14.5.2017    17

Die neue Panasonic GH5 im großen Praxisreview

14. Mai 2017 | Technik

WICHTIG: Wir haben für drei Produktionen die GH5 von Panasonic Deutschland noch vor Verkaufsstart gestellt bekommen. Die erste Produktion haben wir sogar mit einem Pre-Produktion-Sample durchgezogen. Wir wissen, wie interessiert weltweit Fotografen und Videografen an der GH5 sind und wir haben die letzten Wochen nonstop Erfahrungen mit der Kamera gesammelt. Diese Erfahrungen möchte ich mit diesem Beitrag teilen. Wir nutzen aktuell auch noch das Sony Alpha System und sind keine Marken-Fanboys. Wir nutzen Werkzeuge für Ergebnisse. Trotzdem möchte ich offen schreiben, dass wir die Kamera von Panasonic für die Produktionen geliehen bekommen haben. Ich möchte hier nicht so tun, als ob wir ganz zufällig eine GH5 in den Händen hielten und ganz urplötzlich damit arbeiten. Wir filmen und fotografieren schon mehrere Jahre mit den GH4 Kameras, wir arbeiten mit Panasonic seit der Photokina und dem Crashkurs Portrait auch zusammen und natürlich lassen wir uns es nicht nehmen anstatt der GH4 mit der GH5 für unsere Kunden zu arbeiten. Diese Zwickmühle gilt es aber in solchen Erfahrungsberichten möglichst auszublenden und so neutral wie möglich alle Aussagen zu begründen.


Wir versuchen so gut es geht,  Erfahrungen über Dinge zu sammeln, über die wir schreiben. Eine Kamera einen Tag in den Händen zu halten ist für mich selbst nicht gut genug für ein ordentliches Review. Innerhalb von 1-2 Tagen bekomme ich einen kurzen Überblick über eine Kamera, aber ich habe kein „Verständnis“ der Kamera. Eine Kamera ist wie ein Auto. Man kann es zwar fahren sobald man einsteigt und den Schlüssel dreht, aber um wirklich ein Gefühl dafür zu bekommen, da muss man schon ein paar Runden in Modena oder auf der Nordschleife gedreht haben.

Und das gilt auch für unsere Kameratests. Bei der GH5 haben wir diese Doktrin auf die Spitze getrieben. Wir haben de facto mit der Kamera Tag und Nacht verbracht und zwar die letzten Wochen.

Unsere Erfahrungen der letzten Wochen mit der Lumix GH5

Wir waren 14 Tage auf einer Reportage-Video-Produktion in der Karibik, danach 4 Tage auf einer Foto- und Kurzfilmproduktion in den Schweizer Alpen und anschließend direkt weiter nach Spanien für Fototutorials sowohl fotografiert als auch gefilmt mit der GH5.

Wir haben bis dato über 25TB an Daten mit der Kamera aufgenommen und zwar in 150mbps.

Warum haben wir das überhaupt gemacht? Weil die GH4 schon lange bei uns aktiv im Dienst ist und viele Produktionen für uns erledigt hat und wir die neue Lumix auch ausgiebig testen wollten. Wir hätten die Produktionen sowieso entweder mit der Sony 7sII oder der GH4 gemacht. Warum dann nicht die GH5 als neueste Kamera überhaupt nehmen?

Foto- oder Filmkamera?

Das größte Problem im heutigen Beitrag wird die Trennung zwischen Foto- und Filmkamera sein. Wenn man das bei der GH5 überhaupt trennen kann. Ich habe mich bereits oft gefragt, ob ich es hier mit einer krassen Filmkamera oder mit einer großartigen Fotokamera zu tun habe? Oder sogar Beides? Weil das wäre ja traumhaft. Und was war eigentlich das Problem mit der GH4? Fragen über Fragen.

Die Antwort ist relativ simpel. War die GH4 eine gute Fotokamera und eine grandiose Filmkamera, so ist die GH5 eine überdurchschnittliche Foto- UND Filmkamera. Auch wenn das jetzt schon das Fazit vorweg genommen ist, aber die GH5 schafft den unmöglichen Spagat. Film- und Foto in Überklasse vereint in einer Kamera. Dazu eine Größe die neue Produktionsarten ermöglicht und verpackt in einem beinahe unkaputtbaren Gehäuse. Ja, ich bin verliebt. Mal wieder. Gab ja schon vorher einige Kameras in die ich mich verliebt hatte. Es müssen halt wirkliche Meilenschritte sein. So wie die 5D Mark II, die D800, die 7R oder die X-T1… Die GH5 ist eine brandgefährliche Kombo mit absolut aggressivem Preis von unter 2000 €.

Ich werde diese absurde Lobhudelei auch in den nächsten Zeilen begründen. Wer also jetzt wegklickt, der kriegt die Begründungen nicht mit… weiterlesen lohnt sich und man bekommt auch noch einen Einblick in die letzten Produktionen.

Was die GH5 für uns so besonders macht ist eben die Kombination. Die Größe, das Gewicht, die Objektive und die Kombination aus Foto- und Videokönnen. Und viel mehr noch die Verlässlichkeit und alle weiteren kleinen Features, die im Alltag wirklich helfen.

Die GH5 ist erwachsen geworden.

Wer denkt, dass man mit MFT keinen „geilen Look“ erzeugen kann, sondern dass nur Vollformat das Wahre sei, der hat einfach keine Ahnung. Ja, Sensorgröße kann wichtig sein aber auch nur, wenn man die extremsten Blenden nutzt, die es eben gibt. Fotografiere ich bei f2.8 mit der Kleinbildkamera, dann muss ich eben f1.4 nehmen an der MFT Kamera. Dann ist der Look identisch. Und nachdem viele Fotografen „abblenden“ um generell Schärfe zu erzeugen und/oder f4 als Arbeitsblende nehmen, kann Vollformat sogar teilweise weniger „Look“ erzeugen als MFT. Dazu kommt eben noch der Abbildungsmaßstab also z.B. wie viel man nachträglich schneidet.

Wir haben noch keine wirklichen Ergebnisse der Produktionen. Das dauert noch einige Wochen. Trotzdem habe ich mir mal ein paar JPG-Fotos direkt aus der Kamera herausgesucht und möchte zeigen, welche Daten direkt aus der Kamera kommen können.

(Nachträgliche Anmerkung: Das Foto kommt leider aus einer GX80, die 500€ Kamera ist der GH5 deutlich unterlegen. Mein Fehler, ich hatte das mit den Exifs versaut und wir hatten in der Karibik sowohl die GX80 als auch die GH5 dabei!)

Die nachfolgenden Fotos entstammen unserer Produktion in Spanien.

Zudem gibt es noch eine etwas ältere Bildstrecke in Schwarzweiss komplett mit der GH5 fotografiert. Alle Bilder der Strecke gibt es auf dem dazu gehörigen Bildbeitrag.

By the way… das Rauschen wurde mangels Sensorrauschen künstlich und nachträglich drüber gelegt! 🙂

Ich hoffe, dass die wenigen Bilder deutlich zeigen, welches Potential in einer MFT-Kamera steckt. Kinderkamera oder Babysensor… Schwachsinnskommentare.

Die Foto-Qualitäten der GH5

Kommen wir kurz zu den Fakten der Kamera. Ich möchte das möglichst kurz halten, schließlich handelt es sich dabei nur um ein Kopieren der Datenblätter von Panasonic. Die Kamera hat 20.3 Megapixel, allerdings mit einem völlig neuen MFT Sensor. Der ist in der Lage eines besonders schnellen ReadOuts und kann aufgrund der 4K-fähigen Prozessoren sogar 12fps im SingleSpot Modus aufnehmen. Mit nachfolgendem Fokus gehen dann „nur“ 9 Bilder pro Sekunde.

Den Panasonic Lumix Kameras treu bleibend hat die GH5 auch eine deutlich verbesserte Sensorstabilisierung in 5 Achsen bekommen. Sowohl sehr effizient im Video aber eben auch im Foto-Modus nutzbar.

Die Bildqualität der GH5 ist sichtbar verbessert worden. Die GH5 Bilder sehen sichtbar anders aus als die der GH4. Das zeigt sich vor allem in Dynamik und Tiefen und dort insbesondere bei extrem starken Aufhellungen aus dem RAW.

Viel effektiv wichtiger ist die Verbesserung von Display und Viewfinder. Das ist für mich auch eines der wirklichen Keyfeatures an der GH5. Man kann einfach viel besser belichten und framen. Die Verzögerung ist absolut nicht mehr merkbar. Selbst bei schnellen Motiven. Die Auflösung, die Details und die 1:1 Farbwiedergabe sind ein neues Level. Die Fotos sehen im Sucher einem kalibrierten Foto-Monitor ähnlicher als bei jeder anderen spiegellosen Systemkamera.

Für mich als Perfektionisten gerade in Punkto Belichtung und Weißabgleich und da ich auch oft direkt in JPG fotografiere, ist das genaue Arbeiten ein wahrer Segen. Was man sieht ist auch das was auf der Speicherkarte landet und es gibt nicht mehr so viele Ausreden für Falschbelichtungen oder Farbstiche während der Aufnahme.

Für Fotografen sollte auch noch der hybride Stabilisator nützlich sein. Gerade bei Teleobjektiven arbeiten Sensor- und Objektivstabilisator Hand in Hand und erlauben erstaunliche Aufnahmen. In unserem Falle haben wir komisch viele Shots bei 400mm (x2 = 800mm effektiv!) bei einer 1/60s gemacht. Lag dann vielleicht auch daran, dass wir bei Sonnenaufgang immer irgendwelche Sachen ziemlich weit weg hatten und direkt aus dem Video-Modus in den Foto-Modus gewechselt sind und umgekehrt. Trotzdem, die Ergebnisse, wenn auch noch auf der Festplatte, sind erstaunlich verwertbar geworden.

Verlässlichkeit und Bau-Qualität

Besonders schätze ich an der GH5 eine weitere Sache. Die Unverwüstlichkeit. Es ist ein Arbeitstier. Es gibt nichts, was die Kamera beeindruckt und irgendwie aus der Fassung bringt. In den letzten Wochen haben wir folgende potentielle Grenzmomente erlebt…

  • Stundenlang sind wir mit der Kamera bei 50-90km/h außen am Auto montiert herum gerast. Schläge, Stöße und Verwicklungen inklusive.
  • Die Temperaturen reichten von 36°C bei 89% Luftfeuchtigkeit bis hin zu -10°C bei Zeitrafferaufnahmen in der Nacht. Natürlich nicht beides in der Karibik sondern die Kälte in den Schweizer Alpen.
  • Es gab extrem viel Staub während der Fahrten und gerade in der Karibik haben mehrere Wellen die Kamera leider auch überspült.
  • Die Kamera ist in Tauchbeuteln 7m unter Wasser getaucht und hat dabei weiter Fotos und Videos gefilmt.

Ich kenne kaum andere aktuelle spiegellose Systemkameras mit einer derartigen Robustheit und gerade in Anbetracht der Tatsache, dass die Kamera während der ganzen oben genannten Aktivitäten in 4K bei 60 Bildern pro Sekunde über Stunden und Stunden gefilmt oder wenigstens angeschaltet war, gab es weder einen Aussetzer noch musste die Kamera hitzetechnisch abgeschaltet werden.

Es klingt fast zu schön um wahr zu sein aber die Kamera hat in den letzten Tagen mehr durchgemacht als viele andere Kameras bei uns im Fotokoffer. Und sie läuft immer noch!

Und bevor jetzt jemand anfängt zu sagen, dass seine Kamera auch voll viel durchgemacht hat. Ja, es gibt viele stabile Kameras auf dieser Welt aber ich habe den Eindruck, dass gerade bei spiegellosen Systemkameras der Trend eher in die andere Richtung geht. Mit Ausnahmen aber generell wird dort kräftig an der Quali gespart. Mit einer alten Nikon konnte man wirklich Nägel in die Wände hauen. Ich traue mich das nicht mit manch aktueller Kamera. Bei der GH5 habe ich einfach so viel erlebt die letzten Tage, Momente bei denen ich den Schalter der Kamera umgeworfen habe, in der Erwartung, dass sofort darauf eine Fehlermeldung auf dem Bildschirm erscheinen würde. Fehlanzeige. Das Teil tut einfach was es soll.

Profi-Blitz-Zubehör auch verfügbar

Wir konnten in den letzten Monaten auch unser Blitzsystem auf Olympus/Panasonic Kameras aufrüsten. Noch gibt es nicht vergleichbar viel Zubehör für Panasonic und Olympus, aber es gibt eben nicht mehr nichts. Elinchrom bietet eine originäre Unterstützung des Kamera-Systems an und wir können unser komplettes  Elinchrom Blitzzeugs zum Arbeiten nutzen. Inklusive HiSync fähigen Outdoorblitzen um bei 1/8000s Belichtungszeit zu blitzen.

Im nachfolgenden Foto wurde eine mehrfach Beblitzung des Porsches gemacht.

Für die geblitzen Porsche-Fotos wird ein Foto übrigens aus 10-15 Fotos zusammen gesetzt.

App-Steuerung in der Praxis unfassbar wichtig

Schon wieder so eine Sache die wir in der Praxis bis zum Umfallen genutzt haben und es eigentlich gar nicht erwartet hatten: Die Fernsteuer-App der Kamera,  die sowohl Fokus- als auch komplette Kameraeinstellungen verändern lässt.

Sinnvoll z.B. bei den Autoaufnahmen bei denen mehrere Fotos dann in der Post übereinander gelegt werden und sich die Kamera auch wirklich gar nicht bewegen darf. Wie die Blitz-Fotos oben.

Oder auch bei Aufnahmen aus dem Auto heraus bei denen die Kamera am Auto außen hängt, unerreichbar für jeden Arm oder Auslöserknopf.

Aus dem geschlossenen Auto heraus konnten wir während der Fahrt die Einstellungen anpassen und uns ideal auf die jeweilige Lichtsituation einstellen. Zudem wurde die Kamera darüber ausgelöst und der Fokus auf die jeweils verschiedensten Stellen gelegt.

Alles bei 50-80km/h und aus dem geschlossenen Van heraus.

GH5 = DSLR

Ok, die Überschrift bedarf wahrlich einer Erklärung. Oben hatte ich ja schon über die Größe der Kamera gesprochen und mit einer 5D Mark II verglichen. Was aber viel wichtiger ist als die pure Größe ist die Funktionalität und Bedienbarkeit der Kamera. Und genau das ist mit der Überschrift gemeint.

Die GH5 ist die einzige MFT Kamera, die sich nicht wie ein Daumenkino bedient. Und damit meine ich eben auch die anderen Lumix-Kameras. Die Knöpfe und die Größe der Knöpfe sind einfach ideal. Genauso wurden eben auch Kleinigkeiten eingebaut, die wirklich helfen.

So kann man WB-ISO und Belichtungskorrektur blind mit dem Zeigefinger erkennen. der ISO Knopf hat zwei Nupsis, WB ist leicht kugelig in der Knopfform und die Korrektur ist flach. Nach ein zwei Tagen mit der Kamera findet man die Knöpfe blind.

Genauso liegt ein schöner Funktionsknopf direkt neben den drei wichtigen Knöpfen.

Es geht weiter… die Kamera hat einen JoyStick bekommen z.B. um den Fokuspunkt zu bewegen, wenn man gerade durch den Sucher schaut und das Display nicht per Touch bedient werden kann.

Und schlussendlich gibt es auch noch im Menü das neue User-Menü. Dort kann man sich die wichtigsten Funktionen persönlich und individuell zusammen legen.

Die Größe & die Leica Objektive

Eine Kamera wie die GH5 braucht das nötige Glas vor dem Sensor. Jede Kamera ist Schrott wenn nicht das richtige Licht auf den Sensor fällt. Und da muss ich sagen hat Panasonic auch über die letzten Monate stark nachgelegt. Es gibt also wirklich schöne und kleine Objektive um den Vorteil des MFT-Systems zu nutzen. Das ist insbesondere deshalb wichtig, weil die GH5 ne richtig dicke und große Kamera im Vergleich zu anderen MFT-Kameras geworden ist. Neben einer 5D Mark III ist die GH5 kein Winzling mehr. Das Teil ist so groß wie ne DSLR. Laut Panasonic hat das mit der Hitzeentwicklung bei 4k60 zu tun.

Das 100-400mm Objektiv, welches umgerechnet ein 200-800mm Tele darstellt, passt in jede normale Fototasche. Und einige Aufnahmen, sei es die Affenfamilie im Urwald von CostaRica oder die Alexander von Humboldt II hätten wir ohne 800mm niemals aufnehmen können.

Zudem haben wir einige außergewöhnliche Olympus Linsen die wir an der GH5 nutzen. Das 75mm 1.8 ist so eine Linse. Oder das 35-100mm.

Natürlich haben wir die GH5 zum Teil als Fotokamera aber noch etwas mehr als Filmkamera eingesetzt. Und was soll ich sagen??? Ich kenne aktuell keine Kamera für unter 2000€ die nur ansatzweise an die GH5 in Punkto Video heran reicht. Aber auch nicht nur ansatzweise!!! Keine Diskussion. Wir haben mit der Blackmagic Ursa  nebenher gefilmt und ja, die Dynamik ist, die Aufnahmen sind ja auch in RAW, aber die Kamera kostet 3-4 mal so viel inklusive dem notwendigen Drumherum.

Die Sony 7sII ist wenn dann nur ein Konkurrent wenn es um die Freistellung im Vollformat geht. Da kann MFT eben physisch nicht mithalten aber trotzdem merkt man den Entwicklungsvorsprung der GH5 zur 7sII. Es ist einfach eine viel neuere Kamera und ich finde auch, dass mehr auf die Nutzer geachtet wurde als bei der 7sII. Trotzdem nutzen wir die 7sII auch weiterhin für genau diese Zwecke. Wenn man eben den Look wirklich BRAUCHT.

Videoqualitäten

Kommen wir auch in Punkto Video zu den harten Fakten. Die Kamera kann als erste Kamera in diesem Segment H.264 und H.265. Dazu ist der ReadOut von 15ms deutlich besser und der RollingShutter ist noch da, aber deutlich vermindert.

Die Kamera nimmt im 6k Photo Modus 18 Bilder pro Sekunde auf. Wobei die Fragen dabei bleibt, ob dann nicht lieber 60fps in 4k Photo Mode.

Besonders genial finde ich persönlich die 180fps SlowMotion. Das ist einfach schick und super genial. iPhone Besitzer kennen 240fps in FullHD aber eben in einer ganz anderen Qualität. 180fps ist deutlich mehr als jede vergleichbare Kamera aktuell liefert.

Zudem ist die GH5 in der Lage UHD als auch DCI zu speichern. Also das bekannte „4K“ als auch das echte „4K“. 4K UHD mit 3840 x 2160 oder eben 4K DCI mit 4096 x 2160. Dabei ändern sich halt die verfügbaren Frameraten.

Die Traumkombi aus NinjaInferno und GH5

Das volle Potential der GH5 schöpft man aber weiterhin nur mit einem externen Recorder aus. In unserem Falle z.B. mit dem Atomos NinjaInferno. Der erlaubt die Aufnahme von 4K 50/60fps external recording in 4:2:2 10-bit. Das ist zwar noch keine Roh-Video-Aufnahme aber mit 10bit kommt die Aufnahme deutlich näher an RAW ran.

Ich möchte jetzt nicht zu stark vom Thema abfallen. Der Atomos NinjaInferno hat natürlich noch weitere Vorteile. Nicht nur dass die Aufnahme eben viel besser ist, man sieht halt auch viel mehr. Das Bild kann man wesentlich bessere framen und man kann sich auch das Wavelength über die komplette Breite einblenden lassen. Gerade was die richtige Belichtungsfindung betrifft, helfen die verschiedenen Ansichtsmodi des Atomos sehr.

10Bit nur bei 30fps, 60fps bei 8bit

Intern kann die GH5 leider nur 8bit in 60fps und die 10bit nur bei maximal 30fps aufnehmen. Ein kleiner Wermutstropfen ist das schon! Im Laufe des Jahres soll zudem noch die Fähigkeit deutlich mehr als 150Mbps zu speichern per Firmwareupgrade kostenlos freigeschaltet werden. Dann würde die GH5 intern wirklich 400Mbit pro Sekunde aufzeichnen.

V-Log L

All unsere Videos der letzten Wochen haben wir im sog. V-LOG L Format aufgenommen. Mit dem V-LOG L Format bekommen man einen Dynamik-Push. Insgesamt 12 Blenden an Dynamik sollen effektiv dann bei rüber kommen.

Ich möchte das jetzt nicht zu arg breit treten. Man muss auch übrigens nochmals 100 € extra zahlen um das V-Log L per Code auf der Kamera freizuschalten.

Und V-Log L macht nicht alles besser sondern eigentlich alles nur schwieriger. Das Bild sieht aus wie ne graue Suppe und muss zwangsweise in die Post.

Der NinjaInferno kann dabei behilflich sein. Er kann zwar das V-Log L Format aufnehmen, gleichzeitig aber eine reguläre Ansicht simulieren und auch sog. LUTs temporär anwenden.

Die Aufnahmen sehen in der Grundversion eben etwas blass aus, haben aber halt mega Dynamik und aufgrund der 10bit eben auch deutlich mehr Farbinformationen. Beim nachfolgenden Vergleich kann man z.B. erkennen, dass wir im Schatten filmen und im Hintergrund Bereiche zu sehen sind, die im prallen Sonnenlicht sind. Ohne V-Log L wären da eben eher weiße Stellen zu sehen.

Leider haben wir keine Vergleichsaufnahmen aber vielleicht kann ich die Tage welche hier im Blog nachliefern. Ich kann aber versichern, dass es wirklich ein gigantischer Push der Dynamik und der Farben ist.

Effektivität als Reportage-Film-Kamera

Als besonders effektiv hat sich die Kamera eben auf den 14 Tagen in der Karibik herausgestellt. Als Reportage-Kamera ohne großes Drumherum spielt die GH5 ihre Stärken scheinbar am Besten aus. Natürlich kann man RIG, V-MOUNT AKKUS und MatteBox drumherum basteln und die Kamera bleibt auch weiterhin gut. ABER… so ganz einfach am Gurt getragen und so ein bisschen als Point-Shoot Kamera eingesetzt, da vollbringt die Kamera wahre Wunder. Wir waren eben auch an vielen Orten, an denen wir uns nicht gerade als professionelle Filmer outen wollten und haben z.B. auch in Kolumbien auf große Ausrüstung, selbst auf ein FotoStativ gänzlich verzichtet. Trotzdem… die Aufnahmen waren BOMBE!

Überhitzung? Gerade bei 4K60?

Je mehr Daten ein Sensor ausgibt, umso mehr Hitze entwickelt sich dort. Neben den Prozessoren ist der Speichervorgang der dritte große Hitze-Entwickler einer Kamera. Das sieht man bei Sonys 7sII und 6300er Serie. Nimmt man dort extern mit einem Recorder auf, überhitzt die Kamera deutlich weniger schnell.

Die GH5 speichert zudem nicht 30 mal pro Sekunde ein 4k Bild ab, sondern 60 mal. Das bedeutet die doppelten Daten werden transportiert und das vervielfacht die Hitzeentwicklung. Eigentlich müsste man erwarten, dass die Kamera nach wenigen Minuten abschaltet und erstmal etwas runterkühlen möchte.

Zudem wäre die wirkliche Profi-Frage,  wie die Qualität des Sensors nach z.B. 50-60 Minuten Recording ist. Denn je heißer ein Sensor, umso mehr Rauschen oder Fehlfarben entwickeln sich. Die Qualität hängt stark von der Temperatur eines Sensors ab.

Bei der GH4 gab es schon kein Hitzeproblem und wir haben stundenlang damit aufgenommen. Wir haben zwei GH4R ohne Aufnahmebeschränkung und haben wirklich Recordings auf 128GB von weit über 1h in 4k gemacht.

In den letzten Wochen haben wir Sprach-Takes von über 50 Minuten länge aufgenommen. In 4k bei 60fps oder bei 10bit in 30fps und kein einziges Mal war die Kamera überhitzt.

Wir haben jetzt keinen Test an der identischen Location mit unterschiedlichen Temperaturen gemacht. ABER wir konnten auf den fertigen Takes der unterschiedlichen Produktionen keinen normal sichtbaren Unterschied zwischen den Aufnahmen feststellen. Seien es die morgendlichen Aufnahmen bei Minusgraden oder die abendlichen Aufnahmen bei 40°C in der Karibik. Die Qualität des Sensors wird durch Hitze nicht sichtbar schlechter. Jedenfalls nicht in gewöhnlichen Situationen.

Und da gab es wirklich idiotische Situationen. Wir sind mit der GH5 tauchen gegangen. Aber nicht in einem Gehäuse sondern mit einem Beutel. Der Beutel klebt förmlich um das Gehäuse. Die Wassertemperatur war bei 27°C in den Grand Caymans und wir waren über 1h im Wasser. By the way… ohne den Akku zu wechseln! Die Sonne knallte, wir hatten fast 40°C an dem Tag. Wir konnten die Kamera nach dem Schnorcheln nicht mehr anfassen und mussten den geöffneten Beutel erst mal 20 Minuten im Schatten liegen lassen. Die Kamera war so heiß geworden, dass wir uns wirklich beinahe die Finger verbrannt hatten. Wir Idioten hatten die ganze Zeit auch noch das große Rückdisplay aktiviert und haben die Kamera im Wasser durch den Beutel über den Touch Monitor bedient, wie man auf dem nachfolgenden Bild erkennen kann. Jede mir bisher bekannte Kamera hätte spätestens da gesagt… NEEEE!

Sonstige effektive Verbesserungen

  1. Normaler HDMI Anschluss anstatt MicroHDMI oder MiniHDMI.
  2. Akkulaufzeit besser als jede andere spiegellose Systemkamera. Selbst bei interner 4K60 Videoaufzeichnung.
  3. Dual SD Kartenslot
  4. 802.11ac Wi-Fi, NFC and Bluetooth

Das sind alles Dinge, die man in der Praxis extrem gut brauchen kann. Akkulaufzeit ist sowieso essentiell um nicht jede 10 Minuten den Akku wechseln zu müssen. Dreifach wichtig ist die Sache dann, wenn man die Kamera aufwendig in Rigs oder Stabilisierungssystem verbaut und nur um den Akku zu wechseln, die ganze Schose nach jedem Akkuwechsel neu kalibrieren muss.

Und wer wirklich mal mit HDMI Anschlüssen arbeiten muss, der weiß, dass viele Kameras genau an diesem bescheuerten Micro-HDMI oder Mini-HDMI kaputt gehen. Wer jeden Tag 100mal den Stecker rein und raus macht, der freut sich über einen dickeren Stecker.

Außergewöhnlich! Neue Stabilisierung des Sensors

Ein weiteres KeyFeature ist die Stabilisierung des Sensors. Der arbeitet sowohl im Video- als auch im Foto-Modus.

Der Stabi ersetzt bei uns kein Gimbal, weder ein kleines Handgimbal wie in der Karibik wo eben jedes kg Gepäck gezählt hatte, noch das große Gimbal mit externem Monitor. Trotz Stabi kann man noch nicht über Stock und Stein rennen und dabei die Kamera perfekt auf dem Motiv halten. Aber der Stabi ermöglicht deutlich ruhigere Aufnahmen aus der Hand und nimmt besonders kleine Mikroverwackler aus den Videoaufnahmen raus. Beim Fotografieren kann man statische Motive wirklich verdammt lange aus der Hand belichten.

Zur GH4 liegen da Welten dazwischen.

Nachteile

Man hört ja für gewöhnlich mit den Dingen auf, die im Kopf des Lesers hängen bleiben sollen. Mit etwas Negativem aufzuhören macht nur deswegen Sinn, weil wir bisher so von der Kamera geschwärmt haben. Ich möchte absichtlich meinen Beitrag etwas relativieren.

Ja, die Kamera ist endgeil ABER es ist auch aktuell die neueste Kamera auf dem Markt. Canon und Nikon haben in dieser Preisregion nur Kameras auf dem Markt, die 2-3 Jahre älter sind und in Punkto Video nicht mal in einem Satz mit der GH5 genannt werden dürfen. Neue Technik sollte immer besser als bisherige Technik sein. Fraglich ist daher, wie die Kamera gegen wirklich aktuelle Konkurrenzmodelle abschneidet und da gibt es aktuell überhaupt nur die 7sII oder die 7rII (für 1000 € mehr!).

Ja, die Kamera hat einen MFT-Sensor und ja, mit MFT bekomme ich rein physisch nicht den gleichen Look wie Vollformat hin. Und wenn man wirklich mit f1.2 oder f1.4 fotografiert und filmt, dann merkt man auch den Unterschied. Blendet man die Vollformatkamera aber nur etwas ab, dann ist dieser Vorsprung futsch.

Zudem hätte man auch die RAW-Funktion im Video aktivieren können. DJI arbeitet in den Drohnen mit einem ähnlichen Sensor und schafft auch die 4K60 RAW-Aufnahme. Warum dann nicht Panasonic? Oder hängt es an der Speicher“karte“ á la SSD?

Was mich weiterhin stört an der Kamera ist die Positionierung der HDMI Buchse. Gerade auf dem Ronin oder auch nur mit einem gewöhnlichen HDMI Recorder ist es nicht mehr möglich, das Display nach oben zu klappen. Das nervt tierisch.

Auch der Wegfall der SDI-Outputs ist für uns katastrophal und ein Grund bei der GH4 für lange Zeit noch zu bleiben. SDI ist der Standard für Live-Produktionen und viel verlässlicher als jede HDMI-Verbindung. Wie kann sowas bei der GH5 weg fallen?

FAZIT

Ich mache es kurz. Heute haben wir den 12.5.2017 und vielleicht mag diese Meinung mit dem Release der nächsten und damit noch neueren Kamera von Sony, Canon oder Nikon überholt sein. Aktuell ist die GH5 aber die beste Kombination aus Foto- und Filmkamera auf dem Markt. Selbst wenn man den Preis für unter 2000 € nicht betrachtet gibt es NACH UNSERER MEINUNG keine gleich produktive Kamera auf dem aktuellen Markt.

Kommentare (17)

17 thoughts on “Die neue Panasonic GH5 im großen Praxisreview

  1. Hab zwar nur einer GX80 neben meiner 5DII, bin aber derzeit von Panasonic schwer begeistert. Tolle Objektive, zu fairen Preisen, echte Neuerungen im Vergleich zu Canon etc…

  2. Danke für die Einblicke! Das Ding ist ausserhalb meiner Preisklasse, aber trotzdem: Die meisten Reviews von anderen beschweren sich über Macken in der Firmware wie Autofocus Probleme. Da hattet Ihr in der Praxis keine Issues mit?

  3. Hallo Martin,
    es gibt die GH5 als Starterset mit dem 12-60 2.8-4.0 für ca. 2,5TEUR. Was ist Eure Meinung zu dieser Kombination bzw. dem Objektiv. Kostet einzeln ja deutlich mehr. Ist spritzwassergeschützt, stabilisiert etc. Gäbe ja auch noch das einfachere 12-60. aber das 12-60/2.8-4.0 für die Hälfte des Einzelpreises gleich im Starterset mitzukaufen als „fast immer drauf-Objektiv“ und dann für Spezialfälle den Familienfundus anzuzapfen (1.4/25mm, 35-100/2.8, 7-14/4.0 …) scheint mir sinnig bzw. zur Kamera passend. So machen wir das auch mit der GX8, dort ist es das 12-35/2.8.

  4. Ihr macht ja generell betrachtet ganz tolle Arbeiten…möchte daher hier schlicht auf den Fauxpas hinweisen (ohne irgenndjemanden bloss stellen zu wollen) dass das erste Foto zum Bericht aus der GH-5 aus der G-80 stammt…kann passieren…B)

  5. Für die Produktfotografie/Werbung werden i.d.R. Kameras mit sehr hoher Auflösung, wie die Nikon D810, Sony a7r (1&2), mit 36, oder gar 42 Mpix verwendet.
    Warum wurde die relativ auflösungschwache GH5 hergenommen?
    Im Internet gibt es 1:1 Vergleiche mit der Sony a6500 in denen die GH5 nicht immer als die bessere Kamera, auch bei Video rausgeht. Habt Ihr mal verglichen?

    1. Weil es nicht immer nur um Megapixel geht… auch nicht in der Werbung. Die GH5 ist MEINER MEINUNG der 6500 in der Praxis in allem überlegen. Konkurrenz bekommt die GH5 nur von 7sII oder 9 oder 99II.

  6. Wenn man diesen ehrlich begeisterten Erfahrungsbericht gelesen hat, möchte man sofort loslaufen, um sich eine GH5 zu kaufen. ?
    Mich fasziniert MFT seit der Lumix G1 und GF1. Wenn ich mir anschaue, welche Bildqualität (bei mir nur Foto) ich aus meiner GX80 und Pen F und den beiden genialen Festbrennweiten Lumix 1,7/42,5 mm und Oly 2/12 mm raushole – und dabei Größe und Gewicht dieser perfekten Minireiseausrüstung in Relation setze – dann kann ich über die abschätzigen MFT-Kommentare unbedarfter VF-Jünger und Pixelpeeper nur müde lächeln. Auch wenn ich MFT unter anderem wegen der kleinen Baumaße schätze, ist die GH5 schon eine faszinierende Kamera, zumal, wenn sie sowohl Still als auch Bewegtbild so perfekt beherrscht. Ich würde jedoch nur 50 Prozent dessen nutzen, sodass die GH5 für mich überdimensioniert wäre. Leider, möchte ich fast sagen ?

    1. Hallo Martin..vielen lieben Dank für diesen wirklich tollen Erfahrungsbericht..!
      Mit freundlichen Grüßen Olaf Lehmann

  7. Könnt Ihr mal was zu Eurer Erfahrung mit dem Autofocus in der Kombination GH 5 und Leica 100-400 mm sagen?
    Ich hatte das Objektiv in Kombination mit der GH 4 für wildlife- Aufnahmen (still und video) mehrere Monate in Südafrika und Botswana im Einsatz und abgesehen davon, dass man die Objektivschelle nur 90 Grad vertikal drehen kann und das Objektiv nicht parfocal ist, (gravierende Schwächen bei dem Preis!!) war der Autofocus an der GH 4 unendlich langsam und über weite Strecken unbrauchbar („Schärfe-pumpen“). Focus tracking im Video-modus bei sich bewegenden Tieren in der Savanne eine Glücksache, schon ohne Zoomen, dann aber ganz unmöglich.
    Ich hätte gern mal gewusst, ob Ihr da bei der GH 5 deutliche Verbesserungen wahrgenommen habt.

  8. Hallo Martin,
    welchen UW-Beutel habt ihr für die GH5 genutzt ?
    Den Dicapac WP-S10 oder S5 , und klappt das auch mit kürzeren Objektiven oder ist der „Schlauch“ zu fest und lässt sich nicht zusammen schieben ? 🙂

    Ich freue mich über deine Rückmeldung. 🙂
    LG
    Michael

  9. Hallo,ich werde mir die GH5 bestellen,allerdings auch für 4K Videos nutzen.Meine Nikons nur für Fotos.
    Allerdings nutze ich die Kamera dann auf einem Rig,und da suche ich eine passende Powerbank oder ähnlich.
    Für Canon gibt es viele Systeme.Für die GH 5 hab ich noch nichts passendes gefunden.

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