19. März 2018


#TRANSPARENZ -> Das fertige Endergebnis, nämlich die freie YouTube Videostrecke DESTINATION NEUSEELAND ist finanziert durch Nikon Deutschland. Mehr Infos! Dieser Blogbeitrag hat nichts mit irgendeiner Abrede zu tun. Wir haben schon in Island und während Frankreich ein Tagebuch geschrieben. Hier gibt es auch keine Amazon Links und keine sonstigen „Werbelinks“. Einfach nur ein ehrliches Tagebuch über das Leid zweier armer kleiner Fotografenhanseln.

28.02.2018 – Der heutige Produktionstag versprach lustig zu werden. Heute war der Ersatztag für den ausgefallenen Helikopterflug und damit der schlimmste aller möglichen Tage für mich. Ich möchte die Fakten kurz ins Gedächtnis zurückrufen. Da wären ein Marc Gerst, eine störende Helikopter-Türe und ziemlich hohe Berge, die leider von zu viel Regen verdeckt waren und daher den Helikopter vom Starten mit unseren Körpern gehindert hatten.

Ja richtig gelesen, Heli fliegen ohne Türen… aber dazu kommen wir ja gleich noch.

Heute früh war die Welt noch in Ordnung und ich hatte die Hoffnung weiterhin nicht aufgegeben, dass der Heliflug sich auch heute nicht wirklich ereignen würde. Wir starteten den Tag mit dem üblichen Ritual aus Bohnen in Tomatensoße und Rührei. Übrigens versucht Marc unseren Kalkhaushalt jeden Morgen extra hoch zu halten und gibt dem Rührei immer wieder einen überraschungshaften Biss. Top! Sowas braucht man echt noch wenn man so verdammt viel Luxus um sich hat, wie das bei uns gerade der Fall ist.

Heute ging es vom Milford Sound wieder zurück nach Te Anau an den idyllischen See. Die Rückfahrt wollten wir nutzen um nochmals einige spezielle Motive zu erwischen und dann gegen Abend in den Helikopter zu steigen.

Durch das unfassbar humide Wetter ist der Wald um den Sound herum eigentlich eine Art Regenwald. Für mich ist es sogar ein Dschungel aber ich denke auch nur, weil ich sonst keinen Vergleich dazu habe.

Auf jeden Fall ist es unglaublich. Unglaublich ist aber gleichzeitig auch die Luftfeuchtigkeit, die Mückenplage und das Dumpfe Gefühl wenn man mitten im Wald steht.

Da stapft man durch endloses Grün und es kommt einem vor, als ob alles gleich ausschaut. Ich habe wirklich Respekt vor den Leuten die vor vielen Jahrhunderten ausgezogen sind und derlei Orte erkundet haben. Für uns gibt es ja noch eine Art schmalen Trampelpfad, aber auch der verschwindet manchmal für kurze Zeit im Grün des Waldes. Dann kommt man sich wirklich etwas hilflos vor und die kleinen roten Pfeile an den Bäumen sind nicht einfach nur Deko.

Den Wald in Neuseeland kann man jetzt eher weniger mit einem Spaziergang im Brocken oder im Schwarzwald vergleichen. Das ist schon eine andere Hausnummer, auch gerade was die Orientierung betrifft.

Wobei uns am meisten verwirrt, dass die Sonne eben nicht über Süden, sondern über Norden läuft. Damit kommt mein Fotografen-Hirn nicht gut zurecht. Und auch Marc schwächelt damit. Nachdem wir jahrelang unsere Fotografen-Mini-Hirne darauf getrimmt haben, dass die Sonne eben einen ganz bestimmten Weg geht, da ist es scheinbar ein Ding der Unmöglichkeit die Sonne links rum laufen zu lassen. 🙂

Nach dem Urwald war dann heute Vormittag auch noch etwas Wasser dran. Die Flüsse und Bäche aus den Bergen sind eisig kalt und führen richtig viel Wasser. Reinfallen wäre keine Option. Vom Rand aus Fotos zu machen aber noch viel weniger.

Wer geile Fotos will, der muss auch etwas klettern und springen. Und natürlich musste ich wieder verlieren beim Foto-Schnick-Schnack-Schnuck. Marc blieb schön ruhig am Rand und warf mir blöde Kommentare zu. Derweil war ich damit beschäftigt nicht in den Fluss zu stürzen und gleichzeitig 1 Million € in Ausrüstung zu versenken. Ok, 1 Million ist etwas übertrieben aber in genau solchen Fällen fühlt sich der Rucksack nach genau diesem Wert an. Oder noch nach viel viel mehr Geld. Das macht die Spannung und damit die Sicherheit nicht besser.

Aber irgendwann war ich dann doch in der Mitte des Flusses angekommen und konnte anfangen Stativ und Kamera aufzubauen. Es ist unfassbar, wie lange so ein paar Meter dauern können. Da muss man erstmal ein paar Steinchen probieren, dann wieder Retour und neuen Weg finden und dann immer wieder vorsichtig antesten… 20 Minuten später ist man dann irgendwann 3m weiter vorne. Es wäre sehr viel einfacher ohne eine komplette Fotoausrüstung im Rucksack und deren drohenden Tod.

Der Fluss war dann aber auch der letzte Foto-Halt, denn wir mussten ja schließlich nach Te Anau und den Termin mit dem Heli halten. Der war für 17 Uhr gebucht. So spät wie möglich. Das Fotografieren aus dem Helikopter wird ein Teil der Folge DESTINATION NEUSEELAND sein. Auch Tipps und Tricks rund um die HeliFirmen etc. Daher möchte ich das etwas auslassen im Tagebuch. Hier soll es ja mehr um das Drumherum gehen.

Auf jeden Fall durften wir abermals durch eine atemberaubende Landschaft düsen. 🙂 Und ja, ich musste unbedingt die Drohne steigen lassen. Es ging einfach nicht anders! Die Stunde muss man doch haben! 🙂

Viel Zeit verplempern wir mit dem Drumherum sowieso. Tanken hier, Einkaufen da… Putzen dort… nervig!

Irgendwann konnte ich mich dann doch nicht weiter erwehren. Da stand er, das fliegende Ungetüm meiner Albträume. Ok, das Wetter war zu dem Zeitpunkt grandios, aber das macht die Fliegerei ja nicht besser.

Für mich ist fliegen einfach die Hölle. Ich geb es zu, ich hab Flugangst. Und so Sprüche wie „runter kommen sie Alle“ helfen auch nichts. Ich hasse das Gefühl, es ist nicht toll, es ist fürchterlich. Deswegen liebe ich Drohnen. Die fliegen für mich und machen meinen Job in der Luft.

Bloß irgendwo hören Drohnen eben auch auf. Sie können nicht an alle Orte gelangen (jedenfalls unserer Drohnen nicht) und richtige Kameras wie eine D850 kriegen die eben auch nicht auf 3000m Höhe.

Daher ist es heute noch unverzichtbar einen Fotografen mit geiler Kamera in die Lüfte zu bekommen. Ich verstehe das.

Der heutige Flug war auch nicht der erste Flug und ich spoile auch gleich mal, ich bin natürlich mitgeflogen. Angst zu haben ist nicht schlimm, die Angst gewinnen zu lassen ist das Schlimme. Aber es gibt wirklich tollere Dinge, als in so ein Ding zu steigen und sich in die Luft schrauben zu lassen.

Vor allem merkt man mir das an meiner Art an. Ich bin nervös und sehr leicht reizbar. Leichter als sonst noch :-). Aber es hilft ja nix. Was muss das muss.

Nachdem wir die Flugroute knapp vorgesprochen hatten, flog der Heli nochmals kurz tanken. Etwas zusätzlicher Sprit für uns und unsere Sonderwünsche. 🙂

Die Rotoren und auch die Turbine des Helikopters sind saumäßig laut. Man versteht sein eigenes Wort nicht mehr. Daher gibt es den Bordfunk. Nur damit kann man sich überhaupt verständigen.

Dann ging es an ein ausführliches Briefing. Auf dem nachfolgenden Foto checke ich gerade die Scheiben. Denn auch wenn die Türe aus dem Weg ist, so wird es doch notwendig sein auch mal kurz nach vorne aus dem Heli zu fotografieren.

Apropos „Türe aus dem Weg“. Ja richtig gelesen. Fotografen haben kein Plexiglas vor der Linse… 🙂 Das geht ja mal gar nicht. Ne D850 und dann durch milchiges Heliglas fotografieren. Nicht mit uns. Dafür muss man zwar ordentlich gesichert werden aber dann ist auch die Türe weg. Man kommt sich so ein bisschen wie bei FullMetalJacket vor, ein Bein auf der Kufe, eines im Heli… das Rohr im Anschlag… aber hey, ich kann da nicht mitreden. Mich kriegen keine 10 Pferde an ne geöffnete HeliTüre auf 3000m Höhe!

Los gings… und ich musste dann halt auch etwas nach hinten fotografieren um aus der Türe raus zu schießen. Geht alles wenn der Pilot mit macht und den Heli auf Kommando in die richtige Position bringt.

Das Gute an meiner Flugangst ist, dass Arbeit sie verdrängen kann. Arbeit kann bei mir fast alles Verdrängen. Jedenfalls wenn man Fotografieren und Filmen Arbeit nennen mag. Sobald ich in den Arbeits-Modus verfalle, denke ich sowieso an nix außer an ein tolles Foto oder Video. Aber die Überwindung ist eben den ersten Schritt zu machen. Das kostet Kraft und auch während des Fliegens lebe ich in einer konstanten Stresssituation.

Und dann kann es schon auch mal etwas wilder werden über den Bordfunk. Gottseidank gibt es da keine Mitschnitte. Das wäre vor Gericht eher ungut.

Ich möchte jetzt wirklich nicht zu viel vorweg nehmen. Schließlich kommen da ja auch die ganzen Videos. Nur ein paar Sätze zu den jeweiligen Fotos.

Wir wurden auf irgendwelchen Bergspitzen ausgesetzt…

…um in Ruhe filmen und fotografieren zu können. Julian filmte und wir machten währenddessen kurz anderweitig ein paar Sachen fertig und dann wurde Julian auch schwups wieder aufgesammelt.

Unser Pilot war wirklich super drauf und hat jeden Spaß mitgemacht bzw. manche Späße waren auch auf seinem Mist gewachsen. Z.B. irgendwelche halben Rollen um im Sturzflug einen Wasserfall besser aufnehmen zu können.

Wir lernten sehr schnell zu fürchten und zu bangen, sobald unser Pilot durch den Sprechfunks meinte… „Oh, I have an idea…“… kurz darauf waren wir meistens alle am Schreien nach Mama.

Cool war einfach, dass wir wirklich oft abgesetzt wurden und aussteigen konnten. An Bergseen, an Felsen oder Wasserfällen. Orte die man sicherlich sonst nicht so stresslos erreichen würde.

Und immer wieder konnten wir mit dem Piloten unsere Wünsche und Pläne besprechen. Ganze Videoaufnahmen wurden geframed und dann geflogen.

Ich hatte während des Fluges Thilo so ein bisschen aus den Augen verloren… aber ich glaube er wäre am Liebsten aus dem Heli gesprungen und hätte dann anfangen so nen Ring in einen komischen Vulkan zu werfen bzw. den Vulkan erstmal zu suchen.

Es war schlichtweg überwältigend…

Und ich glaube auch für die Ergebnisse ist das nochmals eine andere Hausnummer sich aus dem Helikopter lehnen und direkt mit der Kamera raus fotografieren zu können.

Man vergisst dabei nur schnell, wie anstrengend es ist, die Kamera und den Körper ruhig zu halten, während der Heli sich in alle Richtungen bewegt.

Auf dem obigen Bild sieht man dabei übrigens, wie wir die Kameras sichern. Marc trägt eine Handschlaufe von PeakDesign und zusätzlich noch einen regulären Gurt um den Hals, ebenfalls von PeakDesign.

Auch das Gimbal von Julian ist extra gesichert und mit einem Gurt von PeakDesign am Körper fest gemacht. In der Kabine ist man sehr geschützt vom Downstream der Rotoren. Lehnt man sich aber nur knapp zu viel raus, dann erwischt einen die volle Dröhnung und das ist echt krass.

Selbst Marc war etwas durch den Wind ob des leicht sadistischen Piloten :-)…

Ich möchte an dieser Stelle nochmals auf ein tolles Gadget hinweisen. Ohne das Joby wären wir sicherlich ziemlich viel langsamer in unserer Arbeit. Das GorillaPod sorgt dafür, dass wir ziemlich schnell ziemlich tief gehen oder auch ganz außergewöhnliche Positionen der Kamera finden.

Das obige Foto des wegfliegenden Helikopters ist eigentlich ein Einzelbild aus einem Video heraus. Wir hatten kaum Zeit weil der Heli mit laufenden Rotoren uns nur kurz rauslassen und dann weiter zum Tanken fliegen wollte. Also raus aus dem Heli, runter an den Kiesstrand gerannt und kurz die Kamera aufgebaut.

Für sowas ist das Joby einfach ideal. Man muss keine Schelle öffnen, nix… einfach nur hinstellen, rumdrücken und fertig.

Zu diesem Zeitpunkt war es kurz vor 19 Uhr und wir hatten noch genug Zeit, einen schönen Aussichtspunkt nach Westen zu suchen. Ein weiterer Abend bedeutete immerhin die wage Chance auf einen schönen Sonnenuntergang. Auch wenn wir die Hoffnung eigentlich schon eher aufgegeben hatten.

Kleine Seitengeschichte: Thilo hat vor Krolop&Gerst zu verlassen und jetzt möchte er groß als Landschafts- und Abenteuerfotograf rauskommen. Er hat sich einem Herrn Jaworskyj irgendwas abgeguckt. Sagt er jedenfalls… ich glaub dafür fehlen ihm ja noch etwas Muskel, Tattoos und weniger Kleidung!

Auf jeden Fall wird Thilo aber noch zum TimeLapse Gott. Ich denke wir können allesamt die Funktion im Schlaf und mit verbundenen Augen aktivieren und einstellen, aber Thilo macht das zwischenzeitlich in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. An Tag Nr. 8 haben wir bislang sicher an die 100 Zeitraffer aufgenommen. Es vergeht gefühlt keine Sekunde, wo nicht eine Kamera über Nacht den Sternenzug oder am Tag die Wolken aufnimmt.

Je schlechter das Wetter, umso dicker die Wolken und umso geiler die Zeitraffer. Einfach wahnsinnig, wie sich Wolken bilden, verschwinden und bewegen. Ich bin immer wieder hin und weg und ich frage mich auch, warum Landschaftsfotografen das nicht verstärkt nutzen? Für mich ist das eine ziemlich spannende Art und Weise Fotografie und Video zu verbinden.

Gegen 21.30 Uhr waren wir dann aber auch durch mit dem Fotografieren. Wir haben noch einen schönen Zeitraffer ins Dunkel aufgenommen und Te Anau während des Sonnenuntergangs aus der Ferne fotografiert. Das wars dann aber auch.

Schon wieder würde ich lieber über den super-duper-prima-mega-coolen-Hipster Tag berichten aber soooo dufte ist das Leben als Fotograf gar nicht. Für uns endet der Tag mal wieder, das haben wir ja schon zig mal gesagt aber eben noch nie gezeigt, auf der Rückbank eines schwankenden Campers, der über einsame Landstraßen schifft und uns beim BackUpen und sortieren ein flaues Gefühl in den Magen beschert.

So fuhren wir also erneut eine weitere Nacht durch schmuddeliges Tropenwetter. Der Himmel färbt sich grau und in der Ferne ziehen Nebelschwaden in unsere Richtung.

Marcs Stimmung ist nicht gerade gut. Immerhin darf er noch 400km gen Norden fahren. Unser nächster Halt heißt Queenstown. Wenn wir morgen früh einen Sonnenaufgang fotografieren wollen, dann müssen wir heute Nacht noch am Zielort ankommen, uns dann kurz aufs Ohr legen und dann nach knappen 3-4h Schlaf wieder aufstehen.

Soweit die Planung. Aber das ist Zukunftsmusik, denn heute habe ich es endlich mal geschafft diesen Tagebucheintrag noch während des Tages zu schreiben. 🙂

Ich bin gespannt auf morgen, der Wetterbericht verspricht aber nichts Gutes.

Marc, Thilo, Julian und Martin


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