14.2.2012    8

TECHNIK: LENSBABY COMPOSER

14. Februar 2012 | Technik

Nachdem wir die letzten Tage in Kempten unterwegs waren und leider nicht wirklich zum Blog-Beiträge-Schreiben kamen, so kommt heute ein absolutes Highlight für alle Fotografen da draußen, die den Technikwahn satt haben. Objektive für 1500 € oder mehr, alles muss so scharf, so perfekt wie möglich sein. Keine Farbverschiebungen und ja keine CA. Randunschärfe pfuiteufel und wehe es kommt zum Flaring… Der Lensbaby Composer* macht all das, was ein Objektiv eigentlich nicht machen darf.

Kein Autofokus, Linsen so schlecht wie Flaschböden, Blenden zum Einsetzen, Schärfe die man mit einer Suchstaffel finden muss, Farbe die ausschaut als hätte eine Dreijährige auf RedBull mit dem Malkasten gespielt. So viel Unschärfe und Fehldarstellungen, dass CA garnicht als solche zu erkennen sind. Rundum, ein grottiges Objektiv. Und genau darum geht es uns. Ein perfekt geniales Objektiv, weil es so schlecht ist, dass es den Fokus des Bildbetrachters verlegt.

Natürlich geht es eigentlich bei den Lensbabys um eine Verformung der Bildschärfeebene relativ zum Sensor.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Hier sieht man besagtes Objektiv im Einsatz an der 60D. Und hier im Anschluss gleich die beiden Ergebnisse um die es heute gehen soll und anhand derer wir die Looks besprechen wollen. Beim Lensbaby Composer* handelt es sich außer bis auf die optischen Einschränkungen um ein vollwertiges Objektiv. Es ist also kein Adapter oder Zwischenring.

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

Wie man deutlich erkennen kann, sind alle „Hasskriterien“ vieler Fotografen vorhanden.

  • Flaring mit starkem Farbflares (Regenbogenlook im linken Bild)
  • Umschärfe
  • Fehlschärfe (Hintergrund ist scharf)
  • Randunschärfe
  • Randabdunklung (EXTREM!!!)
  • Farbstichig
Beide Fotos wurden ohne zusätzliche Hilfsmittel nur mit Kamera und Objektiv aufgenommen. Also nix mit Blitz oder Reflektor oder sonst was! Einfach Fotos gemacht! Hier seht ihr auch nochmals wie.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Ihr seht, Sonnenuntergang am Waldrand. Martin mit der 60D und dem Lensbaby Composer*.

Der Lensbaby Composer* ist übrigens kein klassisches Lensbaby. Denn im Vergleich zu den anderen Babys kann er wirklich fokussiert werden. Das ist im Bild oben zu erkennen. Er hat einen ganz normalen Fokus am Objektiv vorne und muss nicht mehr über drücken und drehen am Objektiv eingestellt werden. Die eigentlichen Lensbabys hatte nämlich nur die Möglichkeit, das Objektiv über eine Art Ziehharmonika zu verbiegen und verdrehen und damit auch gleichzeitig scharf zu stellen.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Der Lensbaby Composer* ist ein absolutes Unikat und für jeden Modefotografen ein echtes Pflichtteil. Es geht darum, dass man gezielte technischen Schwächen einbaut und damit das Motiv in den absoluten Vordergrund rückt. Umso mehr Fehler das Motiv hat, umso weniger sind technische Aspekte von Bedeutung. Probiert es aus! Fehler sind wirklich komisch. Anstatt das Auge vom Betrachter abzulenken kommt es oft dazu, dass das Motiv in den Vordergrund gerückt wird.

Wie bei jeder Festbrennweite heißt es auch hier wieder: LATSCHEN-ZOOM. Laufen, Laufen, Laufen ist angesagt!

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Ein ganz interessanter Punkt beim Lensbaby ist die Wahl der richtigen Blende. Die Blende kann nicht am Objektiv eingestellt werden sondern wird mit kleinen Ringeinsätzen in das Objektiv gelegt. Im Bild unten seht ihr z.B. eine eingesetzte Blende von 2.8. Der Ring hält durch die seitlichen Magneten im Objektiv. Ihr könnt drei Magnete erkennen. Das sind die hellen Streifen neben dem Blendeneinsatz im Objektiv drin. Natürlich gilt bei den eingesetzten Blenden, dass die Objektivfehler umso stärker werden, je weiter offen die Blende ist. Beim Bild oben wurde das linke Foto auch mit Blende 8 gemacht, während das andere Bild mit offenster Blende aufgenommen wurde.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Der Lensbaby Composer* ist so minderwertig in der Qualität, dass man im Gegenlicht garnix mehr sehen kann. Also müsst ihr einen Trick anwenden. Der ist auf dem unteren Foto zu erkennen. Ihr haltet die Hand zwischen Sonne und Objektiv. In dem Moment wo keine Sonne auf das Objektiv fällt, könnt ihr das Bild setzen und komponieren. Danach nehmt ihr die Hand weg, kurz vor dem eigentlichen Auslösen.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Und zum Thema Flaring gibt es hier mal einen kurzen Vergleich. Wir haben zum Fokussieren die Hand vor die Sonne gehalten um überhaupt etwas erkennen zu können. Was aber genauso interessant zu wissen ist, erkannt man deutlich bei den verschiedenen Ergebnissen. Eigentlich wird die Hand aus dem Bild genommen, sobald man den Bildausschnitt gefunden hat. Stellt man jetzt aber mal beide Fotos, einmal mit direktem Sonnenlicht und einmal ohne direktes Sonnenlicht, nebeneinander, so ergibt sich ein erstaunlicher Vergleich. Aber seht selbst!

SETUP HOW TO Tutorial Photo

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Hält man die Hand knapp über das Objektiv, so kann man immer noch das Motiv fotografieren, aber ohne direktes Sonnenlicht.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Im Endeffekt lässt sich dieser Beitrag also unter zwei Gesichtspunkten zusammenfassen:

1. Es geht nicht um das beste Objektiv mit der besten Leistung sondern gute Fotos können ruhig auch Makel haben. Vielleicht „müssen“ gute Fotos auch Makel haben???

2. Wenn, dann richtig :-). Übertreibt ihr es mit den technischen Fehlern so stark, dann entzieht ihr euch damit auch einer gewissen Kritikfähigkeit. Denn dann ist auf den ersten Blick zu erkennen, dass Alles gewollt war und beabsichtigt ins Bild gebracht wurde. Zudem ist jeder Fehler an sich viel unwichtiger und gegenüber den anderen Makeln auch irrelevanter.

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

So, das wärs fürs Erste! Wem dieser Look jetzt doch etwas zu extrem ist, der kann natürlich auch auf ein anderes Objektiv zurückgreifen. Der Einstieg dieses Beitrages bleibt aber gültig: Es muss nicht immer ein super-mega-duper-teuer Objektiv sein. Das nachfolgende Bild wurde mit dem einfachen 50mm 1.8 gemacht. Eine Linse, gebraucht für unter 100 € gekauft. Und auch diese Linse weißt Ansätze des Looks vom Lensbaby Composer* auf. Es kommt eben doch nicht immer nur auf technische Perfektion im Ergebnis an sondern gerade die etwas unperfekten Fotos sind die, mit am meisten Leben!

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

Viel Spaß mit hoffentlich neuen Ideen und tollen Fotos.

Martin & Marc

++++++++++++++++++++

*Affiliate Link zu Amazon

Kommentare (8)

8 thoughts on “TECHNIK: LENSBABY COMPOSER

  1. Sehr schön! Erst gestern habe ich mich über Lensbaby informiert! Tja und heute gibt es gleich mal bei Krolop&Gerst nen fetten Bericht im Blog! Sehr geil! Schade das ich in Kempten nicht dabei sein konnte! Arbeit geht nunmal vor! Hoffe Ihr hattet trotzdem viel Spaß und gute Ergebnisse! Lg Markus

  2. Hallo,

    ich muss ehrlich zugeben, dass dies wohl eins der technischen Dinge wäre, die ich nicht ausprobieren würde, ich kann mit dem Ergebnis was dieses Objektiv fertigt, nichts anfangen, dafür ist mein Verständnis für Kunst zu gering. 🙂 Ich war dennoch überrascht, was es so alles gibt.

    LG, Ronny

  3. Hallo,

    STARK STARK STARK 🙂

    Mir gefällt das letzte Bild,welches auschließlich mit dem 50 1.8 entstanden ist am besten. Aber jetzt mal ehrlich, das Bild kommt doch nicht so aus der Kamera raus oder ? Habt ihr da was am PictureStyle geschraubt oder wie kann das Bild so viel Dynamik haben ? Die Exif´s zum Bild wären schön und was Ihr sonst noch dran gemacht habt !

    Viele Grüße Jan

    PS: Der Lensbaby Composer ist jetzt nicht so mein Geschmack aber trotzdem tolle Fotos !

  4. Tolles Ding! Ich überlege schon länger, mir eins zu kaufen. Eine Frage: Habt ihr Erfahrungen mit dem Lensbaby im Studio? Lohnt sich das überhaupt?

    Grüße,

    Nico

  5. Klasse beitrag, hab das lensbaby mit nem Sweet 35 einsatz auch schon seit einiger zeit hier liegen und bis jetzt musst ich mich immer zwingen das mal richtig in die hand zu nehmen weils einfach etwas aufwendiger ist mit dem schärfenverlauf etc aber dank diesem betrag werd ich mich in nächster zeit mal wieder mehr damit befassen 🙂

    glg phil

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Anzeigen