29.6.2009    18

NIKON CLS JORNS TEIL 6: FP-HIGHSPEEDSYNC

29. Juni 2009 | Nikon CLS

ANDREAS JORNS


KURZE INFO: Sehr kurzfristig bieten wir (ANDREAS & MARTIN, HAUPTSÄCHLICH ANDREAS!!!) am 12.07.09 extra einen Workshop zum Thema Nikon CLS an. Wir werden mal alle Canonuser und Canonkameras zuhause lassen und uns nur mit dem Thema NIKON beschäftigen.

Also wer schon immer alle Anwendungsfragen zum Thema PEOPLEFOTOGRAFIE & CLS geklärt haben wollte, für den ist der Workshop perfekt.

INFOS & ANMELDUNG unter workshops.krolop-gerst.com

 


Heute wenden wir uns dem Thema Highspeed-Sync und AWL zu. Und weil wir das nicht so „normal“ machen wollen, setzen wir ein sehr lichtstarkes Objektiv mit Anfangsblende 2.0 bei strahlendem Sonnenschein ein. Mit solch einem übertriebenen Beispiel kann man sehr gut die Systematik erklären und aufzeigen.

Zum Thema. Es war einmal im Sommer…strahlender Sonnenschein und Martin und ich wollen (wegen des angenehmen Unschärfeverlaufs) möglichst offenblendige Portraitshoots machen. Und schon haben wir ein Problem: Bei Blende 2,2 (minimales Abblenden verhilft bei jedem Objektiv zu einer verbesserten Abbildungsleistung) waren wir aufgrund der vorhandenen Lichtverhältnisse im Verschlusszeitenbereich von 1/800 bis 1/1.000 Sekunden. Denn mit den ISOs können wir ja auch nicht ewig in den Keller gehen. Da die schnellste Blitzsynchronisation bei der Nikon (wie bei den meisten anderen Cams mit Schlitzverschluss) bei 1/250 Sekunde liegt, ist’s eigentlich Essig mit Blitzen (es sei denn man steht darauf, dass der grösste Teil des Bildes aus einem schwarzen Balken besteht …). Jetzt könnte man sagen: Wozu blitzen? Ist doch hell genug! Machen wir Available Light und sparen uns den ganzen technischen Ballast …

aj_flash_webAlles eine Frage der Dosis … 😀

(zu möglichen Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker)

 

Abgesehen von dem ein oder anderen coolen Effekt, den man nur so hinbekommt, gibt es natürlich ein paar praktische Gründe für die Nutzung des Blitzes. Bei Portraits sollte man darauf achten, dass zumindest das Gesicht einigermaßen korrekt ausgeleuchtet ist. Wenn man jetzt das Model in Richtung Sonne stellt, kann man mit ein wenig Glück 2-3 Fotos machen, bevor sich die Netzhaut des Models ablöst … – aber auch diese werden ein wenig unter den zugekniffenen Augen und unentspannten Gesichtsausdruck des Models leiden … 😉 Okay, dann stellen wir das Model halt mit dem Rücken zur Sonne … Das Model kann dann die Augen schön aufreißen, was uns nur recht wenig nutzt, da sich das Gesicht im Schatten befindet …! Entweder kann ich nun auf die Sonne korrekt belichten oder aber das Gesicht korrekt wiedergeben, dann aber sind die „Haarlichter“ total ausgebrannt.

Zugegebenermaßen habe ich das Ganze ein wenig überspitzt formuliert, aber wie heißt es so schön: Übertreibungen machen deutlich … 😉

Wenn wir also mit Offenblende (mit entsprechend schneller Verschlusszeit) und Blitz arbeiten wollen, müssen wir einen kleinen Trick anwenden. Dieser „Trick“ lautet Einstellung der FP-Kurzzeitsynchronisation („FP“ steht für focal-plane shutter = Schlitzverschluss). Die Einstellung dieses Highspeed-Blitzens (wie es auch genannt wird) sucht Ihr am Blitzgerät vergeblich; dafür müsst Ihr in’s Kameramenü (unter Systemeinstellungen):

 

BILD!

Jetzt können wir trotz Blitz jede Verschlusszeit auswählen, die uns die Kamera bietet. Aber leider haben wie so oft im Leben die schönen Dinge meist den ein oder anderen Nachteil … Bei der Highspeed-Synchronisation ist das die Tatsache, dass die Blitzleistung (und somit die Reichweite) erheblich (!) reduziert wird. Es ist nämlich so, dass der Blitz eine Art Dauerlicht nachempfindet. Da der Sensor niemals komplett frei liegt, muss der Blitz mehrere Male aufleuchten und so wird nacheinander der gesamte Sensor belichtet. Z.B. erst einmal blitzen für den ersten cm des Sensors, wenn dann der Schlitz über dem zweiten cm steht, dann nochmals, und dann so weiter…  Um dem Model den Blitz jetzt nicht direkt vor die Nase halten zu müssen (was selten zu schönen Ergebnissen führt – siehe oben), muss man sich zu helfen wissen. Entweder ihr lasst jegliche Lichtformer weg und schaut, dass ihr eben so nah wie möglich an euer Modell heran kommt, oder aber ihr rüstet auf 🙂 … Wir z.B. haben gleich drei Blitzgeräte an ein Stativ geschnallt. Somit hatten wir auch genügend Blitzpower (obwohl: 3 Blitzgeräte machen dann nur 1,5 Blenden mehr Leistung).

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Hier das Ganze mal von hinten noch ohne Schirm. Die Reflektoren haben wir bei allen drei Blitzen um 180° gedreht, damit die IR-Empfänger günstiger auf mich ausgerichtet sind (ich stand bei der Aufnahme links versetzt).

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Angesteuert habe ich die Blitze mit dem SU-800, der auf dem Foto durch das Objektiv verdeckt ist. Übrigens: Wir haben an dem Tag Entfernungen zwischen SU-800 und den angesteuerten Blitzen von bis zu 15 Metern getestet und hatten trotz Sonnenscheins (der tendenziell bei Infrarot-Steuerung gefährlich ist, wenn der Empfänger zu sehr im Licht ist) kaum Probleme. Somit zeigt sich das AWL von Nikon durchaus auch im Outdoor-Betrieb als praxisgerechte Lösung!

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Um zu zeigen, was bei einem solchen Aufbau rumkommen kann, habe ich exemplarisch die untenstehende Aufnahme rausgesucht, da sie ziemlich gut die vorherrschenden Lichtverhältnisse aufzeigt (siehe Schattenverlauf des Baumes). Ohne Blitzaufhellung wäre das Ergebnis nicht halb so interessant geworden. Übrigens: Bei dieser Aufnahme kam übrigens der Reflexschirm zum Einsatz, den Ihr oben im Aufbau seht – er sorgt für eine weichere Ausleuchtung, so dass so ein Ding eigentlich immer in Eurer Tasche sein sollte.

sabrina_fertig
– click on image to enlarge –

Und hier noch eine zweite Variante… natürlicher in der Retusche!

sabrina_fertig
– click on image to enlarge –

So das war’s für heute! Demnächst geht’s weiter …

lg Andreas

EDIT: Der Adapter um 3 Blitze an ein Stativ zu schnallen heißt TRIFLASH Adapter von LASTOLITE!

Kommentare (18)

18 thoughts on “NIKON CLS JORNS TEIL 6: FP-HIGHSPEEDSYNC

  1. Hi Andreas,

    danke für den Beitrag, kannst du vlt. noch schreiben wo du den 3fach-Blitzhalter gekauft/bestellt hast? Ich suche sowas nämlich schon länger und habe noch keinen Shop gefunden…

    vg Sebastian

  2. Danke für diesen Artikel.

    Kann es sein, das irgendetwas mit dem letzten Beispielbild nicht stimmt ?

    Zuerst einmal hat es wenig „Struktur“, die Haut wenig Infos.

    Komprimierung ?!

    Farben,Schärfe wirken merkwürdig -> eventuell Farbfolie benutzen ? .

    LG

    Andreas

  3. Ups. was vergessen……..

    Interessant wäre auch ein Vergleich drei Aufsteckblitze zu lediglich einem Blitz gewesen, da es ja nur 1/3 Blende ausmacht (Iso rauf).

    LG

    Andreas

    1. Du kannst mit den ISOs nicht rauf… Dann wird ja auch das Umgebungslicht stärker und es geht ja gerade drum, dass es eher weniger wird…
      Du brauchst also die Leistung!

  4. Ja natürlich, das mt den Iso’s vergiss mal schnell wieder.

    Trotzdem müßte es doch mit einem Aufsteckblitz funzen ?!

    Zur Bildquali selbst gab’s leider keinen Kommentar ?!

    Gruß

    Andreas

    1. Also es ginge auch mit einem Blitz, dann aber müsste man richtig richtig nahe ran!!! Und nen Schirm könnte man auch vergessen.
      Zum Thema Bildqualität sag ich nix… das Foto ist scharf und so wie es sein soll… Das war ne D3X mit 200 2.0 VR… ich denke viel mehr kann man nicht machen. Bildbearbeitung unterliegt nicht der Kritik. Entweder es gefällt oder eben nicht. Manche Fotos gefallen und manche gefallen eben nicht. Das ist dann eben wirklich eine Frage der Bildbearbeitung. Ob man den Look sommerlich überstrahlt macht, oder eben nicht.
      Ich bitte Andreas einfach mal, dass er uns ein „normales“ Foto zeigen kann. Dann seht ihr, wie es aus der Kamera kommt.

    2. Es ist auch so Andreas, dass wir 3 Blitze nutzen um die Blitze selbst zu schützen und zu schonen. Aufsteckblitze können auch nicht ein Leben lang auf voller Leistung auf FP blitzen. Das ist ja so eine Art dauerleuchten. Wenn Andreas Blitze in der Tasche liegen hat, dann nutzt man sie auch. Selbst wenn jeder Blitz auf halber Leistung nur feuert, dann schont das schon bombastisch. Und so günstig sind die Dinger ja auch nicht.
      Ich würde also immer versuchen die Leistung wirklich auch „aufzuteilen“!

      LG
      Martin

  5. Hi Martin,

    hast ja Recht 🙂

    Will ja nur dazu lernen und war neugierig ob’s nicht auch mit einem funzt.

    Mir ist auch klar, das Andreas sich hier nicht rechtfertigen muß.

    Auch hier basieren meine Fragen nur auf Neugier 🙂

    LG und vielen Dank für deine Antworten und das entegengebrachte Interesse.

    Andreas

    1. Versteh das ja nicht falsch… sonst bin ich böse… 🙂 Ich finde deine Fragen prima!!! DARUM GEHT ES!!! Nur weiter… du stellst ehrliche und direkte Fragen und wir geben direkte und ehrliche Antworten…

  6. Hallo Namensvetter! Martin hat’s ja mittlerweile schön beschrieben. Wir haben jetzt noch mal ein anderes Ergebnis-Foto eingestellt, das wenig bis gar nicht bearbeitet wurde, so dass man den Effekt des Blitzens besser sieht bzw. eben nicht sieht (das ist ja ein wenig die Kunst, dass es nicht zu unnatürlich aussieht – insofern war Deine Anmerkung durchaus berechtigt). Die verschiedenen Bearbeitungen haben alle ihre Berechtigung und insofern taugen jetzt die beiden verschiedenen Ergebnisse auch mal dazu, sich anzuschauen, was man mit dem Ausgangsmaterial so anstellen kann … 😀

    lg Andreas

  7. Warum gibt es an meiner Kamera (D300) zwei FP Zeiten,

    1/250s FP und 1/320s FP.

    Ich konnte bisher keinen Effekt feststellen.

    Da man ja bei FP mit jeder Belichtungszeit fotografieren kann, würde mich interessieren warum ich hier 2 Einstellungen habe.

  8. Ich frage mich, wo ihr die Sonne hernehmt? Bei uns im Osten der Republik hat sich dieses gelbe etwas schon seit 14 Tagen nicht mehr blicken lassen. Sonne in das Gesicht des Models, so schreibt ihr, wäre eine netzhautablösende Maßnahme. Hätte man statt der 3 Blitze einen Reflektor verwendet, wäre ja das gleich passiert, oder? Sunbounce rühmt sich ja damit, Licht fast ohne Verlust zurückzuwerfen. Umso mehr interessiert mich gerade zu diesem Beitrag hier natürlich im Vergleich die Malle-Videos über die Reflektoren *zaunpfahl_wink*.

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob ihr die Blitze wirklich schont, wenn ihr sie mit „weniger Leistung“ zündet. Anders als bei Studioblitzen wird beim Aufsteckblitz die Stärke ja über die Abbrenndauer geregelt (deswegen gibt es auch kein „abblitzen“, wenn man die Stärke niedriger einstellt). Also bei 1/64 Leistung brennt der Blitz meinetwegen nur 1/20.000s, während er bei 1/1 Leistung 1/500s strahlt. Die Möglichkeit, mit den einmal geladenen Kondensatoren mehrfach zu blitzen, verleitet einen vielleicht zur häufigeren Auslösung? Ob die kürzere Abbrenndauer nun besser oder schädlicher für den Blitz ist, kann ich aber nicht beantworten. Ein Auto nur Kurzstrecke zu fahren ist ja auch schädlicher als Langstrecke. Wäre zumindest mal ein interessanter Feldversuch, ob die Leistungsregulierung am Blitz wirklich schonender ist.

  9. Hallo AJ,

    hallo Leute !

    Aaah jetzt ist alles klar.Danke für das zweite Bild!

    Dabei ward ihr aber ein wenig unfair – oder ? Das Mädel steht im Schatten 😉

    Übrigens :

    Ein oller SB 25 mit BeautyDish, Blende 4,Iso 200, 1/125, bedeckter Himmel

    http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/902893/display/17299342

    LG

    Andreas

    PS Die Freistellung des 200 2,8 ist ja brutal 🙂

    Wenn ich mal ’n Wunsch frei hab dann darf es das ruhig sein 🙂

  10. @Kai: Gute Frage! 😀

    Das ist allgemein ein kleines Mysterium, weil Nikon dies nur sehr schlecht dokumentiert (aus welchen Gründen auch immer). Die D300 kann im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin D200 mit einer „normalen“ Blitzsynchronzeit von 1/320s betrieben werden. Wenn man im Menu „1/320 FP“ auswählt, beginnt die Highspeed-Synchronisation erst bei 1/400s. Wählt man „1/250 FP“, beginnt Highspeed-Blitzen bereits bei 1/320s! Da die schnellere Zeit bei „normaler“ Synchronisation in bestimmten Situationen etwas unzuverlässig sein kann, besteht die Möglichkeit, den konservativen Weg zu beschreiten.

    Übrigens: Man kann gar nicht oft genug betonen, dass die meisten aktuellen DSLR von Nikon das „Auto FP Sync“ beherrschen! Was das bedeutet? Bei Festlegung der Blitzsynchronisationszeit im Menu auf 1/250 FP bzw. 1/320 FP regelt die Kamera bis zu diesem Wert (also alle was langsamer gleich diesem Wert ist) die „normale“ Blitzzsynchronisationszeit – erst darüber switcht sie automatisch (!) in die FP-Sync! Man kann daher getrost „1/250s FP“ als Standardwert im Menu einstellen und braucht sich nie wieder einen Kopp zu machen! (gilt für die „neueren“ Cams wie D300, D90, D5000, D3, D3x)

    lg Andreas

    @Tyndal: Alles wird gut … ich bin sicher, die Sonne ist auch bald bei Dir … 😉

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