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85MM PORTRAIT-OBJEKTIV VON TAMRON MIT VC UND F1.8

23. Februar 2017 | Technik

Eine Neuankündigung ist das 85mm von Tamron nicht gerade. Aber genau das ist ja unser Ziel im Blog. Wir wollen nicht die ersten sein, die einen Beitrag über Technik schreiben, wir wollen solide Infos und Erfahrungen sammeln und diese dann nach der richtigen Zeit weitergeben.
Was bringt ein Test bei dem eine Chart abfotografiert wird für uns in der Praxis. Nichts! Das überlassen wir gerne anderen und verlinken auf deren Testergebnisse. Für uns geht es um die Praxis. Und genau daher haben wir heute den Beitrag über das 85mm Objektiv von Tamron fertig. Es ist eines der wichtigsten Objektiv in unserem Fuhrpark geworden. Soviel nur vorab.

Wer also an einem 85mm-Objektiv generell oder im speziellen am Tamron 85mm-Objektiv interessiert ist, für den ist dieser Beitrag genau der Richtige. In diesem Beitrag gibt es daher auch immer wieder Fotos aus den letzten Monaten, die mit dem 85mm-Objektiv aufgenommen wurden.

#LENSBE4BODY

Objektive sind wichtiger als Kameras. Das galt vielleicht nicht vor einigen Jahren aber zwischenzeitlich sind die Kameras nicht mehr wirklich das ausschlaggebende Kriterium, sondern eben die Linsen davor. Die entscheiden welches Licht wie auf den Sensor trifft und sind damit Türsteher der Fotografie.

Gerade für uns Portrait- und Peoplefotografen ist ein 85mm DAS OBJEKTIV schlechthin. Das war schon immer so und wird immer so sein. Ein 85mm garantiert einfach optimale Bedienungen. Man ist nicht zu weit weg oder zu nah dran. Man hat eine super Freistellung und das Motiv wird sehr realistisch dargestellt.

Wir haben das 85mm letztes Jahr direkt nach Veröffentlichung in Verwendung genommen und seitdem fast täglich im Einsatz.

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EXPERTISE

Gerade eben hatte ich angesprochen, dass wir nicht einfach nur über etwas, was wir gar nicht richtig benutzen, berichten wollen, sondern dass es uns darauf ankommt, ein solides und fundiertes Bild über ein Objektiv zu haben. Und genau das ist mittlerweile der Fall. Wir haben weit über 10000 Bilder mit dem 85mm Objektiv von Tamron gemacht und in unserem aktuellen Foto-Katalog warten noch über 8000 Fotos auf das Finish.

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In Anbetracht der gewaltigen Übermacht an mit Tamron-Objektiven gemachten Fotos möchte ich an dieser Stelle nur noch darauf hinweisen, dass wir auch Alternativen hätten. Wir nutzen aber die Objektive, die den besten Job machen und seit dem Start der neuen SP-Linie mit dem 35mm, dem 45mm und schlussendlich dem 85mm sind die anderen Objektive eben weit in den Hintergrund gedrängt worden.

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WEG VON 35MM, ZURÜCK ZU 85mm

In den letzten Monaten haben wir uns auch auf eine kleine Reise begeben. Während die ganze Welt auf dem 35mm Gegen-Den-Sonnenuntergang-Trip ist, haben wir uns das 85mm vorgenommen. Und zwar mit voller Absicht. Denn Bilder mit 85mm sind im Peoplebereich deutlich eleganter und motivorientierter. Es geht weniger um den Himmel, die Sonne, die Gegenlichtflares sondern viel mehr um das Motiv.

85mm kann den Betrachter mehr auf das Motiv fokussieren als 35mm oder 50mm.

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Wir nehmen das Fazit vorweg!

Bevor wir uns auf die einzelnen Kriterien des Objektives werfen, möchte ich heute das Fazit vorweg nehmen. Das 85mm ist grandios. Es ist zusammen mit dem 35mm und einem 50mm eines von drei Objektiven die ich persönlich für meine Art der Fotografie brauche. Und das haben die letzten Monate gezeigt. Der Look des 85mm ist wundervoll, das Bokeh, die Unschärfe, die Tiefenwirkung und die Brennweite vermitteln eine dezente Art von Abstand. Das kann man bei vielen Fotos ausnutzen und damit spielen.

Für mich besonders wichtig am Objektiv ist die Kombination aus optischer Qualität, Größe und Gewicht, der Robustheit und dem Bildstabilisator. Diese Elemente machen das Objektiv in der täglichen Verwendung besser als die meisten Konkurrenzprodukte.

Die Frage für viele Objektivkäufer ist ja meistens, welche Kriterien am stärksten gewertet werden. Der 08/15 Fotograf achtet dabei immer nur auf optische Qualität. Scharf = gut! Je schärfer desto besser. In der Praxis hingegen wäre eine so eindimensionale Betrachtung echt gefährlich. Da wäre jede Betrachtung auf nur ein Kriterium sinnlos. In der Praxis geht es um die Kombination der einzelnen Kriterien.

Ist ein Objektiv zu schwer, dann werde ich es öfters zuhause lassen oder bekomme bei langen Fotoshootings körperliche Schmerzen. Ist es zu groß, nimmt es einfach zu viel Platz im Rucksack ein und ich kann andere Dinge nicht mitnehmen. Ist es nicht robust und spritzwassergeschützt, dann werde ich das Objektiv öfters nicht einsetzen können. In Grenzsituationen brauche ich einen Stabi, sonst wird meine HighMegapixel Kamera gar nicht scharf… und so geht es weiter. Es dreht sich also um eine Kombination. Vergleichbar ist die Situation mit der Formel 1. Dort gewinnt niemals das Auto mit der besten Höchstgeschwindigkeit. Grip, Beschleunigung, Bremsen und Haltbarkeit ermöglichen erst dem besten Fahrer zu gewinnen. Warum verstehen Fotografen beim Objektivkauf das scheinbar nicht? Dort wird immer nur nach der optischen Leistung gegeifert… schade… viele Fotografen könnten sich das Leben einfacher machen durch bessere Auswahlkriterien. Daher werden wir in diesem Beitrag die optischen Qualitäten erst weit unten ansprechen.

VC VS. OFFENBLENDE

Für mich mit eines der wichtigsten Kriterien ist der Bildstabilisator (VC) im 85mm Objektiv. Grund dafür ist, dass ich immer mehr an die Grenzen der Kamera gehe und je weniger Licht da ist, umso schwieriger ist auch das Fotografieren für das Objektiv. Dabei hilft der Bildstabilisator in zweierlei Hinsicht.

In der klassischen Verwendung nutzt man den Stabi bei Belichtungszeiten jenseits von gut und Böse. Wie beim nachfolgenden Foto. Dort wurde mit einem winzigen Fenster fotografiert und die Belichtungszeit war bei 1/10. Ja, richtig gelesen. 1/10s um ein Fensterlicht-Portrait zu machen. Ich bewege mich dabei oft in Situationen in denen die Bewegung des Models schlimmere Auswirkungen hat als die Bewegung der Kamera.

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Auch dieses Foto wurde mit einer gewöhnlichen Neonröhre gemacht und die Belichtungszeit war in diesem Foto bei einer 1/30s.

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Ebenfalls ein Foto welches mit einer einfachen Glühlampe in einer Designer-Stehlampe ausgeleuchtet wurde. Das Foto wurde von der Treppe aus gemacht und hatte eine Belichtung von einer 1/15s.

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Das Objektiv ermöglichte mir in den letzten Monaten in Situationen auf Blitzlicht oder zusätzliches Dauerlicht zu verzichten und gerade deswegen mit einer unfassbar natürlichen Lichtstimmung zu fotografieren. Dabei wurde der ISO-Wert auf einen maximalen Wert gefahren und die Belichtungszeit folgte als Resultat auf das vorhandene Licht. Bei allen vier Fotos erkennt man übrigens auch die Distanzwirkung der 85mm des Objektivs. Alle Fotos haben eine elegante Distanz zum weiblichen Motiv und vermitteln dadurch verstärkt die Unantastbarkeit und Eleganz des Models.

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STABILISIERUNG TRIFFT MEGA VIELE MEGAPIXEL

Der zweite Punkt in Bezug auf die Stabilisierung wäre das stetige Anwachsen der High-Megapixel Kameras. Bei Auflösungen jenseits von 30-40 Megapixel gibt es Mikroverwacklungen selbst bei „anscheinend sicher“ wirkenden Belichtungszeiten. Das weiß jeder Besitzer einer D810 oder einer 5Ds. Selbst bei einer 1/250s kann ein 85mm-Objektiv noch in den Details verwackeln.

Ein effizienter Bildstabilisator reduziert diese Kleinstverwackler und bringt die Mikrokontraste verbessert auf den Sensor.

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LOW LIGHT WIRD IMMER WICHTIGER

Dank stetig steigender ISO Zahlen an der Kamera und immer besserem LED-Licht gibt es für uns Fotografen mehr und mehr Möglichkeiten weg von f8 und Blitzlicht zu kommen. Low Light ist in meiner Art der Fotografie nicht mehr weg zu denken. Und gerade in derlei Grenzsituationen wird die maximale Schärfe eines Objektives auch immer unwichtiger. Ein Objektiv kann sein Optimum nicht unter jeder Bedingung ausfahren. Ganz im Gegenteil. Je schlimmer die Lichtsituation umso unwahrscheinlicher ist das Erreichen des Optimums.

Und daher gilt in der Praxis ein einfacher Konsens. In Idealbedingungen kann das Optimum ausgenutzt werden, fehlt das Ideal-Umfeld, so gewinnt das Objektiv, was die Leistung am besten auf den Sensor bringt. Mit einem guten Stabi ist man hier also sehr gut gerüstet.

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VERGÜTUNG & SPRITZWASSERSCHUTZ

Kameras und Objektive sind Werkzeuge. Und ich hab noch keinen Handwerker gesehen, der überlegt, wie er eine Zange anfasst um damit ein Kabel zu schneiden. Werkzeug wird genutzt und Werkzeug muss sich der Verwendung unterordnen. Es funktioniert oder wird gewechselt. Ich weiß, für viele Fotografen gerade im Hobbybereich ist ein Objektiv für 800 € keine Spielerei und es ist einfach davon zu sprechen, wenn man 3-4 Objektive im Jahr verschleißt, es geht aber nicht darum, dass wir unsere Objektive absichtlich schlecht behandeln. Es geht darum, dass wir abliefern müssen. Und ganz oft sind die Bedingungen eben nicht perfekt. Ganz im Gegenteil, wir müssen oft abliefern, gerade weil die Bedingungen schlecht sind und viele Konkurrenten gar nicht erst fotografieren würden.

Und ich verlange von meinem Arbeitswerkzeug, dass Spritzwasser und Staub keine Gefahr für das Foto und die Ausrüstung darstellen. Staub und Spritzwasser sind in unseren Breitengraden häufiger als kalifornische Sonnentage.

Das Tamron Objektiv ist abgedichtet und versiegelt mit einer Gummilippe den Übergang von Objektiv zu Kamera. Zusätzlich zu den Dichtungen im und rund um das Objektiv wird so auch das Innere der Kamera geschützt.

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Und dabei darf man Spritzwasser nicht nur mit Regen-Fotografie gleich setzen. Viele tolle Fotos haben mit Nässe zu tun und eine nasse Hand genügt bei manchen Objektive um einige Tropfen Wasser ins Objektiv eindringen zu lassen. Etwas blöder Zufall und schwups ist das Objektiv kaputt. Gerade wenn man an Fokusring oder Knöpfe langt und damit das Wasser ins Objektiv eindringen kann.

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Wir haben Ende letzten Jahres in Spanien extrem viel mit dem 85mm fotografiert und fast alle Aufnahmen hatten mit Wasser zu tun. Und eine nasse Badehose genügt schon um Feuchtigkeit ans Objektiv zu bringen. Die Nässe darf halt bloß nicht IN das Objektiv.

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Zusätzlich besitzt das Tamron Objektiv eine schmutzabweisende Beschichtung.

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Bokeh

Ihr wisst alle, ich mag das Wort BOKEH nicht. Ich finde dieses Kriterium ist eines der übertriebensten Argumente für Objektive. Da werden 20 Jahre alte Objektive neu aufgesetzt, grottig schlecht in der Qualität und wie rechtfertigt man das Objektiv für 1000 € oder mehr zu verkaufen? Mit BOKEH! Oldschool Bokeh. Vintage Look… blablabla…

Ich finde jedes Objektiv hat einen besonderen Look. Und ja, die meisten Objektive unterscheiden sich etwas vom Aussehen. Teilweise gibt es viele Unterschiede, teilweise weniger Unterschiede.

Das ist aber alles Geschmacksache. Und für das 85mm 1.8 von Tamron finde ich das Bokeh sehr sehr schön. Das ist aber eine persönliche Empfindung. Ich habe daher auch zwei Fotos angehängt, die das Bokeh besonders gut zeigen. Beide Fotos sind unbearbeitet, wie übrigens alle Fotos in diesem Beitrag, JPG-Dateien direkt aus der Kamera.

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Ich finde auf dem GOLD-Foto sieht man die Unschärfe und das Bokeh besonders gut. Für mich dürfen die Bubbles im Hintergrund nicht zu scharf sein. Die Ränder der Kreise müssen seicht und dezent abgerundet sein. Man muss die Kreise erkennen können aber scharfe Kanten dürfen die Lichtkreise nicht haben. Jedenfalls nach meiner Meinung. Je schärfer die Kreise sind, umso mehr lenkt der Hintergrund vom Motiv ab.

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Die Unschärfe ist deswegen so wichtig, weil die Abtrennung des Motivs vom Hintergrund damit steht und fällt. Gerade weil ich so viel auf f1.8 fotografiere und immer versuche die maximale Freistellung zu erreichen ist

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PREIS

Aktuell ist das 85er von Tamron bei Amazon (http://amzn.to/2maICfn) für 808 € gelistet. Damit ist es zwar nicht das günstigste 85mm-Objektiv, aber das günstigste Oberklasse 85mm-Objektiv. Abgesehen vom Standard-85mm aus den 90er Jahren (http://amzn.to/2lt7Xjr) ist das Tamron eben State-Of-The-Art.

Wir bewegen uns also beim Tamron bei unter 50% des Canon L Objektives und immer noch circa 400 € günstiger als das Sigma Art 85er (http://amzn.to/2moak4s).

Wie man diesen Preis mit den Fähigkeiten wertet, darauf kommen wir im Anschluss zu sprechen.

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OPTISCHE QUALITÄT

Natürlich macht man ein Objektiv an der optischen Leistung fest. Klar, ist ja auch logisch. Dafür ist es da. Dass diese Betrachtung dann falsch ist, wenn man NUR nach Schärfe aus ist, das haben wir ja bereits geklärt. Trotzdem ist Schärfe wichtig, gerade bei aktuellen Kameras und deren hochauflösenden Sensoren.

Wir sind aber kein Testlabor. Wir sind Fotografen und daher möchte ich einer „optischen Diskussion“ einfach aus dem Weg gehen und meine subjektive Meinung schreiben.

Nach über 10000 Fotos muss ich sagen, dass ich die Schärfe fantastisch finde, wobei in der Praxis die Schärfe halt eben auch immer mit dem jeweiligen Licht und der gewählten Arbeitsblende zusammen hängt. Genau aus diesem Grund habe ich drei Fotovergleiche angehängt. Jedes Foto wurde mit unterschiedlichen Bedingungen aufgenommen.

Das schärfste Foto wurde geblitzt, das schwarzweiss Brustfoto. Das erste Foto wurde bei hohen ISO Werten mit blöder Verschlusszeit aufgenommen und das letzte Foto entstammt einer Dauerlichtaufnahme aus dem Fotostudio. Auf den Fotos erkennt man die Abstufung der Schärfe, aber was man vor allem erkennt, ist dass die Umgebungssituation viel ausschlaggebender ist, als die Möglichkeit des Objektivs.

Das Tamron 85mm ist rattenscharf, wenn der Fotograf keinen Bockmist baut und wenn die Situation es zulässt und durch den extrem guten VC ist das häufiger der Fall als bei den meisten anderen Objektiven.

OPTISCHE QUALITÄT- Wenig Licht

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OPTISCHE QUALITÄT- Blitzlicht 🙂 YEAH!!

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OPTISCHE QUALITÄT- Studioaufnahme mit Dauerlicht

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CA, VIGNETTE, VERZEICHNUNG, ZENTRIERUNG

Bei CA, Vignettierung, Verzeichnung und Zentrierung möchte ich einfach mal auf DxO hinweisen. Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich alle vier Elemente als sehr gut empfinde. Also als wenig bis gar nicht vorhanden. Aber ich renne auch nicht täglich durch die Gegend und fotografiere irgendwelche Testaufbauten.

Es gibt andere Objektive, da würde ich schreiben können, dass es mir negativ aufgefallen ist. Z.B. weiß ich, dass das 85mm von Canon bei f1.2 bis f1.6 unfassbar viele CAs mit sich bringt und dass die Zentrierung fürchterlich ist. Aber das könnte ich jetzt vom Tamron nicht behaupten.

SIGMA VS TAMRON

Wer vor dem Kauf eines 85mm Objektivs steht, für den gibt es aktuell nur eine Auswahlmöglichkeit. Entweder das Sigma Art oder das Tamron SP. Ich persönlich habe mich auf der Photokina 2016 erschrocken als ich das Sigma Objektiv zum ersten Mal sah. In der Dogma gab es dazu erst letztens einen sehr interessanten Bericht. Objektive werden immer größer! Lesenswert! Ich dachte eigentlich, SIGMA würde ab sofort auch Objektive für Mittelformat bauen und evtl. Hasselblad und Fuji in Zukunft bedienen. Ich wäre nie darauf gekommen, dass ein solcher Trümmer für eine normale DSLR gedacht ist. Aber egal was man über die Größe und den Preis sagen möchte, die Leistung aller Sigma Art Linsen ist überragend. Dass aktuell eine Canon oder Nikon Linse sowohl Tamron oder Sigma in Punkto Leistung nahe kommt, das würde ich ausschließen. Und ich kenne alle anderen Optionen für Canon und Nikon und habe ausführlich damit fotografiert.

DxO hat beide Objektive übrigens im Direktvergleich und die Unterschiede im Test sind marginal mit einem leichten Vorsprung der Sigma Linse.

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f1.8 VS f1.4 – Wirklich???

An dieser Stelle ist ein anderer Blogpost von uns zu empfehlen. Und zwar zum Thema Bokeh und Unschärfe von f1.4 zu f1.8 in der Praxis. Die gezeigten Beispiele gelten für jedes Objektiv und jede Brennweite. f1.4 zu f1.8 sind keine wirklich erkennbaren Unterschiede. Nicht in der Praxis jedenfalls.

Na, welches Foto ist mit f1.4 und welches mit f1.8 gemacht??? 🙂

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Größe und Gewicht

Was für mich auch ein Praxis-Grund ist für das Tamron und gegen Sigma/Canon ist die Größe und das Gewicht. Wir sprechen hier von einem Unterschied von nicht nur einigen wenigen Gramm.

Das Sigma Art wiegt 1130g während das Tamron auf schlanke 700g kommt. Jetzt mag man sagen, dass für einen ausgewachsenen Mann 430g nicht die Welt sind, aber wir sprechen hier von einem halben Kilo bzw. 60% mehr Gewicht. Und wer schon mal eine Wasserflasche versucht hat über längere Zeit zu halten, der weiß wie schwer ein Pfund auf Dauer werden kann.

Und dabei bleibt es ja nicht. Wir alle tragen mehrere Objektive mit uns herum. Und 2-3 mal ein Pfund und schon füllt sich die Fototasche mit unnötigem Gewicht. Und da viele Fotografen nicht zwangsweise nur im heimischen Studio fotografieren sondern auch gewöhnlich gerne reisen, ist jedes kg auch schnell plötzlich sehr teuer.

Vor allem aber muss man ja auch bedenken, dass Gewicht nicht einfach nur Gewicht ist. Das Gewicht entsteht ja aus der Menge an Glas heraus und dieses Glas muss fokussiert werden. Auch da spielt Gewicht eine größere Rolle als nur beim puren Herumschleppen.

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Schlussendlich sprechen wir dabei aber nicht um gigantische Unterschiede aber wohl über deutlich merkbare Kriterien. Kein Objektivkauf steht und fällt mit 500g Gewicht. Trotzdem ist es etwas, was man sich vorher genau überlegen sollte.

An der EOS M5

Etwas off topic aber trotzdem interessant: Ich fotografiere in letzter Zeit viel mit der EOS M5 und dem Tamron und bin begeistert vom Look und Performance beider Geräte. Klappt vorzüglich mit dem hauseigenen Canon-Adapter.

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FAZIT

Tamron hat mal wieder ein sinnvolles Objektiv vor der puren Angeberei gesetzt. Die Kombination macht dieses 85er zu unsere Alltagswahl. Selbst wenn man davon ausgeht, dass ein Sigma Art Objektiv dem Test von DxO entsprechend minimal besser darstellt, so ist das Tamron KLEINER, LEICHTER, STABILISIERT, ABGEDICHTET UND GÜNSTIGER. Das sind fünf Gründe für und ein halbgarer Grund gegen das Tamron weil die optimale Schärfe unter Testbedingungen gar nicht in der Praxis so einfach auf die Straße gebracht werden kann.

Das 85er macht Spaß und ist ein wahnsinnig tolles Objektiv. Ich hoffe dass ich meine Entscheidungen hinreichend dargestellt habe und vor allem auch BEGRÜNDET habe. Ich möchte keine Objektive schlecht machen, sondern eine Relation aus meinen Erfahrungen herstellen und da hat sich das Tamron als absolut sinnvolles Objektiv gezeigt wo jeder Euro gut investiertes Geld ist.

Kommentare (9)

9 thoughts on “85MM PORTRAIT-OBJEKTIV VON TAMRON MIT VC UND F1.8

  1. Danke für euren ausführlichen Bericht. Voraussichtlich bis Ende diesen Jahres steht der Kauf eines 85er an, und euer Bericht hilft mir dabei sehr. Da ich als Nebenberufler immer wieder mal eine Hochzeit fotografiere, überlege ich dennoch Richtung Sigma – ich gebe euch recht, ein sehr schweres Objektiv bleibt gerne mal zu Hause, habe ich bei meinem Canon Telezoom selbst schon erlebt. Aber gerade bei Hochzeiten begegnen einem meiner Erfahrung nach oft sehr dunkle Bereiche, für einen Bildstabilisator mit langen Zeiten „hält das Brautpaar jedoch nicht still genug“ 🙂 Daher könnte das Plus an Lichtstärke hier ausschlaggebend sein.

    Interessant fände ich noch den Vergleich zum Samyang Premium 85/1.2 – das hat zwar keinen AF, aber einen Chip, der die korrekte Schärfe anzeigt bzw. anzeigen soll.

    Apropos AF: dazu habe ich hier nichts gelesen (oder überlesen?). Gerade von Tamron und Sigma hört man an Canon EOS immer wieder von AF-Problemen, die mich letztlich bewogen haben, vor einer Woche statt zum Tamron SP 35/1,8 zu Canons EF 35/2 zu greifen. Wie sind hier eure Erfahrungen – besonders bei DSLR-Nutzern, die nicht wie bei einer DSLM auf Fokus Peaking zurückgreifen können?

    1. Hallo Sven,
      also ich kann davon echt nix berichten. Weder Sigma noch Tamron finde ich merkbar schlechter als Canon Linsen im AF… eher besser in gesamter Leistung und Preis…

  2. mega Bericht, vielen Dank dafür.
    Finde es klasse das es Fotografen gibt, die eben nicht ständig / ausschließlich mit den HighClass Objektiven arbeiten.
    fantastisch – praktisch – gut

  3. Moin Martin!

    Danke für diesen umfangreichen und ehrlichen Beitrag. Ich kann Deine Worte nur unterstützen: ich fotografiere auch seit langer Zeit das Meiste mit Tamron, Preisleistungsverhältnis und Qualität überzeugen.
    Erstaunlich finde ich, dass die beiden Großen da scheinbar nichts dagegen zu setzen haben. Da läuft ihnen Tamron den Rang ab und die Messestände von Canon und Nikon sind irgendwie zu leer gewesen, klar, gab ja auch kaum was Neues zu sehen.

    Auch mit den Worten im anderen Beitrag bzgl. 1.8 vs 1.4 hast du Recht, den Unterschied sieht man quasi nicht im täglichen Einsatz. Das Thema Gewicht wiegt da schwerer, gerade wenn man mit den Linsen unterwegs ist und alles tragen muss.

    Über Bokeh will ich hier jetzt nicht reden, da gehn die Geschmäcker einfach zu weit auseinander, aber der Stabilisator von Tamron rockt, für mich war das auch der Grund, vom alten auf das aktuelle 70-200 umzusteigen, bereut hab ich es nicht.

    Ich finde es gut, dass Du so offen schreibst und auch keine Schmerzen hast, evtl. Mängel klar anzusprechen.
    Leider wehren sich manche Hersteller noch gegen Fremdhersteller und so bietet zB. Capture One Pro erst seit kurzem überhaupt eine Unterstützung für Tamron, wenn auch nur für das 24-70. Dennoch ein Zeichen, ich denke, da kommt mehr!

    Grüße aus Hessen, macht bitte weiter so!

  4. Hallo Martin,
    schade, dass Ihr das 85mm 1.8 von Canon nicht verglichen habt. Es hat zwar kein Stabi, liegt aber preislich unter 50% vom Tamron. Hier hätte mich Eure Einschätzung zur Leistung interessiert.
    VG Steffen

    1. Haben wir doch geschrieben… ist kein Vergleich und wir haben es deswegen nicht verglichen weil es unfair wäre… fast 20 Jahre altes Objektiv gegen ein neues Objektiv zu testen…

  5. Hallo Martin,
    vielen dank für Deinen ausführlichen Bericht.
    Da ich nebenberuflich als Hochzeitsfotograf unterwegs bin, spiele ich zur Zei mit dem Gedanken mein Canon 1.2 ab und an mal Zuhause zu lassen. Gerade das Gewicht und ganz besonders der langsame AF des 1.2 kann während eines ganzen Tages schon mal anstrengend sein 😉

    Das Sigma 85er Art hatte ich schon an meiner Canon 5D Mark IV und hatte, genau wie beim 50er und 35er eklatante Probleme mit dem AF… Inwiefern das mit dem Dock oder bei Sigma selbst justierbar wäre, möchte ich für den Preis erst gar nicht riskieren – Zumal mein 50er nie mit meiner Mark III harmoniert hat. Auch nicht nach einer Justage bei Sigma :/

    Die Lichtstärke wäre für mich durchaus ausreichend, zumal ich aufgrund des Schärfebereiches während einer Hochzeit selten unter 2.0 oder 2.2 arbeite. Da wäre ein Stabi, gerade in Kirchen etc. schon eher von Vorteil 🙂

    Ich glaube, ich werde mir das gute Stück einfach mal für ein paar Tage zum Testen ausleihen und schauen, wie ich damit harmoniere 😉

    LG Mattes

  6. Vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht 🙂
    Ich kämpfe seit ein paar Monaten mit mir, ob ich ein hochwertiges 85mm Sigma, Canon, Tamron… wählen soll.
    Nach deinem Bericht folgte ich dem Amazonlink und bestellte *grins*

    Sonnige Grüße aus Hildesheim,
    Largo

  7. Ich hatte auch Canon, Sigma und Tamron auf der 5DIV. Schweren Herzens habe ich das Sigma wieder zurückgegeben. Es ist ganz klar die SPITZE DES EISBERGS. Es ist wirklich in mehr als einer Situation dem Tamron überlegen gewesen (Gegenlich, Aberfationg und auch Schärfe). Das für mich wesentlichste Argument ist hier auch aufgeführt, der Bildstabilisator. Der bringt in der PRAXIS wirklich mehr, als die optische Leistung die das Sigma mehr bietet. Vor allem bei Blende 1.8 oder 2.0 ist der Unterschied in meinen Augen schon groß. In der Summe vielleicht nicht, aber wann fotografiert man mit dem Objektiv mit Blende 8?? Gewicht und Preis habe ich nicht berücksichtig, es zählte allein das Ergebnis nach einem Shooting. Wer den Bildstabilisator nicht braucht, sollte das Sigma nehmen. Das ist meine ganz ehrliche Meinung. Alle anderen sparen nicht nur einige hundert Euro und Gewicht ein.

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