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NIKON CLS LUDOLPH TEIL 4: FV BLITZMESSWERTSPEICHER – EIN OFT UNTERSCHÄTZTES FEATURE DES CLS

4. Juli 2011 | Nikon CLS

Patrick Ludolph

Moin moin, da viele von Euch nach dem FV Blitzmesswertspeicher gefragt hatten, möchte ich heute darauf näher eingehen und versuchen Euch zu erklären was daran so cool ist.

Um das zu verstehen, muss man sich zunächst noch einmal vor Augen führen wie denn das TTL-System überhaupt arbeitet. Vereinfacht gesagt passiert bei TTL folgendes:

  • Der Blitz feuert einen Messblitz ab
  • Messblitz wird vom Motiv reflektiert
  • Kamera misst das reflektierte Licht und stellt die Stärke des Hauptblitzes ein

Das funktioniert auch weitestgehend sehr gut, solange der Blitz auf das Motiv gerichtet ist, das ich fotografieren möchte.

Ich verschwenke die Kamera jedoch oft beim fotografieren. D.h. ich fokussiere z.B. auf das Auge eines Menschen und verschwenke dann die Kamera um das Auge nicht genau in der Mitte des Bildes zu haben. Was passiert dabei nun? Gehen wir davon aus, dass der Blitz auf der Kamera montiert ist:

  • Kamera fokussiert auf das Auge
  • Kamera und Blitz werden verschwenkt
  • Messblitz wird abgefeuert
  • Da die Kamera verschwenkt wurde, geht der Messblitz an meinem Model vorbei

Je nachdem was sich nun hinter dem Model befindet gibt es unterschiedliche Reaktionen. Ist man Outdoor und der Hintergrund ist weit entfernt, so geht der Blitz ins Leere. Es kommt keine Reflexion zurück. Ist der Hintergrund sehr hell, so regelt die Kamera den Blitz runter, ist er hingegen sehr dunkel so gibt sie volle Leistung.

Die Leistung des Blitzes wird also nicht mehr an meinem Motiv im Vordergrund angepasst, was eine Über- bzw. Unterbelichtung zur Folge hat.

Die Lösung heisst FV Blitzmesswertspeicher

Der Blitzmesswertspeicher ermöglicht es mir die Leistung des Blitzes in dem Moment einzumessen, wo ich mich auch mit dem Fokuspunkt auf meinem Model befinde, also vor dem Verschwenken. Wenn man Kamera und Blitz auf das Motiv gerichtet hat, drückt man einmal den Blitzmesswertspeicher und die Kamera speichert die Blitzleistung ab. Jetzt kann ich die Kamera drehen und wenden wie ich möchte, die abgegebene Blitzleistung bleibt konstant und zwar auf den Wert, den ich zuvor eingemessen habe. Geniales Ding.

Im Sucher der Kamera erscheint ein „L mit Blitz“. Daran erkennt Ihr, dass ein Blitzwert gespeichert ist. Ihr könnt nun munter drauf los knipsen und der Blitz gibt immer konstant seine Leistung ab. Was Ihr nicht tun dürft, ist den Abstand zu Eurem Model zu verändern. Ihr wisst ja was passiert, wenn man den Abstand vergrößert oder verringert, oder? Nicht? Na gut, ich mach’s aber kurz: Wenn Ihr den Abstand verdoppelt, kommt nur noch 1/4 des Lichts im Ziel an. Also solltet Ihr den Abstand möglichst konstant halten.

Dafür dürft Ihr aber Blende, Belichtungszeit und ISO verstellen. Die Kamera passt dann den gespeicherten Wert an, Ihr müsst nicht neu messen.

Der Blitzmesswertspeicher ist wohl die am meisten unterschätzte Funktion des CLS. Ich finde sie jedoch genial, da ich so viel genauer die Leistung bestimmen kann. Dennoch verwende ich die iTTL-Automatik. Das ist ein grosser Vorteil, wenn man mobil sein möchte und mit dem Blitz auf der Kamera arbeitet. Blitzt Ihr entfesselt, so bringt der Blitzmesswertspeicher nicht besonders viel, da Ihr dann üblicherweise den Blitz konstant ausgerichtet lasst. Es macht in dem Fall keinen Unterschied, wenn ich die Kamera verschwenke.

Beispiel

Ich habe im folgenden eine Situation konstruiert, die Ihr einfach nachstellen könnt um den Effekt des Blitzmesswertspeichers einmal auszuprobieren. Ich habe mein Model in einem Raum vor das helle Fenster gestellt. Vordergrund ist also dunkel, Blitz wird benötigt. Dann habe ich ein 35mm Objektiv genommen um einen grösseren Bildausschnitt zu haben. Im ersten Foto habe ich den Speicher nicht verwendet. Einfach iTTL und drauf.

Da der Hintergrund sehr hell ist und der Blitz zum Grossteil ins Leere geschossen hat, denkt die Kamera, dass es hell genug ist und gibt nur wenig Dampf auf den Blitz.

Im zweiten Bild habe ich beim Fokussieren auf die Augen auch den Speicher ausgelöst.

Der Blitz hat sich auf das Gesicht eingemessen und beim eigentlichen Foto die entsprechende Leistung abgegeben. Ist zwar jetzt für mein Empfinden ein bisschen zu viel Leistung, aber grundsätzlich finde ich, dass die Nikon-Blitze eh ein wenig zum Overpowern neigen. Meistens regel ich -0,7EV runter. Hinzu kommt, dass ich auch noch sehr nah am Model stand um den Effekt gut demonstrieren zu können. Ach Ihr wisst schon was ich meine … warum entschuldige ich mich nur für meine schlechten Bilder? 😉

Blitzmesswertspeicher einstellen

Wenn Ihr jetzt angefangen habt die Funktion an Eurem Blitz zu suchen, dann könnt Ihr lange suchen. Ihr müsst den Blitzmesswertspeicher auf eine freie Taste legen. Freie Tasten sind an einer Kamera natürlich Mangelware. Daher habe ich mir ein Kameraprofil „Blitzen“ in meiner D700 erstellt, wo die Tasten für die Arbeit mit dem Blitz anders belegt sind. Leider geht das nicht bei allen Kameras von Nikon, daher muss man sich bei den kleineren Modellen für eine Taste entscheiden und möglicherweise eine Funktion „opfern“.

Also Leute, probiert es einfach mal aus. Ich finde der FV Blitzmesswertspeicher ist eine ganz tolle Geschichte, weil man damit sehr genau das Blitzlicht einmessen kann.

P.S.: Solltet Ihr Martin mal irgendwann live treffen, dann fragt Ihn mal wie dieses Blitzspeicherdingens von Nikon heisst 😉

Bis zum nächsten CLS-Artikel

Kommentare (10)

10 thoughts on “NIKON CLS LUDOLPH TEIL 4: FV BLITZMESSWERTSPEICHER – EIN OFT UNTERSCHÄTZTES FEATURE DES CLS

  1. bin ich ehrlich hab ich noch nie benutzt weil ich kein plan hab für was ^^ muss dazu sagen nutze auch wenig den strobi aufgesteckt eher nur als effektlicht und entfesselt aber dennoch gut zu wissen 🙂

    Was mal noch richtig gut wäre wenn du n paar videos von dir dem Martin zum schneiden schickst die er dann hier postet ich bin total lesefaul ^^

    LG MIKE

  2. Bei Canon ist das soweit ich weiß sehr ähnlich. Allerdings wird sobald ein Blitz auf der Kamera sitzt die Belichtungsspeicherungstaste zur Blitzbelichtungsspeicherungstaste.

    Wobei sich für mich an dieser Stelle die nächste Frage anschließt. Wie zum Teufel kann ich bei Canon mit aufgesetztem Blitz die Belichtung speichern und nicht nur die Blitzbelichtung? Bei Nikon geht das ohne Probleme, da beides getrennt gemacht werden kann.

    Viele Grüße

    Ralph

  3. Ja genauso kenn ich das auch. Wobei ich zusätzlich noch dachte dass wenn ich anfokusse und dann verschwenke die Belichtung auch feststeht. Jedenfalls ändert sich nach dem anfokussieren keine Belichtungszeit mehr im AV Modus zB!

  4. Hi Alex,

    die Belichtung wird beim Verschwenken nach dem fokussieren neu gemessen. Nimm mal einen anderen Messmodus als Mehrfeldmessung, zum Beispiel die Spotmessung. Hier solltest du am besten eine Veränderung der Belichtung feststellen.

    Viele Grüße

    Ralph

  5. @ Ralph

    Bei Nikon kann man einstellen, dass die Belichtung beim fokussieren auch gespeichert wird oder dass sie beim verschwenken neu gemessen wird.

    Geht doch bei Canon bestimmt auch.

    Gruß,

    Max

  6. ja, klar, das geht bei Canon auch, das ist FEL für Flash Exposure Lock, Nikon-Slang wäre präzise gesprochen FV-Lock für Flash Value Lock. Meint alles das gleiche …: Spot-Belichtungsmessung bei Blitzeinsatz (= Blitz-Belichtungsmessung) + anschließender Messwertspeicherung. Sehr empfehlenswert, diese Modi…

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