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NIKON CLS LUDOLPH TEIL 6: FP – WENNS MAL SCHNELLER SEIN MUSS

25. Oktober 2011 | Nikon CLS

Patrick Ludolph

Heute geht es im Rahmen der Nikon-CLS-Reihe um das Thema Kurzzeitsynchronisation. Diese ist auf der einen Seite eine grosse Hilfe, da das Thema Blitzsynchronzeit keine Rolle mehr spielt. Andererseits kostet sie aber auch unheimlich viel Leistung und muss daher mit Bedacht eingesetzt werden.

Blitzsynchronzeit

Viele von Euch werden wissen, was die Blitzsynchronzeit. Da diese die Grundlage für das heutige Thema ist, will ich aber noch einmal etwas ausholen.

Blitze feuern ihre Leistung in unheimlich kurzer Zeit ab. Diese Zeit variiert je nach Blitz, liegt aber oft im Bereich von 1/1000 – 1/10.000 Sekunde. Aufsteckblitze sind meistens schneller als Studioblitze und je nach abgegebener Leistung variiert die Geschwindigkeit ebenfalls. Aber nehmen wie einfach mal an unser Blitz feuert seine Leistung in 1/5000 Sekunde ab. Das ist im Normalfall deutlich kürzer als unsere Belichtungszeit. Eine Belichtungszeit von 1/250 Sek ist im Vergleich zu 1/5000 nahezu lachhaft langsam.

Das hat zur Folge, dass beim Auslösen folgendes passiert:

  1. Verschluss geht auf
  2. Blitz wird abgefeuert
  3. Verschluss geht zu

Je nach Einstellung wird der Blitz irgendwann in der endlos langen Zeit abgefeuert während der Verschluss komplett geöffnet.

Der Schlitzverschluss

Nun kommt die Bauart das Verschlusses unserer DSLR ins Spiel. Die digitalen Spiegelreflexkameras mit denen die meisten von uns fotografieren haben einen sog. Schlitzverschluss. Dieser hat zwei Vorhänge. Einen oben und einen unten. In der Ruhestellung vor der Auslösung ist der erste Vorhang geschlossen und hängt wie eine schwarze Gardine vor dem Sensor. Drückt man ab, so geht der obere Vorhang nach oben und gibt das Licht frei, kurze Zeit später geht der untere Vorhang auch nach oben und macht wieder dicht.

Was wäre wenn man nur einen Vorhang hätte? Dieser würde nach oben auf gehen und nach unten wieder zu. Das hätte zur Folge, dass der untere Teil des Sensor länger Licht abbekommt als obere. Um das zu vermeiden gibt es zwei Vorhänge.

Bei längeren Belichtungszeiten geht der erste Vorhang erst ganz auf und irgendwann geht der zweite zu. Je kürzer die Belichtungszeit (oder Verschlusszeit) umso kürzer der Abstand zwischen dem ersten und zweiten Vorhang. Irgendwann ist die Zeit so kurz, dass der zweite Vorhang sich bereits schliesst, bevor der erste komplett auf ist. Dann liegt der Sensor niemals komplett frei, sondern es fährt ein Schlitz darüber.

Feuert man nun den Blitz ab während nur ein Schlitz über dem Sensor geöffnet ist, so bekommt man ein Bild, das nur in der Breite des Schlitzes belichtet ist.

Die kürzeste Zeit, bei der der Verschluss noch komplett geöffnet ist und man keinen schwarzen Balken hat, nennt man Blitzsynchronzeit. Die variiert je nach Kamera und Auslösesystem. Meistens liegt sie zwischen 1/160 und 1/250 Sek.

Jetzt kommt die Kurzzeitsynchronisation

Während man bei Studioblitzen mit der Blitzsynchronzeit leben muss und daher die Kamera im manuellen Modus meistens einfach auf diese Zeit fix einstellt, gibt es beim Nikon CLS (und auch bei anderen Herstellern) die sog. Kurzzeitsynchronisation (oder High Speed Synchronisation).

Statt einen einzigen Blitz abzufeuern, der auch nur einen Schlitz belichten würde, schalten die Blitze um auf Dauerfeuer. Während der Schlitz gemächlich über den Sensor wandert feuert der Blitz viele hundert oder tausend (ich weiss ehrlich gesagt nicht wie viele es sind) Einzelblitze ab um die ganze Zeit über den Sensor mit Licht zu befeuern. Genial, oder?

Nun hat der Blitz aber ein Problem. Er muss sich seine Leistung einteilen. Vorher konnte er die komplette Power in einem Blitz ablassen, nun muss seine Leistung auf die vielen kleinen Blitze aufteilen und kann daher auch immer nur einen Bruchteil seiner Leistung abgeben. Das bedeutet, dass man bei der Kurzzeitsynchronisation Leistung einbüßt.

Anfangs klingt es etwas seltsam. Aber je kürzer die Belichtungszeit wird, umso weniger Power hat der Blitz. Das bringt uns wieder in eine ganz besch… Situation. Immer wenn wir die Leistung brauchen, fehlt sie uns. Beispiel: Wenn Ihr draussen bei Sonnenschein fotografiert, habt Ihr tendenziell sehr kurze Belichtungszeiten von 1/1000 – 1/4000 Sekunde. Da die Sonne so hell ist, muss der Blitz ganz schön ackern um dagegen zu halten. Je heller die Sonne, umso kürzer jedoch die Belichtungszeit und umso weniger Leistung wiederum hat der Blitz.

Genau das ist die Stolperfalle. Bei Belichtungszeiten von 1/4000 Sekunden habt Ihr kaum noch Leistung. Denn jedoch braucht man sie. Dumm, oder?

Was tun?

Hilft uns die Kurzzeitsynchronisation also auch mit Verschlusszeiten kürzer als 1/250 Sekunde zu blitzen, müssen wir immer den Leistungsverlust im Hinterkopf behalten. Was kann man tun um mit der Leistung zu haushalten?

  1. Nah ran. Geht mit dem Blitz so nah an Euer Model ran wie es geht. Durch die Verkürzung des Abstandes könnt Ihr enorm Leistung sparen. Bedenke: Halbiert man den Abstand, benötigt man nur noch 1/4 der Leistung.
  2. Blende etwas schliessen. Ich fotografiere gerne mit weit geöffneter Blende. Hin und wieder kann es jedoch hilfreich sein die Blende etwas zu schliessen um so eine längere Belichtungszeit zu provozieren. Hier müsst Ihr etwas spielen.
  3. Zweiten Blitz nehmen. Klingt blöd, ist aber so. Manchmal muss man sich eben seinen Kopf mit Material aus der Schlinge ziehen. Zwei Blitze haben doppelte Leistung. Ist zugegeben nicht die günstigste Lösung, funktioniert aber wunderbar.
  4. Weg mit den Leistungsfressern. Reduziert die Leistungsfresser wo es geht. Aufwändige Lichtformer nehmen Leistung ebenso wie der Joghurtbecher oder wenn Ihr den Reflektor in Weitwinkelstellung bringt.
  5. Graufilter verwenden. Man kann einen Graufilter verwenden um die Belichtungszeit künstlich zu verlängern. Ich habe das mal ausprobiert und in einem Blogpost beschrieben. Das hat etwas über eine Blende gegenüber der Kurzzeitsynchronisation gebracht. Aber ganz ehrlich: Praktikabel ist das auf Dauer nicht.

Einstellung an der Kamera

Die FP-Kurzzeitsynchronisation müsst Ihr in der Kamera aktivieren. Zu finden im Individualmenü unter „Belichtungsreihen & Blitz“. Hier am Beispiel der D700*.

Dort wählt Ihr dann 1/250 mit FP aus.

Ich lasse die Kamera immer auf dieser Einstellung. Liegt die Belichtungszeit unter, bzw. gleich 1/250 Sek so wird keine Kurzzeitsynchronisation verwendet. Darunter wird sie automatisch aktiviert. Ich muss mich also gar nicht mehr darum kümmern und immer nur ein Auge auf die Leistung haben.

Fazit

Die Kurzzeitsynchronisation ist eine feine Sache. Oft genug ist man ja auch gar nicht am Leistungslimit wie in dem beschriebenen Szenario mit der Sonne als Gegenlicht. Dann ist es echt angenehm, dass man sich um die Synchronzeit keinen Kopp machen muss. Im Grunde muss man also immer nur die Leistung im Auge behalten und vielleicht auch mal auf den ein oder anderen schönen Lichtformer verzichten.

Das war’s erst einmal wieder von mir. Bis zum nächsten CLS-Beitrag.

Etwas Eigenwerbung am Rande: Schaut doch mal auf meinem Blog, meinem Portfolio oder meiner Facebook-Page vorbei.

Kommentare (7)

7 thoughts on “NIKON CLS LUDOLPH TEIL 6: FP – WENNS MAL SCHNELLER SEIN MUSS

  1. Man lernt nie aus! Das mit der abnehmenden Leistung bei kürzeren Zeiten wusste ich so noch nicht…

    Habe erst am Wochenende noch mit der Kurzzeitsynchronisation fotografiert und finde das per se ein geiles feature. Danke für die gute Erklärung!

    Peter

  2. Du hast das Problem schön erklärt und auf den Punkt gebracht. Ich persönlich verwende lieber einen leichten Graufilter, dann funktioniert das ganze auch mit Chinablitzen und den Yongnuo Auslösern 😉

    Gruß Volker

  3. Also zwei Blitze verwenden bedeutet nicht gleich doppelte Leistung. Wo habt ihr diese „Weisheit“ denn aufgeschnappt ? Der Faktor liegt bei etwa 1,4 und nicht bei 2,0. Ihr solltet sowas genauer recherchieren.

    1. Hallo Georg, ich glaube das verwechselst du was und da muss ich kurz für Paddy sprechen. Die Wurzel 2 als Faktor ist wichtig bei der Flächenberechnung im Kreis (Objektiv)…

  4. Hallo Georg, der Admin und Paddy liegen richtig. Die Helligkeit wird verdoppelt, aber die Leitzahl erhöht sich nur um den Faktor Wurzel aus 2 also 1,41.

  5. Die kürzeste Synchronzeit bei der der Verschluss komplett offen ist, ist doch bei der D700 die 1/320s und nicht 1/250s.

    Und warum stellst Du Deine D700 so ein, dass ab 1/250s die HSS beginnt (menu e1) obwohl ja auch 1/320s möglich ist (im menu e1 auf 1/320s (FP-Kurzzeit)?

    Du wolltest doch Leistung sparen, blitzen mit 1/320s ohne HSS braucht weniger Leistung als 1/320s mit HSS.

    Die 1/320s ist übrigens die einzigste Verschlusszeit mit der man wahlweise mit oder ohne HSS blitzen kann, je nach Einstellung im menu e1.

    Man sieht auch an der Reichweitenanzeige des SB-900 dass ohne HSS bei 1/320s die Reichweite größer ist als bei 1/320s mit HSS.

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