurden und das Grundbild damit bereits fest steht. Der Blitz füllt jetzt nur noch das Model „auf“.

Wir haben uns für diesen Blogpost nicht für einen einzelnen Wert entschieden sondern die Dreierreihe von oben weitergeführt. Daher auch an dieser Stelle drei Fotos. Bei jedem Foto hat sich lediglich die Grundhelligkeit des Bildes geändert und dazu eben passend das benötigte Blitzlicht von vorne rechts auf das Model.

TECHNICAL Vergleich Fotos

Man erkennt deutlich die unterschiedliche Stimmung. Das Bild links außen wirkt total geblitzt. Trotz großer Softbox und tollem Blitzgenerator, hier ist der Hintergrund einfach zu dunkel und dadurch wirkt die Stimmung als gäbe es keine Stimmung.

Auf dem mittleren Bild ist die Stimmung relativ natürlich. Das Model wirkt fast schon überbelichtet. Dies entsteht aber aus der Tatsache, dass die Grundhelligkeit bereits sehr hoch ist und der Blitz fast gar nicht mehr benötigt wurde. Man erkennt die Grundhelligkeit gut am Hintergrund in der Ferne.

Auf dem rechten Bild wurde die Tageslicht-Belichtung wieder dunkler gemacht und mehr Blitzlicht eingestellt. Die Balance ist relativ gut und das Motiv wirkt harmonisch mit dem Hintergrund. Der Hintergrund ist nicht absaufend dunkel sondern durchgehend erkennbar. Dafür ist aber das Model hervorstehend beblitzt.

So leicht kann Blitzen sein. Im Endeffekt haben wir mit f11, ISO100 und 1/200s geblitzt. Das Ganze an einer 60D mit dem alten 17-85er Kit.

Es geht aber noch viel viel besser. Dafür muss man als Fotograf aber etwas quer denken. Über was spreche ich? Na um das nachfolgende Foto!

TECHNICAL Vergleich Fotos

Und wer jetzt direkt an viele Blitze denkt, der ist FALSCH! Wir sind immer noch bei einem ONE LIGHT SETUP.

Ausgangspunkt war die Tatsache, dass wir uns auf der Schattenseite der Lokomotive befunden hatten. Die Wolken verschwanden, die Sonne kam hervor und schwubs war die Welt um uns herum plötzlich ziemlich hell. Unser Bild von ganz oben sah plötzlich anders aus. Das Modell hatte eine Reflexion auf dem Kopf durch die Sonne von Links oben. Irgendwie passte das Licht nicht mehr wirklich. Der Blitz sah komisch aus mit der harten Lichtquelle von links oben.

Also haben wir den Blitz einfach umpositioniert und schräg von hinten kommen lassen. Gleiche Einstellung am Blitz bloß andere Position. Das Bild wird nun von hinten rechts angestrahlt, der Hintergrund bekommt tolle Reflexionen und das Model zusätzlich auch noch. Beim Betrachter der Lokomotive merkt man die Zeichnung und die Formung der einzelnen Streben und Formen. Der Hintergrund ist nicht mehr flach sondern dreidimensional.

Das Licht auf dem Model besteht nur noch aus Streulicht vom Sonnenlicht. Dafür haben wir aber auch die Blende auf f5.6 geöffnet.

TECHNICAL Vergleich Fotos

Ein großes Problem besteht nun aber. Es passt einfach nicht! Das Licht kommt jetzt von hinten links und hinten rechts, das Foto hat aber anscheinend einen sehr natürlichen Look. Natürlichkeit, dafür aber zwei starke Lichtquellen, das funktioniert so nicht.

Daher müssen wir uns einer Lichtquelle entledigen und das geschieht über einen Abblocker. Dafür brauchen wir keinen speziellen Abschatter, es reicht auch einfach nur ein Reflektor. Dieser reflektiert eben in diesem Fall nicht, sondern sperrt nur das direkte Sonnenlicht auf dem Model.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Das Foto wirkt sowohl mit als auch ohne das künstliche Streiflicht viel natürlicher. Es macht einfach mehr Sinn für unseren Kopf, wenn nur eine Lichtquelle auf dem Foto besteht. Es entspricht mehr unserer visuellen Logik.

TIPP: Als Fotograf sollte man auf die Visuelle Lichtlogik achten! Licht muss nicht nur schön aussehen sondern in manchen Situationen auch logisch aussehen. Oft vergessen macht genau das einen großen Unterschied bei künstlicher Lichtsetzung.

TECHNICAL Vergleich Fotos

Jetzt wird sich der eine oder andere geneigte Leser fragen, warum wir das überhaupt gemacht haben. Immerhin haben wir mit viel Aufwand das eine Streiflicht durch ein anderes Streiflicht ersetzt.

Die Antwort ist schlicht und sinnvoll.

1. Wir haben eine sehr steil und extrem hart einfallende Sonne durch eine nahe, große Softbox ersetzt. Das Licht sieht einfach schöner aus!

2. Wir haben die Position geändert. Während das Sonnen-Streiflicht nur die Lok und die oberen Haare gestreift hat, haben wir nur ein Streiflicht über den gesamten Hintergrund.

3. Wir haben eine unglaublich saubere und einheitliche Ausleuchtung auf dem Model. Durch Streulicht und durch eine saubere Abblockung der Sonne.

TECHNICAL Vergleich Fotos

Fazit: Was lernen wir also daraus? Lichtsetzung ist nicht so schwer. Aber man muss trotzdem viel denken. Denn man muss die Hintergründe verstehen. Streiflicht ist nicht gleich Streiflicht!

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