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IST NEUER IMMER BESSER? ODER VERLIEREN WIR DEN BLICK FÜRS VORHANDENE

26. Juli 2018 | Blog

Ante Skriptum: Ich weiß, heute ist Donnerstag… 🙂 Egal!

Seit wenigen Tage ist Nikon mit seiner Werbekampagne zum neuen spiegellosen Nikon System gestartet. Kaum ist ein fast zu 90% schwarz gehaltener Trailer auf YouTube zu sehen, stürzen sich die bekannten YouTube Größen aus den USA und den Rest der Welt darauf, ziehen Schwarzwerte hoch, hellen Videos auf und mutmaßen stundenlang mit einem ungeahnten Bullshit über Dinge von denen Sie weder eine Ahnung haben noch irgendwelche wirklichen Einblicke in die Beweggründe des japanischen Entwicklerteams.

Ich habe mit den letzten Klicks bestimmt eine halbe Stunde meines Lebens verloren an Aufschneider, Angeber und Hohlbratzen, die aus Nichts heraus sogenannten CONTENT kreieren.

Ja, Nikon startet ins spiegellose Lager und ja, hoffentlich gibt es viel Konkurrenz für Sony damit auch Sony weiterhin immer bessere Kameras produzieren muss. Ja, die Kamera wird neu sein und anders und irgendwie nicht wie bisherige Nikon Kameras aussehen. Das Bajonett ist neu…

Aber zur Hölle… warum spielen die bei diesem komischen Spielchen mit und warum gibt es da draußen so viele Fotografen, die scheinbar gar nicht Fotografieren sondern nur noch über Technik reden wollen. HALT… stimmt nicht. Ich muss ja richtigerweise sagen, dass die Fotografen gar nicht normal reden wollen… das ist nur reines Spekulieren und Raten.

Wie kann man seine Zeit nur mit so viel Sinnlosem verschwenden? Wenn Nikon das Ding fertig hat, dann werden Sie es schon zeigen und keiner wird die Kamera früher in den Händen halten weil ein Lockenkopf sich in seinem einsamen Kämmerchen irgendwelche Hirngespinste aus den Fingern saugt. YouTube kommt mir langsam vor wie eine einzige Verarsche. Nicht YouTube selbst sondern der Content. Es geht nur noch darum, wer schneller und wer früher mit irgendwelchen Infos raus kommt und da bleibt einfach die Qualität auf der Strecke. Es gibt keinen wirklichen Journalismus mehr. Redakteure und Programmdirektoren… Fehlanzeige! Fakten werden gar nicht mehr geprüft? Fakten? Nein, es geht ja nicht um Fakten. Es geht um lustiges Erfinden. Mein Sohn wäre sicherlich genauso kreativ wie viele YouTube, nur verpacken die das Ganze dann doch etwas schlaubärschlumpfmäßiger. Und vielleicht mag man jetzt über mich sagen, dass ich doch im Glashaus sitzen würde, manchmal auch Dinge falsch sagen würde. Keine Verteidigung von mir. Ja, ich mache Fehler! Das ist normal. Ich weiß nicht alles, ich versuche aber nur über Dinge zu schreiben, die ich selbst gelernt habe und von denen ich eine feste Meinung habe. Nicht über Dinge die einfach „reichweitenstark“ sind. Ich stehe immerhin nicht auf, schaue mir bei Google Adwords die beliebtesten Schlagwörter und Suchanfragen an und mache dann aus 4 guten Schlagwörtern ein blödes YouTube Video über irgendetwas… Hauptsache die Keywords werden genutzt.

Ich bin selbst sowas von gespannt was Nikon da über die Jahre entwickelt hat. Und mich interessiert auch brennend was wir dann irgendwann von Canon sehen. Vielleicht interessiert mich gerade Nikon deutlich mehr als Canon aber das hat einfach damit zu tun, dass ich mich bei Canon die letzten Jahre irgendwie verlassen gefühlt habe und Nikon einfach die die Bruner auf den Markt geworfen hat… aber das ist ja auch immer etwas Geschmacks- und Gefühlsabhängig… nicht wahr? Wir Fotografen sind ja schon ein bisschen Gaga im Kopf…

Aber man darf nicht vergessen, die YouTuber und Glaskugel-Seher sind nur ein Resultat aus den Konsumenten. Die sind die Schuldigen. Denn da geht es gar nicht mehr um Fotos. Es geht um Spielzeug.

Wir haben seit über 10 Jahren diesen sehr techniklastigen Blog, wir versuchen weiterhin Fotografie zu erklären und dabei einen Spagat zu gehen zwischen Technik und Praxis… Jetzt im Jahr 2018 finde ich langsam, dass die FotoZeitschriften, die ich übrigens lange verachtet habe!!! (mea culpa!), einen sinnvolleren Job machen als die meisten Blogger und YouTuber. Die haben wenigstens noch eine gewisse journalistische Ehre im Leib. Da gibt es keine Grabenkämpfe zwischen YT1 und YT2 Kanal, es wird sich nicht geprügelt wer eine Kamera 5 Minuten vorher haben kann und vor allem hält man sich mit Mutmaßungen zurück.

Ich habe gar nix gegen Meinungen. Wenn jemand seine Meinung sagt und es gibt jemand, der diese Meinung hören möchte. BE MY GUEST… Aber das hat alles nix mehr mit Meinung zu tun. Ich versuche zu trennen zwischen Wissen und Glauben. Glauben ist eher ein Gefühl, Wissen ist eben ein WISSEN. Wenn ich eine Kamera in der Hand habe über Wochen und Monaten, dann habe ich sowohl einen Teil Wissen als auch einen großen Teil „Glauben“. Ein subjektives Gefühl.

Wenn Nikon einen Trailer veröffentlicht und ich das Bild mit ein paar hellen Kanten über 4 Blenden zu einem grauen Pixelmatsch ziehe und dann darüber mutmaße… das ist einfach nur schwach.

Was ich aber eigentlich mit diesem Beitrag schreiben wollte, war das Thema des „Augenmerks“. Kann es sein, dass wir durch derlei YouTube-Channels, Blogs und auch Magazine das Augenmerk verlieren? Vielleicht auch durch unsere Arbeit hier? Ich will mich da gar nicht so ausschließen, vielleicht merke ich ja auch gar nicht, was ich da manchmal wie von mir gebe.

Nehmen wir das Beispiel Nikon. Nikon hat mit der D850 die Mutter aller DSLR Kameras auf den Markt gebracht. Eine Kamera die so traumhaft schön ist, dass ich mich schon oft gewundert habe WARUM? So langsam düngt mir, dass es vielleicht so ein kleines Abschieds-DSLR-Geschenk von Nikon ist. Die wissen vielleicht, dass nicht mehr so viele DSLR kommen werden und jetzt wird nicht mehr taktiert sondern wirklich mit Features und Funktionen geklotzt.

Die D850 vereint alles was eine Kamera braucht. Dynamik, Auflösung, Funktionen und AF. Und das ganze in einem Gehäuse was bei Nikon über 100 Jahre gereift ist, wo jeder Knopf auch da liegt, wo er hingehört.

Ich finde es unfassbar wie wenig diese Kamera gewürdigt wird. Wir waren durch unsere Zusammenarbeit mit Nikon mit dem Projekt DESTINATION NEUSEELAND mit der Kamera im wirklich Extremeinsatz. Und erst dort haben wir die Brillanz dieser Kamera schätzen gelernt. Wenn man mich fragen würde, welche Nachteile die D850 hat, dann würde ich sagen, dass es keine Spiegellose ist… wenn man mich nach dem Vorteil fragen würde, dann würde ich sagen, dass es keine Spiegellose ist. Fragt man mich aktuell nach der besten DSLR überhaupt, dann würde ich ohne zu zögern D850 sagen. Und auch ohne die Einschränkung über das Kriterium DSLR würde ich viel nachdenken müssen. Denn abseits der Tatsache dass ich digitale Sucher liebe und ein wirklicher Fan davon bin, eine DSLR ist und bleibt eine DSLR. Das fängt beim Sucher an, geht über den Spiegelschlag bis hin zu einem satten Geräusch.

Komisch… während sich die Welt über den sog. Shuttershock beschwert, liebe ich das Gefühl wenn ich in meinen Fingerspitzen merke, dass gerade ein Foto belichtet wurde. Bin ich verrückt, geht es nur mir so oder können es sonst keine Fotografen zugeben? Mechanik ist geil… vielleicht nicht die Zukunft, aber einfach geil…

Aber scheinbar giert die Welt nach Neuem? Eine Kamera wie die D850 ist großartig, wird gut verkauft und findet auch ihre Fans… aber der Hype kann nicht mithalten mit dem einer neuen Fuji, Sony oder Nikon Spiegellosen. Und dabei würde ich behaupten, sind wir dort noch im Stadium des Experimentieren. Das merkt man schon, wenn man sich mal anschaut wie schnell sich Gehäuse, Formen, Knöpfe oder Menüs der Spiegellosen ändern. Scheinbar ist da eben doch noch nicht der Stein der Weisen gefunden und jedes Modell hat dann doch so viele Fehlerchen, dass man es beim Nachfolger dann doch lieber radikal anders macht.

Und nicht nur das? Wo bleibt der Fokus darauf, dass die heutigen „Einstiegskameras“ gar keine solche mehr sind. Dauernd les ich nur noch von Topmodel A und Über-Flagschiffmodel B. Mittelformat hier und noch krassere Profi-Kamera da. Auch das ist eher ein Vorwurf an mich selbst… es ist Zeit zu zeigen was Großes in den kleinen Kameras steckt.

In Neuseeland waren Marc und ich mit D850 und D7500. Zugegeben, die D7500 kostet auch schon 1300 €, mit Cashback vielleicht 1200 €… ein Haufen Kohle für manch schwer arbeitenden Menschen da draußen. Trotzdem hab ich heutzutage schon selbst das Gefühl, mit so einer Kamera nur Mittelklasse zu sein. Und auch das ist völlig ungerechtfertigt und auch in keinster Weise nachvollziehbar.  Ich habe die letzten Tage Bilder aus Neuseeland bearbeitet und ich muss gestehen, dass ich beim fertigen Foto auf schönen 30-45cm Ausdrucken gar nicht mehr so richtig sagen kann, welche Kamera wie im Einsatz war… Ist das jetzt gut für die D7500 oder schlecht für die D850? Es ist egal… Die Qualität bei beiden ermöglicht tollte Fotos, bezaubernde Momente und beeindruckende Aufnahmen. Und das vergessen wir alle nur zu schnell.

Es ist schade… Aber da schließt sich der Kreis. Denn mal wieder geht es gar nicht um das Fotografieren sondern eben um NEU NEU NEU. Und in dem Fall weiß ich gar nicht, ob NEU wirklich besser ist. Und gerade jetzt bei Nikon bin ich wirklich gespannt wie Nikon eine D850 überhaupt noch toppen möchte? Es kann doch nicht der einzige Unterschied sein, dass man eben oben auf nen Display guckt anstelle über den Spiegel durchs Objektiv auf das Motiv?

Was ist denn aus Licht geworden? Noch nie wurden so wenig mobile Blitzgeräte verkauft wie 2018. Obwohl der Markt mit tollen Erfindungen gerade zu überhäuft wird. Licht ist gar nicht mehr so wichtig… macht ja das Preset in Lightroom. Und hinterher kann man dank der tollen Dynamik ja eh noch richtig viel Bearbeiten.

Ich weiß so langsam, warum Marc nur noch analog fotografiert. Immerhin hat er so diesen ganzen Driss nicht mit Besser, Neu und Anders. Es geht einfach nur ums Motiv und den Moment.

Wir haben verlernt das Vorhandene zu würdigen und gieren nur nach „Neuem“. Das ist falsch… da muss ich mir auch an die eigene Nase fassen. Fast täglich werde ich selbst von Videos und Blogs auf irgendwelche neuen noch geilere Kameras und Objektive aufmerksam gemacht. Dann schlägt die Marketingfalle zu und schwups liegt das Teil im Amazon-Warenkorb und SameDay sei Dank am gleichen Tag noch auf dem Schreibtisch. Doch dann nur man entsetzt feststellen dass nicht nur das Konto gelitten hat, sondern auch die Qualität des Ergebnisses.

Und wisst ihr was das Schlimmste ist? Während ich auf 50% meines Bildschirmes gerade auf der linken Seite diesen Beitrag schreibe, habe ich auf der rechten Seite die NikonRumorsSeite geöffnet und im zweiten Tab Amazon. Irgendwie fühle ich mich gerade selbst ein bisschen überschizophren.

Euer Martin

Kommentare (24)

24 thoughts on “IST NEUER IMMER BESSER? ODER VERLIEREN WIR DEN BLICK FÜRS VORHANDENE

  1. Dieser Beitrag beschreibt gut was mir auch immer mehr auffällt. Es geht nur noch um neu und klein und leicht.
    Ich habe mit Canon gestartet und habe mir im letzten Jahr die EOS 6d II angeschafft. Klar ist die schwer und über die Dynamik wurde lange vor der Markteinführung hergezogen. Ich habe keine Nachteile für mich feststellen können. Ich weiß blind wo jeder Knopf ist und liebe das Geräusch beim Bilder machen oder auch beim Serienbildmodus, wo beim Handball ein Daumenkino entsteht 😉
    Ich kann mich an die kleinen DSLM Modelle nicht gewöhnen. Vielleicht möchte ich das auch einfach nicht. Ich trage meinen Kamerarucksack und ich ich schwitze mit meinem Kamerarucksack. Aber wenn es einem das Wert ist kann einem das eigentlich nur Recht sein. Zumal das gewicht eher von den Objektiven kommt als vom Kamerabody.

  2. Hallo Martin –
    Dein Statement beschreibt exakt den heutigen Zeitgeist: immer schneller, weiter, höher, neuer …
    Das liegt aber nicht nur an den smarten Marketing Strategen – sondern auch an einem selbst. Klar – bin ich extrem gespannt was für ein genialesTeil Nikon hier in der Pipeline hat, ob es auch Eye-Focus kann , ob es ein IBIS hat (wäre für mich beides extrem wichtig) – oder ob es ’nur‘ ne 850 ohne Spiegel ist …
    Aber ich finde auch, es ist müßig sich mit Vermutungen oder Mutmaßungen zu beschäftigen – die werden die Katze schon noch vor der Photokina aus dem Sack lassen und dann kennt man die Fakten.
    Und die gesparte Zeit sollte man nutzen um mit seinem existierenden Equipment gute Fotos zu produzieren.
    Ich denke auch, daß viele ihr eigenes Equipment noch gar nicht richtig kennen, aber schon nach unbekannten Fakten (sog. new fake news) gieren, anstatt mal die eigene D810/D750 richtig auszureizen …
    Nur weil du dir vor der WM einen neuen, größeren, besseren UH/4K super trooper OLED Fernseher gekauft hast, spielt die Nationalelf auch nicht besser ….
    In diesem Sinne – ein allseits gespanntes Warten auf den 23. August 🙂

  3. Ach Martin .. das ist kein Phänomen der Fotografie, sondern in allen Branchen bestens vertreten. Entscheidend ist, was man draus macht. Und da hat du schon recht mit, den es liegt am Konsumenten, wobei ich hier dann doch noch auf die Geschäftemacher verweisen möchte, die subtil Einfluss nehmen und alle unglücklich machen, die „noch“ im Internet unterwegs sind.

  4. Technik ist völlig überbewertet. Ich kaufe mir nur alle 10 Jahre mal ne neue Kamera, und hoffe das meine geliebte A7 Mark I noch recht lange hält 🙂

  5. Martin, du bist klasse! Denn mit dem ganzen Müll-Hype-Content ohne Inhalt wird es immer schlimmer! Ich fand zB vor ein paar Monaten als die Mavic Air rauskam, den youtube-Hype genauso übertrieben.. tausende Videos mit Unboxing, First Inpresssions.. aber redaktionell recherchierter Inhalt? Taugt sie was für Fotografen? Fehlanzeige!!

    Der einzige, der ein ECHTES hilfreiches Testvideo gemacht hat – warst DU!!!! Danke dafür, denn ich habe die Air nicht gekauft, es war nur ein Marketing-Spielzeug für Selfie-Filmer(etwas übertrieben), ich warte lieber auf die Mavic Pro2. Auch hier wird wieder gehyped.. auch von Dji selbst, mit angeblichen technischen Problemen, verschobenem Event-Termin.. 🙈

    Wie brauchen so Leute wie dich, die ohne „Promotion“-Brille einfach die gut recherchierte Wahrheit sagen 👍

  6. Hey Martin,

    Ich kann dich verstehen. Aber mach dir nicht so einen Kopf 😊

    Persönlich finde ich Technik sehr spannend und will auch immer mehr darüber verstehen, lasse mich aber selten auf solche Debatten oder belanglose „Technikschlachten“ mit anderen Fotografen ein.

    Für mich schaue ich einfach, dass ich mein Ding mache, an meiner Bildqualität arbeite. Ganz egal wie alt oder neu die Technik ist. Wichtig ist das Ergebnis was hinterher Glücksgefühle auslösen soll. Zum Beispiel mit einem schönen Print.

    Und um noch mehr Stress zu entgehen, nutze ich seit einigen Wochen noch weniger Handy und Internet. Klingt komisch? Ich mache mich einfach frei von den ganzen (teils unnötigen) Einflüssen und fühle mich ruhiger und wohler.

    Konzentrieren wir uns lieber auf die wirklich wichtigen Dinge und genießen die Arbeit als Fotograf. Oder alternativ auch mal die Zeit mit unseren Mitmenschen 😉

    Beste Grüße
    Mathias

  7. Hallo Martin,
    du sprichst mir aus der Sele. Es ist schön zu lesen, dass es in dieser Zeit noch Menschen gibt die sich über solche Sachen Gedanken machen und sich getrauen darüber öffentlich zu sprechen. Mit „solchen Sachen“ meine ich jetzt nicht explizit die Fotografie, sondern generell sich da im Netz gerade abspielt.
    Ich hatte vor kurzem ein sehr interessantes Buch gelesen: „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“ von Jaron Lanier. Bitte mich nicht falsch verstehen, bin absolut kein Gegner von Social Media, verwende sie ja selber. Aber wenn man sich getraut zwischen den Zeilen zu lesen, beschreibt Lanier genau dass, was Martin mit seinem Artikel auch beschreibt: da drausen laufen Dinge ab die wir zum Teil nicht mehr unter Kontrolle haben, sondern die uns unter Kontrolle haben.
    Ich bin der Meinung man soll nicht alles glauben was man „zum Lesen serviert“ bekommt, sondern jeder soll seinen gesunden Hausverstand nutzen um die Sachen zu hinterfragen und sich selber treu bleiben und nicht mit der Masse schwimmen – und das nicht nur beim Fotografieren !
    Bitte mich nicht falsch verstehen, bin absolut kein Pessimist 😇 aber ich versuche einfach alles iregndwie pragmatischer zu sehen. Umd genau das gefällt mir so an deinen Artikeln => mach weiter so Martin 👏

  8. Diesen Sinneswandel bemerke ich bei mir selbst auch immer mehr. Ich bin mit einer Olympus em5 unterwegs, was ja auch keine topaktuelle Kamera ist. Ich ziehe momentan auch immer öfter mit meiner alten Canon 400d und nem Sigma 30 1.4 los und bin nicht unzufrieden mit den Ergebnissen. Komisch früher war ich das…

  9. Ich kann Deine Frustration natürlich verstehen, aber man muss hier ein paar Sachen trennen glaub ich.

    Ich hatte Einblicke in große „Content-Getriebene“ Unternehmen und weiß deshalb auf was sie Wert legen – und ich merke ähnlich Tendenzen bei vielen Youtubern. Zum einen muss man verstehen, dass die Content-Konsumenten (also wir) nur indirektes Nebenprodukt bzw. Rohstoff sind. Die eigentlichen Kunden sind Werbepartner – Sponsoren und der Content wird zum einen für die Kunden und zum anderen für die Platform optimiert (sprich, was rankt am bestem, wird am meisten angeklickt).

    Der Inhalt und dass der Content auch konsumiert und ankommt ist meist schon nicht mehr von Interesse, weil ein View für die „Kunden“ reicht – oder noch besser wenn man durch-klickt.
    Manche Content Creators machen das unbewusst, manche mit Strategie (vor allem Verlage etc).

    Das heißt aber auch dass der Content Inhalt nicht das Maß aller Dinge ist — und ja das gabs schon immer in allen Medien. Man muss halt wirklich schauen, was ist „Entertainment“ – was Inhalt auf den ich bauen kann.

    Ist natürlich schade für euch, die guten Content machen. Aber soweit ich verstehe seit ihr nicht finanziell abhängig von Youtube und könnt es euch leisten guten Content zu machen – More power to you 🙂

    Was das „ich will ne neue Kamera“ Syndrom angeht … ich habe es mir persönlich (mit wechselnden Erfolg) vorgenommen dass ich mir auf die Finger schaue ob ich in die Falle tappen … „Wenn ich X besitze, dann mach ich endlich mehr Y“ … bzw. „Ich mach Y nur nicht weil ich X nicht habe“

    Funktioniert beim Sport … „Ich geh erst ins Fitness-Studio und mache Sport, wenn ich einen teuren Gym-Vertrag habe – der bringt mich dazu“

    und beim Photographieren: „Ich geh nur nicht fotografieren weil meine Kamera nicht Wetterfest ist/FPS hat/WIFI hat“

    und wenn es dann wirklich schlimm ist, dann buch ich eine Reise (dafür brauch ich nie eine Ausrede 😀 ) und da fotografier ich dann auch mit dem was ich hab … 😉

    In dem Sinne – ein schönes Wochenende und heute Abend Mondfinsternis auch hinter der Kamera genießen

  10. Sagte der Kritiker obwohl er selbst Objektive wie das Zeiss Batis vorgestellt hat…..

    Du bist selbst ein Teil davon. Es sei denn du zeigst nur noch Lichtsetups die ja noch kaum jemand braucht werden weil sowenig Blitanlagen verkauft werden.

  11. Danke für diesen tollen Artikel. Ich kann den Hype um die Spiegellosen auch nicht nachvollziehen. Ein anderer Fotograf hat die Sony A9 mal als technisches Meisterwerk bezeichnet, aber seelenlos. Ich glaube, dass trifft es ganz gut.

    Mit jeder halbwegs aktuellen Kamera kann man tolle Bilder machen (mit älteren natürlich auch). Es braucht keinen EVF, auch wenn der einem das Leben vielleicht etwas erleichtern kann. Für mich sind da andere Dinge ausschlaggebend, insbesondere: Ergonomie. Zugegeben: ich habe relativ große Hände. Und: ich habe eine Fuji und eine A9 nur kurz mal in der Hand gehabt, und nicht damit gearbeitet. Aber diese kleinen, eckigen Dinger liegen mir einfach nicht gut in der Hand und ich mag mir nicht vorstellen, wie das nach einer 10-Stunden-Hochzeit aussieht. Klar sind die etwas leichter. Aber plus Batteriegriff, plus Akkus macht das dann auch keinen Unterschied mehr. Ich liebe meine D750 und von der Ergonomie und Bedienung her noch mehr meine D500. Von daher ist für mich auch weiterhin eine D850 meine Traumkamera 🙂

    1. Ich habe mit ner X-T1, X-T10 und X-T2 Hochzeiten fotografiert, da tut einem nichts mehr weh 🙂 Nach der Nikon D700 und D800 mit BG über einen ganzen Tag, hatte ich schmerzen in den Händen. Auch nach vielen Hochzeiten wurde das nicht viel besser. An sich war ich dann immer Happy wenn ich nur noch eine Fixbrennweite und keinen BG mehr drauf hatte. Ich habe für die X-T2 (und hatte für die X-T1) auch einen BG, den verwende ich öfter bei den schwereren Zoom Objektiven (f2.8) und wenn ich Hochformat fotografiere. Ich tue mir da leichter, trotz des Horizonts im Display.
      Ich krieg auch in einen Rucksack alles rein, was ich vorher in einem großen Rucksack und in eine Tasche packen musste. Den Luxus will ich nicht mehr missen. Aber es ist auch so das jeder das nutzen soll, was ihm gefällt. Wenn jeder das gleiche wollen würde, bräuchten wir auch nur einen Hersteller und ein Modell 🙂

      Ich wollte nur damit sagen, die Spiegellosen machen es gerade bei Hochzeiten einfacher weil sie leichter sind. Und wie bei Fuji mit dem APS-C, der den KB-formatigen kaum nachsteht, sind sogar noch die Objektive kleiner und leichter obwohl sie verdammt hochwertig sind. Das hätte ich mir bei Nikon damals gewünscht 🙂

  12. Hallo Martin,
    ich kann das nur zu gut nachvollziehen.
    Ich erwische mich auch immer wieder dabei den Titeln von Videos oder Artikeln zu folgen, weil sie eine interessante Neuigkeiten versprechen. Allerdings werde auch ich öfters enttäuscht, weil der erhoffte Inhalt dann doch gar keiner ist.
    Ich kann zum kleinen Teil auch die Personen verstehen, die diese Praktiken nutzen, aber mit meinem Gewissen könnte ich so eine Herangehensweise wohl nicht vereinbaren. Es kann denjenigen, meiner Meinung, dabei nur um Profit gehen.

    Ich glaube das Phänomen, dass alles immer besser, großer, schneller etc. sei soll, existiert schon so lange wie die Menschheit. [Die Ausnahme bestätigt natürlich auch hier die Regel 😉 ]
    Das liegt bestimmt auch daran, dass der Mensch oftmals sehr Technikbegeistert ist.
    Und es hat ja viele Vorteile. Angefangen bei der Erfindung des Rades, bei dem man glauben könnte es ging den Menschen auch nur darum schneller und weiter zu kommen. Heute können wir mit dieser Erfindung, und unglaublich vielen anderen, mit 200 km/h über deutsche Autobahnen rasen.

    Nichtsdestotrotz glaube auch ich, dass weniger manchmal mehr ist. Natürlich würde ich jetzt auch gerne hier mit einer Alpha 7R3 und einem „erwachsenen“ Sigma Art Objektiv sitzen und auf die Mondfinsternis warten.
    Aber meine Alpha 6000 mit dem Sigma 19 2.8 tut es ja auch. Und die Technik ist in der Fotografie doch nur das i-Tüpfelchen.

  13. Was nützt die neuste Kamera, spiegellos, krasser Dynamikumfang und geiler AF, wenn der Fotograf für jedes Bild das er von einer Person macht 20 Sekunden braucht. Habe ich vor zwei Wochen mitbekommen. Mir mir aufgebauscht mit seiner Marke (bla bla bla) und dann mit dem Model keinen Fluss hingebracht. Das Model hat sich genervt und die Bilder wurden kacke. Ja, zur fotografie gehört nicht nur Technik, sondern auch das menschliche drumherum. Und genau das habe ich vom K&G gelernt.

  14. Ich glaube nicht, dass es nur um neu als Selbstzweck geht, teilweise passieren doch schon spannende Sachen mit echtem Mehrwert.

    Zum Beispiel der Eye-Detection-Autofokus, für Peoplefografen halte ich sowetwas für so nützlich wie damals der Umbruch in den 80ern als sich bei SLR der Phasen-Autofokus allmählich durchsetzte.

    Ein Übergang in eine neue Epoche vielleicht.

    Klar, auch damals gab es genug leute, die sagten „Autofokus? braucht man nicht. Ich bin schließlich nicht zu doof, um manell fokussieren zu können“.

    Genauso gibt es heute „Eye-AF? bracht man nicht, ich bin doch nicht zu doof für Oldschool-Phasen-AF meiner DSLR“. Irgendwann werden das aber immer weniger sagen, am Ende nur noch eine kleine „schrullige“ Minderheit, so wie die die heute die manuell-Fokussierer. (Ich spreche dabei natürlich von agiler Peoplephoto, z.B. Hochzeiten, und nich von „Das Model sitzt starr wie eine Salzsäule im Studio auf einem Schemel“).

    Ich hätte auf die D850 keine große Lust, die Megapixel sind absolut sinnfrei für jede relevante Form von sinnvoller Peoplephoto-Verwertung, und ihre Größe / Gewicht / Kosten außerhalb des Sweet Spots.

    Interessanter finde ich tatsächlich, dass günstigere Modelle wie die A7 III immer interessanter werden.

    Es geht mir mit meiner DSLR so auf den Keks, dass meine Aufmerksamkeit zu 90% durch die Fokussierung und dessen Kontrolle aufgesogen werden.

    Eye-Af dagegen (nur mit Mirrorless möglich) ist dagegen eine kleine Revolution, davon träumen People-Fotografen seit es People-Fotografie gibt. Ein Auto-Fokus, der seinen Namen endlich mal verdient. Kopf frei-haben für ad-hoc-Kreativität und Interaktion mit der Person.

    Ob die Nikon-Mirrorless in die Nähe der AF-Fähigkeiten kommt, ist noch spannend. Ich glaube aber nicht dran, da wohl schwieriger als man so denkt (selbst Fuji kann das nicht wirklich gut, wieso sollte Nikon das von null auf können).

  15. Wer mit den aktuellen Kameramodellen – welches Coleur auch immer – nicht das Bild hinkriegt das er möchte, ist selber schuld. Punkt. Auf die Kamera kann er es nicht mehr schieben. Welche Marke am besten in seine Hand passt, ist sicher individuell, und sollte heute erst recht die Kaufentscheidung – neben dem Zubehör das er für seine Fotografie braucht – sein. Kritisch sind nach wie vor die 20cm hinter der Kamera. Da müssen wir alle dran arbeiten! Natürlich ist es leichter neues Equippment zu kaufen anstatt an seiner Fotografie zu arbeiten… Aber ja, die Industrie will Umsatz machen, ebenso die YT-Gurus, die von ihren Follovern in sechsstelliger Höhe leben. Da geht es oft darum der erste zu sein, und wenn die News auch nicht soo ganz Information, eher Spekulation sind.

  16. Hi Martin!
    Weiss nicht, ob du mir das Posten von Links hier durchgehen lässt, habe zu dem Thema (zufällig) ein interessantes und wahres Statement von Kirk Mastin gefunden:
    https://www.mastinlabs.com/photoism/articles/why-you-shouldnt-upgrade-your-camera-gear
    Bin zwar selbst auch interessiert an techn. Entwicklungen und sinnvollen neuen Funktionen, aber um gute Bilder zu machen braucht es das sicherlich nicht. Das ganze Gehype um neue Kameras, ist halt ein mega Marketing. Es gibt genug „Mietmäuler“ auf YT, die eine erhebliche Followerschaft haben und eigentlich als reiner Marketingzweig einer ganzen Industrie angesehen werden können.
    VG aus Frankfurt
    Leon

  17. Schön, dass Du solche Dinge reflektierst …

    Ich finde, wir verlieren den Blick fürs Wesentliche.

    Fotos sind bis auf wenige Ausnahmen in ihrer Masse mittlerweile nahezu austauschbar geworden. Daher muss es mehr Kriterien hinter dem eigentlichen Foto geben, die seinen Wert beschreiben – und das ist leider mehr und mehr die Technik und Ausrüstung und ganz und gar im Sinne der Hersteller, ihrer Marktingmechanismen und im Endeffekt auch der Fotoblogger, die sich damit ein Zubrot verdienen.
    Gleichermaßen verliert sich der Sinn für Werte und wird durch den Sinn für Preis ersetzt – soll heißen, oft ist Haben wichtiger als Sein. Das zeigt sich an konkreten Beispielen, wenn ein Hochzeitsfotograf sich seinem technikbegeistertem Kunden für seine „alten Nikons“ (D810) rechtfertigen muss oder warum er denn keine „knackscharfen Sigmas“ einsetzt, bevor er überhaupt ein einziges Foto geschossen hat.

    Foto Freaks sind auch Technik Freaks sind, die immer nach dem Neuesten und Geilsten streben. Dass Canon Bashing, Mirrorless Fundamentalism, Pixel Peeping, etc dazu gehört, wissen wir alle.

    Wenn aber ein Foto in seiner Qualität über jeder Frage nach Kamera und Linse steht, dann hat der Fotograf etwas richtig gemacht. Deshalb heißt Euer Buch ja auch „Licht“ und steht in meinem Regal – und nicht „Equipment“.

    Bei allen Equipment Blogposts, Roadtrips mit Marke, Affiliate Links, etc, bleibt von Euch hoffentlich genau das – und kommt noch vieles mehr: Fotos, bei denen das Equipment mal echt einfach wurscht ist. Vergesst also nicht Euer Wertefundament beim Portfoliomanagement …

  18. Super toller Beitrag.
    Man sieht, es ist einfach allzu Menschlich, wie unterschiedlich jeder von der Werbung beeinflusst wird. Das hat mir letzte Woche erst mein 6 Jähriger Sohn erklärt, nach dem er sich eins seine gefühlt 1000 Hörspiele angehört hat.
    „Ich weiss was!: Albert E. erklärt: Wie Werbung wirkt“

    Hier wird den Kindern erklärt, dass nicht das neueste, teuerste oder eine Bestimmte Marke eine bestimmte Situation oder Menschen besser macht. Man muss sich einfach selber reflektieren und entscheiden, wass wirklich nötig ist.

    „Wenn ich ein Eis in der Eisdiele essen möchte, ist es fast egal, ob ich mit dem Porsche oder dem klapprigen Drahtesel dort hin fahre. Das Eis schmeckt immer gleich“.

    Meiner Meinung nach schmeckt das Eis nach einer Fahrt mit dem Drahtesel noch besser, denn da hat man sich das Ergebnis mehr erarbeitet 😉
    Viele Grüße und ich bleibe weiterhin ein begeistertster Fan von K&G

  19. Die Fotobranche ist an Schnelllebigkeit kaum noch zu überbieten. Kaum ist die eine Sache raus, kommt doch schon die nächste. Speziell Nikon wurde vorgeworfen, jahrelang auf dem Gebiet der Spiegellosen gepennt zu haben – und sobal das neue Ding auf dem markt ist, wird man es ihnen wieder vorwerfen. Für Durchdachtes ist doch kaum noch Zeit. Sich aber selbst zurückzunehmen, nicht von einem Shooting zu manderen zu hecheln oder vielleicht auch mal auf Technik zu verzichten fällt uns Fotografen doch schwer – und da nehme ich mich nicht aus. Ich mache für mal einen Stopper rein und reduziere statt auszuweiten. tut vielleicht auch mal gut, um sich auf das zu konzentrieren, was man wirklich will.

  20. Da es das Fotohandwerk mit Meisterabschluss eigentlich nicht mehr gibt, füllt die Industrie und Influenser/Staubsaugervertreter die Lücke.
    Die einen wollen bei gleichem oder höherem Preis Kameras verkaufen, die durch den Entfall von Spiegelkasten und Pentaprisma eigentlich spürbar billiger sein müßten. Die anderen brauchen einen (mieserablen) Minibildschirm, weil sie von den Grundlagen der Fotografie keinen Tau haben.
    Ich muss gestehen, ich stand kurz vor dem Kauf einer A7III, als ich bemerkte, dass ich bei manchen Linsen meine Wurstfinger nichtmal zwischen Griff und Objektiv brachte, ohne mir die Knöchel aufzuscheueren. Bei hochwertigen Objektiven irre Preise und keine Gewichtsersparnis, … und dann dieser poplige Sucher?! … echt jetzt?!
    Ja, irgendwann werden die SLRs verschwinden, weil sie in der Herstellung und Entwicklung teurer als EVILs sind. Solange Hersteller aber nichtmal sinnvolle Menüs zusammenbringen und die Kameramonitore schlechter als bei €50,- Handys sind, bleibe ich den DSLRs treu. Ich weiss aber auch was Kameraeinstellungen bewirken…

    „Gut Licht!“
    John G.

  21. Hallo Martin,

    ich besitze weder eine D850 noch 5D Mark IV und auch keinen überteuerten Briefbeschwerer von Sony. Deinem Beitrag stimme ich zu 100 Prozent zu. Ich bin sehr für Technik zu begeistern und verfolge nicht nur euch auf YouTube sondern auch andere Fotografen und solche die welche sein wollen. Derzeit sortiere ich den Müll und dummes Zeug Erzähler aus sodass nur noch die guten übrig bleiben. Zu den guten gehört unter anderem auch ihr !!! Ich war auch immer der Ansicht das mir keine DSLM ins Haus kommt. Seit Januar diesen Jahres hat sich das geändert. Meinen Systemwechsel von APS-C auf MFT habe ich nicht bereut. Kleiner leichter und unwesentlich weniger „Leistung“ haben mich nicht davon abgehalten eine Panasonic Lumix zu kaufen. Ich hoffe das ihr weiter so interessante und spannende Beiträge sowohl auf YouTube und euerem Blog veröffentlicht und bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

    Martin H. aus B.

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