7.5.2009    14

NIKON CLS JORNS TEIL 2: DIE BASICS

7. Mai 2009 | Nikon CLS

ANDREAS JORNS

Sodele … heute geht’s endlich weiter mit unserer Nikon-CLS-Reihe. Heute wieder pure Theorie, die ich Euch nicht ersparen kann (und auch nicht möchte!!!), wenn Ihr so richtig in das Thema reinfinden wollt …

Zunächst einmal ist zu klären, was konkret hinter dem Namen CLS steckt. Okay, die drei Buchstaben sind die Abkürzung für „Creative Lighting System“, aber offengestanden ist man damit nicht viel schlauer … Streng genommen ist CLS auch nur ein Marketingbegriff, den sich die Werbeabteilung von Nikon ausgedacht hat, weil er so gut klingt. Die eigentlichen Funktionen, die das ganze System so interessant machen, hören auf ganz andere Namen, sind aber Teil des Systems. Verwirrend? Nicht wirklich. Von den zahlreichen neuen Blitzfunktionen, die das CLS beinhaltet, wollen wir uns die interessantesten mal ein wenig näher anschauen:

  • iTTL-Blitzsteuerung
  • Übertragung der Farbtemperaturinformation
  • Automatische FP-Kurzzeitsynchronisation
  • Advances Wireless Lighting (AWL)

Damit alle Funktionen zur Verfügung stehen, müssen sowohl Kamera als auch Blitzgerät das CLS unterstützen. Auf Seiten der Kameras sind dies kurz gesagt alle Nikon-DSLR der D2-Reihe und neuer sowie die analoge F6. Bei den Blitzgeräten sind dies SB-900, SB-800, SB-600, SB-400 sowie die Makroblitze SB-R200. Ergo: Habt Ihr eine aktuellen Nikon-DSLR (nicht älter als Baujahr 2005) nebst passenden Aufsteckblitz, kann’s losgehen …

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iTTL

Die iTTL-Messung ist das Herzstück des Creative Lighting Systemvon Nikon und wesentliche Voraussetzung für eine ausgewogene Belichtung – und das ist ja die wahre Kunst beim Blitzen: Eine ausgewogene Belichtung aller bildwichtigen Elemente: und das möglichst so, dass man nicht sieht, dass geblitzt wurde. Schaut Euch mal das Foto oben an. Ich glaube nicht, dass jeder von Euch auf Anhieb gesehen hat, dass hier geblitzt wurde … Was ich im Primzip lediglich gemacht habe, ist die richtige Belichtung der linken Gesichtshälfte des Models zu messen (die durch das Sonnenlicht von draussen beleuchtet wurde). Den Rest hat der iTTL-gesteuerte Blitz gemacht (nämlich die Aufhellung der anderen Gesichtshälfte, die ohne Blitz „abgesoffen“ wäre). Das richtige Maß der Aufhellung zu finden ist dabei gar nicht so trivial und dennoch hat’s die Kamera in Zusammenarbeit mit dem Blitz geschafft! Da fragt man sich natürlich, wie …? Hier muss ich kurz mal ein wenig weiter ausholen und Euch auf einen kleinen Exkurs zum Thema Blitzbelichtungsmessung nehmen:

Die erste einigermaßen intelligente Blitzbellichtungsmessung war die sogenannte TTL-Messung, die zur Zeit der analogen Fotografie den Standard setzte. Das Licht fällt durch das Objektiv (Throuth The Lens) und wird von der Filmoberfläche reflektiert. Diese Reflektion wird von einem Sensor gemessen und der Blitz wird gestoppt, wenn die Blitzleistung ausreichend ist (der Blitz wurde stets auf volle Leistung aufgeladen, abgefeuert und gestoppt, wenn ausreichend belichtet wurde). Digitalkameras arbeiten bekannertmaßen nicht mit Film, sondern haben einen Sensor. Da der Sensor ein anderes Reflektionsverhalten als Film hat (er reflektiert weniger), kam es bei DSLR zu Fehlmessungen und somit falsch belichteten Fotos. Das war der Grund für die Weiterentwicklung der TTL-Messung – hin zur D-TTL-Messung (jeder darf jetzt mal raten, wofür das „D“ steht …). D-TTL arbeitet mit Meßblitzen geringer Intensität, die vor der eigentlichen Aufnahme ausgelöst werden und deren Reflektion (vom Verschlussvorhang) kamerintern gemessen werden. Anschließend wird dann der „richtige“ Blitz (mit genau so viel Leistung wie vorher errechnet) ausgelöst und der Verschluss geöffnet, so dass ein Bild entstehen kann. Wenn das alles so lange dauern würde, wie ich das hier schreibe, wäre das nicht wirklich schön – in der Realität passiert das alles in einer so schnellen Abfolge, das man das als einen Vorgang (= einen Blitz) wahrnimmt.

iTTL ist eine Weiterentwicklung des D-TTL durch die Nikon-Ingenieure („i“ für „intelligent“). Das Prinzip ist das Gleiche, nur werden die Meßblitze schneller und mit höherer Intensität ausgelöst werden und die kamerinterne Messung ist deutlich genauer als beim D-TTL. Als Ergebnis erhält man eine ausgewogene („richtige“) Belichtung von Vorder- und Hintergrund.

Deppen-Modus an :-): Wenn ihr im TTL-Modus fotografiert, dann guckt die Kamera, dass das Bild immer korrekt ausgeleuchtet wird. Deppen-Modus off: Das muss aber nicht zwingend in einem korrekt belichteten Foto enden. Stellt euch vor, ihr fotografiert auf einer Party. Da ist es sehr dunkel. Die Kamera wird nicht wissen, dass ihr kein Stativ benutzt und sicherlich länger belichten als ihr wollt. Das Bild wird von der gesamten Helligkeit korrekt belichtet. Aber bestimmt verschwommen und kann immernoch teilweise überbelichtet und unterbelichtet zugleich werden. Das wirklich zu steuern und zu lenken, das wird Aufgabe verschiedener Postings sein. Trotzdem: iTTL ist und bleibt eine absolut geniale und einfache Lösung für TOP-Fotos. Man muss aber trotzdem wissen wie es geht, um gegebenenfalls auch eingreifen zu können, wenn man vom Standard abweichen will/muss.

Übertragung der Farbtemperaturinformationen

>Bei dieser Funktion fragt man sich natürlich zunächst, wozu diese eigentlich gut sein soll, wenn man weiß, das Blitzlicht auf einen festen Kelvin-Wert normiert ist (je nach Hersteller um die ~ 5.500 K). Man unterliegt einem Irrtum, wenn man glaubt, dass ein und derselbe Blitz immer mit einer konstanten Farbtemperatur abbrennt (bei sehr teuren Studioblitzgeräten gibt es Ausnahmen). Die Farbtemperatur schwankt vielmehr in Abhängigkeit von Zündspannung und Abbrenndauer)! Diese Schwankungen, die sich im Bereich von +/- 500 Kelvin abspielen, hätten unweigerllich Farbstiche in den Fotos zur Folge. Bei Einsatz von Kameras und Blitzgeräten, die das CLS unterstützen, erfolgt ein Informationsfluss von Blitz an Kamera, der Angaben zu Zündspannung und Abbrenndauer beinhaltet. In Abhängigkeit von diesen Informationen passt die Kamera den entsprechenden Weißabgleich an.

Wer im RAW-Format fotografiert, hat natürlich die Möglichkeit, den WA später noch zu ändern. Trotzdem hat es einen gewissen Charme, schon bei der Aufnahme alles richtig zu machen und auf dem Display gleich die korrekten Farben zu sehen. Und jpg-Fotografen haben eh‘ keine andere Wahl … 😉

waNatürlich kann man im RAW-File nachher noch exakt den WB bestimmen. Aber trotzdem mal ein Beispiel was der Unterschied zwischen „korrekt“ (LINKS) und „eigentlich korrekt“ (RECHTS) bedeutet. Im linken Bild wurde der WB mit der Blitzautomatik eingestellt, beim rechten Foto wurde die Vorwahlmöglichkeit „BLITZ“ gewählt. 400°K Unterschied. Wie Tag und Nacht.

 

Automatische FP-Kurzzeitsynchronisation

Kurz gesagt, gestattet diese Funktion den Einsatz von Blitzsynchronisationszeiten, die kürzer sind, als die Kamera-Synchronzeiten, die in der Regel bei max. 1/250 Sekunde liegen. Der praktische Mehrwert dieser Funktion liegen nicht – wie man zunächst vermuten würde – in der Highspeedfotografie (dazu später mehr), sondern vor allem in der Outdoor-Portraitfotografie (bei Tageslicht), wo man den Blitz häufig nur zur Aufhellung benötigt. Bei heller Umgebung müsste man – wenn man als Verschlusszeit max. 1/250s wählen kann – abblenden, um zu einer ausgewogenen Belichtung zu kommen. Abblenden ist gerade in der Portraitfotografie nicht das, was man will, da eine grosse Schärfentiefe in der Regel eher unschön ist. Mit der FP-Kurzzeitsynchronisation kann man eine große Blende wählen und die portraitierte Person vor dem Hintergrund freistellen.

Dieses Thema ist insofern heikel, da man sich mit dem Einsetz der FP-Synchronisation auch handfeste Nachteile „erkauft“, was auch der Grund ist, warum wir die Funktion in einem der nächsten Beiträge gegen den Einsatz von Graufiltern antreten lassen, um festzustellen, welches die bessere Lösung ist. Was sich etwas kurios anhört, wird bei dem ein oder anderen einen gewissen Aha-Effekt auslösen. Später mehr …. 😉

Advances Wireless Lighting (kurz AWL)

So richtig gerecht wird das Creative Lighting System seinem Namen dann, wenn wir seine wichtigste Funktion näher betrachten: Die kabellose Multiblitzsteuerung, Königsdisziplin beim entfesselten Blitzen. Hier kommunizieren Blitz(e) und Kamera ohne jede Anbindung zueinander – und das weit über die bloße Ansteuerung hinaus. Anders als Studioblitzgeräte erhalten die Aufsteckblitze nämlich Informationen von der Kamera wie z.B. verwendete Brennweite, eingestellte Blende, genutzte ISO-Werte und (!) Entfernung zum Objekt. Wie das funktioniert schauen wir uns in einer der späteren Folgen dieser Beitragsreihe an. Wahrscheinlich werden es eher mehrere Post zu diesem Thema. An Komplexität ist das AWL kaum zu überbieten.

041_c_webOhne Funkauslöser und Kabel zündet der Blitz in den Schirm voll automatisch.

So, das war’s mal wieder. Ich hoffe, es hat ein wenig Spaß gemacht. Bis die Tage …!

lg Andreas

Kommentare (14)

14 thoughts on “NIKON CLS JORNS TEIL 2: DIE BASICS

  1. Hi,

    ich greife jetzt zwar schon etwas vor, aber benutzt das CLS(AWL) Infrarot?? Als ich damals an meiner D80 und meinem SB-400 das System genutzt hatte, musste auch immer der Kamera interene Blitz mitblitzen. Geht das mittlerweile auch ohne ?? So dass ich z.B. nur von der Seite mit einem externen Blitz blitzen kann ??

    Grüsse Alex

  2. Hi Alex!

    1. Das CLS/AWL von Nikon funktioniert mit Infrarot-Steuerblitzen.

    2. Der interne Blitz der D80 kann als Master genutzt werden, ohne dass er mit auslöst (Blitzfunktion lässt sich separat abstellen!). Wenn ich mich nicht irre, steht das auf Seite 96 Deiner BDA … 😉

    Gruss, Andreas

  3. Hallo Andreas,

    „1. Das CLS/AWL von Nikon funktioniert mit Infrarot-Steuerblitzen.“

    Jep, klar soweit. Habe mit D200 und SB 900 hier auch schon ganz nett herumgespielt. Allerdings: Kannst Du ein paar Worte zur Funktionssicherheit a.) Outdoor und b.) in Situationen, in denen sich die Geräte nur schlecht „sehen“ können, verlieren? Das würde mich interessieren.

    Grüße

    hans

  4. Moin Hans!

    „Funktionssicherheit“ ist so ’ne Sache … 😉

    Zwei Dinge, die es zu beachten gilt, wenn man so viel Sicherheit wie möglich hinbekommt:

    1. Den Sensor immer in Richtung des Masterblitzes (bzw. des SU-800) drehen. Wenn der Sensor zufällig auf der falschen Seite des Blitzes ist (Murphys Gesetz …), den Blitzkopf um 180 Grad drehen.

    2. Licht in der Nähe des Sensors so gut wie möglich vermeiden. Wird der Sensor durch eine Lichtquelle (z.B. Sonne!) direkt beschienen, ist es reine Glückssache, ob der Slave auslöst oder nicht. Also den Sensor möglichst im Schatten halten.

    Ich habe Deine Frage zum Anlass genommen, einen kompletten Beitrag innerhalb dieser Serie der Verläßlichkeit des AWL zu widmen, in dem ich mal verschiedene Praxisbeispiele durchprobiere. Demnächst in diesem Theater … 😀

    Gruss, Andreas

  5. Man kann den Kamerablitz ja schon als Blitz abschalten, dann sendet er nur Steuersignale aus, aber selbst die können, gerade bei reflektierenden Oberflächen störend sein. Abhilfe schafft entweder das Nikon SG-1IR oder die Metz-Klammer von deren Makrobklitz, die man als Einzelteil über deren Ersatzteilservice bekommt, genaueres dazu steht in meiner Blitz-FAQ Kapitel 2.4:

    http://www.nikon-fotografie.de/vbulletin/showthread.php?t=79941

    Gruß Dietmar

  6. Hallo Andreas!

    Endlich kommt bei mir Licht in das Dunkel der Blitzfotografie.

    Dank Dir für Deine Mühe.

    Lecker und spannend geschrieben…ein Gefühl von MEHR kommt auf…

    Gruß

    Chris

  7. Hallo,

    kann es sein das sich bei der Erklärung des 1. Bildes ein Fehler eingeschlichen hat. Du schreibst das Du die Belichtung des Models auf der linken Gesichtsseite eingemessen hast, welche von Draußen von der Sonne beleuchtet wurde. Sollte es nicht die rechte Gesichtshälfte lauten?

    Gruß, Benny.

  8. Hallo,

    sehr schone Beitrag vielen Dank !

    zur Zeit versuche ich mit folgende Equpment zu fotografieren:

    1. NIKON D700

    2. NIKON SB-910

    3. 2x 45WS SUNDAY Blitzlampen incls Schirm und Stative

    4. Standard PC Synchron Kabel

    Blitzlampen sind mit Fotozellen und zusätslichen Sysnchronbuchse ausgestattet.

    es ist mir bis jetzt nich gelüngen

    die alle 3 Blitzen über den Master Blitz der Kamera anzuzünden bzw. betätigen ?

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