28.5.2009    18

NIKON CLS JORNS TEIL 4: AWL – MUTTER DER KREATIVITÄT

28. Mai 2009 | Nikon CLS

ANDREAS JORNS

 


KURZE INFO: Andreas und Martin werden das Wochenende in Pirmasens sein. Bei den Pirmasenser Fototagen. Beide halten dort einen Workshop am Samstag zur Fotografie mit Aufsteckblitzen und am Sonntag könnte ihr euch noch einen kostenlosen Vortrag von Martin zum Thema ETTL reinziehen. Ja, es ist Canon… aber es gehört hier trotzdem hin :-)… Der Termin des Vortrages auf der Hauptbühne von Martin wird hier morgen noch bekannt gegeben… wo und wann und wie :-)… So… viel Spaß beim NIKON CLS!!!

 


Kernstück des CLS von Nikon ist das kabellose Blitzen (AWL = advanced wirless lighting) mit mehreren Blitzgeräten. Nikon bietet bei seinen aktuellen DSLR (altersmäßig etwa ab D70/D2) und bei der analogen F6 die Möglichkeit der drahtlosen Blitzsteuerung mit Systemblitzen (das Ganze funktioniert sogar mit einigen Kompaktkameras der Coolpix-Reihe, aber das würde hier den Rahmen sprengen).

 

blog-handball-mo-087_c

 

Da „Remote-Blitzen“ ferngesteuertes Blitzen bedeutet, benötigen wir einen der steuert (Master) und mindestens einen, der ausführt (Slave). Wer oder was aber eignet sich zum Steuern? Und hier wird’s tricky … Auch wenn alle aktuellen Blitzgeräte das Nikon CLS unterstützen, eignen sich nicht alle für die Steuerung beim AWL! So ist der beliebte SB-600 zwar AWL-tauglich, kann aber nicht als Master eingesetzt werden (nur als Slave)! Der kleine und relativ neue SB-400 unterstützt das AWL überhaupt nicht – weder als Master noch als Slave! Und der SB-R200 wiederum fungiert beim AWL nur als Slave (was aber aufgrund seiner Positionierung als Makroblitz auch nicht weiter Wunder nimmt). Übrigens: Bevor Ihr die Einstellung „Slave“ an den Blitzgeräten sucht: Die gibt es nicht! Nikon nennt sie stattdessen „Remote“.

Wer hat das Zeug zum „Master“?

Nachdem wir jetzt geklärt hätten, wer alles nicht alles Master in Frage kommt, lösen wir nachfolgend auf, welche Geräte diese wichtige Funktion beim AWL einnehmen (und immer dran denken: ohne einen Master funktioniert der schönste Aufbau nichts …): Von der externen Blitzgeräten sind dies lediglich der SB-900 und sein Vorgänger SB-800 (der Gerüchten zufolge übrigens in Kürze bei Nikon ausgelistet wird!). Neben diesen beiden Blitzen taugt der Infrarotsender SU-800 als Master (was nicht weiter verwundert, da dies streng genommen seine einzige Funktion ist). Wer keines dieser beiden Blitzgeräte bzw. den Infrarotsender besitzt, muss aber nicht verzagen – zumindest solange er nicht lediglich einen Profi-Body der D2- und D3-Reihe besitzt … 😉 Alle anderen DSLR >D70* besitzen nämlich einen eingebauten Blitz, der häufig ein wenig unterschätzt wird, beim AWL aber so richtig sein Stärken ausspielen kann … er ist nämlich Master-fähig!

*Alle DSLR <D70 (und hier ist tatsächlich die Typenbezeichnung gemeint!) müssen leider draussen bleiben – sie unterstützen trotz eingebautem Blitz keine Mastersteuerung! Dies gilt somit für die D40(x), D50 und D60. Die D70(s) ist zudem nur eingeschränkt nutzbar (Einzelheiten auf Anfrage – führt hier zu weit).

blog-handball-0011

Kommunikation ist alles …

Wenn wir jetzt also wissen, dass der Master andere Blitze (Slaves) drahtlos steuern kann, stellt sich zunächst die Frage, wie das technisch funktioniert? Basieren tut die Steuerung auf einem Infrarot-Signal, das der Master an die Slaves sendet (die Slaves haben zu diesem Zweck einen Infrarot-Empfänger neben der Batterieklappe). Übrigens: Da der Meister immer Sichtkontakt zu seinen Sklaven haben will (soviel schon einmal vorab: dies ist die größten systembedingte Schwäche des infrarotgestützen AWL), sollte man immer darauf achten, dass man die teilehmenden Blitze sauber aufeinander ausrichtet! Zu diesem Zweck muss man öfter auch einmal den Reflektor um 180° schwenken (siehe Beispielbild auf der rechten Seite).

Für alle, die wissen wollen, wie so eine Kommunikation abläuft, hier mal die Kurzform:

  • Master an G1-Slaves: „Steuerimpuls für Testblitze!“
  • G1-Slaves an Master: „Blitz“ (sehr geringe Leistung)
  • Master an G2-Slaves: „Steuerimpuls für Testblitze!“
  • G2-Slaves an Master: „Blitz“ (sehr geringe Leistung)
  • Master an G3-Slaves: „Steuerimpuls für Testblitze!“
  • G3-Slaves an Master: „Blitz“ (sehr geringe Leistung)Auswertung durch Master
  • Master an alles Slaves: „Einstellungsdaten“
  • Master an Kamera: „Fertig!“Kamera klappt Spiegel hoch, öffnet Verschluss
  • Master an alle Slaves: „Startimpuls für Blitz“Master und Slaves zünden mit den voreingestellten BlitzleistungenKamera schließt Verschluss

Noch irgendjemand, den das an Otto erinnert hat …? [„Kleinhirn an Grosshirn“]

Für die Physiker und Ingenieure unter Euch gibt’s hier eine interessante Abhandlung zum iTTL-Blitzprotokoll. Wohl bekommt’s … 😀

Der eine „Hü“, der an andere „Hott“ …!

Die obenstehende Kommunikation hat übrigens schon einen wichtigen Punkt vorweg genommen, den es noch zu (er-)klären gibt: Wie kann man die verschiedenen Blitzgeräte bei einem Aufbau unabhängig voneinander regeln? Wenn man schon mehrere Blitzgeräte an einem Set einsetzt, will man die in aller Regel ja nicht mit gleicher Leistung betreiben; die Ergebnisse wären – vorsichtig formuliert – eher mittelspannend. Eine typische Ausleuchtung bei Beautyshots ist ein Blitz frontal von oben und eines zur Aufhellung (!) von unten – der Blitz von unten hat dabei in aller Regel eine Leistung von ca. 50% des Hauptblitzes, da er ja nur aufhellen soll. Heerscharen von Professionals arbeiten mit diesem relativ schlichten Aufbau. Wie löst man diese Aufgabenstellung mit dem CLS von Nikon?

Hier kommen die Begriffe Kanäle und Gruppen in’s Spiel! Damit sich der Master überhaupt mit seinem Slave versteht (und/oder umgekehrt) müssen beide sinnbildlich auf einer Wellenlänge funken. Ersetze „Funk“ durch Infrarot und Wellenlänge durch Kanal und schon wisst Ihr, was es mit den Kanälen auf sich hat. Master und Slave(s) müssen auf den gleichen Kanal eingestellt sein – sonst funzt nix! Nikon bietet hierfür 4 Kanäle zur Auswahl und hat diese mit Nummern belegt (1-4). Der Nutzwert der Kanäle ist zunächst vielleicht nicht ganz klar. Bis man zum ersten Mal (z.B. bei Workshops) an nebeneinanderliegenden Sets fotografiert … 😉 Wenn an beiden Sets der gleiche Kanal genutzt wird, kann’s schon mal lustig werden (das ist im übrigen nichts anderes als bei Studioblitzgeräten, die in der Regel über drei verschiedene Kanäle verfügen).

Viel wichtiger als die Kanäle sind beim CLS die „Gruppen“ für ein gutes Gelingen wie im vorletzten Absatz beschrieben! Sobald ich die beiden Blitze (Haupt- und Aufhelllicht) in unterschiedliche Gruppen packe, kann ich sie bezüglich der Leistung auch unterschiedlich steuern – und zwar alles vom Master aus (merke: Slaves werden nach dem Aufstellen nicht mehr angefasst!). Nikon bietet drei Gruppen und hat hierfür – da die Zahlen bereits für die Kanäle vergeben waren – Buchstaben vorgesehen (A/B/C). Natürlich können jeder einzelnen Gruppe mehrere Blitze zugeordnet werden – so packt man z.B. bei einer Lichtzange beide Blitze in eine Gruppe, da sie sowieso mit den gleichen Werten versehen werden.

blog-handball-mo-001_c

blog-handball-mo-002_c

Gruppeneinstellung beim SB-800 (oben) und SB-900 (unten)

Jetzt, wo wir den beiden Slaves (Remotes) unterschiedliche Gruppen zugeordnet haben, können wir auch unterschiedliche Einstellungen bzgl. der Blitzpower vornehmen. Im untenstehenden Bild anhand eines SU-800 exemplarisch dargestellt. Sämtliche Blitzgeräte der Gruppe B erhalten eine Blende mehr Belichtung als die Blitzgeräte in Gruppe A.

blog-handball-mo-003_c

Das Thema AWL hat eine ungeheure Komplexität, so dass es unmöglich auch nur rudimentär in einem Beitrag abzuhandeln wäre. Daher mache ich hier erst mal einen Cut und erzähle nächste Woche, was es sonst alles für praktische Einstellungsmöglichkeiten beim AWL gibt. Aber auch auf Probleme und Einschränken des CLS/AWL werde ich eingehen und wie man diese zumindest teilweise umgehen kann.

Bis dahin wünsche ich allzeit „gut Licht“ – Ihr habt es selbst in der Hand … 😀

lg Andreas

Kommentare (18)

18 thoughts on “NIKON CLS JORNS TEIL 4: AWL – MUTTER DER KREATIVITÄT

  1. Hey vielen Dank für die super Darstellung, das ist super hilfreich!!! Ich weiß nicht, ob du es sowieso vor hast, aber ich hätte noch den Wunsch, ob du nicht auf Funkgesteuerte Lösungen im CLS eingehen könntest (kann man mit radiopopper bzw. pocketwizard ein zuverlässiges AWL hinkriegen?)

  2. Funkgesteuerte Lösungen kommen zum Abschluss der Reihe – kann noch dauern, wird aber sicher interessant. Problem bei den bisherigen funkgesteuerten Lösungen ist der Umstand, dass die beteiligten Blitze dann wieder „dumm“ sind (analog Studioblitze). Mit den Radiopoppers (die hoffentlich bald auch in D verfügbar sind) kann man endlich auch per Funk die kompletten Vorzüge des CLS ausspielen …

  3. Hi Andreas!

    ….der hier passt wie Faust auf’s Auge “ Noch irgendjemand, den das an Otto erinnert hat …? “ 😉

    Ich benutze das Nikonische CLS System zwar schon lange, aber als kleine Anregung lese ich es immer mit. 😀

    Ich vermisse allerdings das fertige Foto zum obigen „Making off Shoot“ ….bin halt Neugierig. 😉

    LG Frank

  4. Hallo Frank!

    Vielen Dank! Das Endergebnis hatten wir für einen anderen Beitrag vorgesehen, der sich mit dem CLS @Hallensport widmet. Bitte hab ein wenig Geduld … 😉

    lg Andreas

  5. hallo Andreas,

    hast Du mal einen link oder kannst etwas zu den „radiopoppers“ sagen? das klingt ja wirklich interessant.

    lg

    hans

  6. hab ne frage:

    kann man mit dem sb-26 den sb-600 auslösen?

    ich habe beide blitze und bekomme das irgendwie nicht hin ….

  7. Ok, das Infrarot Gerücht hält sich wohl noch ewig….

    Alle Slaves werden über Vorblitze angesteuert – bei Sonnenlicht ist deshalb eine akkurate Ausrichtung der Slaves zum Master notwendig.

    Ich hoffe noch auf eine bezahlbare Ettl – Funk – Lösung 🙂

    Momentan bleibt nur die Funkauslösung per manuellem Modus

    VG Michael

  8. Freut Euch nicht zu früh. Die Radiopoppers JrX unterstützen kein CLS/AWL, sondern nutzen das einfache, analoge TTL zum Steuern der Blitzleuchtzeiten – das ist per Funk nämlich wesentlich einfacher zu implementieren als das komplexe AWL-Protokoll – soll ja auch in Echtzeit gehen, und da hat Funk gegenüber Licht leider so gewisse Timingprobleme.

    Analoges TTL bedeutet, daß reine iTTL-Blitze nicht gehen, also SB-900 ist draußen, dafür lassen sich alle billigen analogen Blitze für Nikon TTL (also auch die Metz-Modelle mit dem alten SCA300) einsetzen.

    Nur: Wegen den Frequenzen mal wieder vorerst nicht in Europa …

    E-TTL per Funk dagegen gibts schon, Pocketwizard FlexTTL. Bezahlbar ist was Anderes …

  9. @manne: das geht so nicht. Der SB-600 kann nur AWL, hat aber keinen einfachen Slavemodus, und der SB-26 ist ein Blitz für analoges TTL. Umgekehrt würde es gehen, da der SB-26 ja eine Slavezelle hat. Wird aber problematisch, da diese keine Vorblitze ignorieren kann, somit geht eine Zündung nur im manuellen Modus des SB-600, nicht aber wenn dieser per iTTL angesteuert wird.

  10. Hab gehört die Nikon D700 ist gar nicht infrarot fähig.

    Also zünden die slave blitze bei der d700(als master geschalten) erst wenn der master selbst auslöst ?!

    Denn die beschriebene kommunikation findet ja nicht statt ?!

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Anzeigen