11. März 2018


#TRANSPARENZ -> Das fertige Endergebnis, nämlich die freie YouTube Videostrecke DESTINATION NEUSEELAND ist finanziert durch Nikon Deutschland. Mehr Infos! Dieser Blogbeitrag hat nichts mit irgendeiner Abrede zu tun. Wir haben schon in Island und während Frankreich ein Tagebuch geschrieben. Hier gibt es auch keine Amazon Links und keine sonstigen „Werbelinks“. Einfach nur ein ehrliches Tagebuch über das Leid zweier armer kleiner Fotografenhanseln.

21.02.2018 – Der erste richtige Foto-Tag beginnt mit was? Ja, VERSCHLAFEN! 🙂 Wir sind heute allesamt so dermaßen müde gewesen dass keiner von uns vier den jeweiligen Wecker des Anderen hörte. Aufgewacht sind wir nach 4 Stunden schlaf um 7 Uhr, da war es aber schon zu spät für den Sonnenaufgang. Also vier Kerle verschlafen vier Wecker auf 12 Quadratmeter. 🙂 Eigentlich wollten wir ja raus und den Sonnenaufgang um 6.30 Uhr fotografieren.

Zudem habe ich die kälteste Nacht meines Lebens erlebt. Heute Morgen zeigte das Thermometer im Camper gerade mal sechs Grad Celsius an. Und vielleicht wurde es ja vergessen, dass wir gestern nicht genügend Decken hatten. Zwei von uns, ich sag nicht wer, mussten mit einem Bettlaken als Decke bei fast Gefrierpunkt-Temperaturen schlafen. Meine Nasenspitze fühlte sich an wie ein wirklicher Eiszapfen und ich glaube auch, dass wir gegen 7 Uhr wegen der Temperatur aufgewacht sind. Es war so kalt, dass wir nicht mehr schlafen konnten und unsere Körper „AUFWACHEN“ gebrüllt haben.

Egal, mal sehen ob wir Morgen dann alle krank sind, heute ist safe, so schnell geht das ja nie mit dem krank werden. Zurück zum Lustigen, denn es gab heute noch genügend Fotomotive. Das weiß ich jetzt im Nachhinein, heute früh haben wir uns wirklich sehr über den verpassten Sonnenaufgang 10m vor der Haustüre aufgeregt.

Erste wichtige Info vorweg. Wir waren alle hundemüde, aber Jetlag hat keiner von uns. Oder jedenfalls kann es sich keiner von uns erlauben nach nur 3h Schlaf. Wer ist eigentlich uns. Darf ich vorstellen von links nach rechts, Julian unser Neuseeland-Experte, Marc, meine Wenigkeit und Thilo der Videogott, der aus jeder noch so schlimmen Situation wunderbares Material zaubert und selbst nach 14 Tagen noch Energie wie ein Stier auf Testosteron haben wird.

Unser gemeinsames Leben entpuppt sich als intimer und privater als gedacht. Ok, das ist geschönt… es ist unfassbar eng. Ein Doppelbett pro „Paar“. Wir versuchen generell nach der Devise zu leben, dass wer genug zu arbeiten hat, sowieso keine Zeit hat sich auf die Nüsse zu gehen. Die Enge ist aber trotzdem eine Herausforderung und wir in den 14 Tagen sicherlich noch so ein Problem darstellen. Vor allem die Tatsache, dass wir nicht mal auf der Toilette Ruhe haben ist doch eher grausam. Weder die Türe ist abschließbar, noch bieten die 10mm Pappwand ein Gefühl von Privatsphäre. Da hilft auch nix das Radio an zu machen und laut zu drehen.

Wir können nicht mal durch den Camper laufen ohne jemanden aus dem Weg zu buchsieren und zarte Wesen sind jetzt weder Marc noch meine Wenigkeit.

Komisch… Tag zwei und anstatt über den Trip zu schwärmen, mache ich mir vorerst Gedanken um den gesamten Trip… mmmh… ungut. Vielleicht ist ja auch das Wetter schuld.

Das lässt übrigens Raum für Hoffnung. Und auch der Blick vor die „Haustüre“ ist grandios. So muss es einfach nur bleiben. Das Wasser ist türkis und der Himmel tief blau. Es sieht wirklich aus wie in Mittelerde und Thilo spricht als alter Herr der Ringe Ultra von nichts Anderem. Wir sperren nachts den Camper ab, nicht weil wir Angst vor dem Draußen haben sondern weil wir fürchten, dass Thilo auf die Suche nach Elfen und Orks gehen könnte.

Dass wir heute den Sonnenaufgang verpasst haben ist doppelt ärgerlich. Gestern Nacht retteten wir uns ja noch weit nach Mitternacht mit letzter Kraft auf einen „Camping-Platz“ ohne Camping-Platz. Also eigentlich ist es bloß ein Bereich wo man überhaupt einen Camper abstellen darf. Strom, Toiletten oder sonst was, Fehlanzeige. Vielleicht auch gerade wegen der Uhrzeit ergatterten wir einen besonders schönen Platz direkt am Wasser und hätten einfach nur aus dem Bett durch die Türe fallen müssen… ARG…

Die Sonne stand schon höher aber das dolle Fotomotiv in der Ferne war ja schließlich immer noch da. Also haben wir direkt angefangen zu fotografieren. Devise: Lieber spät als nie!

Ach und Drohnenfliegen nicht vergessen. Schließlich haben wir seit zwei Monaten Genehmigungen besorgt und bezahlt. Das muss dann auch ausgenutzt werden.

Obwohl wir zu diesem Zeitpunkt keine 12 Stunden auf der Insel waren, haben direkt mit dem Drehen und Fotografieren angefangen.

Und ich glaube ich spreche hier auch von Marc, wenn ich schreibe, dass ich das DSLR fotografieren echt vermisst habe. Ja in meiner Brust schlagen auch zwei Herzen. Eines für Spiegellos und eines für den Spiegel. Ich möchte auch keinen Glaubenskrieg ich vom Zaun brechen. Ich möchte nur einfach schreiben dürfen, dass ich es geil finde mit ner großen DSLR zu fotografieren. Das Durchgucken, das Einstellen, das Geräusch… die Haptik… nachdem die spiegellosen, mit denen wir sonst sehr viel arbeiten, immer größer und größer werden, reduziert sich zwar das Haptik-Frickelig-Problem aber eine D850 ist halt doch was Anderes.

Die hat sich übrigens Marc direkt geschnappt und mir die 7500 gelassen… 🙂 Sack! Ausrede: Er hätte die größere Hand! 🙂

Nochmals zur Erinnerung. Unser Projekt DESTINATION NEUSEELAND ist kein Tutorial sondern eine Art Fotografen-Reise-Dokumentation und daher machen wir Bilder aber auch mindestens genauso viel Quatsch. Die Kamera natürlich immer mit dabei.

Heute ist der erste Tag an dem wir die Logik und Systematik der Ausrüstung checken. Leider, bzw. Gottseidank, haben wir viele Dinge mit in Neuseeland, die wir sonst nicht im Rucksack haben und dagegen haben wir super viele Dinge aufgrund ihres Gewichts zuhause lassen müssen. Unsere Rucksack-Logik ist durchdacht aber eben nicht erprobt. Jedes Teil hat seinen Platz nur weiß niemand von uns den jeweiligen Platz aus dem FF. Das ist absolut hinderlich und kostet mega Zeit. Heute früh haben wir bereits über ne halbe Stunde verplempert, bis wir zwei einfache GoPros am Laufen hatten. Dann stolpern wir aktuell dauernd über die Ladekabel und es fehlt immer genau das, was man sowieso nie findet.

Heute haben sich den gesamten Tag unsere Hauptprobleme gezeigt. Erstens haben wir enorme Probleme gleichzeitig spontane Videos aufzunehmen aber dabei Ton und Bild nicht ganz Wumpe sein zu lassen. Und zudem müssen wir ständig immer alles komplett auf und wieder ab bauen weil sonst die Gefahr zu hoch ist, dass während der Fahrt Teile der Ausrüstung kaputt gehen.

Heute gab es Schlaglöcher, die hätten in Deutschland eine Sperrung der Straßenseite zu Folge. Die sind hier in Neuseeland nicht mal ein Schild zur Kennzeichnung wert. Wen der Camper mit seinen 250000km auf den sicherlich immer noch ersten Stoßdämpfern da drüber juckelt, dann fliegen wir samt Ausrüstung höher als bei nem Luftloch auf 38000 Fuß.

Die Straßen sind endlos weit. Thilo würde da jetzt sagen, dass es nur mit so nem bescheuerten Zauberpferd mit Flügeln für irgendsoeinen weißen Magier machbar ist. Ich sag einfach, dass es weit ist.

Im Vorbeifahren hat Thilo dann auch endlich Kies für seine Slider-Bohnen-Säcke gefunden und direkt gemopst. Dabei hat er bei Einreise doch angekreuzt, er wolle in Neuseeland keine Verbrechen begehen.

Das Wetter zur Mittagszeit ist so unfassbar heiß… kaum zu glauben.

Übrigens sind Thilo und Julian beide Vegetarier und wir hatten alle bereits gestern komplett auf Fleisch verzichtet. Dazu das konstante Mikro-Essen aus dem Flugzeug im 4h Rhythmus. Heute konnte Marc nicht anders und musste einfach unsere einzigen Reserve-Fleisch-Würstchen in Pfanne hauen. Bereits am zweiten Tag ist er eingeknickt… aber mir solls Recht sein. Ess ich mit und behaupte weiterhin, ich hätte kein Fleisch gebraucht.

Jetzt am zweiten Tag haben wir beschlossen dass wir nur noch eine heiße Mahlzeit am Tag machen und das nach Sonnenuntergang. Wir haben heute nochmals unter Tage gekocht aber das kostet einfach zu viel Zeit. Wir müssen mit dem beschränkten Wassertank des Campers dann auch spülen und so richtig effizient kann man im Camper sowieso nicht ein Vier-Gänge-Menüs zubereiten.

Ich werde die Tage noch etwas über die Festplatten und unsere Backup Prozedur schreiben aber vorweg kann ich sagen, dass ich total happy mit unserer neuen SSD-Lösung bin. Gerade bei den Fahrten im Auto müssen wir eigentlich immer arbeiten. Das hat jetzt nichts nur mit Neuseeland zu tun. Auch in Deutschland fährt ja nur einer von uns, der Rest kann auch im Auto schon vorarbeiten. Daher war es super wichtig für uns, keine drehenden Platten mit Lese- und Schreibköpfen mehr zu nutzen sondern nur noch Festspeicher. Der kann zwar auch kaputt gehen, aber ist generell viel weniger anfällig gegenüber Stößen und Vibrationen. Neuseeland ist der erste Hardcore-Einsatz-Test für unser neues System.

Zurück zu unserem Tagesablauf. Nach dem Mittagessen auf dem Campingplatz sind wir dann nochmals losgezogen und zwar in Richtung Mount Cook. Das ist der höchste Berg Neuseelands und gleichzeitig ganzjährig bedeckt von einem Gletscher.

Man kann sich gar nicht vorstellen wie episch die Szenerie hier ist. Und mit episch meine ich wirklich EPISCH. Ich will am liebsten einfach nur ein paar Fotos zeigen und nichts dazu schreiben. Die Fotos sagen ja eh viel mehr als meine Worte.

Die Kombination aus Schnee, Berge und einem wüstenhaften Gelb ist total faszinierend.

Und noch mehr Fotos…

Man kann sich das so vorstellen, dass wir heute kaum 10km fahren konnten ohne direkt wieder anzuhalten und aus dem Camper zu springen um neue Fotos zu machen. Jedes Mal wenn wir uns sagten, JETZT ABER LOS, AB ZUM BERG sahen wir kurz darauf noch geilere Spots und noch tollere Motive. Was ich ein bisschen schade fand ist die Tatsache, dass es heute zu diesem Zeitpunkt eben nur einen perfekt blauen Himmel gab. Kein einziges Wölklein gab den Fotos etwas Textur. Aber Neuseeland ist eben das Land der vier Jahreszeiten an einem Tag. Und es ist wirklich so. Man fährt aus dem strömenden Regen in ein Gebiet wo keine einzige Wolke ist… das macht sprachlos.

Am Mount Cook konnten wir dann bis zum Gletscher laufen. Wir hatten zwei Wege zu Auswahl. Variante 1 war zur Mündung des Gletschersees in den Fluss und Variante 2 war die hohe Endmoräne oberhalb des Sees selbst.

Wir haben uns für Variante 2 entschieden. Sehr zum Leidwesen unserer Beine und Rücken. Aber fotografisch war es die richtige Wahl. Denn ohne es zu wissen entschieden wir und heute richtig. Es gab keine wirklich großen Eisbrocken im Gletschersee und die wären das einzig wirklich großartige Motiv an der Mündung gewesen.

Sieht man Thilo und Marc auf dem nachfolgenden Foto?

Gletscher sind beeindruckend… alleine die schiere Macht den Berg wegzuhobeln ist beeindruckend.

Wir schleppen das komplette Equipment mit uns herum. Vom Videoslider über 4 Stative bis hin zu Sandsäcken und Stabilisierungssystemen.

An dieser Stelle muss ich Julian und Thilo loben für den Einsatz. Körperlich ist das extrem anstrengend und wir haben schon Probleme den Berg mit dem Fotorucksack und der Kamera samt Stativ zu hoch zu steigen. Das Ganze dann noch mit einem Gimbal, Vorschaumonitor und Ton zu machen und dabei noch zu filmen. Respekt. Beim Filmen muss man ständig auf die Knie, aufstehen, besser Position suchen und dann geht das Ganze alle 20 Meter aufs Neue los. Wir brauchen halt nicht nur eine Szene sondern wir brauchen die gleiche Szene aus 20 verschiedenen Winkeln und mit 30 verschiedenen Brennweiten. Übertrieben formuliert.

So langsam habe ich auch Gefallen an der Landschaftsfotografie gefunden. Irgendwie schon sehr viel stressloser als Menschen zu fotografieren. Entschleunigt.

Die Weite heute war wirklich beeindruckend. Solche Distanzen kennt man aus Deutschland nicht. Und damit meine ich gar nicht die tatsächliche Größe sondern vielmehr das Gefühl der Weite und Einsamkeit. Das Land ist zwar geprägt von Camping- und Rucksack-Tourismus aber immer noch leer genug für atemberaubende Momente.

Und keine Sorge, wir filmen fleißig alles und jede Sekunde um dann auch die besten Momente mit nach Hause zu bringen. Das ist ja Ziel der Sache mit DESTINATION.

Viele Grüße von der anderen Seite der Erdhalbkugel. Ich geh jetzt pennen, die anderen schlafen schon lange und ich bin hier noch am Tippsen. Ich muss auch etwas Schlaf sammeln. Morgen soll wieder im Sonnenaufgang fotografiert werden.

Marc, Thilo, Julian und Martin


Kommentare (8)

8 thoughts on “K&G DESTINATION NEUSEELAND – 02

  1. Ganz großes Kino! Klasse geschrieben, es macht eine wahre Freude eure Texte zu lesen – einziger Nachteil: Man muss so lange auf den nächsten Teil warten! 😉

  2. Mega cooler Bericht.
    Freue mich schon auf den nächsten und bitte noch den Rucksack vorstellen. Ich habe die Hoffnung, dass es eine Foto Daypack Kombi ist und nicht ein reiner Fotorucksack.

  3. Hallo, warum sehen eure veröffentlichen Bilder alle so aus, als seien sie mit einem
    800 ASA Diafilm von 1985 aufgenommen. Ist der Retrostil beabsichtigt ?

    1. Ich glaub das ist aus Versehen passiert… Ist wohl jemand auf den falschen Knopf gekommen und hat dann die Bilder einfach hoch geladen und nie wieder angeschaut.

  4. Bin über euer YouTube Video zum Blog gelangt und habe gerade mehrfache déjà-vu Momente – das Camperleben, die maximale Fahrstrecke von 10 km bis zur nächsten wunderschönen Stelle, die man nicht verpassen darf und das Überwältigende dieser Landschaft 😍 . Bin gespannt auf die weiteren Blog Berichte.

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