6.9.2010    14

LICHTSETZUNG: DER KLEINGROßE UNTERSCHIED

6. September 2010 | Lichtführung und setzung

Weiter geht es im Blog zum Thema Fotografie mit einem Beitrag aus der LIGHTING-Reihe. Und zwar will ich diesen Beitrag nutzen um erneut über kleingroße Änderungen zu sprechen. Innerhalb der gesteuerten Studiofotografie ist mal als Fotograf ja vollverantwortlich für die komplette Lichtführung. Und hier möchte ich kurz zeigen, was für enorme Unterschiede es geben kann, wenn man das Licht nur ein wenig verändert. Ich kenne sehr viele Situationen in denen man sich als Fotograf das Leben zu Hölle machen kann, indem man einfach nicht genau genug arbeitet. Bevor wir aber mit dem Lighting-Post wirklich beginnen, müssen wir erst einmal die Lichtsituation erkennen und klären. Guckt euch einfach mal die nachfolgenden Fotos an. Daraus sollte die Situation sich deutlich zu erkennen geben.

TECHNICAL HOW TO Tutorial PhotoTECHNICAL HOW TO Tutorial PhotoTECHNICAL HOW TO Tutorial Photo

Wie man deutlich sieht, handelt es sich hier um ein relativ komplexes Setup. Wir haben eine Dish als KEY LIGHT von genau oberhalb der Kameraachse, dann zwei weitere Blitze als BACK LIGHTS um Streiflichter zu erzeugen und dann kommt noch ein Blitz mit einem Snoot hinzu um einen Spot in den Hintergrund zu setzen. Die Position des Führungslichts ist so hoch gesetzt, dass wir einen sehr starken Bildkontrast bekommen. Bei einer Blende von 5,6 bis 8 brauchen wir an den Blitzen auch nicht wirklich viel Leistung. Bei den 500 W Blitzen die verwendet wurden, kamen gerade mal 30-40 Ws zum Einsatz.

TECHNICAL HOW TO Tutorial Photo

Da sehen wir den Snoot nochmals genauer.

TECHNICAL HOW TO Tutorial Photo

Und genau um dieses Teil geht es jetzt im Lighting-Teil des Beitrages. Ich möchte zeigen wie geringe Änderungen einen wahnsinnigen Unterschied machen können. Schaut euch jetzt mal kurz die beiden Vergleichsbilder an. Beide Fotos wurden gezielt in s/w entwickelt, nicht bearbeitet und kommen genau so aus der Kamera. Aber es geht hier ja nicht um Bearbeitung oder Farbe sondern um den entsprechenden Effekt des Lichts.

TECHNICAL HOW TO Tutorial PhotoTECHNICAL HOW TO Tutorial Photo

Kleine Änderung mit gigantischer Wirkung. Einmal wurde der Spot direkt hinter den Kopf gesetzt und einmal direkt hinter den Rücken unterhalb des Kopfes und dabei die Leistung garnicht hoch geregelt sondern die Lichtquelle nur etwas näher an den Hintergrund gebracht. Im Einen Bild haben wir einen Spot hinter dem Kopf während das andere Bild einen Verlauf von hinter dem Modell nach außen hin beinhaltet.

Man könnte dem einen oder anderen Foto jetzt nicht eine komplett andere Bildwirkung zuschreiben. Trotzdem sehen die Fotos absolut unterschiedlich aus:

  • Eine scheinbar unwesentliche Änderungen erzeugt einmal einen Fokus-Effekt auf das Gesicht…
  • …und im anderen Foto wird der Hinter viel prägnanter ins Bild eingesetzt. Fast schon so ein Sonnenauf- oder -untergangsfoto.

Für euch heißt das also Folgendes: Passt auf eure Positionen auf. Wenn ihr wirklich gezielte Ausleuchtungen erzeugen wollt, dann könnt ihr nicht ganz bestimmt und sortiert eure Blitze aufbauen um dann die Ausleuchtung z.B. durch kleine Positionsveränderungen beim Fotografieren wieder komplett kaputt zu machen. Es ist auch nicht einfach so, dass man Blitze mal kurz aufstellen könnte und drauf los knipsen sollte. Das geht oftmals mit einem Blitz noch ganz gut aber bei mehreren Blitzen verändern sich dann die Relationen, Abstände und dadurch auch Helligkeiten enorm. Also das Fazit und was auch ich mir immer wieder hinter die Öhrchen schreiben muss. Blitzsetups sind oftmals sehr feine Konstellationen. Als fauler Fotograf baut man Setups bei denen man 1000 und eine Möglichkeit zu fotografieren hat. Gezielte Lichtführung ist aber wirklich gezielt. Und wenn ihr euch mal fragt, warum ein Foto nicht so wird, wie ihr es eigentlich wolltet, dann stellt euch direkt auch mal die Frage, ob ihr wirklich alle Variablen so gut es geht fixiert habt. Sind alle Entfernungen fix, ist die Kamera auch genau da wo sie hin soll und nicht 10cm höher, sind die Blitze alle optimal positioniert, weiß das Modell was es tun soll??? Nicht vergessen. Der Effekt aus dem oben beschriebenen Bildern passiert vielen Fotografen ganz ungewollt. Einen Spot in den Hintergrund will man setzen und bekommt dann, aus der Hand fotografiert, anstatt eines Spots hinter dem Kopf einen Spot hinter dem Körper… So bitte nicht!

Euer Martin

Kommentare (14)

14 thoughts on “LICHTSETZUNG: DER KLEINGROßE UNTERSCHIED

  1. Hallo Martin,

    interessante Sache mit dem Hintergrundlicht. Bei den beiden Bildern wurde aber nicht nur das Hintergrundlicht verändert sondern auch die Pose des Models! Wie wäre den der Effekt wenn man NUR die Ausleuchtung des Hintergrundes verändert würde, wäre das auch so extrem?

    LG
    Enrico

  2. Nach mehrmaligen lesen denk ich jetzt zu glauben dass beim LINKEN Bild der Blitz in Kopfhöhe ist und knapp hinter dem Model.
    Und beim RECHTEN Bild ist der Blitz tiefer und näher am Hintergrund.
    aber das passt irgendwie doch nicht mit dem Bild zusammen.
    Vom aussehen her würde ich sagen LINKES Bild Blitz näher am Hintergrund und in Kopfhöhe und RECHTES Bild Blitz niedriger und weiter weg.
    Oder kommt der weichere Verlauf RECHTS vom neigen?
    (Also LINKS Licht kommt 90°zack, Rechts Blitz kommt schief von unten)
    ???

  3. @obmiT

    Deine erste Auslegung macht schon Sinn.

    Schattenkanten werden weicher, wenn die Lichtquelle in Relation zum Objekt (in dem Fall der HG) größer wird.

    Wenn sie näher kommt, wird sie relativ größer. Das gilt eben auch für Spots.

  4. Hi

    Ich habe Schattenprobleme: Bei beiden Bildern sind für mich die Kinnschatten zu hart, zudem sehe ich tendenziell Totenkopfaugen im linken Bild.

    LG ours

    1. Die waren genau so gewollt. Die Fotos sind ja Rohdaten und 1zu1 so aus der Kamera automatisch in JPG entwickelt. Das heißt ja nicht, dass da keine Möglichkeiten mehr im RAW wären oder das das für immer so bleiben muss.
      Wir haben es damals, war übrigens ein Workshop, zusammen auch mit einer Aufhellung von unten probiert. War aber absolut ekelhaft dann. Einfach nicht mehr kontrastreich genug für mich! Ich sehe hier weder Totenkopfaugen noch zu krasse Schatten. Ist in dieser hochfrontalen Position auch eigentlich garnicht möglich, es sei denn, die Lichtquelle ist genau über dem Modell.

  5. Die Totenkopfaugen, wenn ich diese überhaupt schon so bezeichnen würde, sind beim linken Bild m.M. nach dadurch entstanden, dass das Model das Kinn etwas mehr gesenkt hat. Führungslicht minimal runter und das müsste auch aus der Welt sein. Alles ist wie immer Geschmacksache…finde ich.

  6. Wie sagt M immer: Kinn rauf- Schatten raus.

    Ist gut aufgenommen nicht besser als gut nachbearbeitet?

    Dem Schatten- / Kontrastliebhaber Martin sei für seine prompte Antwort gedankt.

    LG ours@Dietmar

  7. admin :

    @TIM

    Ich sitz grad auf dem Schlauch… was genau meinst du??? 🙂

    Also mal anders formuliert.

    du schreibst ja „…und einmal direkt hinter den Rücken unterhalb des Kopfes und dabei die Leistung garnicht hoch geregelt sondern die Lichtquelle nur etwas näher an den Hintergrund gebracht…“

    Aber dann müste doch der Spot kleiner sein, doch der ist größer geworden.

    Ich denk mir umso näher Blitz mit Tubus am Hintergrund umso kleiner der Spot.

    Oder wirkt da die höhere „Leistung“ durch das näher hin schieben vom Blitz dem entgegen?

    mfG

    Tim

    PS:Da ich selbst schwehr verstehe was ich schreib werd ich jetzt mal ne dunkle Wand anblitzen.

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Anzeigen