25.9.2013    11

LICHTSETZUNG: PLATTGEMATSCHTER FASHIONLOOK

25. September 2013 | Lichtführung und setzung

Mit einem kurzen Lighting-Beitrag wollen wir heute eine komische Sache besprechen. Eine Sache, die sicherlich die Gemüter erhitzt und auch die Geschmäcker spaltet. Und zwar geht es um folgende These: FRONTAL PLATTES LICHT IST DAS PERFEKTE FASHIONLIGHT oder umgedreht GUTES FASHIONLIGHT IST PLATTES UND FRONTALES LICHT oder auch GEILES LICHT IST NIEMALS PLATT UND DIREKT SONDERN IMMER DREIDIMENSIONAL.

Spannend ist vor allem die Tatsache, dass viele Fotografen krampfhaft versuchen das Licht des Aufklappblitzes los zu bekommen. Das Licht sei platt, frontal, viel zu kontrastreich und viel zu hart. Überall ist zu lesen dass gute Lichtführung immer irgendwie weg von der Kamera. Hauptsache nicht nahe an der Kamera weil Licht an der Kamera… da kann man ja gleich den Aufsteckblitz nehmen. Alles was an der Kamera ist, ist zwangsweise schlecht und nicht schön. Und das ist einfach Quatsch mit Soße. Natürlich ist es auch nicht ganz so extrem wie oben in der These geschrieben. Fotografie ist eben mehr als nur schwarz oder weiß sondern viel grau.

Wir haben mal einen Vergleich fotografiert. Und zwar einmal einen Shot mit einem relativ großen Schirm (ca. 100cm) und dann noch das gleiche Motiv mit einem kleinen Reflektor (ca. 15cm). Und den kleinen Reflektor haben wir dabei so nahe wie irgendwie möglich an das Objektiv gebracht. Also in Wirklichkeit hat das Objektiv sogar den Reflektor berührt. Also viel näher und kleiner kann man mit einem Studioblitz nicht werden (übrigens ist da schon wieder der kleine feine Unterschied zwischen einem Aufklappblitz und einem Studioblitzreflektor!).

Tut mir mal bitte einen Gefallen und achtet genau auf die Bildwirkung. Mir persönlich gefällt das Licht auf dem linken Bild deutlich besser. Aber das rechte Bild gefällt mir vom Look besser. Leonie wirkt viel puppenhafter und das Licht gerade im Gesicht wirkt total reduziert und fast wie eine Maske. (Ja auch darüber lässt sich trefflich streiten!) In der Fashionfotografie sollen die Modelle ja oft puppenähnlich wirken. Abstrakt und wenig menschlich.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Man sieht es sehr gut an den Schultergelenken. Auf dem linken Bild sieht man förmlich das Kugelige der rechten Schulter. Man sieht Form und Plastizität. Auf dem rechten Bild ist z.B. vom rechten Schultergelenk kaum noch was zu erkennen. Kaum Muskeln… nur einen leichten Lichtspot.

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

Und jetzt kommt es… Versucht doch mal zu schauen wer welchen Look besser findet. Hier geht es nämlich nicht nur irgendwelche Lehrbücher für Fotografen oder irgendwelche indoktrinierten Meinungen, sondern um Lichtwirkung.

Und wir haben den Test selbst gemacht. Wir haben diese beiden Fotos herumgezeigt und gefragt, welches Bild hat den cooleren Look? Dabei kamen wir zu folgendem Testergebnis:

Fotografen: 15 von 20 Fotografen fand das Licht auf dem linken Bild (mit dem Schirm) besser!

Weibliche Modelle: 16 von 20 Modellen fanden das rechte Bild (mit dem Reflektor) sexier!

Ok, das sagt jetzt nix über die restliche Republik aus aber definitiv etwas über ein krasses Andersdenken zwischen Fotografen und Nicht-Fotografen. Und da fragt sich doch, wer wofür Fotos macht. Für andere Fotografen oder für Nicht-Fotografen.

Natürlich mag sich nicht jeder so entscheiden. Auch bei uns haben 25% eine andere Meinung gehabt. Aber trotzdem ist es logisch als auch nachvollziehbar. Denn wenn wir in große Fashionmagazine schauen, dann sehen wir haufenweise solche Platt-Geblitzten Fotos. In der Fashionfotografie ist es üblich und sogar gewollt mit extrem platten Blitzlooks zu arbeiten. Dabei sind diese frontalen Blitzlooks schon sprichwörtlich „in style“ und gehören einfach dazu. Und das ist auch der Grund warum so viele Frauen, Modelle und sonstige Zeitschriftenleser  (meisten innen :-)) auch diesen Look so mögen.

Und das ist auch der Grund, warum wir Fotografen mal nachdenken sollten warum wir wie fotografieren. Vielleicht sollten ja der eine oder andere Fotograf etwas an seinem Licht anpassen, um nicht seinen Fotografen-Lehrbuch-Meinungen gerecht zu werden, sondern dem gewöhnlichen Geschmack der Menschen auf der Straße.

Und dabei muss ja nicht immer und nur noch so gearbeitet werden. Es geht lediglich darum, zu wissen welcher Look was bewirkt und nicht ein Licht per se zu verdammen. Frontales, plattes Licht ist nicht die Lösung für Alles und Jeden aber ganz bestimmt ist es kein schlechter Look.

Viele Grüße

Martin & Marc

Kommentare (11)

11 thoughts on “LICHTSETZUNG: PLATTGEMATSCHTER FASHIONLOOK

  1. Ich finde das eine gute Frage und vor allem das ihr diese mal stellt. Denn man wird immer wieder damit konfrontiert, dass angeblich das Licht nicht stimmt, die Pose nicht stimmt oder oder oder. Natürlich ist gerade im Hobby/Semipro Bereich auch vieles dabei, was wirklich komplett nicht stimmt, aber oftmals werden genau diese Bilder von der „Öffentlichkeit“ bejubelt. Der gebildete Fotograf fragt sich dann, wie kann sein?

    Lehrbücher geben eben eine gute Orientierung, aber Geschmack und das Verständnis für Ästhetik sind eben auch wandelbar.

    Mir persönlich gefällt das linke Bilder besser, somit die Fotografen-Ecke. Rechts wäre mir zu platt.

  2. Is ja voll witzig. Genau die Erfahrung hab ich gestern auch gemacht. Portrait vor einem Laden aufgenommen. Beim ersten Bild war der Aufsteckblitz viel zu stark und fungierte quasi fast schon als Hauptlicht. Beim zweiten Bild war er nur ganz dezent zum aufhellen eingesetzt. Mit gefiel natürlich das leicht Aufgehellte viel besser. Meiner Frau und der Kundin gefiel das Erste besser – es wäre schließlich so schön kontrastreich.

  3. Hallo Martin,

    Alles Geschmacksache und wie die meistens Fotografen sich für das linke Bild entscheiden haben,entscheide ich mich auch für das linke Bild.

    Dazu muss ich sagen,dass aber mehr Outdoor fotografiere und selten einen Blitz benutze.

    Viele Grüße Jens

  4. das linke wirkt etwas plastischer, mir gefällt das rechte eine spur besser. Härtere Schatten, knackiger. Nur diese „hässliche“ Uhr stört mich ungemein.

  5. Hi zusammen,

    beim rechten Bild sieht man sofort die harten Schatten, also kleine Lichtquelle, ergo „nicht so gut“. Beim linken Bild sind die Schatten weich, ergo „besser“. Bei mir war das der erste Gedanke, denn das bekommt man beigebracht.

    Wer keine Ahnung vom fotografieren hat, denkt komplett anders über Fotos.

    Sehr interessant Euer Beitrag!!!

  6. finde ihr habt irgendwie recht…auch mein erster Eindruck war…uhhh…das zweite Bild ist ja irgendwie komisch…aber nach dem ersten Blick auf das Platt geblitzte Foto hatte ich dich dieses schon wieder vergessen…auf das zweite hab ich dann nochmal draufgeschaut…und nochmal und nochmal…und zum Schluss fand ich es irgendwie besser…was evtl an den Reflektionen liegt, die mich so faszinieren…

    fast getreu dem Motto…

    don’t be mainstream…Stream K&G Live!

    Gruß,

    Chriss

  7. Hi zusammen,

    wenn wir uns Modemagazine anschauen, dann unterliegen nicht nur die fotografierten Personen und Modeobjekte der Mode selbst. Auch der Fotostil ist eine frage der Mode. Zur Zeit kommt mir es so vor, als wäre es das coolste und non-plus-ultra, wenn man mit einem fetten Ringblitz um eine noch fettere Phase One fotografiert (schaut für mich immer wie ein Köter mit Halskrause aus, dass er sich nicht selbst lecken kann). Ich kann es verstehen, dass die Bilder vielen Betrachtern gefallen. Insgesamt finde ich es immer gut, wenn bei Kunden und Betrachtern Bildstile modern sind, die leicht umzusetzen sind 🙂 (geht ja auch mit einem Roundflash um eine Standard-DSLR).

    Just my 2 cents…

    Jürgen

  8. sehr schöner Beitrag die Herren! Und das zeigt einmal mehr….man kann es eh nicht allen recht machen und das sollte (auch wenn das viele immer wieder auf´s neue versuchen) nicht das Ziel sein! Der Großteil der Fotografen wird immer auf andere Dinge im Bild achten als ein Model oder gar ein Außenstehender. Feedback und Meinungen sind sehr wichtig aber vielleicht sollte man den eigenen Geschmack mehr in den Mittelpunkt rücken und wenn man selbst und die Kunden mit dem Ergebnis zufrieden sind, gibt es keine Diskussion ob ein anderes Licht besser gewesen wäre….es wäre nämlich maximal anders gewesen. Und was einem nun besser oder weniger gut gefällt hängt auch vom Model, dem Outfit und dem ab, was das Bild aussagen soll bzw. wofür es verwendet wird. So, und jetzt schau ich mir noch ne Folge mit Maddin und Amanda an – ganz ohne Blitzdingens und nur mit natürlichem Fensterlicht 😉 Hau´n se rein! Valentin

  9. „Und da fragt sich doch, wer wofür Fotos macht. Für andere Fotografen oder für Nicht-Fotografen.“

    Unabhängig von dem Bild:

    Ich mach doch trotzdem dann keine Sachen, die nur anderen gefallen, mir aber nicht. Ich mach doch das, wovon ich persönlich selber überzeugt bin. Alles andere macht mir doch keinen Spass. Und wenn 90% der Menschen meinen, die Pixi- und Co-Bilder sind toll, dann mag das sein, aber ist immer noch nicht mein Ziel, genau solche Bilder zu machen.

  10. Netter Denkanstoß. Finde aber das der Vergleich mit den Bildern in Magazinen ein bisschen hinkt. Sicher sieht man dort viele frontal ausgeleuchtete Bilder, aber die Lichtquellen dürften vermtl. sehr viel größer sein als ein Aufsteckblitz. Oder denkt Ihr die nehmen dort auch so kleine Lichtquellen? Beim rechten Bild finde den harten Schatten unter dem Kinn schon heftig…

    VG,

    Franz

    1. Google mal Terry Richardson, versuch die Sex-Vorwürfe zu ignorieren und schau dir an wo seine Fotos zu finden sind und wer in bucht 🙂 Dann reden wir über harte Kinnschatten!

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