PLANUNG IN DER LICHTFÜHRUNG VOR DEM FOTOGRAFIEREN

14. Januar 2014 | Lichtführung und setzung, Lichtsetups, Photoschool

Wie sagt man so schön? PLANUNG IST DIE HALBE MIETE! Und das gilt besonders für Fotografen. Deshalb kümmern wir uns heute um Planung. Wie genau das dann jeder Fotograf macht, ob digital oder auf Papier, ob nur im Kopf oder fein säuberlich in Schreibschrift auf Linienpapier, das ist dann wirklich sekundär wichtig.

Als Fotograf ist man ENTSCHEIDER. Dauernd muss man irgendwas entscheiden, angefangen bei der eigentlichen Idee bis hin zum MakeUp, dem Outfit, dem Licht, dem Schnitt, der Brennweite, der Blende, dem Look, der Mimik… nur noch Entscheidungen. Und kommt man dann oft zurück vom Fotografieren, dann ist man immer sauer irgendwas nicht gemacht zu haben, etwas nicht probiert zu haben. Das ist normal, ich kenne keinen guten Fotografen der nicht auch so tickt. Zufriedenheit ist wohl das Ende jeglichen Fortschritts.

Wie machen wir als Shooting-Planung? Ganz simpel mit dem Ipad (wir haben übrigens nur ein altes Ipad2!!! und das gibt es gebraucht bei Ebay für nen Appel und nen Ei!) und einem kostenlosen App namens Bamboo Paper von Wacom! Und darüber haben wir auch ein Video bereits gemacht. Schaut es euch mal an, dann können wir auf einem gemeinsamen Level weitersprechen. Wenn ihr das Video schon kennt, dann direkt unten weiter lesen.

Wir nutzen diese App also für Planungen, aber was planen wir damit? Um diese Frage zu beantworten habe ich hier einfach mal ein Praxisbeispiel exportiert. Im Video oben ging es ja auch um Outfits und derlei Dinge. Heute geht es um Licht! Das Beispiel kommt vom OnLocation Shooting in Wuppertal in einer alten Villa und wir haben dort in 2 Shootings über 8 verschiedene Fotos gemacht. Dabei haben wir geplant was das Zeugs hält und ohne jetzt alle Fotos zu erklären möchte ich die Beispiele nutzen um die Arbeitsweise zu verdeutlichen. Zu den Setups und den Bildern werde ich nix weiter sagen.

Planungen:

  1. Spots und Bildideen vor Ort
  2. Reihenfolge der Fotos
  3. Outfits
  4. Probleme, Fehlermöglichkeiten

Das sind die wichtigsten Vorplanungen. Wir brauchen eine Logik beim Fotografieren, müssen wissen was gemacht werden soll und wo unser Augenmerk liegt. Nichts ist Schlimmer als zu viel zu machen und sich nicht zu konzentrieren. Und wie man unten sieht, gibt es auch immer Ideen die man hat, die nicht genommen werden.

Auf der rechten Seite sieht man die Ideen als Stichwort anhand der Location fixiert (z.B. Couch) und nur die Fotos mit den grünen Kreisen wurden überhaupt fotografiert. Wir haben also mehr als die Hälfte der Foto-Ideen garnicht erst angefangen. War einfach keine Zeit und besser 3 Sachen gut machen als alles nur so halb.

wuppertal1_01

Dann geht es auch schon in die nächste Planungsphase. Die Bilder die gleich nachfolgen sind auf der linken Seite die Planungen und auf der rechten Seite gibt es dann Ergebnisse zu sehen. Achtung, nur die linke Hälfte des Bildes entsteht in der App, die rechte Seite haben wir jetzt nachträglich hinzugefügt um zu verdeutlichen wie nahe die Ergebnisse an der Planung liegen.

Bei der Planung mit der App verdeutlichen wir uns selbst die Location. Und vielleicht mag der eine oder andere jetzt schmunzeln aber allein aufgrund der Tatsache, dass man gezwungen ist die Location ansatzweise nachzuzeichnen, ist man auch gezwungen sich das Umfeld ganz anders anzusehen. Stolperfallen wie Fenster oder Spiegel fallen plötzlich auf, Lichtquellen werden gesucht, Spalten und Ritzen sind plötzlich im Augenmerk und nicht einfach nur da.

Dabei gehen wir soweit, die Lichtpositionen einzuzeichnen und sich dann direkt auch auf Details wie Kameraeinstellungen und Brennweite, Bildschnitt und Entfernungen. Diese Bildideen kann man dann sortieren, abspeichern oder auch verändern. Wichtig ist aber, dass dadurch eine Logik im Kopf entsteht. Es kommt zu einem sauberen und besseren Arbeiten und das hilft den Ergebnissen.

So, schaut euch doch mal die nachfolgenden Fotos an. Erkennt ihr das Bild in der Planung wieder? Ist es arg verändert oder 1:1 so geworden?

wuppertal1_02 wuppertal1_03 wuppertal1_04 wuppertal2_01 wuppertal2_02

Versucht es doch auch mal. Planung ist die halbe Miete und es macht eure Bilder besser und besser! Versprochen! Und niemand sagt, dass man sich immer 1:1 an Planung halten muss. Teilweise werden die Ideen oder Elemente leicht verändert und wirken dadurch dann umso besser.

Lieben Gruß

Martin & Marc

Kommentare (11)

11 thoughts on “PLANUNG IN DER LICHTFÜHRUNG VOR DEM FOTOGRAFIEREN

  1. Hey,

    sehr schöner Artikel und klasse mit den Skizzen und Fotos !

    Was mich speziel sehr interessieren würde – wie geht ihr mit dem Thema Mischlicht um und deren „Probleme“ ?

    Vielleicht wäre darüber ja mal ein kleines Tutorial sehr interessant ? 😉 – ich würde mich auf jeden fall sehr darüber freuen!

    Viele Grüße

    Sebastian Sachs

  2. Moin,
    klasse, danke für den Einblick!
    Sind ja sehr stark an den Planungen dran.
    Wenn ich etwas „geplant“ habe, dann nur wo ist die Location, mir die mal im Groben angeschaut, wann welche Lichtsituation da herrscht und wie viele Menschen da vorbeilaufen/sind.
    Besonders die letzten Punkte, wie z.B. Störquellen a la Spiegel, Ritzen usw. sind mir so noch nicht in den Sinn gekommen.
    Wieder etwas gelernt. 🙂

  3. Noch ein Hinweis zur Bamboo Paper App, die gibt es für Samsung Produkte auch für Android.

    Außerdem gibt es die App auch für Windows als Programm (kann man mit dem Bamboo Dock runterladen und von dort aus starten)
    Eine entsprechende App von Bamboo (die heißt Bamboo Page) gibt es auch noch für die Touch Oberfläche von Windows 8 dort kann man jedoch keine kompletten Notizbücher erstellen sondern nur einzelne Notizen. Ich behelfe mir in diesem Fall dann mit dem Export nach Evernote.

    Bamboo Paper und Bamboo Page finde ich auf dem Surface Pro 2 richtig gut.

    Grüße
    Holger

    1. Noch eine kleine Korrektur, die App bzw. Anwendung ist natürlich von Wacom, nicht von Bamboo, wie ich vorher geschrieben habe, leider kann ich meinen Kommentar oben nicht korrigieren.

  4. Tolle Planung der Aufwendigen Lichtsets!
    Da kann man sich ja beim Shooting dann richtig auf das Model konzentrieren , wenn Ihr das alles so sauber durchgeplant habt!
    Ich plane meine Shootings auch, wenn auch nicht so genau und ausführlich, habe damit aber bisher immer gute Ergebnisse erzielt und war auch meist entspannter am Set.

    grüße,
    Stefan

  5. Sehr geil. Endlich mal ein Einblick in Arbeitsweisen. Das finde ich sehr gut. Ich würde mich freuen wenn davon mehr kommt. Also ein Strecke von der Planung, Organisatorisches/Aquise, Shooting, Bildbearbeitung. Das ist ein Thema für ein längeres Video-Tut mit entsprechend mehreren Kapiteln.

  6. Hallo,

    sehr guter Quickie – ich habs schon der Heimstudiostrecke (ja – hab ich gekauft) gesehen.
    Das Bamboo App geht funktioniert aber wie hier schon geschrieben unter Andoid nur auf manchen Samsung Geräten.
    Als Tip: Handy Note (free oder pro) – im Playstore und Amazon. Ich habe die Pro Version und die funktioniert extrem ähnlich: malen Text, Fotos machen, Bilder aus gallerie einfügen, exportieren,…). Ich hab‘ auf einem 10 Zoll Tablett und Samsung S4 laufen.

    Und nochwas… Weiter so – danke

  7. Klasse Artikel. Gefällt mir, macht weiter so.
    Ich bin hauptsächlich in der Event-Fotografie tätig, und dort ist es ein Muss sich rechtzeitig mit der Lokation vertraut zu machen.
    Euer Hinweis, dies in Skizzen festzuhalten, weil man dann auch über Kleinigkeiten bewusster nachdenkt, ist auch bei Event-Fotografie hilfreich.
    Da sieht man mal wieder wie sich die Methoden der einzelnen Sparten wunderbar ergänzen.

  8. Hey,

    sehr geiler Tipp, Danke dafür.

    Aber warum nur ein „Buch“ ? Ich hab auch nur die kostenlose Version, kann aber beliebig viele Standardbücher „Denker“ mit verschiedenen Farben erstellen. Ggf. gabs da ein Update und seit dem geht es 🙂

    Grüße
    Sascha

  9. Vielen Dank für die wertvollen Tipps und Hinweise!
    Auch schön zu sehen das eure handschriftlichen Notizen auch nicht besser aussehen als unsere eigenen 🙂
    Aber schlussendlich ist es ja auch nicht das worauf es ankommt. Gute Planung & Vorbereitung -> Gute Ergebnisse!

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