20. März 2018


#TRANSPARENZ -> Das fertige Endergebnis, nämlich die freie YouTube Videostrecke DESTINATION NEUSEELAND ist finanziert durch Nikon Deutschland. Mehr Infos! Dieser Blogbeitrag hat nichts mit irgendeiner Abrede zu tun. Wir haben schon in Island und während Frankreich ein Tagebuch geschrieben. Hier gibt es auch keine Amazon Links und keine sonstigen „Werbelinks“. Einfach nur ein ehrliches Tagebuch über das Leid zweier armer kleiner Fotografenhanseln.

28.02.2018 – Ich weiß wie düster die Fotos auf den ersten Blick wirken. Ja, so richtig Glück scheinen wir mit dem Wetter nicht unbedingt zu haben. Aber man darf sich davon nicht abbringen lassen vom rechten Weg des Fotografierens. Und nach acht Tagen ist das eben so. Menschen passen sich ja sehr gut an und wir passen uns eben an das Wetter an.

Neuer Tag, neues Glück. Wieder extrem früh aufgestanden um einen hoffentlich grandiosen Sonnenaufgang zu erleben und wieder nichts. Dicke Regenwolken und trübe Suppe. Mehr war nicht.  Marc hatte heute einen guten Vergleich. Wenn man um 4 Uhr aufsteht, dann 2h mit dem Camper auf nen Berggipfel fährt, dann ne Stunde wartet mit der Kamera im Anschlag und dann passiert nix außer dass es heller wird, dann fühlt sich das irgendwie an als ob man bei einem Date nach 10h Warten versetzt wird. Und so komisch der Vergleich ist, gefühlstechnisch trifft es die Sache irgendwie auf den Kopf.

Das Positive an unserem Foto-Leben hier in Neuseeland ist nur, dass wir unser Haus immer mit dabei haben. Die Sonne hat uns heute zwar enttäuscht aber dafür haben wir einfach an Ort und Stelle gefrühstückt und der Ausblick war nicht gerade schlecht. Mit schönen farbigen Gegenlicht wäre es zwar fotografisch richtig geil gewesen aber der Ausblick mit unseren Augen war trotzdem toll. Trotz Nebel-Regen-Suppe.

Wir hatten gestern in der Nacht ja noch den Sprung nach Queenstown gemacht. Sprung klingt einfacher als es tatsächlich war. Es sind eben doch 6h Fahrt und auch nur dann, wenn man den Camper deutlich quält.

Queenstown gilt als „Massen“-Tourismus-Hochburg Neuseelands. Jedenfalls wenn man dort überhaupt etwas als Massentourismus bezeichnen kann. Im Vergleich zu Ibiza, Mallorca oder Griechenland geht dieser Vergleich ins Leere. Innerhalb von Neuseeland aber ist Queenstown eben Tourismus. Und die Spezialität in Queenstown ist alles was mit Action zu tun hat. Egal ob JetSki, Bungeejumping oder Rafting. Ansonsten sieht das kleine Städtchen eigentlich recht kuschelig aus.

Nicht gerade unser Ding und fotografisch auch eher unspannend. Daher war für uns Queenstown auch nur ein Durchreise-Ort. Unser heutiges Ziel war ein Weingut in der Nähe von Queenstown.

Aber auch heute war uns das Wetter nicht gut gewogen. Regen und Regen und nochmals mehr Regen. Ich hoffe dass die Ausrüstung das wirklich gut durchmacht. Denn 1-2 feuchte Tage ok, aber langsam häuft sich das mit der Nässe und wir kommen abends gar nicht mehr aus dem Putzen der Filter raus.

Wenn ich gerade beim Thema Technik bin. Beim Filmen steuert man die Belichtung über den Graufilter und nicht über die Belichtungszeit. Die Belichtungszeit sollte nur innerhalb einer Grenze von 1-3 Blenden verändert werden, den Rest macht der ND-Filter.

Bisher haben uns sehr sehr viele Fragen erreicht, mit welchen Filtern wir filmen. Scheinbar scheint das Thema Filter doch spannender zu sein als ich dachte. Daher die Antwort. Ohne irgendwelche Logos oder Marken zu zeigen möchte ich den Hersteller kurz erwähnen. Es sind Vario-ND Filter von B+W. Also aus dem schönen Kreuznach. Heimat am Rhein… beste deutsche Qualitätsarbeit.

VarioND Filter sind ein Kompromiss. Die optische Qualität ist einem regulären, unverstellbaren ND Filter unterlegen. ABER sie sind effizient und im Feld einfach besser. Man würde fast jede Szene verpassen wenn man starre ND Filter im Reportage-Videoeinsatz verwenden würde.

Variable ND Filter sind im Grunde genommen nur zwei zirkulare Polarisationsfilter übereinander. Die meisten anderen VAR-ND Filter haben keinen Anfang und kein Ende. Man kann die Filter also überdrehen und in der Hektik des Gefechts merkt man es oft nicht. Unsere Filter haben eben besagten Anschlag und das ist wirklich das Wichtigste überhaupt im Einsatz. Denn das Überdrehen führt zu komischen Effekten im Bild und die merkt man im echten Bild oft einfach erst zu spät. Und es ist unglaublich effizient mit diesen Anschlägen zu arbeiten. Nach einigen Tagen im Einsatz hat man sich gemerkt welche Stellung wo ist. Man geht also auf Anschlag und dreht dann um gewohnte 10° und weiß genau, dass der Filter auf 3 Stufen eingestellt ist.

Wir haben uns lange Zeit davor versperrt teure VarioND Filter zu kaufen. Aber es war wirklich die falsche Entscheidung. ND Filter sind eben nicht nur „Accessoires“ sondern extrem wichtige Tools entsprechend der Kamera oder dem Objektiv selbst. Mit den falschen ND-Filtern kann man sich aber viel kaputt machen. Im Fotobereich mag der eine oder andere Filterfehler noch über RAW korrigierbar sein, bei Video ist da vorher Schluss. Und selbst wenn der Fehler (z.B. Farbwiedergabe, Farbstiche oder schmierige Kontraste) korrigierbar ist, niemand zahlt einem den Aufwand. Niemand…

Zurück zum Trip durch Neuseeland. Wie gesagt, so langsam krieg ich Angst um die Ausrüstung. Es ist einfach zu viel Nässe und die staut sich ja auch im Camper. Wir haben kaum noch trockene Mikrofaser-Tücher. Um ehrlich zu sein, wir haben kein einziges mehr. Wir fahren seit zwei Tagen durch die Gegend und suchen nach Brillenputztüchern, finden aber nirgendwo einen Laden, der sowas im Sortiment hat. Wir scheitern ja schon an vernünftigen Nahrungsmitteln. Da sind Brillenputztücher wohl auch etwas zu viel verlangt.

Wer sich jetzt fragt, warum wir nicht einfach die Heizung im Camper angemacht haben, gute Frage mit einfacher Antwort. Die Heizung im Camper funktioniert nicht wirklich UND wir haben zusätzlich Sorgen, dass wir an einer Kohlenstoffvergiftung im Schlaf sterben. 🙂 Der Camper ist einfach durch.

Ich hoffe dass uns das niemals irgendwie falsch ausgelegt wird, aber so langsam haben sich unsere hygienischen Ansprüche an die Bedürftigkeiten angepasst. Wir leben eine tägliche Qual der Abwägung. Wollen wir an Ekel sterben oder sollen wir zerplatzen?

Vielleicht mag sich jetzt der eine oder andere Leser schlapp lachen, aber für uns ist das gar nicht zum Lachen. Teilweise trauen wir uns vier Stunden nicht auf Toilette bis dann der Drang einfach zu stark wird und sobald der Erste geht, ist der Damm gebrochen und der Rest folgt wie eine kleine Lemming-Familie.

Wir haben uns bereits am zweiten Tag mit Desinfektionsspray ausgestattet… mehr unschöne Details möchte ich aber nicht verraten. Ich will bloß wieder mal die Wahrheit erzählen. Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass Fotografieren immer nur geil und Zuckerschlecken wäre. Ist es nicht. Die paar tollen Fotomomente sind hart erkauft. Es ist eben nicht nur ein lustig tolles Abenteuer sondern viel Qual und Anstrengung damit verbunden. Und nicht nur die coole Art von Anstrengung. Auch die nicht so tolle Art von Negativ. 🙂

Zurück zum Positiven. Irgendwie sind es die kleinen Dinge, welche dann die lustigsten Dinge ergeben. Für einen kleinen Fotospot haben wir mit dem Camper am Rande von Queenstown einen Parkplatz gesucht. Und da keiner in unserer Größe frei war, war Marc gezwungen, etwas kreativ zu parken. Und die Schräglage war wirklich grenzwertig. Ich bin kein Camper-Fachmann aber ich würde jetzt einfach mal behaupten, dass es sehr grenzwertig war.

Wir haben uns jedenfalls tierisch schlapp gelacht und Marc hat sich wie eine Schneekönigin oben seiner Auto-Park-Fähigkeiten und seines Mutes gefreut.

Hier in Neuseeland fahren übrigens richtig Tötungsmaschinen umher. Der TÜV hätte seine wahre Freude und so langsam graut es uns vor einem Auffahrunfall. DeathRally mal anders. Fast jedes Auto ist per se eigentlich gar nicht mehr fahrtüchtig, aber das Beste sind die vielen kleinen Modifikationen. Einen Flammenwerfer oder Raketen haben wir noch nicht gesehen. Dafür jede Menge Schweissarbeiten.

Gegen frühen Nachmittag waren wir dann endlich am Weingut angekommen. Für uns geht es bei DESTINATION ja auch um das Drumherum. Neuseeland ist nicht nur Fotografie. Neuseeland ist auch Genuss. Und das Weingut war ein Teil der fertigen Folge über das kulinarische Neuseeland. Ein bisschen Sonne hätte die Sache aber wirklich schöner gemacht.

Die Chard Farm begrüßte uns idyllisch!

Für deutsche Verhältnisse ist das Weingut sicherlich eher klein. Für neuseeländische Verhältnisse aber mittelgroß. Dafür liegt das Weingut einfach grandios. Idyllisch ist gar kein Wort dafür. Ein Gebirgs-Gletscher-Fluss hat eine tiefe Schlucht in den Fels getrieben und an den Hängen der Schlucht liegt, eingebettet in die steinigen Berge, das Weingut.

Kulinarisches Neuseeland heißt die Folge über das Weingut und natürlich verbinden wir jede Folge mit Fotografie. Daher haben wir uns als für ein fotografisches Work&Travel angeboten. Bedeutet, dass wir fotografieren und dafür bezahlt werden wollten. 🙂 Bloß wer sowas anbietet, der weiß natürlich nicht, was die Arbeit wirklich ist.

Die Eigentümerin des Weinguts, gemeinhin auch Winzerin genannt, hieß Gerda. Wer den Namen furchtbar un-neuseeländisch findet, richtig empfunden. Gerda ist deutsche Auswanderin und stand uns natürlich für ein Interview zur Verfügung. Und Gerda gab uns auch die fotografische Aufgabe für unser Work&Travel. Ein sonniges Bild des Weinguts zu machen :-)…bei Regen!

Und wenn keine Sonne scheint, dann gibt es eben Sonne aus der Dose… 🙂 Aus der Blitzdose.

Die Challenge war dabei das Foto innerhalb von 30 Minuten zu machen und abzugeben. Also Stress pur. Und 30 Minuten inklusive Bildbearbeitung ist echt nicht lange!

Dafür gab es dann aber auch ordentlich viel Wein und da wir sowieso schon über der Gepäckgrenze waren, werden wir wohl diesen Wein in den kommenden Tagen trinken müssen.

Ich fürchte aber wir werden unseren kulinarischen Gepflogenheiten treu bleiben und entweder gluckern wir das feine Tröpfchen aus der Flasche oder aus dem Plastik-Camping-Becher. Beides sicherlich eher Todsünden und nicht dem Wein angepasst aber wir können hier sicherlich keine Riedel Gläser aus dem Hut zaubern. Zumal wir ja auch gar keinen Hut haben.

Aktuell hat sich Thilo zum 500mm-Mann entwickelt. Irgendwie hat er gefallen daran gefunden mit dem Ultra-Tele zu filmen und ich bin mega gespannt auf den Output. Ich weiß ja, was das Objektiv für Fotos machen kann, videotechnisch ergeben sich da ganz neue Möglichkeiten.

Irgendwie kristallisiert sich gerade heraus, dass je bebauter das Gebiet ist, umso mehr brauchen wir die Tele-Linsen. Je mehr wir in die Wildnis gehen, desto mehr Weitwinkel nutzen wir. Klingt komisch aber lässt sich glaub ich ganz gut erklären.

Tele-Linsen lassen uns gezielt Dinge herausschneiden und das Drumherum kann man gezielt weg lassen. Außerdem ist es, je bebauter das Gebiet ist, umso schwieriger irgendwo hin zu kommen. In der Natur kann ich mir dem perfekten Spot erarbeiten. Kommen Menschen, Grundstücke und Farmen dazu, dann wird es schnell schmerzhaft. Übrigens haben wir auch die Erfahrung machen müssen, dass neuseeländische Elektrozäune für Kühe deutlich mehr weh tun als die in Deutschland. Es gibt aber keine weiteren Details. 🙂 Nicht hier jedenfalls.

Ich war indes wieder damit beschäftigt die Drohne zu quälen. Heute mal wieder im Nieselregen und bei nur leichtem Wind. 🙂

Wir haben nämlich auch gleich mal ein paar zusätzliche Fotos für die ChardFarm mit gemacht. Die werden natürlich nicht diesen Braunton nutzen und auch nicht unseren Bildlook aber die Looks sind direkt aus der Luft sind natürlich Bombe! 🙂

Ein weiterer Tag geht zu Ende. Und zwar mit genauso bescheidenem Wetter wie die Tage vorher. Wo sind die epischen Sonnenuntergänge die uns das Land in seinen unzähligen Reisedokus versprochen hat? Wo nur? Naja, müssen wir halt morgen weitersuchen. Noch haben wir ja 5 Tage über.

Marc, Thilo, Julian und Martin


Kommentare (14)

14 thoughts on “K&G DESTINATION NEUSEELAND – 09/1

  1. Euren Blog zu lesen ist jeden Tag ein Erlebnis. Danke für euren Einsatz! Ich hoffe ihr könnt im nachhinein auch drüber schmunzeln auch wenn es eine ganz schöne Torture war. Bitte macht weiter damit! Wie wäre es mit Hawaii?!?!

      1. Ich war kurze Zeit Reiseführer für Wigwam-Reisen auf Hawaii. Extremere Gegensätze gibt es nicht. Sei es vom 30° warmen Rasta-Hippie-Strand zum -5° kalten, im Schnee liegenden Mauna Kea auf 4200m Höhe oder das schnorcheln im Hüfthohen Wasser mit abertausenden Fischen bis zur Lava-Bootstour am Fuße des Kilaueas! Auch ein Hubschrauberflug ohne Türen 😀 durch den Waimea Canyon ist sehr zu empfehlen genauso wie das höchstgelegene Moorgebiet die Alakai Swamps! ….Hoffe ich habe dich Neugierig gemacht 😉

  2. Kann mich den Kommentaren der meisten hier voll und ganz anschließen — vielen Dank für das teilhaben lassen.
    Dennoch frage ich mich, warum die Bilder immer noch so gräßlich verrauscht sind. Ich glaube, daß das schon mal jemand moniert hatte. Können die Nikons das nicht besser? Na, ob das mal eine repräsentative Werbung für Nikon ist?
    Anyway — ich wünsch Euch eeendlich besseres Wetter!
    Viele Grüße Peter

        1. Das war ein Späßchen… wir wollten halt so einen kernigen Look haben… aber ich weiß, dass es manchmal komisch muten mag… Ich finds cool… 🙂 Die fertigen Fotos sehen ja nicht so aus und irgendwie will ich die MakingOf nebenher von den Bildern auch visuell trennen.

  3. Wieder ein toll geschriebener Reisebericht, sehr unterhaltsam und lebendig geschildert und auch schön das man herauslesen kann wie ihr über euch selbst lachen könnt. Bin völlig überrascht, dass bei euch im Rheinland auch die Gläser von Riedel das Maß der Perfektion sind, wenn ich hier aus dem Fenster schau seh ich die Glashütte von Riedel, hab gar nicht gewusst dass die so berühmt sind 😉

  4. Es ist herrlich erfrischend zu sehen, daß auch „die Großen“ Fotografen mit den Tücken der Natur kämpfen müssen und TROTZDEM fotografieren – und dabei durchaus sehenswertes zutage fördern können. Es gibt halt neben der Sonne noch andere Chancen. Weiter so.

  5. Also das mit den Mietkarren in Neuseeland kann ich bestätigen. Unser Mietwagen dort hatte nen Links- oder Rechtsdrall (weis nimmer genau welche Richtung). Das ging mit der Zeit aber höllisch auf die Arme und man fährt ja doch eim paar Meilen in Kiwi-Country.

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