TECHNIK: WAS SOLL ICH KAUFEN?

10. Dezember 2010 | Technik

Wir haben in den letzten Tagen viele viele Emails bekommen mit Fragen bzgl. Ausrüstung und Co. Oft wird geschrieben: „Ich weiß nicht was ich kaufen soll…“. Eine völlig legitime Frage, denn auch wir stehen oft vor langen Debatten was etwas bringt und was nur Geldverschwendung wäre. Also gibt es heute mal einen kurzen Beitrag über zwei besonders aktuelle Fragen aus den Emails und dann noch einer generellen Herangehensweise für Fotografen.

Flash2Softbox / Aurora Firefly (*SHOPLINKS)

In den letzten Tagen war die Diskussion hoch über Firefly* oder Flash2Softbox. Daher hier nochmals gezielt auf die Problematik. Firefly und F2S sind keine Konkurrenten. Es sind verschiedene Systeme. Die Firefly ist eine abgeschlossene Softbox, mit Schirmneiger und allem nötigen Zubehör. Flash2Softbox ist ein komplettes System aus vielen Einzelteilen mit unterschiedlichen Aufsätzen. Man braucht z.B. noch einen Neiger, dafür kann man aber die Größe und Bauart der Boxen variieren. Die Firefly ist hingeben ultraportabel und auf Transportfähigkeit gebaut, während das F2S-System eben eher eine statische Lösung ist. Die Boxen werden aufgebaut, bei der Firefly nur aufgeschoben. Dafür ist die Firefly ohne Zwischendiffusor und ohne Streulichtscheibe im Blitz eher eine Kernlicht mit Aufhellung, während F2S selbst 90cm Softboxen gleichmäßig füllen lässt. So könnte ich ewig weitermachen… es gibt viele kleine Unterschiede welche die beiden Systeme vollkommen unterscheiden.

Schaut euch mal die beiden Videos nochmals an. Ich denke man hätte sowohl das eine als auch das andere Foto auch mit dem jeweils anderen System machen können. Es kommt nicht darauf an, was man damit machen kann, sondern wie man damit arbeiten möchte.

ACHTUNG: UNSER YOUTUBE-LEHRVIDEO-CHANNELITUNES PODCAST

PRIOLITE / RANGER Q / PORTY (*SHOPLINKS)

Eine weitere sehr aktuelle Frage war die Suche nach dem richtigen „großen Blitz“. Oft wurde gefragt, PrioliteMB500, Ranger Q oder Porty? Was ist denn jetzt ideal. Und auch da haben wir die Antwort schon gegeben, wollen die Antwort aber nochmals klar stellen. Es gibt kein ideales System. Es gibt nur Systeme, die auf bestimmte Anwendungsgebiete zugeschnitten sind. Keine Firma wird untergehen, weil eine andere Firma ein noch spezielleres Equipment baut. Jede Ausrüstung hat seine Vorteile und seine Nachteile und zur Zeit kommt kein System dem anderen System so richtig in die Quere.

Fazit: Kein System befriedigt alle Wünsche. Das kann es nicht geben. Die Entscheidung hängt von Geldbeutel und Einsatzgebiet ab. Hier nochmals eine kurze Zusammenfassung.

– Studio vorhanden -> TRONIX

– Fast nie draußen -> AUFSTECKBLITZ

– ultraportable -> AUFSTECKBLITZ

– ultraportable + prof. -> RANGER Q

– mobiler PROFI egal um welchen Preis -> PORTY

– Meistens draußen aber auch oft drinnen -> PRIOLITE MB500

– So wenig Geld wie möglich -> AUFSTECKBLITZ (günstig)

– So gut wie nur Studio -> Herkömmlicher STUDIOBLITZ

Wer nochmals wissen möchte, wie dieser Vergleich zustande kommt, der soll einfach nochmals diesen Link durcharbeiten TECHNICAL-11: MOBILE BLITZE – VERGLEICH.

So, dann kommt hier jetzt noch der universelle Pfad zur richtigen Ausrüstung… 🙂 Mehr Tipps kann man ohne genauere Infos über den jeweiligen Fotograf nicht wissen.

Wie entscheide ich, was ich brauche und welche Ausrüstung am Besten für mich ist?

  • Die Bedürfnisse definieren die Ausrüstung.
  • Wie fotografiert ihr? Welches Licht mögt ihr? Hart oder eher weich?
  • Seid ihr oft unterwegs, wenn ja, wieviel Gepäck habt ihr dabei?
  • Ist es euch lieber Auswahl zu haben oder kommt es noch mehr auf die Portabilität an?
  • Wie teuer darf es sein?
  • Welche Lichtformer findet ihr „schön“?
  • Welche Schnitte im Foto macht ihr hauptsächlich?
  • Welche Kameraeinstellungen fotografiert ihr meistens?

Jede Frage bringt euch näher an eure beste Ausrüstung heran. Fotografiert ihr oft bei ISO100 und f16 dann sollte es sicherlich kein Aufsteckblitz sein. Nutzt ihr hauptsächlich Reflektoren und keine Softboxen, dann kann der Blitz vielmals schwächer sein. Kommt es euch auf Variation an, dann braucht es eben mehr an Ausrüstung als wenn ihr euch in den Variationsmöglichkeiten etwas mehr beschränkt und da eben Abstriche machen könnt.

Sogar der regelmäßige Schnitt ist wichtig. Fragt euch, wie eure Fotos meistens geschnitten werden. Macht ihr mehr Ganzkörpershots, dann geht die Leistung eben verdammt hoch. Ist es oft ein engerer Schnitt, warum dann Leistung bunkern, wenn man es doch nicht braucht.

Macht euch die Arbeit und geht durch eure besten Shots und versucht Muster zu finden. Muster bzgl. Style, Schnitt, Blende, ISO, Entfernungen, Ausleuchtung, Charakteristik und schließt dann zurück auf die benötigten Dinge. Merkt euch, wenn euch etwas beim Fotografieren stört und notiert euch, was wann warum falsch war.

Ich kann euch den absoluten Tipp geben, dass je mehr ihr bei der Analyse eurer Fotos ins Detail geht, umso genauer könnt ihr eure Bedürfnisse definieren.

Und schlussendlich: Fragt euch, ob eure Fotos dadurch wirklich besser werden. Ich könnte wahrscheinlich zu 70% der Fälle sagen, dass es auch anders gehen könnte und das man den Unterschied ohne das tatsächliche Wissen nicht sehen würde. Fragt euch also wirklich: Wenn ich mich gerade über zwei Softboxen streite, machen beide Teile wirklich einen so großen Unterschied oder ist das Ganze eben nur chirurgisch?

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Kommentare (20)

20 thoughts on “TECHNIK: WAS SOLL ICH KAUFEN?

  1. Sehr schöner Beitrag! Wie immer! Ich bin genauso oft draussen wie drinnen, wollte damit mobil sein und hab mich dann für ein vernünftiges Strobisten Set entschieden. Dreimal Nikon SB800, Stative von Walimex(sind nicht die hochwertigsten-aber sie reichen), dazu einen Aurora Firefly, einige Schirme, Reflektor und natürlich einen Haufen Kleingram. Alles in Allem wenn man(n) es zusammenrechnet, kommt man auch auf eine sehr schöne Summe. Hätte man vielleicht ein paar Euro(s) mehr investiert, hätte man auch einen Ranger Q haben können.

    Mit einem Strobisten Set ist man genau so schnell, nicht mehr so günstig unterwegs wie man vielleicht meint. 100% bin ich immer noch nicht mit meiner Entscheidung zufrieden, aber ich kann so wie´s jetzt ist 90% meiner Aufträge erledigen. VG Josef

  2. Wieder mal very interesting, ein Ärgernis gibts aber bei diesen ganzen fireflies, f2s etc.: diese Teile sind nicht groß genug dimensioniert, um einen 60er Metz Stabblitz zu verwenden. Das ist sehr schade, weil der zum einen ordentlich Saft hätte, zum anderen ausreichend Akkukapazität. Natürlich wiegt der mehr als ein SB-900, zählt für mich aber immer noch als absolut transportabel…

    Falls ihr da nen Lösungsvorschlag hättet: immer her damit;-)

    Ein schönes WE allen

    Joe

  3. @admin

    da muß ich dann wohl doch mal sambesigroup direkt kontaktieren, ich finde überall nur die Version für den 45er Stab, der 60er hat aber nen deutlich größeren Kopf…

    Aber danke für den Hinweis, ich denke daß ihr da mehr Infos habt als wir Ottonormaluser;-)

  4. @Joe: was hälst du von der Westcott Apollo 28inch Softbox? Die gibts zwar nur in den USA zu bestellen, lohnt sich aber. Das wäre auch mein Tip für alle anderen.

    Die Westcott Apollo ist auch zusammenklappbar wie die Firefly bzw. ein gewöhnlicher Schirm, bietet aber leider keinen Support für ein CLS-System. Der Grund liegt auf der Hand: der Blitz befindet sich direkt IN der Softbox, ein Steuersignal der Kamera erreicht ihn nicht. 😉

    @Martin: Top Video über die Firefly, find sie aber büsschen klein – bis zu welcher Größe würdest du diese empfehlen (Kopf/Oberkörper etc.?)

    Vg,

    Hannes

    1. Also ich finde die 65er ist groß genug für Portrait allemal, und es geht sehr weich bis Oberkörper. Ist ungefähr die Größe des Softlights von Elinchrom und damit leuchten wir auch Ganzkörper aus!

  5. Was haltet ihr eigentlich so von dem Mobiflash Adapter im Vergleich zu flash2softbox. Irgendwie hört man von ersterem deutlich mehr. Ich zumindest. Liegt es daran, dass Martin oft davon spricht oder deren Marketing besser ist…..? Oder ist es einfach besser?

  6. Ich denke, DIE Softbox für jeden Einsatzzweck gibt es genauso wenig, wie es auch kein Objektiv für jede Gelegenheit / jedes Motiv gibt.

    Fotografie ist ein Handwerk und dazu gehört nun einmal mehr, als nur EIN Schraubenschlüssel in den Handwerkskasten des Handwerkers.

    Cool finde ich z.B. auch das System von Creative Light, welches super stabil ist und alle Möglichkeiten in Bezug auf die Größe und Art der Softbox offen lässt. http://www.creativelight.com/content/speedrings-1 .Durch den „Speedring“ sollte auch ein dicker Metz CT 60 Kopf passen. Ansonsten ist vermutlich nur wenig handwerkliches Geschick von Nöten, um die Defizite einer der Softbox-Lösungen den eigenen Bedürfnissen an zu passen.

    Ich verwende z.B. die mit EUR 59,00 sehr preiswerte Magic Sqare Softbox von Enjoyyourcamera und bin damit ganz zufrieden. Einige kleine Modifikationen sind zwar empfehlenswert, aber leicht zu bewerkstelligen (ich habe hierzu eine Rezension bei Amazon geschrieben).

    Die FireFly Softbox, die ich auf dem Workshop mit Martin in Wuppertal „begrabbeln“ konnte, hat mich überzeugt und ich hoffe, der Weihnachtsmann hat es auch kapiert, dass diese eine gute Ergänzung meiner Sammlung wäre;-).

    Dass man mit der „Strobisten“-Variante günstig weg kommt, ist ein Trugschluss. Mit 3 x 580EX, E-TTL Pocket Wizards, Lichtformern, Strippen, Akkus, etc. liege ich inzwischen über EUR 2.000,00. Aber Einer der Vorteile liegt darin, dass die Ausrüstung „wachsen“ kann und man nicht sofort viel Geld auf den Tisch legen muss. Wie Martin immer wieder beweist, kann man aber auch mit nur einem Aufsteckblitz beeindruckende Fotos machen. Und das geht dann schon für knapp EUR 600,00 (1 x 580EX /SB900, Softbox, Yongnuo 602).

    Der nächste Schritt (für mich) sind dann zwei Priolite MB500.

    Gruß,

    Andreas

  7. Das System von creative light sieht in der Tat ganz gut aus, sogar der Speedring wäre groß genug für meine 60er Metze:-)

    Aber ich denke, daß man irgendwo eine Grenze ziehen sollte mit Lichtformern an Systemblitzen. Wenn man sowas wie den SB-900 verwendet wirds in der Tat schnell (unverhältnismässig) teuer, und ein paar billige Schirme/Schirmsoftboxen bzw. maximal eine 60×60 Softbox reichen auch für starke Stabblitze völlig aus.

    Leider gibts halt speziell für die großen Metze keine große Auswahl an passenden Okta/-Softboxen, aber eine Lösung „am“ Speedring statt „in“ demselben tuts zur Not auch…

    Ich für meinen Teil werde wohl in dieses System nicht weiter investieren, sondern lieber wieder auf wenige Teile reduzieren, und stattdessen dann „echte“ Studioblitze anschaffen. Ich tendiere zu nem gebrauchten Porty mit Netzteileinschub, sprich on location und an der Steckdose zu gebrauchen. Nur leider sch…teuer…

    Die Videos hier von Martin zeigen ja oft genug, daß man mit dem Einsatz von know-how und Lichttechnik für 100 Euro in vielen Situationen wesentlich weiter kommt als mit hightech overkill.

    In diesem Sinne gute Nacht und allzeit gut Licht

    Joe

  8. Hallo,

    vielen Dank für die Ausführlichen Ausführungen.

    Kannst Du mir sagen welchen Firefly man eher nehmen soll, den 50er oder doch den größeren 65er? Der Preisunterschied sind lediglich 25Euro.

    Was sind Vor und Nachteile der beiden mit einem SB900?

    Vielen Dank und viele Grüße aus Manhattan,

    Oli 🙂

    1. Also ehrlich gesagt würde ich mir da absolut keine Gedanken machen. Ist doch Jacke wie Hose… Die eine ist größer und kostet viel mehr Leistung, die andere eben kleiner und effizienter. Ich mag die 50er für draußen, die 65 für drinnen…

      LG
      Martin

  9. Hallo Martin,

    vielen Dank für deine Antwort.

    Das heißt beim 65er geht etwas mehr Licht „verloren“? Wieso ist das so, kann man das simple erklären?

    Und ich würde die Softbox gerne draußen und drinnen nutzen, welchen würdest du mir dann eher empfehlen?

    Vielen Dank, Oli 🙂

    1. Keine und beide kann ich empfehlen… ich kann dir nicht sagen wie und was du fotografierst und daher auch keinen Tipp geben. 65er macht sicherlich mehr her und könnte besser investiertes Geld sein.
      Erklärung wegen Lichtstärke: Mehr Fläche, mehr Licht benötigt… mehr Licht geht flöten…

  10. Mie ist die FireFly durchaus sympathisch aufgrund der recht kompakten und einfachen „Handhabung“… Aufschieben, Difusor drauf und los gehts….

    Jetzt gibts ja mitlerweile einige der Schirm-Oktas. z.B. die von Mettle oder die Apollo Orb von Westcot.

    Vielleicht macht ihr ja mal einen Vergleich von mobilene/faltbaren Oktas für Systemblitze.

    F2S hatte ich ne zeitlang auch im Blick gehabt, aber ich muss gestehen: das auf & abbauen der Okta/Sobo würde mich glaub ich dauerhaft nerven.

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