4.9.2015    9

Die Sache mit der Wahrheit…

4. September 2015 | Blog

Mit einem Blog im Internet bekommen man natürlich auch mit, wer auf seine Beiträge verlinkt. Und so bin ich heute auf einen Thread im DSLR-FORUM aufmerksam geworden in dem unser letzter Beitrag über das 35er und 45er von Tamron verlinkt wurde. Darin findet sich ein Kommentar, den ich heute mal zum Anlass nehmen möchte etwas darüber zu schreiben.

dslrforum

Keine Sorge, der Kommentar ist weder verletztend geschrieben noch muss ich mich verteidigen. Ich denke mit Smiley und Wortwahl kann man schon erkennen, dass der Verfasser die Anmerkung eben „lustig“ fand und jetzt nicht persönlich werden wollte.  Man darf auch gerne kritisch über unseren Test sprechen und ich habe auch kein Problem damit, wenn jemand vorsichtig schreibt, dass er mit der 6D andere Erfahrung als mit der 5DSR gemacht hat. Darauf möchte ich gar nicht hinaus! Aber „Ultrazauberer“ hat doch am Schluss seines Beitrages eine Anmerkung ins Rennen geworfen die perfekt als Vorlage dient, um ein Wort zum Thema Ausrüstung zu verlieren. Der ironisch-sarkastische Einwurf ist ein guter Punkt, wenn man Schwarz oder Weiss sehen würde. Fotografie, so sage ich gerne, ist aber viel grau! Man kann nicht immer in ENWEDER ODER verfallen. Gerade beim Thema Ausrüstung ist es wichtig, dass man zielorientiert denkt. Es geht dabei um das Ziel. Das Foto!

Ausrüstung ist da, um uns die Fotos zu ermöglichen, die wir im Sinn haben. Dabei haben viele Fotografen ganz unterschiedliche Gedanken und damit auch unterschiedliche Fotos im Kopf. Man kann nicht einfach zwischen gut und Nicht-gut unterscheiden. Eine Ausrüstung kann für einige Fotos extrem gut sein und für andere Verwendungszwecke eben besonders schlecht bzw. unbrauchbar.

Und genauso verhält es sich mit den beiden genannten Objektiven. Schon allein im Preis ein deutlicher Unterschied aber speziell in der Verwendung extrem verschieden. Man setzt ein 50mm für 100 € anders ein und speziell auch für andere Zwecke als dass man ein 800 € Prime-Objektiv einsetzen würde. Es geht nicht immer um „die beste Qualität“ sondern oft einfach nur um das schönste Foto. Oder eben auch den mit einem Foto verbundenen Aufwand.

Und genau da wären wir beim oben genannten Thema Flaring und Ghosting angekommen. Flares sind toll, ich liebe Flares! Ich liebe auch Ghosting aber ich möchte nicht auf jedem Foto mit Gegenlicht Flares haben. Mit einem 50mm 1.8 bekomme ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich auf jedem Gegenlichtfoto Flares, egal ob ich es möchte oder nicht. Bei einem Tamron 45mm oder Sigma 50mm sind diese Effekte eben kaum zu sehen (oder wirklich nur in den schlimmsten und extremsten Gegenlichtstimmungen). Um dann einen Flare-Look zu bekommen muss ich die Flares nachträglich einbauen.

Die maximale Qualität erreiche ich mit dem nachträglich eingebauten Flare aber trotzdem gibt es viele Momente da möchte ich schon auf der Kamera ein perfektes Clare-Foto haben. Genau dann nehme ich das 50er STM. Möchte ich maximale Schärfe, akzeptiere aber auch den maximalen Aufwand, dann nehme ich das höherwertige Objektiv und baue den Look nachträglich darüber.

Wenn ich also schreibe, dass ich die Flares beim 50mm 1.8 liebe und ich es gerade deswegen so toll finde, dann meine ich damit nicht, dass ich das Objektiv immer und ewig an meiner Kamera haben muss. Ich nutze dann diese Objektiv nämlich nur, wenn die Bildidee und das Motiv den Look des Objektivs benötigen. Möchte ich die Flares nicht haben, dann verwende ich ein anderes Objektiv.

Gleichfalls bedeutet, dass wenn ich schreibe, dass ich die Schärfe und das Nicht-Flaring des Tamron liebe, nicht, dass ich nie mehr Flares mögen darf und auch nur noch ohne Flares fotografieren muss.

Ich mache das, was für mich das beste Foto ergibt und daher setze ich auch verschiedene Ausrüstung ein. Eine Micro-Four-Thirds Kamera kann ich vielen Belangen einer Vollformatkamera überlegen sein. Nur weil ich den Look einer Vollformatkamera toll finde, darf ich deshalb einen anderen Look nicht auch toll finden? Ausrüstung wird an das gewünschte Ergebnis angepasst und viele Fotografen nutzen heute noch analoge Objektive wegen deren Look oder Bildwirkung. Dürfen die dann kein neues Hightech-Objektiv lieben weil Sie sich ja dann selbst widersprechen?

Es gilt die Devise… ES WIRD GENUTZT WAS GEBRAUCHT WIRD…

In diesem Sinne hoffe ich die Bipolarität des fotografischen Seins entsprechend auf den Bildschirm gebracht zu haben! Denkt doch einfach mal selbst darüber nach welche Styles ihr mögt und wie verschieden, vielleicht sogar gegensätzlich, diese Styles sein können. Lasst ihr vielleicht manchmal die bessere Ausrüstung zuhause um mit der günstigeren Ausrüstung das bewusst bessere Foto zu machen?

Lieben Gruß

Martin

Kommentare (9)

9 thoughts on “Die Sache mit der Wahrheit…

  1. „Es gilt die Devise… ES WIRD GENUTZT WAS GEBRAUCHT WIRD…“

    Das trifft auf alle zu, die damit ernsthaft ihr Geld verdienen. Die suchen Ausrüstung meistens nach diesem sachlichen Kriterium aus. Der Hobby-Fotograf hat aber mitunter ganz andere Schwerpunkte. Ich sehe das wie Du, aber bei den meisten Hobby-Knipsern stelle ich mehr als oft die Sinnfrage bei deren Entscheidungen. Ihr betrachtet die Welt durch die Berufsfotografen-Brille, würde der Hobbyist niemals machen. Das führt dann auch immer zu so schönen Stilblüten in Foren.

  2. Hallo Martin.

    Ich unterschreibe Deinen Artikel. Ich fange immer häufiger an, bewusst nicht mehr allen Kram mitzuschleppen, besonders dann, wenn es bei den Aufnahmen nicht darauf ankommt, dass am Ende was brauchbares dabei ist (also die Aufnahmen mehr oder weniger für mich sind). Da baue ich schon mal der 40er drauf, wohl wissend, dass ich auch das Zoom für einige bestimmte Motive besser einsetzen könnte. Man zwingt sich dazu mehr an der Gestaltung zu arbeiten und nach anderen Motivideen zu suchen. Das schult extrem und die Bilder werden besser. Und bis jetzt bin ich nicht leer ausgegangen.

    Die Optik jetzt aber nach Flares auszuwählen kann ich nicht, jedenfalls nicht ausschließlich. Da bist Du definitiv in einer besseren Position, was das Material angeht 😉

  3. Hallo Martin,
    ich bin der, den du als Vorlage für deinen Blogbeitrag genommen hast. Klar war die Aussage etwas kritisch und sollte in keinster Weise jemanden persönlich angreifen. Jedenfalls tut dies auch nicht dein aktueller Blogbeitrag. Der Grund für meinen Schlusssatz war einfach nur der, dass damals beim 50mm Sigma Art die Optik als „zu steril“ (um es vorsichtig zu sagen) bezeichnet wurde und dann auf das Flaring des Canon 50mm f1.8 II eingegangen wurde. Das war auch nur der Aufhänger und überhaupt nicht böse oder abwertend gemeint, ich freue mich, dass Ihr etwas über das Tamron schreibt. Als Hobby-Knipser muss ich so oder so immer aufs Geld schauen und nutze auch selber mit Freuden Dritthersteller, aber auch gute Optiken von Canon selbst. Ich persönlich finde das Tamron 45mm f1.8 VC USD sehr interessant und werde es mir mal im Laden ansehen, wenn es verfügbar ist. Bis dahin ein schönes Wochende!
    mfg
    Florian

    1. @Florian Ich hab das auch gar nicht böse aufgenommen! Ich fand deine Bemerkung richtig und sauber und ich mag auch wie du dort schreibst. Wenn kritisieren und hinterfragen, dann so wie du. Und ab und an ein ironischer Abschluss schadet auch nie.
      Das mit den Flares und dem Ghosting ist eine Hassliebe für mich. Kann nicht ohne und mag oft nicht, was mit dem Foto und der Qualität dadurch passiert.

      Aber ich hab auch nochmals einen Satz an den Sigma-Tamron Vergleich im Beitrag geschrieben! Das mit den Sterilen Flares… die hat Sigma immer noch und ich hoffe du erinnerst dich, dass ich im Tamron Beitrag auch geschrieben habe, dass das Sigma weniger stark auf Gegenlicht reagiert als das Tamron. Ich schätze dass ich genau das bisschen Sterilität…

  4. Sehr guter Text, den man unter so manche Diskussion verlinken kann!
    Ich bin gerade zum Wandern in ein verlängertes Wochenende gefahren. Früher habe ich stets die komplette DSLR mit Stativ mitgeschleppt, aber oft nicht mal 10 Fotos gemacht, weil es dann vor Ort kein schönes Motiv gab. Seit einiger Zeit fahre ich daher mit der Fuji 100s zu solchen Wanderungen und freue mich, wenn ab und an ein schönes Foto entsteht.

  5. Kurz und Knapp zusammengefasst: Die Eierlegende Wollmichsau an Objektiven gibt es nicht!

    DENN

    würde es Sie geben…dann würde ja jeder Fotograf auf der Welt nur mit diesem einen Objektiv fotografieren und alle anderen Objektivhersteller würden pleite machen….

    und wie hier auch schon richtig angemerkt wird…als Fotograf, welcher sein Lebensunterhalt verdient kommt es viel auf Kosteneffizienz an…muss immer schmunzeln wieviel Equipment manche Hobbyfotografen mit sich herumschleppen…nur um am Ende des Tages mit den gleichen Bildern wie ich nach Hause zu gehen… 😉 jeder entscheidet schließlich selber was er braucht und was nicht….

    LG Chriss

  6. Hallo Martin

    Wer deine Videos ansieht, in denen du so oft erklärst, warum du ein ganz bestimmtes Zubehör(Objektiv, Blitz, Blitz-schiene) benutzt um eine gewisse Stimmung oder Look zu erreichen. Man kann einen Lehrer immer falsch verstehen wenn man will, egal wie du das erklärst. Ich weis auch das sich in den Foren gerne Leute herumtreiben die gewisse Fotozubehör einfach schlecht machen ohne das Teil zu besitzen.
    Also gibt nicht viel auf solche unqualifizierten post’s

    Gruss Marcello

  7. Seh ich absolut genauso! Ich besitze seit einigen Wochen die Fuji X100T neben meiner „alten“ DSLR, der Nikon D600 mit dem besagten Sigma 35mm. Die Vorzüge des spiegellosen Systems schätze ich sehr. Auch wenn ich von FX auf APS-C meinetwegen Einbußen in Kauf nehmen muss, habe ich hingegen andere Vorteile (Gewicht, Größe, Auffall-Faktor usw), die das Ganze dann mehr als wett machen!

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zu unseren Datenschutzbestimmungen

Anzeigen