WIE STARK SIND 1000WATT HALOGEN-DAUERLICHT EFFEKTIV?

23. Dezember 2013 | Lichtführung und setzung, Photoschool

Ich weiß nicht ganz genau ob der Beitrag eher in die Rubrik Technik gehört oder doch hier zur PhotoSchool? 🙂 Aber nachdem wir heute nicht wirklich über ein spezielles Gerät sprechen sondern eher generell über Licht in einer bestimmten Form, so findet dieser Beitrag dann doch den Platz in dieser Subkategorie.

Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass unsere Kameras immer besser werden. Besser in den ISO-Werten als auch durch bessere Optiken vor den Kameras. Aber wir Fotografen scheinen im Fotostudio immer noch im letzten Jahrtausend hängen geblieben sein. Denn irgendwie muss immer ISO100 und f11 fotografiert werden. Optionen? Fehlanzeige scheinbar. Bloß nicht auf ISO200 oder gar 400 und ja nicht mit anderen Blenden im Studio arbeiten.

Und genau in diese Lücke springt das Dauerlicht. Früher wirklich viel zu schwach für Mittelformatkameras oder gar für ISO50 Aufnahmen. Heutzutage aber sprechen wir über andere Verhältnisse in Punkto Technik.

Und genau daher einmal eine wichtige Frage die an dieser Stelle geklärt werden soll. Wie stark ist Dauerlicht eigentlich wirklich? Dieser Frage gehen wir in den nachfolgenden Zeilen auf den Grund. Und zwar wie gewohnt bei uns in praktischer Hinsicht. Wir nehmen eine nutzbare Lichtquelle in einem sinnvollen Abstand.

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In unserem Falle haben wir uns für ein günstiges Dauerlicht in Quarzform entschieden. Das Quarzlicht ist ein Dauerlicht mit 1000Watt Leistung. Es ist eigentlich ein Halogenlicht, auch wenn es Quarzlicht lautet. Dieses Quarzlicht haben wir in 2m Entfernung aufgebaut und mit verschiedenen Lichtformern bestückt. Lichtformer welche sowohl sinnvoll im Einsatz in der Peoplefotografie sind, als auch im Einsatz am Dauerlicht langfristig genutzt werden können.

Dabei wird das Quarzlicht extrem heiß und Lichtformer sind daher entweder aus Vollmetal oder weit genug vom Leuchtmittel entfernt.

So sah also unser Testaufbau aus:

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1. Messung erfolgte mit dem Standard-Reflektor.

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Bei ISO100 und einer 1/250s ergab die Messung einen Wert von beinahe 2.8 (2.0:7) um genau zu sein. Bei ISO200 könnte man hier schon mit einer schönen Arbeitsblende von 4 ins Rennen gehen. Ordentlich aber der Lichtformer ist nicht gerade ideal für Portraits, eher für Modeaufnahmen im Fashionbereich.

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Die 2. Messung war dann ein Beauty-Dish in Silber. Deutlich lichtschluckender aber immernoch praktisch gut einsetzbar.

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In 2 Meter Abstand betrug die Messung bei ISO100 und einer 1/250s eine Arbeitsblende von 1.4. Umgerechnet in einen tauglichen Arbeitswert wären das also bei 1/125s und ISO200 ein Wert von f2.8. Bei ISO400 haben wir schon eine ordentliche Blende von 4 und wenn wir dann noch um 25-30cm näher ans Motiv gehen sind wir bereits bei f5.6

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3. und letzte Messung dann mit einem weißen Durchlichtschirm in 125cm Größe. Der Lichtvergeuder schlechthin, strahlt in alle Richtungen und schluckt wie ein Specht das Licht.

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Um die Messung etwas „schöner“ für das Dauerlicht zu lassen haben wir die Position des Blitzes gelassen. Durch die Tiefe des Schirms selbst rückt die Lichtquelle deutlich näher an den Belichtungsmesser ran. Die Messung wird dadurch also „stärker“ ausfallen.

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Aber auch der Durchlichtschirm überrascht bei einer relativ starken Leistung. Zwar nicht auf den ersten Blick, dafür aber für den geübten und erfahrenen Fotografen. Für die brachiale Größe und das perfide Streuverhalten eines Durchlichtschirms ist ein ISO100, 1/250s f1.0:5 als Ergebnis echt stark.

Das bedeutet ich kann mit ISO400 und einer 1/125s bereits bei f3.5 fotografieren und wenn meine Kamera auch bei ISO800 noch erträglich ist, dann sogar bei f5.0. Man darf dabei nicht vergessen, dass mit diesem Licht supersofte Ganzkörperaufnahmen möglich wären. Und für alle Schärfefanatiker soll gesagt sein, dass ein Dauerlicht oftmals durch das helle Licht beim Fokussieren bereits perfekt fokussierte Ergebnisse liefert.Während das Blitzlicht generell schärfe abbildet, so ist doch der Fokus gerade bei großen Lichtquellen über das schwache Einstelllicht eine mehr oder minder schwere Sache.

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Fazit: Mit diesen drei Messungen kann jeder Leser jetzt selbst entscheiden ob das Licht für seine Zwecke genügt oder ob Leistung extrem fehlt. Egal wie die Entscheidung ausfällt sollte im Hinterkopf behalten werden, dass Dauerlicht eine tolle Lösung für Fotografen ist. Man sieht das Licht, kann produktiv damit arbeiten und es erzeugt einen anderen „Look“. Kann man sich zwar nur schwer vorstellen aber das Licht aus einer Quarzlampe sieht gerade auf menschlicher Haut unglaublich schmeichelhaft aus.

Das Quarzlicht ist für viele der erste Einstieg in die Fotografie mit Dauerlicht. Es macht viele Sachen so einfach wie kein Blitzlicht es könnte. Es hat zwar auch Nachteile wie z.B. die Hitzeentwicklung und die „reduzierte Leistung“ aber es bleibt so sichtbar und handhabbar.

Viele Grüße

Martin & Marc

PS für Techniker: Eine Option zum Walimex Quarzlicht ist übrigens ein 1:1 Bau von Jinbei. Tut uns auf vielen Events tolle Dienste und hat selten nicht das gemacht, was das Gerät sollte. Günstig, mit Abstrichen in der Leistung aber absolut empfehlenswert vom Ergebnis.

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PS für Qualitätsfetischisten: Eine Kleinigkeit noch. Gerade die günstigen Leuchter sind mit einem Drehknopf für die Helligkeit ausgestattet. Dabei kann man die Leistung ruhig darüber regulieren, muss aber im Hinterkopf behalten, dass die Farbtemperatur sich dadurch extrem verändert. Der Hauptgrund warum professionelle Leuchten die Lichtreduzierung über Filter oder mehrere Leuchtmittel im Gerät selbst bewerkstelligen.

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Kommentare (7)

7 thoughts on “WIE STARK SIND 1000WATT HALOGEN-DAUERLICHT EFFEKTIV?

  1. Danke für eure Recherche!!! DL ist ja Immer wieder ein Thema im Studio. Aber dazu eine Frage: Braucht ihr 1/250 oder ist das eure Standardzeit?
    Sonst könnt man bei typischen Portrait Brennweiten ja auch mit 1/125 arbeiten oder sehe ich das falsch. ist ja dann wie „im echten Leben“ 😉
    also mit echtem Licht outdoor.
    Somit würd ich ja ganz bequem auch zu höheren Blenden kommen, sieht euer Ösi hier das richtig?

    LG aus Ösiland

  2. Hallo,

    Ihr sprecht hier nur vom Quarzlicht. Es gibt ja auch diese ganzen Energiesparleuchten, welche die gleiche Leistung bringen und auch nicht so heiß werden. Da gibt es auch was von Walimex.

    Wie sind diese im Vergleich zum Quarzlicht??
    Gruß
    Thorsten

  3. Hallo

    nur mal eine kleine Anmerkung zum Dauerlicht und der Bezeichnung Wattsekunde. 1000 WS sind die äquivalente Lichtmenge
    von 1 Watt 1000 sekunden lang (ca. 20 min) oder 1000 Watt für 1 Sekunde etc..
    das ist einfach die falsche Lichtmengen Angabe.. Besser wäre von Candela und Lux zu sprechen, also der Lichtfluss und Lichtstärke:
    Lichtquelle in http://de.wikipedia.org/wiki/Candela bzw Helligkeit beim Knipsen http://de.wikipedia.org/wiki/Lux_%28Einheit%29. Wenn das ein wenig zu technisch ist dann kann man die Lichtstärke auch einfach mal in Glühlampen / bzw Baustrahler Quarzlampen Angaben in Watt machen.
    Es wäre noch zu erwähnen dass „alle“ quarzlampen aus physikalischen Gründen keine Temperatur von 5000 kelvin erreichen und deswegen stark rotstichig / orange stichig sind. Bei SW Aufnahmen kein Problem, ganz im Gegenteil!
    Macht man Aufnahmen im Schnee ist der Infrarot Anteil sicher sehr angenehm aber wenn man Aufnahmen im Studio macht kann das schwer schweisstreibend sein, weshalb der Trend zu LED Lampen geht.

    10.000 Lux wäre das Maß der Dinge zum Knipsen

  4. Hallo Miteinander

    Wieso geht ihr bei den Unrechnungfn auf die Arbeitsbldnde immer 2Blenden tiefer?
    Gibt das nicht eine Unterbelichtung?

    Danke für eure Abhandlung. Sehr spannend mal so gemessen zu sehen.

    1. Im Gegensatz zu Blitzlicht spielt bei Dauerlicht auch die Belichtungszeit eine Rolle.
      Bei den Angaben wurden jeweils auch die Zeiten verdoppelt.

      Iso × 2, Zeit × 2, Blende zwei Stufen, macht wieder dieselbe Belichtung.

      Roger

  5. Wenn der Belichtungsmesser f2.07 anzeigt, dann ist das bei mir allerdings Blende 2 und nicht „beinahe 2.8“!
    Gruß Jürgen

    1. Ist aber falsch, denn 2.0 und 7/10 ist mehr 2.8 als 2.0. Leider egal ob bei dir oder bei sonst wem, 2.07 heißt 2.0 und 7/10 und das ist eher 2.8.

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