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HANDEVISION IBELUX 40mm f0.85 IM TEST REVIEW

15. August 2015 | Technik

Das Handevision ist DAS weltweit lichtstärkste Objektiv für E-Mount (nicht FE!), mFt und Fuji und wir haben es in der Praxis ausprobiert. Es ist das Luxus-Festbrennweitenobjektiv für Liebhaber der Extreme. Es gibt ein Review-Video UND einen Textbeitrag. Viele Fotos mit dem Objektiv aufgenommen gibt es auch zu sehen.


Als ich zum ersten Mal die Ankündigung in der Fotopresse vernahm, da sprang mein Herzschlag schon um gefühlte 100 Schläge pro Minute höher. Ein Festbrennweitenobjektiv aus deutscher Fertigung mit einer offensten Blende von 0.85 hieß es da im Pressetext. Jetzt, einige viele Monate später habe ich das Objektiv genügend an meiner Kamera gehabt, habe es durch Regen, Sonne und Kälte geschleift und habe mir meine Meinung zum Objektiv gemacht. Und ich kann meine Konklusion bereits vorwegnehmen. Ein Luxusobjektiv der Extreme hat handevision.de, so heißt der Hersteller, vertrieben durch FotoWalser, auf den Markt geworfen. Der Name des Objektivs: Handevision Objektiv 40mm f0,85 mit einem stolzen Preis von um die 1800€. Wir sind damit immer noch weit weg von den Canon Preisliegen des 24-70 oder des neuen 11-24ers aber Portokasse ist das auch nicht mehr. Umso wichtiger zu wissen was man da eigentlich kriegt.

Extreme, das Wort wird uns auch in diesem Blogbeitrag immer wieder begegnen und hängt am Objektiv wie ein T-Shirt während der Regenzeit in den Tropen am Körper klebt. 40mm f0.85 gilt es dabei auch noch manuell zu fokussieren.

An dieser Stelle kann man sich entscheiden. Unser Reviewvideo gucken oder den Text weiterlesen… oder beides 🙂 Viel Spaß!

Spannend ist schon dieses Grundlineup. Immerhin hat der deutsche Hersteller eine Linse ohne technischen Schnickschnack und eben auch ohne Autofokus auf den Markt geworfen. Kann das gut gehen? Die Antwort ja! Denn das Ibelux gibt es nur für spiegellose Systemkameras und jeder der verfügbaren Mounts bringt damit auch verschiedene Fokushilfen mit. Sei es Peaking bei dessen Verwendung scharfe Kanten mit einer Kennfarbe visuell hervorgehoben werden oder die gute alte Displaylupe. Und erstaunlicherweise ist gerade das Fokussieren bei f0.85 leichter als z.B. bei f4. Die Schärfe trennt sich nämlich dabei so deutlich von den unscharfen Bereichen ab, dass das schaustellen einfacher wird.

40mm mag auch auf den ersten Blick irgendwie komisch erscheinen, macht aber an einer APS-C Kamera mächtig Sinn. Die daraus entstehenden 60mm effektive Bildschnitte sorgen für einen nicht zu großen Tele-Look, bringen aber trotzdem das Motiv äußerst verzerrungsfrei und sauber ins Bild. Es ist ein Mittelding zwischen Tele und Weitwinkel und kann unglaublich vielseitig eingesetzt werden.

Vorteile nutzen

Mit dem Ibelux erreicht man fantastische Bildlooks bei extremster Freistellung selbst bei sehr wenig Licht. Die offene Blende sorgt nämlich nicht nur dafür, dass der Hintergrund unscharf wird, dadurch kommt eben auch verdammt viel Licht auf den Sensor. In manchen Fällen so viel, dass man sich über einen elektronischen Verschluss bis 1/32000 (wie in der Fuji X-T1) sehr freut.

Mit dem Objektiv habe ich jetzt einige Monate fotografiert. Nicht jeden Tag aber so oft wie möglich habe ich den Glastrümmer vor meine X-T1 gespannt. Ich habe verschiedene Standardsituationen fotografiert aber eben auch versucht das Objektiv an seine Grenzen zu bringen. Gegenlicht, LowLight, Blitzlicht etc… Ich würde behaupten dass ich 90% der Zeit auch wirklich mit f0.85 fotografiert habe. 10% waren dann eher so die Studio f8 :-). Die verweichlichten f1.4 habe ich eigentlich nie genutzt. Warum auch, schließlich hat man doch f0.85 *HÜSTEL… Ein solches Objektiv kann man nicht nur in den Teststand einspannen und einen Laser durchjagen um zu messen wie hoch die Schärfe am Rand ist. Ein solches Objektiv muss man fotografieren. Daher sind, und das möchte ich an dieser Stelle nochmals deutlich sagen, alle Aussagen aus diesem Blogpost rein subjektiv und aus meiner eigenen Erfahrung mit dem Objektiv geprägt. Ich kümmere mich nicht um die Anzahl an Blendenlammellen, ich schaue mir einfach das Bild an und entscheide ob es genial oder grottig ausschaut. Darum geht es, um meine Erfahrungen.

Objektiv mit eigener Handschrift

Zurück zum Ibelux! Das nachfolgende Bild zeigt das Können des Objektives sehr deutlich. Die Blende von f0.85 ergibt an den Rändern einen Swirl-Effekt. Das Bokeh wird aufgedreht wie ein Korkenzieher. Das verleiht dem Bild eine starke Tiefenwirkung und einen Drang zur Mitte. Es hat insgesamt etwas anmutend Analoges. Die Freistellung und die 40mm Halb-Tele-Wirkung sieht man auch ganz deutlich. Man fühlt sich auf den meisten Fotos nicht ewig weit weg aber auch nicht zu penetrant nah. Die Freistellung ist großartig und erlaubt an APS-C Kameras den Look aus dem Vollformatbereich.

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Das Objektiv ist eine sehr zeitlose Linse. Sowohl das Aussehen als auch die Bedienung. Manchmal passiert es, dass die Blende von f0.85 beim Fotografieren auf f1 springt aber das ist eine Kleinigkeit und vielleicht auch meinen großen Patschehändchen zu verdanken. Eine gewisse Kraft sollte man körperlich allerdings mitbringen. Nicht für den Fokus sondern für das Objektiv selbst. Es ist, um es kurz zu sagen, ein Trümmer. Man könnte auch einen Stahlkasten nehmen und vollständig mit Glas ausgießen. Dann hätte man ein vergleichbares Gewicht. Die Kamera hängt am Objektiv und nicht anders herum. Ich finde das sehr charmant beim Fotografieren aber eher ungalant beim Herumschleppen der Ausrüstung. Viele solcher Linsen will man definitiv nicht im Rucksack herum tragen müssen. Aber immerhin weiß man wofür das ganze Glas auch gebraucht wird. f0.85 ist eben ziemlich offen. 🙂

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Nachteile

  • Kein Exif-Chip im Objektiv, leere Exif-Objektivdaten in den Bilddateien.
  • Die Geli könnte ein deutliches Stück länger sein und so mehr Schutz für die Frontlinse bieten
  • Gewicht 🙂

Vorteile

  • Nur eine Sache geht über Freistellung… Freistellung 🙂
  • Lichtstärke
  • Sehr gutes Verhältnis von Lichtstärke zu optischer Qualität
  • Haptik und Bauart
  • Weicher und langer Fokusring

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Das Fotografieren mit dem Objektiv fühlt sich sehr analog an. Es ist entschleunigt und gleichzeitig beginnt man wieder ganz gezielt zu arbeiten. Ich fand die Kombination mit der X-T1 traumhaft. Der Schärfefetischistensensor von Fuji wird vom Objektiv ordentlich gefordert und gleichzeitig spricht das Bedienkonzept der Fuji die gleiche Sprache wie das Handevision. Manuelle Blendeneinstellungen am Objektiv, langsames fotografieren mit Drehrädchen… FocusAssist-Button direkt am Daumen der rechten Hand…

Das Handevision Ibelux macht Spaß an der Fuji und bringt den APS-C Sensor auf den Look einer fantastischen Vollformatkamera mit f1.2 Objektiv.

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Wettkampf

Lassen wir das Ibelux doch einfach mal zu einen fairen Wettkampf mit dem 85mm 1.2 von Canon antreten. Das Canon L Glas ist ein Liebling und Klassiker an jeder DSLR und kostet mit fast 2000 € auch ungefähr gleich viel. Das Canon hat AF, das Ibelux lässt aber nochmals doppelt so viel Licht auf den Sensor. Auf den ersten Blick erkennt man sofort den Größenunterschied. Gerade an der X-T1 bleibt selbst bei diesem Freistellungsmonster die Größe übersichtlich. Der Vorteil der Spiegellosen bleibt gewahrt.

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Was man niemals vergessen darf ist die Verhältnismäßigkeit. Eine Blende von 0.85 ist dermaßen verrückt, dass die meisten Kamerahersteller die Hände davon lassen und sich nicht in die Regionen heran trauen. Natürlich hat das auch physikalische Gründe. Optik ist Physik und die lässt sich eben nicht einfach weg hoffen. Durch eine derartig offene Blende entstehen Effekte die man nicht weg rechnen kann. Beim Ibelux gibt es CAs, es gibt Randunschärfe… es gibt Farbverschiebungen… das Wichtige ist aber, dass Handevision die Physik so gebogen und verändert hat, dass das Objektiv einen genialen Look bekommt. Und dabei sprechen wir natürlich nur über die extremste Blende von f0.85. Auf f4 ist das Objektiv von aktuellen Hochleistungsobjektiven nicht mehr wirklich zu unterscheiden. Um zu verdeutlichen wie hoch die optische Qualität liegt, haben wir hier im Beitrag nachfolgend den Vergleich mit dem 85er von Canon gemacht.

Optisch hat unser Test folgendes Ergebnis ans Licht gebracht. Beide Objektive sind bei f1.4 absolut ebenbürtig. F1.2 kann nicht verglichen werden aber ich würde aus den gemachten Tests die Schärfe bei f1.0 mit dem Ibelux dem f1.2 am Canon L gleichsetzen. Gerade an den kritischen Rändern.

Die nachfolgende Vergleichsreihe wurde von unserem Holztisch gemacht. Man sieht jeweils das gesamte Bild, dann die obere rechte Ecke als 1:1 Crop und dann nochmals die genaue Bildmitte des Fotos. Würde man nicht dazu schreiben welches Bild mit welchem Objektiv gemacht wurde, man könnte die beiden Linsen nicht unterscheiden.

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Beim obigen Vergleich muss man natürlich bedenken, dass das Canon L Objektiv nicht gerade gestern auf den Markt gekommen ist. In Punkto CAs ist das Canon L Objektiv dem Ibelux deutlich unterlegen. Nur auf offenster Blende geben sich beide Objektive nichts. Der obige Test bestätigt aber, was ich schon beim Fotografieren und Bearbeiten deutlich wahrgenommen habe. Die optische Qualität ist richtig gut. Eine Blende von f0.85 hat immer Schwächen, keine Frage. Es geht mir aber beim Objektiv um eine Art Relativität. Man weiß ja was man sich da ins Haus holt und man darf die Relation zur Blende nicht vergessen. Wichtig ist aber eben auch zu wissen, dass das Objektiv gerade bei fairen Vergleichsblenden von 1.4, 2.0 oder 2.8 mit den teuersten und besten Objektiven der Welt mithalten kann und eben zusätzlich noch die Option der irrsinnigen Blende f0.85 mit sich bringt.

Das Ibelux habe ich aber noch zusätzlich lieben gelernt durch einen Gegenlicht-Effekt den ich so nur bei diesem Objektiv kenne. Fotografiert man auf offenster Blende bei f0.85, dann ergibt sich im direkten Gegenlicht eine Art Lichtkranz um die Mitte herum. Es erinnert ein bisschen an einen Stern und dessen Halo aber sieht gerade in der Peoplefotografie super schön aus. Das nachfolgende Bild zeigt den Effekt in relativ schwacher Form am linken unteren Bildrand. Der Effekt kann durch einen stärkeren Lichteinfall noch deutlich intensiviert werden. Die offene Blende zaubert tolle Effekte ins Bild die man ohne eine derartige Linse mit Photoshop nur schwer reproduzieren kann.

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Warum sollte man sich ein derartiges Objektiv holen? Weil man das Extreme will. Weil man den Look des Objektivs gepaart mit einem echten Aufnahmeobjektiv sucht. Manuell zu fokussieren ist nicht für jeden etwas aber f0.85 hat auch nicht jeder. Eigentlich kaum jemand.

Viele bunte Fotos!!! 🙂

Nachfolgend lassen wir einfach mal wieder Fotos sprechen. Darum geht es doch, oder? Alle nachfolgenden Aufnahmen sind mit der  Fuji XT-1 und dem Ibelux gemacht. Teilweise bei Kerzenlicht, teilweise bei Blitzlicht.

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In diesem Sinne!

Viel Spaß, euer Martin

Kommentare (6)

6 thoughts on “HANDEVISION IBELUX 40mm f0.85 IM TEST REVIEW

  1. „Fotografiert man auf offenster Blende bei f0.85, dann ergibt sich im direkten Gegenlicht eine Art Lichtkranz um die Mitte herum. Es erinnert ein bisschen an einen Stern und dessen Halo aber sieht gerade in der Peoplefotografie super schön aus.“

    Hüstel – man kann sich optische Fehler auch schönreden …

  2. Hallo Martin,
    ist das Objektiv spritzwassergeschützt? Im Video fotografierst du damit im Regen und zumindest dir macht das nichts aus.
    Viele Grüße, Burkhard

  3. Der Artikel ist ja schon was älter, aber mich würde mal interessieren ob ihr auch mal das Mitakon 35mm 0.95 getestet (oder testet demnächst die Version II?) Preislich ist das ja sagen wir mal bezahlbar. Die Frage ist wie schlägt es sich im Vergleich? Tests gibt es ja leider nicht sehr viel. Und auf eure Meinung gebe ich sehr viel.

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