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NIKON CLS JORNS TEIL 13: SETUP EXTREMEEEEEE… 01

19. April 2010 | Nikon CLS

Heute gibt es einen zieeeemlich langen Setup-Post hier im Forum. Normalerweise würdet ihr an dieser Stelle direkt den Ausführungen von Andreas Jorns folgen können. Er ist ja CHIEF OF THE CLS-FLASHES… Leider schreibt Andreas gerade an einem Buch über Fotografie und hat weniger Zeit fürs Blog. Daher macht heute mal „der Martin“ seinen Job, bzw. versucht für Andreas einzuspringen.

Erst neulich haben wir (Andreas und ich) nämlich einen gemeinsamen Workshop zum Thema CLS in Wuppertal gegeben. Und genau dort, wollte ich mal zeigen, was alles in diesem CLS stecken kann. Man muss nicht immer nur mit einem Blitz arbeiten, Portraits fotografieren mit oder gegen die Sonne. Es geht viel mehr. Komplett inszenierte und frei aufgebaute Blitzsetups. Z.B. einen inszenierten Dessousshot.

Und dazu muss man auch sagen, dass hierbei alle Blitze automatisch von der Kamera eingemessen wurden. Gesteuert über einen SU-800 und im VOLL-iTTL-MODUS. Also kein manuelles Einstellen der Leistung!!! Auch wenn es kompliziert erscheint, man kann extrem gute Shots mit der Automatik machen.

In dem Studio gab es dazu ein Hintergrundset im Style der 50er Jahre. Tapeten und Accessoires, perfekt inszeniert. Guckt euch doch direkt mal das Setup an.

nikon cls post

Heute möchte ich nämlich direkt durch den korrekten Ablauf des Aufbauens und des Einrichtens gehen. Es geht nämlich nicht nur darum zu zeigen, was man gemacht hat, sondern darum, wie man dazu gekommen ist und wie ihr selbst es machen solltet. Guckt also einfach mal auf das Foto und versucht die Lichtformer etc. zu vergessen. Schaut euch Modell und Location an und versucht eine Idee zu entwickeln.

Das haben wir nämlich auch gemacht. NUMMER 1: IDEE ENTWICKELN

Unsere Idee an dieser Stelle war, eine Wohnungssituation nachzustellen. Einen Shot der den Look einer abendlichen Wohnung hat. Dazu ein leicht verzweifeltes Make-Up. Verschmiert, vielleicht verheult und etwas am Boden zerstört. Durch die nicht wirklich hohe Tapete an der Wand waren wir von vorne herein gezwungen, das sehr große Modell auf den Boden zu setzen. Solche Dinge müsst ihr schon von Beginn an in eure Betrachtungen einbauen.

In nächster Instanz müssen dann die Kameraeinstellungen fest und foxi definiert werden. NUMMER 2: KAMERAEINSTELLUNGEN UND BRENNWEITE FESTLEGEN

nikon cls post

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(GUCKT MAL, MARTIN MIT NEM 50mm ZEISS MIT MANUELLEN FOKUS, OB DAS GUT GEHT :-))

Kamera, Einstellungen und Brennweite werden deshalb zusammen festgelegt, weil diese alle drei Werte sich gegensätzlich beeinflussen. Sensorgröße und Brennweite definieren genauso die Unschärfe im Hintergrund wie die gewählte Blende. Dazu kommt, dass eigentlich auch der Bildausschnitt festgelegt werden muss. Denn Bildausschnitt und Brennweite ergeben die Distanz zum Fokuspunkt und das wiederum ergibt mit der gewählten Blende dann die tatsächliche Unschärfe.

Ich hoffe, dass ich damit deutlich machen kann, wie wichtig das Festlegen der konkreten Bildidee, Bildausschnitt, Blende, Einstellungen, Brennweite, Kamera etc. ist. Alles hängt zusammen und man kann das Foto nur vorab überhaupt im Kopf bestimmen, wenn man sich festlegt.

An dieser Stelle kommen dann die Ideen zum Lichtsetup. Die konkrete Bildidee muss umgesetzt werden in eine entsprechende Lichtführung.

Wir wollten ja einen „abendlichen Wohnung/Zimmerlook, anrüchig und etwas düster und ein traurig zerstörtes Modell“ in ein Foto binden. Ich versuche jetzt die Überlegungen kurz zu fassen.

  • Wohnungen haben Licht „immer“ an der Decke.
  • Wir brauchen auch gleichzeitig einen düsteren Look.
  • Viele künstliche Lichtquellen formen in einer Wohnung oftmals einen sehr glänzend, konturierenden Look auf den Gegenständen.
  • Wohnungslicht ist oft orange bzw. gelblich.

NUMMER 3: GEDANKEN ZUR UMSETZUNG DES LICHTS

Dieser Schritt ist unglaublich wichtig. Denn es kommt die Übertragung der Gedanken in das technische Lichtsetup. Wenn ich vorher definiert habe, dass das Licht wie in einer Wohnung aussehen soll, ich mir dann überlegt habe, dass Lampen in einer Wohnung immer in der Mitte des Raumes ganz weit oben hängen, dann ist es keine große Denkarbeit mehr, das Licht des Blitzes genau dort zu positionieren. Als großer „künstlicher Kronleuchter“ genau über dem Modell in der Mitte des Raumes. So einen Dreisatz lernt man in der 3. Klasse…

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Und an dieser Stelle schauen wir uns nochmals das Foto von ganz ganz oben an. Das aufgebaute Lichtsetup macht jetzt plötzlich viel mehr Sinn. Wir haben also ein sehr sehr hohes Führungslicht von genau über dem Stuhl. Naja, fast genau über dem Stuhl, etwas von vorne kommt das Licht ja schon.

Natürlich mussten wir die ganzen Blitze und Stative vorher aufbauen. NUMMER 4: ALLES AUFBAUEN

Dazu hängt genau über der Szenerie ein weiteres Blitzlicht. Es zielt von hinten auf das Modell. Das hintere Licht erarbeitet demzufolge Konturen und gibt Tiefe. Schauen wir uns doch einfach mal die einzelnen Blitze im Vergleich an.

Beide Blitze wurden in jeweils eine Gruppe gelegt. Der Blitz im Schirm über dem Modell war „Group A“, Blitz hinter dem Modell demzufolge dann „Group B“.

Über den Vergleich der einzelnen Fotos können wir dann die Logik des Setups sofort erkennen. Ein Foto mit jeweils einem aktivierten Blitz und dann beide zusammen.

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Haupt-Führung-Licht von oben

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Nur das Streiflicht von hinten/oben

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Führungs- und Streiflicht ohne Lampenlicht

Auf dem Foto mit dem aktivierten Führungslicht von oben sehen wir deutlich wie natürlich und realistisch der Schatten verläuft. Dieser wird genau unter das Modell gezeichnet und fällt direkt auf den Boden. So wie wir es eben von „zuhause“ kennen.

Das Foto mit dem Blitzlicht von hinten zeigt extreme Tiefe. Durch die Schatten und die Reflexionen bekommt der  Bildbetrachter den Eindruck der Tiefe und der Dreidimensionalität verliehen.

All das kommt zusammen, wenn beide Blitze zusammengeschalten werden und dabei beide Elemente verbunden werden. Wir bekommen ein Bild mit Schattenwürfen nach unten, einer Grundhelligkeit durch das Führungslicht aber gleichzeitig auch die Reflexe und Lichter um die Tiefe des Raumes zu zeigen.

Bevor wir uns jetzt um die Einstellungen am CLS kümmern, das fertige Foto. Darauf haben wir ja jetzt schon gewartet.

TECHNICAL Vergleich Fotos
– click on image to enlarge –

Bis zu diesem Punkt ist das komplette Setup noch absolut systemunabhängig. Es geht bis dato nur darum, dass der richtige Ablauf zu den richtigen Schlüssen führt. Bis an dieser Stelle ist es zu jederzeit und bei jedem Setup egal, welche Ausrüstung genutzt wird, welche Marke oder was sonst. Und das ist wirklich universell so. Das Setup ergibt sich aus der gewünschten Belichtung und nicht aus der Ausrüstung. Die Ausrüstung setzt um, was der Fotograf möchte.

Trotzdem, genau an dieser Stelle steht man dann an einem Punkt, da man genügend Ideen und Einfälle haben mag, aber dass sich das Foto eben nicht derart ergeben mag. Die Technik mag sich vielleicht streuben und verweigern. Daher gilt es hier, die Technik einzustellen. NUMMER 5: BLITZE EINSTELLEN

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Zwei Blitze haben wir im Einsatz. Beide im REMOTE-Modus, jeweils einer in Gruppe A und einer in Gruppe B. So sollen dann die Rückseiten der Blitze ausschauen. Den Zoom des Blitzes im Schirm haben wir etwas verengt, um nicht zu viel Energie zu verschwenden und um die Ausleuchtung etwas knackiger zu machen. Der silberne Schirm wird nur zu maximal 30% im Mittelpunkt ausgeleuchtet.

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Der Blitz von hinten auf die Szenerie war dagegen mit 28mm sehr streuend. Das ist nötig weil der Blitz quer hängt.

An dieser Stelle vielleicht ein kleiner Einschub: Die Zoomstellung der Blitze formt dem 2:3 Format des Fotos eine querliegende Ausleuchtungsfläche. Das bedeutet, dass die 28mm Weitwinkel nur in der Breite gelten, nicht aber in der Höhe. Wenn der Blitz jetzt also quer liegt, dann brauchen wir sogar weniger mm Weitwinkel. Denn wir nutzen ja sowieso schon den weiteren Querwinkel.

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Damit wären wir am Ende des ersten Teils des Setups. Weiter geht es im nächsten Beitrag… womit weiter, mag man sich jetzt fragen. Aber die Antwort ist sehr einfach. Wir haben „erst“ zwei Blitze im Einsatz. In Wirklichkeit haben wir aber das Foto mit 3 Blitzen gemacht. Einen Blitz müssen wir also noch einstellen und finden…

Natürlich gilt es auch noch zu klären, wie die Blitze eingestellt waren. Also die genaue Blitzbelichtungskorrektur der einzelnen Gruppen. Denn jeder Blitz wurde über die jeweilige Gruppe noch etwas in der Blitzleistung korrigiert.

Das Wichtigste innerhalb dieses ersten Postes ist jedoch der Ablauf bei der Erschaffung eines Blitzsetups. Man muss eine strikte Logik verfolgen und die Blitze aufgrund der Bildidee setzen. Es geht gerade darum, dass man sich Gedanken macht, was für ein Foto man haben möchte. Und ich kann versichern. Selbst ein „Nicht-Fotograf-Normalo-Bürger“ auf der Straße würde, wenn er danach gefragt würde, das typische Licht einer Wohnung als „von der Decke herab“ beschreiben. Es geht ja garnicht so um die Erfahrung beim Fotografieren als vielmehr um die gedankliche Arbeit vorher. Wenn ihr euch überlegt habt wie das Licht sein soll (und das jetzt nicht im fototechnischen Sinne), dann ist die Frage nach der Position und dem Lichtformer absolut sekundär.

Die Struktur ist ALLESSSS….

  • NUMMER 1: IDEE ENTWICKELN
  • NUMMER 2: KAMERAEINSTELLUNGEN UND BRENNWEITE FESTLEGEN
  • NUMMER 3: GEDANKEN ZUR UMSETZUNG DES LICHTS
  • NUMMER 4: ALLES AUFBAUEN
  • NUMMER 5: BLITZE EINSTELLEN

TEIL 2 NOCH DIESE WOCHE…

Kommentare (7)

7 thoughts on “NIKON CLS JORNS TEIL 13: SETUP EXTREMEEEEEE… 01

  1. Was ich mir im Nachhinein noch beim Anschauen meiner Fotos (Clos up´s) und zwar der trashigen Variante, gedacht habe, die durch das nach unten schauen im Gesicht etwas dunkel waren (der Schirm war direkt über dem Kopf), man hätte evtl. auf den Boden einen weißen Refelektor legen können umso dezent aufzuhellen, auch wenn das nicht gerade der Lichtcharakteristik einen Zimmers der 50er Jahre entsprochen hätte. Bei den Close up´s hätte man den Refektor nicht gesehen.

    Schön aber auch zwei deiner Fotos hier sehen zu dürfen.

  2. …Wir haben “erst” zwei Blitze im Einsatz. In Wirklichkeit haben wir aber das Foto mit 3 Blitzen gemacht. Einen Blitz müssen wir also noch einstellen und finden…

    Ich tippe mal stark auf einen SB-600/800/900 mit half oder full CTO im Lampenschirm in Group C. Der SB-800 im Schirm +1/2 Blende, der SB-900 +1 Blende und der SB-600/800/900 mit half oder full CTO im Lampenschirm in Group C hatte wohl -1 Blende um nicht das Führungs- und Streiflicht zu stören.

    Wie ich auf einen Blitz im Lapenschirm komme? Naja, dass Licht soll ja natürlich erscheinen und woher soll das Streiflicht in der Wohnung wohl kommen, außer aus dem Lampenschirm hinter dem Modell? Kann sein, dass das Streiflicht auch noch eine CTO Folie verpasst bekommt.

    Darum wohl auch SB-900 als Streiflicht, da bei dem Blitz ja schon die Folien samt Halterung so praktisch dabei sind. 😀

    Alle Angaben wie immer ohne Gewehr und Pistole. ;-P

  3. War aber hier nicht im Einsatz, wenn ich mir die beiden Fotos anschaue. Bei mir mal mehr, mal weniger, wenn der SB900 nicht gerade eine Leistungspause machte. 😛

  4. @Dietmar

    Guck dir mal SETUP EXTREMEEEEEE… TEIL 2 an und sag mir wer in die Zukunft gucken kann? 😛

    Klar war bei Teil 1 kein dritter Blitz im Einsatz, aber das Bild sah ja unnatürlich aus, so mit einem Streiflicht aus dem Nichts.

    Gut, Hauptlicht war +0.3 und nicht +0.5 wie vorausgesagt. 🙁

    Führungslicht war -0.7 statt +1.0 und Blitz in der Lampe war +1.0 statt -1.0. Folie war rot statt orange.

    ABER, wie will man auch die Settings und Farbfolie erahnen, wenn man kein Bild dafür hat. Waren ja nur wage Schätzungen und nicht mal schlecht wie ich finde. 😉

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