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Sony 85mm G-MASTER f1.4 im Test // Review

7. August 2016 | Technik

Sicherlich ist es nicht mehr die Neuigkeit schlechthin und in den letzten Wochen haben schon einige Fotografen mit dem Objektiv arbeiten bzw. es kaufen können. Allerdings sind Objektive im Vergleich zu Kameras wirklich für die Ewigkeit gebaut und ein Objektiv muss mehr als nur ein paar Monate nutzbar und state-of-the-art sein.

Daher wollen wir heute für alle interessieren Sony-Fotografen ein Feedback bzw. Testergebnis zum 85mm f1.4 aus der G-Master Serie geben. Wie immer ist es eine Mischung aus subjektiven und objektiven Punkten. Wir haben in den letzten Monaten extrem viel mit dem Objektiv gearbeitet und jetzt traue ich mich ein solides Urteil über Stärken und Schwächen abzugeben. Wir haben auch einen eigenen Bokeh-Test für dieses eine Objektiv gemacht. Dieser Beitrag ist daher mal wieder etwas länger als andere Beiträge.

Wir haben auch ein Fotoshooting mit einer besonderen Bildidee extra zum Test des Objektives gemacht und das nachfolgende Foto haben wir 1:1 so fotografiert um damit Bokeh, Schärfe und CAs des Objektivs zu testen. Übrigens wurden alle Bokeh-Effekte zusammen mit dem Model in einem Fotografiert. Wer mehr zum Foto erfahren möchte, am Ende des Objektivtests werden noch Vorher-Nachher Aufnahmen gezeigt. Auch zum Test-Foto gibt es später noch Detailansichten. Die Gründe warum wir eine hochreflektierende Oberfläche fotografiert haben, sollte klar sein.

NACHHER

Wir haben uns das 85mm 1.4 GM übrigens nach dem 85mm Batis als zweites 85mm gekauft um damit zu fotografieren. Das Batis 85mm ist unser absolutes Video-Standard-Objektiv geworden. Das geht nicht mehr runter und unser Videomann tötet dafür. Klein, handlich und mega Qualität. Und weil es immer nervt jemand mit dem 85er rumtanzen zu sehen und es selbst kein 85er für Fotos nutzen zu können, haben wir beim neuen 85mm GM zugeschlagen. Vielleicht wäre das 24-70 GM besser gewesen für die Praxis aber ich bin eben ein Freistellungsfan und f1.4 bei 85mm kann man nicht einfach so mal mit einem Standard-24-70er vergleichen.

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G-MASTER / What’s that?

G-Master steht bei Sony als eine Art neue Reihe für besonders hochwerte Objektive. Ist natürlich schon etwas problematisch? Immer dann, wenn man nämlich etwas noch hochwertiges produziert, stuft man gefühlt das bisher schon vorhandene Produkt ab. Man darf aber nicht vergessen, dass die bisherigen Sony Objektive schon äußerst hochwertig waren. Warum also baut man noch bessere Objektive wenn eh schone extrem gute Zeiss-Linsen hat? Begründen kann man daher die G-Master Serie nur mit dem Pareto-Prinzip, auch bekannt als 80/20 Regel. Pareto fand als Wissenschaftler heraus, dass Effizienz sich bei einer Teilung von 80/20 bricht. Ein 80% Ergebnis (in Relation zur Perfektion) erreiche ich mit 20% Aufwand. Um die letzten 20% zur Perfektion zu bringen, brauche ich zusätzlich dann die 80% der Zeit.

Ich denke dass die meisten Hersteller bei gewöhnlichen Linsen eher versuchen Effizienz vor Perfektion zu setzen. Auch wenn es schon etwas hart klingt und sicherlich die meisten es nicht zugeben wollen. Oder anders herum? Wollen wir selbst nicht immer alle das Beste aber nie zu viel Geld ausgeben? Und genau das ist halt der Punkt… die bisherigen Sony Linsen sind nicht schlecht, ganz im Gegenteil. Auch das Batis ist eine Traumlinse. Sony hat mit dem GM-Konzept eben die letzten 20% als Ziel. Natürlich mit den entsprechenden „Nebenwirkungen“ in Bezug auf Preis, Gewicht und AF.

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Also lassen wir Sinnhaftigkeit und Preis-Leistung einfach mal im Raum stehen und kümmern uns qualitativ um das Objektiv. Ich möchte in den nachfolgenden Zeilen die mir wichtigsten Punkte des Objektivs abhandeln.

Schärfe

Ich mache es kurz und knackig denn dieser Punkt ist jetzt eigentlich schon klar. Die 1800€ teure Festbrennweite ist schärfer als der höllische Inder um die Ecke. Mit dem 85mm GM erreicht Sony eine Schärfe in Regionen der Zeiss Otus Linsen.

Bokeh

Ich finde das Bokeh arg scharf. Ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll. Bokeh ist sowieso eine Sache über die man vortrefflich faseln könnte. Was ist schönes Bokeh und was ist ein hässliches Bokeh? Ich denke da spielt nun wirklich eine rein subjektive Vorstellung eine ganz große Rolle. Sicherlich reiten viele Objektivhersteller immer auf dem Bokeh herum. Andererseits kaufen viele Fotografen gezielt alte Objektive die im Hintergrund wirklich grottig aussehen und nennen es dann VINTAGE oder OLDSCHOOL. 🙂 Also diese Sache mit dem Bokeh ist einfach etwas aus dem Ruder gelaufen über die Jahre.
Objektive sehen alle anders aus aber das jetzt an der Form der Bobbels im Hintergrund fest zu machen ist manchmal dann doch etwas arg übertrieben.

Objektiv neutral kann man auf dem 200% Bild unten erkennen, dass die Bokeh-Effekte nur ganz wenig Farbsäume haben Und man erkennt in den Bokeh-Effekten sogar das Grid der Wabe der Beautydish, welche bei diesem Foto als Führungslicht verwendet wurde. Daher auch das Gitter in den Unschärfe-Effekten und daher auch etwas mein Gefühl, dass die Bokeh-Effekte doch ziemlich scharf wirken.

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Bauart

Ich finde die Verarbeitungsqualität besonders wichtig bei teuren, hoch qualitativen Objektiven. Ist das Objektiv reif für lange Jahre Einsatz oder nur ein kurzfristiges Erlebnis? Wie fühlt es sich an? Was hält es aus?

Das GM 85mm Objektiv ist ein Trümmer. Gefühlt ist da kein bewegliches Teil enthalten. Das denkt man jedenfalls wenn man das Objektiv in der Hand hält. Dazu kommt, dass die Ringe, egal ob Fokus oder Blendenring, wirklich butterweich laufen und null aber auch gar kein Spiel haben. Das Finish ist nicht zu metallisch der trotzdem extrem „griffig“. Also ich finde, es liegt besser in der Hand als das Canon und beim Canon wackelt der innere Tubus wie Bolle.

Autofokus

Kommen wir zu einer Schwachstelle der Sony Alpha 7 Serie. Ich sage gezielt „der Kamera“ weil Fokus komischerweise immer mit Objektiven in Verbindung gebracht wird und dann erst mit der Kamera. Fokussierung ist Kamera-Arbeit. Dort sitzen die Sensoren bzw. der Kontrastfokus. Erst danach bewegt das Objektiv sein Glas. Zugegeben, es gibt langsame Objektive und schnelle Objektive. Die Treffsicherheit wird aber vorrangig über die Kamera bestimmt. So funktioniert das 85er an einer 6300 anders als an einer 7rII.

Um jetzt noch konkret zu werden. Der Fokus ist ausreichend aber nicht besonders schnell. Wobei.. Jeder Canonfotograf wird seinem 85mm f1.2 auch nicht den besten Autofokus nachsagen. Und das ist noch vorteilhaft für das Canon Glas formuliert. Für einen Lichtgeschwindigkeits-AF sind derlei Objektive einfach zu schwer und es muss zu viel Gewicht bewegt werden. Glas ist schwer und Gewicht ist immer hinderlich für einen schnellen AF. So ist es einfach.

Beim Fotografieren auf f1.4 mit einer Sony 7rII muss man sich schon auf das eine oder andere Pumpen einstellen. Teilweise verfokussiert die Kamera auch komplett. Aber immer wenn die Kamera trifft, wird man mit einer außergewöhnlichen Qualität belohnt. Wie oft das der Fall ist hängt sehr mit Motiv, Fotografier-Art, Kamera und Licht ab. Gegenüber meiner Erfahrung mit dem 85mm f1.2 von Canon vermisse ich nichts in Punkto Autofokus. Wenn ich andere Objektive (z.B. das 55er von Zeit!) vergleiche, dann sind diese doch einen deutlichen Ticken schneller.

Preisleistung

Ok, sehr schwieriges Thema. Preis-Leistung… ich hatte oben vom Pareto-Prinzip gesprochen. Das 85mm GM ist eine sau teure, sau geniale Linse. Man zahlt eben für die letzten 20% und dafür zahlt man ordentlich.

Wer seine 42 Megapixel bei f1.4 wirklich ausreizen möchte, der braucht das GM. Wer sich mit weniger zufrieden gibt, der muss auch nicht so viel blechen und kommt günstiger weg. Normalerweise gilt ja bei Fotokameras und Objektiven immer YOU GET WHAT YOU PAY FOR. Das ist hier leicht anders. YOU PAY A LOT FOR THE LAST 20% aber wer kann schon sagen, dass er wirklich die Qualität seiner Kamera voll ausnutzen kann.

Vergleich zum Zeiss 85mm 1.8

Sicherlich kann man den Preis-Leistungsvergleich eher am Batis 85er erkämpfen und viele Fotografen werden sich auch direkt nach dem Vergleich zwischen Batis und GM erkundigen. Das Zeiss Batis 85mm Objektiv ist günstiger, leichter, kleiner, handlicher und ebenfalls sehr scharf. Niemand mit einem Batis 85er beschwert sich über Schärfe, Größe, Gewicht oder Verarbeitungsqualität. Aber wie gesagt, wer die letzten paar Prozente Leistung will, der kann halt auch nicht einfach nur 10% mehr zahlen. So funktioniert das im Leben nicht. Das wissen wir selbst. Richtige Perfektion kostet Zeit und Geld.

Weder das Batis ist schlecht noch zahlt man  beim GM Objektiv Geld für nix. Man bekommt Qualität für jeden Euro den man einsetzt. Das Batis haben wir vorrangig im Filmeinsatz und ich denke selbst bei 4K sieht man den Unterschied zum GM 85er nur in Details. Wenn wir aber 42 Megapixel ausfüllen möchten, dann greifen wir ab sofort zum GM.

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Chromatische Aberrationen

Bei unserem Goldi-Glitzer-Testshooting haben wir uns natürlich absichtlich für dieses Motiv entscheiden. Das Motiv ist ein gold angemaltes Model mit aufgeklebtem Gold-Glitzer. Viel schwieriger kann es dann nicht werden wenn das Motiv von allen Seiten angestrahlt wird. Jedes Glitzerplättchen ist nämlich eine Art Spiegel und bietet dem Objektiv natürlich auch die fiesesten Kontrastkanten überhaupt. Dazu erzeugen Glitzerstreifen im Hintergrund für viele Bokeheffekte.

Wir haben uns aus einem Foto zwei Stellen herausgesucht. Einmal die Bildmitte und dann den Bildrand und haben uns die hellsten Glitzerstellen auf der Haut gesucht. Daran kann man CAs und Unschärfen festmachen, wenn es denn welche gibt.

Die Bilder sind übrigens alle unbearbeitet. Ein fertiges Foto gibt es hier im Beitrag gaaaaaaanz unten.

Bildmitte (Wangenknochen)
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Man erkennt auf dem Bild, dass es nur kleine Säume gibt und wenn, dann eher in Richtung Magenta als nach Grün.

Bildrand (Dekolletee über Brust)canon-sony-vergleich-85mm-test-raw-jpg-schaerfe-l-vc-blende-1,2-1,4-10

Im Randbereich ist die Qualität deutlich abfallend wobei das obere Bild auch etwas bzgl. der Schärfe trügt. Dieses Bild ist nur deshalb verlaufend unscharf, weil die Schulter selbst aus der Schärfen-Ebene heraus wächst. Das bedeutet es handelt sich hier nicht um Randunschärfe sondern um ganz gewöhnliche Unschärfe. Aber selbst in einer wirklich starken Unschärfe halten sich die Fehlbildungen in Grenzen. In der Mitte eher grünlich, außen eher rötlich im Stich.

Optische Konkurrenz zum 85mm f1.2 von Canon

Natürlich mussten wir dieses 85er auch gegen unser Canon Überobjektiv antreten lassen. Wenn man über ein besonders tolles 85er spricht, dann spricht man sehr oft auch über das 85mm f1.2 Canon L Objektiv. So ein bisschen gilt das Canon L Glas als absolute 85er Offenblende-Referenz für DSLR Kameras. Find ich komisch, ich hätte eigentlich das Zeiss Otus als Referenz gesehen aber gut, immerhin kosten beide Objektive gleich viel. Es sind beides 85mm Objektive, GM ist L und L gleich GM (jedenfalls vom Grundgedanken!) und f1.2 oder f1.4 ist jetzt zwar eine halbe Blende aber wenigstens abgeblendet auf f1.4 müsste das Canon eigentlich Vorteile haben.

Man mag sich fragen welchen Sinn es macht, ein Canon EF Objektiv gegen ein Sony E-Mount Objektiv antreten zu lassen. Ohne Adapter kann man das Sony ja nicht mal verwenden! Die Antwort ist denkbar einfach. Es handelt sich um ein HighEnd L Objektiv von Canon in der selben Preisliga mit den selben Ansprüchen. Das 85er wird bei Canon von vielen Fotografen auch gerne an der 50MP Kamera verwendet und so viele andere mögliche Konkurrenzobjektive gibt es auf dem Markt nicht. Von daher lohnt sich dieser Vergleich absolut!

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Ja, unsere Studio-Making-Of-Kamera hat ordentlich Staub auf dem Sensor.

Die nachfolgenden Bilder zeigen die ungefähren Dimensionen des 85er GM von Sony. Wer das Canon kennt, der weiß was für ein Trümmer das ist. Auf dem nächsten erkennt man auch übrigens den Innen-Tubus beim Canon Objektiv. Ich hatte noch kein 85er von Canon in der Hand, bei dem dieser gesamte Teil nicht wenigstens etwas Spiel hatte.

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Das obere Bild lässt darauf schließen, dass wir es beim 85er von Sony eigentlich mit einem aufgebohrten DSLR Objektiv zu tun haben. Es sieht verdächtig danach aus, als ob der Spiegelkasten „simuliert“ wurde. Ist jetzt zwar nur eine haltlose Unterstellung aber komisch ist es trotzdem so in der Seitenansicht. Das lichtstärkere Canon Objektiv ist kleiner als das lichtschwächere Sony Objektiv.

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Auf diesem Bild kann man aber auch den Unterschied der Blende erkennen. Und übrigens auch der Vergütung. Beim Canon schimmert die rechte Seite schon lila und jeder der dieses Objektiv einmal auf f1.2 fotografiert hat, der weiß wie schlimm Magenta-CAs beim Canon 85er L sind.

Testreihe

Kommen wir, wie oben angesprochen, zur fotografierten Testreihe.

TESTPARKUR
Wir sind mit einer Sony Alpha 7rII auf einem soliden Stativ an eine Mauer gegangen, haben einen Bereich mit Malertape abgeklebt und haben valide Testreihen mit beiden Objektiven geschossen. Manuell über die 100% Vergrößerung wurde immer auf den identischen Punkt fokussiert. Dann wurden jeweils 5 Testfotos gemacht und bei jedem Testfoto wurde die Schärfe neu eingestellt. Das schärfste Foto aus dieser 5er Reihe wurde ausgewählt. Und das galt für beide Objektive. Fehlfokus, Verwackeln oder dergleichen waren also ausgeschlossen.

Die fertigen Bilder aus der Kamera als JPG gespeichert wurden dann hier für diesen Vergleich herangezogen. 42 Megapixel sind noch keine 50 aber sind auch keine 20 mehr. Die 7rII eignet sich vorzüglich als Testkamera.

DSC03238DSC03269DSC03288DSC03290canon-sony-vergleich-85mm-test-raw-jpg-schaerfe-l-vc-blende-1,2-1,4-2

F.A.B.A. (Frequently Asked Bescheuerte Aussagen!)

  1. Da ist bestimmt was verwackelt!
    Nein, ist es nicht. Nix ist verwackelt!
  2. Das ist doch ein schlechtes 85er von Canon. Meins ist nicht so schlecht sondern viel besser!
    Naja, wir haben damit zig Fotos gemacht und wirklich viele Fotoshootings gehabt. Wäre es so schlecht, hätten wir es weggeworfen.
  3. Falsch fokussiert??
    5 mal in Folge, jedes mal mit 100% Ansicht? Wohl kaum!
  4. Fake?!?!
    Gegenfrage! Warum? Weshalb?
  5. Der Adapter macht doch das Canon anders???
    Ne, macht er nicht. Ein Adapter ändert nix an der Schärfe solange er ordentlich konstruiert ist und keine Baufehler hat. Er simuliert eben nur den Abstand, den das Objektiv normalerweise durch den Spiegelkasten vom Sensor hat. Da ist kein Glas drin und auch sonst macht die Elektronik nix an der Schärfe.

Also kommen wir endlich zum Testergebnis. Das hier ist unser Test-Foto und wir haben uns zwei Bereich herausgesucht. Einmal eine kritische Ecke und einmal die eher unproblematischere Mitte.

00_FE 85mm F1.4 GM Sony Alpha 7rII 1-100 Sek. bei f - 8,0 ISO 500 GRUND

Blenden f8 bis f2.8

Beginnen wir einfach mit den Arbeitsblenden f8 bis f2.8. Ein Objektiv in dieser Preisklasse darf keine Schwächen zeigen in dieser Region. Daher haben wir uns auch nur dem Randbereich gewidmet. Die Mitte schauen wir uns dann bei f1.4 an.

Aber seht einfach selbst. Direkt aus Kamera, gleiche Einstellungen etc…

03 08_FE 85mm F1.4 GM Sony Alpha 7rII 1-100 Sek. bei f - 8,0 ISO 500 (außen) 04 07_85mm F1.2 G SSM II Sony Alpha 7rII 1-100 Sek. bei f - 8,0 ISO 500 (außen)

Ich finde man kann deutlich eine Randschwäche des Canon Objektivs erkennen. Die Schärfe wird am Rand förmlich nach außen gezogen. Es ist nicht matschig weich sondern eher so gezogen unscharf. Wie so eine Art Doppelbild oder Überlagerung nach außen hin.

08 05_85mm F1.2 G SSM II Sony Alpha 7rII 1-400 Sek. bei f - 2,8 ISO 250-2 (außen)07 06_FE 85mm F1.4 GM Sony Alpha 7rII 1-320 Sek. bei f - 2,8 ISO 250 (außen)

Ich finde auf diesem Vergleich erkennt man wie scharf das Sony Objektiv bereits bei f2.8 ist. Gefühlt schaut es nach maximaler Schärfe aus. Vor allem sieht es deutlich schärfer aus als bei f8. Das verwundert mich aber ich habe auch mal gelesen, dass ein offenblendiges Objektiv ab f5.6 schon wieder abbauen kann. Weil es auf so offene Blenden gerechnet ist, dass das Schließen schon wieder zu Unschärfe führen kann. Evtl. haben wir es auch bereits mit Beugung zu tun? Das kann ich nicht sagen. Finde bloß krass wie viel schärfer f2.8 ist.

Blende f1.4

Kommen wir zum spannenden Test beider Objektive bei f1.4. Die Königsdisziplin sozusagen. Und dabei gucken wir uns jetzt sowohl die Mitte als auch den Bildrand genauer an. Los gehts!

09 04_85mm F1.2 G SSM II Sony Alpha 7rII 1-500 Sek. bei f - 1,4 ISO 100-2 (außen)10 03_FE 85mm F1.4 GM Sony Alpha 7rII 1-500 Sek. bei f - 1,4 ISO 200 (außen)

Der Unterschied ist echt deutlich. Das Canon, obwohl schon eine halbe Blende abgeblendet, ist deutlich unschärfer.

12 01_85mm F1.2 G SSM II Sony Alpha 7rII 1-500 Sek. bei f - 1,4 ISO 100 (außen)11 02_FE 85mm F1.4 GM Sony Alpha 7rII 1-500 Sek. bei f - 1,4 ISO 100 (außen)

In der Mitte ist der Unterschied nicht mehr sooooo extrem aber immer noch sehr stark sichtbar. Das Canon Glas zeigt deutliche Detailschwächen.

Interessant ist aber wie ähnlich die beiden Objektive in Punkto Farbe und Kontraste sind. Es scheint als ob der große Unterschied in der Detailgenauigkeit zu finden ist. Zugegeben, der ist extrem, trotzdem hätte ich auch an leichte Farbverschiebungen geglaubt. Tja, hinterher ist man immer schlauer.

FAZIT ZUM OPTISCHEN VERGLEICH

Das gleich teure Canon Objektiv hat nicht den Hauch einer Chance den optischen Vergleich stand zu halten. Man merkt die Jahre die das Canon Objektiv auf dem Buckel hat eben doch und im Gegenzug haben die Sony Entwickler im Jahr 2016 eben alles richtig gemacht. Gleicher Preis, ganz andere Qualitätsliga. Bleibt eigentlich nur zu schauen wie ein evtl. anderes modernes 85er dagegen abschneiden würde.

Ich weiß nicht so recht. Langsam bekomme ich das Gefühl, dass wir entweder nur unscharfe Canon Linsen haben oder dass der Vergleich an sich unfair ist. Ein 15 Jahre altes Objektiv (Konstruktionsalter, nicht Kaufalter!) gegen ein in 2016 erschienenes Objektiv antreten zu lassen… mmmhhh… vielleicht von Anfang an schon unfair? Vielleicht sollte man sich auch mal einen ebenbürtigen Gegner suchen. Z.B. das Tamron 85mm Objektiv.
Aber auf der anderen Seite finde ich den Vergleich trotzdem noch angebracht. Schließlich verkauft Canon noch immer das L 1.2er für 1900€ und wer eine Sache verkauft, muss sich auch an anderen Dingen messen lassen. Das Objektiv ist kein Oldtimer sondern genauso aktuell im Handel verfügbar. Immerhin weiß man hier jetzt, was man für 1800€ bei Canon und was man für 1800€ bei Sony bekommt.

ENDFAZIT ZUM 85ER GM

Ich mach es kurz und schmerzlos. Sicherlich das schärfste und beste Portrait-Festbrennweiten-Objektiv was man an einer Sony haben kann. Dafür auch mit das teuerste Objektiv was man von Sony für seine Sony kaufen kann. Tja, man kann nicht alles haben. Ich nenn nochmals abschließend Pareto. Die letzten paar Prozente kosten halt richtig dick Kohle. Es ist die ordentlich teure, optimal Lösung.


An dieser Stelle können wir noch kurz ein paar Worte zum Testbild verlieren. Das Bokeh-Goldie-Foto. Das Foto wurde nämlich zu 90% so fotografiert. Nur die Ecken und Ränder wurden nachträglich mit Photoshop verändert. Durch die Reflexionswinkel und die beschränkte Größe des Hintergrundes waren die Ecken nämlich bokehlos :-).

Vorher-Nachher

NACHHERVORHER

Die Aufnahme wurde zusammengesetzt aus vier weiteren Fotos. Drei mal wurden absichtlich Ecken fotografiert und einmal der Hintergrund ohne Model. Eine Ecke wurde dupliziert und gespielt und wurde so in die vierte, noch freie Ecke gesetzt.

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Im Endeffekt also wirklich kein Photoshop Hexenwerk.

Fertiges Glitzerbild

Das beste Foto aus der Strecke wurde übrigens noch heller belichtet. Besser machen beim nächsten Mal würde ich das Ohr und die Wange. Ich würde alles viel dichter mit Glitzer bekleben und auch viel mehr mit Paintbrush als mit wirklicher Pinselfarbe arbeiten. Aber hey, welcher Fotograf ist schon zufrieden nach dem Shooting? Nur die, die sich nicht verbessern wollen!

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In diesem Sinne, euer Martin

Kommentare (4)

4 thoughts on “Sony 85mm G-MASTER f1.4 im Test // Review

  1. ….Was soll man dazu noch sagen ! Arbeite selbst seit Mai mit dem 85 GM an der Sony a7r2 …einfach das Beste 85er, dass ich kenne ! Traumhaft und in Kombi auch traumhaft teuer..aber was solls 😉

  2. Hallo, große Probleme im Studio mit A7rII und Blitzeinstelllicht ab ca. Blende 5.6 aufwärts. Da die Linse mit Arbeitsblende fokussiert, habe ich dann ca. 60-70% Fehlfokussierungen (und nicht nur ich alleine). Sollte ich wieder auf Canon umsteigen??

      1. Tatsächlich funktioniert genau das nicht. Das Objektiv ist zusammen mit dem „Bruder“, dem 50er F1,4 GM eines der Wenigen, die aus mir unerklärlichen Gründen immer bei Arbeitsblende fokussieren. (zumindest an meiner A7RII). Ich nutze daher für Studioarbeit nur noch Linsen wie das Batis, die dieses Verhalten nicht zeigen oder adaptierte Linsen über Metabones (bei Sigmalinsen) oder MC11 (bei Canonlinsen), da die Kamera im Phasenautofokus-Modus bei Offenblende fokussiert und das (meiner Meinung nach) ERHEBLICH präziser und schneller als mit Kontrast-AF…

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