17.5.2009    15

NIKON CLS JORNS TEIL 3: DIE LEITZAHL

17. Mai 2009 | Nikon CLS


 

KURZE INFO: Andreas ist gerade in den Staaten und lässt es sich hoffentlich richtig gut gehen… 🙂 Das bedeutet, dass der nächste Beitrag leider erst Ende nächster Woche kommt. 🙁 Aber nicht traurig sein, er kommt bestimmt.

 


 

ANDREAS JORNS

Interessanterweise ist die Leitzahl als Kriterium für den Kauf eines Blitzgerätes in den letzten Jahren aus dem Fokus geraten, was auch daran liegt, dass die modernen Automatiken die umständlichen Rechnereien mit Leitzahlen, Blenden und Reichweiten fast überflüssig gemacht haben. Trotzdem kann es nicht schaden, sich noch mal die Zusammenhänge vor Augen zu führen. Ihr werdet unweigerlich in Situationen kommen, wo Euch dieses Wissen hilft, die ein oder andere knifflige Situation besser zu meistern …!

Die Leitzahl eines Blitzgerätes gibt Auskunft über die Blitzleistung eines Gerätes und wäre ein prima Vergleichsmöglichkeit bei der Betrachtung unterschiedlicher Blitzgeräte, wenn die Hersteller heutzutage nicht ziemlich kreativ wären bei der Definition der Leitzahl … 😉

Früher war der Wert einer Leitzahl normiert; d.h. er war stets bezogen auf ISO 100 und eine Brennweite von 50mm. Heute geben die meisten Hersteller den Wert für eine Brennweite von 85mm oder noch länger an, was natürlich eine grobe Verfälschung ist, da durch die Bündelung des Lichts im Telebereich eine grössere Reichweite erzielt wird (übrigens geht Nikon genau den anderen Weg und untertreibt bei der Leitzahl-Angabe, da sie aus unerfindlichen Gründen auf eine Brennweite von 35mm bezogen ist …). Reichweite ist dann auch schon das Stichwort für den praktischen Nutzen der Leitzahl. Mit ihr kann man die Reichweite einer Blitzlichtausleuchtung errechnen – und zwar in Abhängigkeit von der verwendeten Blendeneinstellung. Je grösser die Blende (= je kleiner der Blendenwert), desto grösser die Blitzreichweite. Die praktische Formel: Blitzreichweite = Leitzahl : (geteilt durch) Blendenwert. Die maximale Reichweite ergibt sich also durch die einfache mathematische Teilung der Leitzahl durch die zu verwendende Blende.

Wenn man jetzt die Leitzahlen der Nikon-Blitzgeräte wüsste, könnte man sich schon im Vorfeld überlegen, ob es gelingt, die komplette Kirche beim nächsten Hochzeits-Shooting auszuleuchten. Ich habe mir jetzt mal die Mühe gemacht und die Daten zusammenzutragen – und zwar nach der guten alten Methode auf Basis von ISO100 und 50mm Brennweite:

SB 600 LZ 36 (mit dem SB600 komme ich also bei Blende 5.6 genau 6,42m weit)

SB 800 LZ 44

SB 900 LZ 40

SB 400 LZ 21*

*Besonderheit: gilt für die feste Brennweite 27mm – der SB 400 hat keinen Zoom-Reflektor

Jetzt staunt der Laie und der Fachmann wundert sich … Das neue Flaggschiff von Nikon hat also eine geringere Leitzahl als der Vorgänger SB 800? Ja, dem ist tatsächlich so, allerdings überkompensiert der SB 900 diese Tatsache damit, dass er bis zu einer Brennweite von 200mm zoomen kann (der SB 800 hört bei 105mm auf). Somit hat er trotz der geringeren Leitzahl eine höhere Reichweite …! Übrigens: Falls Ihr mal in die Situation kommt, wo Ihr es um’s Verrecken nicht schafft, den Blitz zu einer anderen Zoomstufe zu bewegen und das Ding beharrlich auf der Zoomposition 17mm stehenbleibt …: Nehmt mal die Streulichtscheibe vor dem Reflektor weg – dann klappt’s auch mit dem Nachbarn … ;-))

p1010495_web

Wo man früher noch mühsam mit Schiebelehre, Papier und Bleistift rechnen musste, tut’s heute der Blick auf’s Display: Blende, Brennweite und die daraus abgeleitete Reichweite des Blitzes. Komfortabler geht’s nicht mehr!

Um unsere Frage nach der Kirchenausleuchung zu beantworten: Der SB 900 hat mit Normalbrennweite und Blende 2 eine Reichweite von 20 Metern (LZ40 : f2 = Reichweite 20m) . Da man bei dieser Art von Aufnahme jedoch eher im Weitwinkelbereich fotografiert und stärker abblendet, fällt das Ganze deutlich unspektakulärer aus. So beträgt die Leitzahl des SB 900 bei einer Brennweite von 20mm nur noch kümmerliche 24. Blendet man zwecks Schärfentiefe dann noch auf Blende 8 ab, reduziert sich die Reichweite auf gerade mal 3 Meter! War wohl nix mit Kirchenausleuchung … 😉 Okay, jetzt kann man noch an der ISO-Schraube drehen, denn wir haben ja gelernt, dass die hier angegebenen Leitzahlen auf ISO 100 normiert sind. Bei jeder Verdopplung gewinnen wir Reichweite mit dem Faktor 1,4. Bei ISO 200 hätten wir also eine Reichweite von 4,20m. Bei ISO 3.200 sind’s immerhin schon 16m.

Ein anderes Beispiel, auch zur Hochzeitsfotografie. Ihr steht vor der Kirche, knallige Sonne, Blende 14 ist eingestellt und das Brautpaar ist ca. 6 Meter weit weg. Ihr schaut auf die Anzeige im Blitz und seht direkt, dass der Blitz bei euren Einstellungen nur 4 Meter weit kommt. Also müsst ihr garnicht versuchen zu knipsen. Ihr wisst sofort, dass ihr näher heran müsst. Der Blitz ist sozusagen euer automatischer Taschenrechner.

sb900

Für das Thema Leitzahl gilt grundsätzlich: Man kann nie genug davon haben oder: Viel bringt viel! Und das nicht nur, weil man regelmäßig in die Verlegenheit käme, riesige Kirchenschiffe auszuleuchten. Was vielen nicht bewusst ist, ist die Tatsache, dass die verschiedenen Lichtformer, die es mittlerweile für Aufsteckblitze gibt, unheimlich viel Power schlucken. Und sind wir mal ehrlich: Ohne die Nutzung der Lichtformer ist das Thema Lichtsetzung nur halb so sexy! Zwei einfache Lichtformer sind bereits im Lieferumfang bei den Nikon-Blitzen dabei: Da ist zum einen die Streulichtscheibe, die man zusammen mit der weißen Reflexkarte am Kopf ausziehen kann und der Joghurtbecher, wie ich ihn nenne. Beide sorgen dafür, dass das Licht deutlich gestreut wird und weicher wirkt. Und bereits diese beiden kleinen unschuldigen Dinger nehmen schon richtig Leistung weg von unserem Blitz (allein schon aufgrund der Tatsache, dass der Zoomreflektor bei deren Verwendung auf eine Brennweite von 14mm zurückfährt!). Logisch, dass das bei Verwendung von Reflexschirmen und Softboxen noch gravierender der Fall ist. Dazu aber später mehr, wenn wir das Thema Lichtformer für Aufsteckblitze näher beleuchten (sic!).

Bis die Tage!

lg Andreas

Kommentare (15)

15 thoughts on “NIKON CLS JORNS TEIL 3: DIE LEITZAHL

  1. Das Durcheinander bei den Leitzahlen ist wirklich nicht schön. Vergleicht man dann auch internationale Blitze miteinander kommt neben der Reflektorstellung noch die Maßeinheit dazu – Fuß oder Meter? Ein Blitz mit 60er Leitzahl hat dann plötzlich doch nur eine 20er Leitzahl, weil sich die 60er Messung auf Fuß bezogen hat. Hat man schlußendlich alles auf ein einheitliches Maß gerechnet, steht noch die „Euro pro Leitzahl“ Rechnung ins Haus. Eine Zahl, die man besser nicht mit Studioblitzanlagen verlgeichen sollte 😉

    Begrüßenswert wäre eine einheitliche Bezeichnung aller Blitze – denn Wattsekunden sind immernoch aussagekräftiger als Leitzahlen bei unterschiedlichen Reflektorstellungen.

    Was mir bei den preisintensiven Systemblitzen auch ein völliges Rätsel ist: Mein Autofokus piepst mich an, wenn er scharfgestellt hat. Mein Blitz schweigt beharrlich, wenn er die eingestellte Leistung aufgeladen hat. Wir essen Spinat mit dem „Blubb“ und kaufen Blitze ohne „Piep“… eigentlich traurig. Kennt irgendwer den Grund dafür?

  2. Vielen Dank für den wirklich interessanten Artikel!

    Ich habe mich schon ziemlich lange gewundert, wieso Nikonblitze im Vergleich zur Konkurrenz so „miese“ LZ haben.

    ich bin auf die nachfolgenden Artikel zum CLS gespannt =)

    Gruß

    J-C

  3. Eine super Artikel-Serie zum Thema CLS – freue mich auf schon auf die nächsten Teile 🙂

    Nach dem Studium der ersten 3 Teile stellen sich mir nun aber folgende Frage

    – Kann ich mit meiner D200 im Commander Modus den SU-800 komplett ersetzen (abgesehen von der max Anzahl Gruppen) oder bleiben Einschränkungen?

  4. Nochwas: Wenn man die Leuchtzeiten der manuellen Teilstufen von Nikon und zB Metz vergleicht, könnte man glauben, daß ein Metz-Blitz für die gleiche Lichtmenge länger leuchten muß als ein Nikonblitz – das ist nicht der Fall. Diese unterschiedlichen Zeiten kommen nur durch unterschiedliche Meßverfahren zustande. Während bei Metz nach der 10%-Methode gemessen wird, nimmt man in Japan gerne die 50%-Methode.

  5. Betrifft Joghurtbecher.

    Auch mit dem Becher zoomt der SB 900. Getestet: Remote einstellung, Becher drauf so dass die Aussparung den Sensor auf dem Blitz nicht verdeckt.(Nikon Schriftzug auf dem Kopf)also verkehrt herum, Zomm gedrückt und siehe da Zoom Von 14 – 200 mm

    Funkt auch auf der Kamera.

    Gruss Rene

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