6.2.2013    23

LICHTSETZUNG: AUCH BLITZE HABEN EINE BELICHTUNGSZEIT

6. Februar 2013 | Lichtführung und setzung

Heute wollen wir eine sehr interessante Thematik behandeln. Und zwar die unterschiedliche Auswirkung der Abbrennzeit eines Blitzes auf die Bildschärfe.

Viele Fotografen wissen immer noch nicht, dass ein Blitz nicht zwangsweise schnell abbrennt. Viele Firmen sind mit daran schuld, dass die meisten Fotografen von t0.1 und t0.5 noch nie was gehört haben oder irgendwelche abstrusen Zahlen in den Broschüren für wichtig erachten.

Wer da mehr wissen möchte, dem sei eine tolle Erfindung geraten. www.google.de denn um jetzt noch kurz mal t0.1 und t0.5 zu erklären… naja, das würde diesen Beitrag eben direkt sprengen. Gesagt sei an dieser Stelle bloß, dass heutige Blitze immernoch zwischen 1/300 und 1/3000 abbrennen. Extrem schnelle Spezialblitze erreichen dann 1/10000 und HighSpeedblitze oder Aufsteckblitze kommen vielleicht sogar auf 1/40000 (t0.1 sei dabei gesagt!)

Trotzdem können und müssen wir davon ausgehen, dass unsere normalen Blitze eben nicht so schnell sind, wie wir das als „lahm“ sehende Menschen eben denken mögen. Für uns ist nämlich zwischen 1/300 und 1/3000 gar kein so großer sichtbarer Unterschied. Für ein Foto kann das aber Welten ausmachen. Der Blitz brennt eben mehr oder minder schnell ab und während ein Blitz abbrennt kann sich das Motiv ja auch weiter bewegen. Passiert das, dann entsteht eine Bewegung auf dem Foto ähnlich einer Langzeitbelichtung von dynamischen Motiven bloß eben in einem sehr viel kürzeren Gesamtzeit.

Und daher haben wir heute mal einen Praxistest für euch. Und zwar zwischen einem eher langsam abbrennenden Jinbei Freelander FL-II 500* und einem eher schnellen Elinchrom Ranger Quadra HYBRID* mit Speed-Kopf. Preislich ein sehr unfaires Duell. David gegen Goliat sozusagen im Preis. Was sich aber nicht zwangsweise immer auf die Arbeit beim Fotografieren auswirken muss.

TECHNICAL Vergleich Fotos

Unser Testsetup sollte so realistisch wie möglich sein. Für uns sind wehende Haare ein sehr realistisches Element. Das passiert z.B. oft beim Fotografieren durch Wind oder im Studio durch eine Windmaschine. Auch steht die Bewegung des Haars natürlich auch für alle anderen Bewegungen. Wimperaufschläge, Bewegungen beim Posing, Kleidung welche flattert oder geschwungen wird… wenn man Menschen fotografiert, dann bewegt sich eben wirklich mehr als man oft denkt.

Wir haben also jeden Blitz mit einer Dish hochfrontal aus ca. 1m Entfernung gezündet. Von unten kam die Windmaschine auf voller Leistung um das schwere Kunsthaar der Puppe doch etwas zu bewegen. Oft weht feineres Naturhaar doch noch stärker als hier im Test.

TECHNICAL Vergleich Fotos

TECHNICAL Vergleich Fotos

TECHNICAL Vergleich Fotos

Der Größenunterschied der Dishes kann im Test ignoriert werden. In Punkto Schärfe geben sich die wenigen Centimeter nicht viel.

TECHNICAL Vergleich Fotos

Beide Blitze bekamen eine ungefähr gleich große Dish aufgesetzt. Beide Dishes waren silber in der Beschichtung… beide Blitze wurden mit der identischen Kamera fotografiert, gleiches Objektiv und gleiche Kameraeinstellungen. Alles bei f11 manuell fokussiert. Der Fokus wurde während des Tests nicht weiter verändert.

TECHNICAL Vergleich Fotos

Als Objektiv für den Test kam das 100mm 2,8 L IS* Macro an eine 60D* Kamera. Viel schärfer geht es nicht mehr als das 100mm Macro bei f11. Beide Blitze wurden mit einem Belichtungsmesser exakt auf f11 eingemessen. Farbtemperatur war bei beiden Fotos identisch voreingestellt.

TECHNICAL Vergleich Fotos

Der Windtunnel* stand wie bereits geschrieben auf voller Leistung!

TECHNICAL Vergleich Fotos

Hier die beiden Testergebnisse. Die Frage erfasst zwei wichtige Punkte. Wie hoch ist die Gesamtschärfe bei sich nicht bewegenden Motiven und wie wirkt sich die Bewegung des Motivs mit der Abrennzeit auf das Bildergebnis aus.

Als erstes Bild der Jinbei. Man kann selbst im Mini-Bild unten erkennen, dass die Schärfe nicht ungenügend ist. Es wäre also falsch zu behaupten, der Blitz erzeugt keine scharfen Fotos oder mit dem Blitz könne man nicht fotografieren. Das ist Schwachsinn. Das Bild ist im Gesamten scharf und auch scharf genug.

TECHNICAL Vergleich Fotos

Erst in der 100% Ansicht erkennt man an den Haarenden das Verschmieren. Die Haare bewegen sich natürlich an den Enden am stärksten und damit wird auch die Bewegungsunschärfe am stärksten an den Enden sichtbar. Für statische Objekte ist die Abbrenndauer des Blitzes völlig egal. Bewegt sich die Puppe nicht, dann wird alles gleich scharf werden. Die Bewegung erzeugt ein leichtes Verschmieren und es ist beinahe nicht als Bewegungsunschärfe erkennbar.

TECHNICAL Vergleich Fotos

An dieser sehr gemeinen Unschärfe verzweifeln viele Fotografen 🙂 und meinen dass evtl. ihr Objektiv unscharf oder gar kaputt sei. Denn es sieht irgendwie nur verschmiert aus aber nicht nach Bewegung. Es ist nicht scharf aber auch nicht unscharf. Es wirkt teilweise einfach wie ein Schleier um die Kanten. Milchig und weich aber ohne wirkliche Unschärfe. Und dazu kommt, dass die Bereiche durch die Bewegung chaotisch im Bild verteilt sind. Man findet kein Raster.

In Zukunft also nicht durchdrehen, einfach die Klarheit etwas höher drehen 🙂

So, jetzt die Vergleichsaufnahme mit dem Ranger Q. Im Gesamtbild kaum ein Unterschied…

TECHNICAL Vergleich Fotos

…erst die 100% Ansicht offenbart den Unterschied. Hier sieht man im direkten Vergleich den extremen Unterschied. Obwohl sich die Haare gleich schnell bewegen, wird einmal das Bild durch den Blitz verschmiert während das andere Bild knackscharf ist.

TECHNICAL Vergleich Fotos

Und für alle diejenigen unter euch, denen das hier noch nicht genug Beweis ist, gibt es hier noch die Rohdaten zum Download. Beim genauen Blick auf die Exif-Daten werdet ihr noch erkennen, dass das schärfere Bild mit dem RangerQ sogar mit der doppelten Belichtungszeit gemacht wurde. Mit 1/60s um damit zu zeigen, dass es wirklich nur um das Blitzlicht geht.

DOWNLOAD!

Ihr könnt daran sehen, dass wir wirklich kein bisschen Bearbeitung oder Retusche vorgenommen haben. Oben sind 100% Ausschnitte zu sehen, ohne Manipulation an den Rohdaten.

FAZIT: An dieser Stelle müssen wir nochmals klar stellen, dass der Schärfeunterschied nicht den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Foto macht. Man kann problemlos mit dem Jinbei oder vergleichbaren Blitzgeräten tolle Fotos machen. In manchen Anwendungen ist aber irgendwann Schluss mit der maximal möglichen Schärfe. Egal welches Objektiv oder Kamera dahinter steht, der Blitz kann nicht mehr. Das hängt oftmals auch einfach mit der Bewegung des Motivs zusammen. Action-Fotos mit dem Jinbei sind also vielleicht keine gute Idee. Aber auf der anderen Seite habe ich schon einige tolle Bike-Action-Shots mit dem FLII gesehen. Gerade noch das letzte diese Woche und es war ein großartiges Foto. Aber es war eben nicht das schärfste Foto aller Zeiten 🙂

Bitte behaltet im Hinterkopf, dass gerade bei der Verwendung von langsameren Blitzen es oftmals sehr stark auf das Motiv ankommt. Ruhe beim Fotografieren ist euer bester Verbündeter.

Viele Grüße

Martin & Marc

PS: Beim Jinbei wird die Schärfe auch nicht besser, wenn man mit Hilfe der YN-622C*-SuperSync die Verschlusszeit verkürzt. Auch bei 1/8000 brennt der Blitz gleich langsam/schnell ab und erzeugt die gleiche Unschärfe. Das Phänomen ist also Verschlusszeit unabhängig.

 

So kann man in 5 Sekunden mit zu wenig Obacht einen Satz schreiben, der völlig falsch klingt und dadurch falsch verstanden wird. Also was gemeint war, war die Tatsache, dass der Blitz nicht schneller belichtet nur weil ich die Kamera anders belichtet. Wenn ich etwas wirklich schnell bewegendes fotografiere, dann bewegt sich das über das Bild und die Blitzbelichtung weiter. Auch wenn mit 1/8000 fotografiert wird. Die Stelle selbst wird dadurch natürlich schärfer aber dannn wird das Bild verzerrt. Angenommen ich fotografiere einen Mountainbiker, dann kann es gut sein, dass der Biker sich über die Belichtung ca. 3cm im Bild bewegt. Die kurze Belichtung sorgt dafür dass ein oberer Punkt A scharf wird, trotzdem wird ein unterer Punkt B 3cm weiter im Bild sich verschoben haben. Man bekommt den gleichen Effekt wie z.B. bei der Abtastung von Videobildern mit DSLR. Rolling Shutter… so, ich möchte das hier jetzt nicht weiter verwirrend ausführen. Mein Satz war falsch… sorry… Die Querverschiebung im Bild kann bei 1/8000 echt extrem sein. Auf vielen Bildern ist das aber nicht aus der Logik heraus zu erkennen für das menschliche Auge.

SIEHE AUCH:

TECHNICAL-23/3: YONGNUO YN622 TTL // SUPERSYNC // TEIL 1

TECHNICAL-23/3: YONGNUO YN622 TTL // SUPERSYNC // TEIL 2

PS2: Beim Jinbei ist die Abbrenndauer Fluch und Segen zugleich. Denn er ermöglicht eben gerade diese SuperSync-Funktion und kann damit Belichtungszeiten ohne HighSpeedSync gehen jenseits von 1/250 bis hin zu 1/8000.

PS3: Der FL-II 500 als neuerster Blitz dürfte auch stellvertretend für die anderen Blitze von Jinbei, Walimex und Co. sein. Viel schnellere Zeiten sind nicht zu erwarten bei dem Verkaufspreis.

++++++++++++++++++++

*Affiliate Link zu Amazon

Kommentare (23)

23 thoughts on “LICHTSETZUNG: AUCH BLITZE HABEN EINE BELICHTUNGSZEIT

  1. Wieso wird die schärfe bei 1/8000Supersync nicht besser? Wenn ich eine Eiskunstläuferin knippse sehe ich bei 1/400 bis 1/1000 sehr sehr große unterschiede, in beiden Fällen wandert soviel ich weiß nur noch ein schlitz über den Sensor. ein Jinbei würde wenn ich das richtig verstanden habe währenddessen wegen seiner langen abbrennzeit nur wie ein Dauerlicht wirken ??

  2. Klar, dass ja irgendwo ein Unterschied sein muss…Aber für Nicht-Profis sind die Jinbei eigentlich eine gute Investition. Und wie schon richtig gesagt: Diese Unschärfe macht kein gutes/ schlechtes Bild aus.

    Ich besitze auch einen Jinbei und bin sehr zufrieden, was Leistung und Haltbarkeit angeht. Mit den oben genannten kleinen Mängeln kann ich gut leben.

    Eine Idee ist dennoch genauso wichtig wie eine gute Umsetzung und da kommt es auch solche Kleinigkeiten nur bedingt (wenn überhaupt!).

    Aber ein guter, wissenswerter Beitrag.

  3. okay, hab die erklärung gefunden… hm, zum ersten mal hab ich probleme das nachzuvollziehen, da muss ich mal mit experimentieren

  4. Hallo Martin,

    wolte mir für den Sommer für drausen einen Jinbei besorgen nur kommt der ja jetzt nicht so gut weg bei eurem Test. Meine Studio Blitze von Elinchrom sind auch nur bis 1/1200 angegeben.

    Was haltet Ihr zb von diesem Blitz

    http://www.photoshop-becker.de/PhotaREX-N-680-kabelloser-High-Speed-portabler-Studioblitz-680Ws

    Der Blitz währe in meinem Budget noch gerade so drinnen. Brauch ihn hauptsächlich für Beauty Portrais und eher wenniger für Sport etc.

  5. Sehr informativer Beitrag über die Thematik! und anschaulich erklärt…

    ein weiteres Beispiel sind die alsseits beliebten Wassertropfen/Sprühregenaufnahmen, wo die meisten Leute sich viel Mühe für den Set-Aufbau geben…an der Ausrüstung sparen, bzw. die falsche Einsetzen und sich über nicht perfekte Ergebisse aufregen…

    also…bitte nich nach diesem Beitrag diesen Fehler machen 😉

    Gruß Chriss

  6. Vielen Dank für den Vergleich, ist wirklich sehr aufschlussreich. Nur deine Aussage, beim Supersync mit 1/8000 gäbe es die selbe Unschärfe, kann ich nicht nachvollziehen. Insgesamt ist der Verschluss zwar 1/200 Sekunden auf, aber Schlitzverschluss sorgt doch dafür, dass jedes Pixel nur 1/8000 Sekunden belichtet wird.

    Bei extrem schnellen Bewegungen kommt es natürlich zu Verformungen, da das Bild ja „zeilenweise“ belichtet wird, aber das Bild sollte doch insgesammt viel schärfer sein.

  7. Spitzen Beitrag und wie immer super erklärt.

    So richtig interessant bei Abbrenngeschwindigkeit wirds doch erst bei Profoto B4, Bron ….. 😉

    Güße Uwe

  8. @ Andy

    Hallo Andy!

    Irgendwie habe ich noch einmal die beiden Artikel zum Thema Supersync durchgelesen aber habe wohl den Teil überlesen. Auch ich frage mich wieso Supersync da nicht bei helfen soll. Könntest du den Teil eventuell noch einmal zitieren oder zumindest grob angeben wo ich die Begründung finde?

    Danke!

    Gruß Buck

  9. Vielen Dank für den detaillierten Vergleich, das deckt sich auch mit meinen Erfahrungen. Für mich war die supersync- Fähigkeit gerade ein Argument für den Freelander und gegen den Ranger, ich hab auch zwei Bowens- Speedblitze, die kann ich auf Grund d kurzen Abbrennzeiten nicht syncen, aber sie machen ein Bild trotzdem nicht so knackig scharf, wie mit 1/8000 sec, der Jinbei Freeland kann das. Wie die Vorredner geschrieben haben ist die Aussage zu supersync falsch, das ist DER Einfriermechanismus schlechthin.

    Hier hab ich 4kg Mais abgeschossen und im supersync mit 1/8000sec eingefroren, meine Speedplitze konnten das nicht so gut:

    http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/1653567/display/28027695

  10. Andy :Wieso wird die schärfe bei 1/8000Supersync nicht besser? Wenn ich eine Eiskunstläuferin knippse sehe ich bei 1/400 bis 1/1000 sehr sehr große unterschiede, in beiden Fällen wandert soviel ich weiß nur noch ein schlitz über den Sensor. ein Jinbei würde wenn ich das richtig verstanden habe währenddessen wegen seiner langen abbrennzeit nur wie ein Dauerlicht wirken ??

    versteh ich auch nicht. warum das so ist.

    1. @Stefan Das kann ich dir nicht beantworten… Warum fragst du das hier? Meinst du das hat Auswirkungen auf den Test oder interessiert es dich einfach so?

  11. @admin:
    Normalerweise ist es ja so, das die blitzleistung über die blitzdauer geregelt wird. Da ihr ja Tests gemacht habt bzgl. der Abbrennzeit, denke ich wäre meine Frage schon relevant.
    Leider findet man keine wirklichen Infos dazu… weder im Manual, noch im Netz.

  12. Hallo Martin,

    Du hattest uns ja den Jinbei auf dem Workshop in Zingst gezeigt und dabei auch die Möglichkeit der Kurzzeit Synchronisation aufgrund der längeren Abbrenndauer.

    Wenn ich richtig aufgepasst habe und die oben genannten TECHNICAL Links richtig verstanden habe braucht man aber zwingend einen TTL fähigen Funkauslöser.

    Habe ich das richtig verstanden? Wenn ja muß ich doch mal nach den Pixel King Auslöser suchen 🙂

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