8.12.2012    12

LICHTSETZUNG: HART GLEICH SCHÄRFER

8. Dezember 2012 | Lichtführung und setzung

ACHTUNG: Wir meinen hier nicht die Schärfe in Form der Objektiv-Fokussierung oder der Strahlen-Fokussierung durch das Objektiv. Es ist im Endeffekt das Gesamtkonglomerat der finalen Schärfewirkung gemeint.

Viele Fotografen denken, dass Schärfe im Endeffekt von einigen wenigen Dingen abhängt. Was habe ich nicht schon gelesen in Büchern oder Foren. Schärfe hängt ab von:

  • der Güte des Objektivs. Wer billig kauft, kriegt unscharfe Fotos anscheinend!
  • der richtigen oder falschen Nachschärfung in Photoshop
  • der richtigen oder falschen Kamera
  • Megapixel
  • der Verwendung von Offenblende
  • plattem Licht

All das sind Dinge, die anscheinend das Bild unscharf oder matschig wirken lassen. Ganz selten wird aber auf das Licht eingegangen. Licht bestimmt nämlich viel mehr unsere finale Schärfe als die meisten denken. Licht formt unser Motiv und kann unser Motiv auch unscharf werden lassen. Wie das?

Ganz einfach. Licht trennt sich im Endeffekt auf in weiche und harte Schatten und damit auch gleich in Lichtkanten und Schattenkanten.
Weiches Licht hat weich verlaufende Übergänge und damit werden im Endeffekt Übergänge unschärfer. Und jetzt kommt der Rückschluss auf die Gesamtschärfe.

Schärfe ist im Endeffekt nichts anderes als kontrastreiche Kanten und Übergänge. Eine scharfe Kante hat im Detail einen hohen Kontrast. Das heißt sind die beieinander liegenden Pixel möglichst unterschiedlich in Luminanz und Farbe, so denkt unser Gehirn es sei eine scharfe Kante und das ist für uns (über ein gesamtes Bild gesehen) dann die Schärfe.

Hier einmal zwei Fotos zum Vergleich. Gleiche Kamera, gleiche Einstellung, gleich alles… bis auf das Licht. Einmal mit der Zimmerbeleuchtung aufgenommen…
TECHNICAL Vergleich Fotos

… und nachfolgend noch mit einer Taschenlampe.

TECHNICAL Vergleich Fotos

Das komplette Auto wirkt schärfer und kontrastreicher. Der Motorblock hat mehr Zeichnung, mehr Highlights und mehr Schatten. Das Spinnennetz auf der Türe wirklich gleich 1000x so scharf. Nur weil weiß mehr leuchtet und rot eben roter ist. Oder abermals der Motorblock. Dort sieht man ganz deutlich, dass oben der Block fast nur  im Graubereich in der Helligkeit liegt, während im Bild unten schwarz und weiß sich die Hand gibt. Unten haben wir Kontraste, oben haben wir kaum Kontraste sondern fast nur grau.

Machen wir es sehr plastisch. Denkt an einen Wollpullover. Dort sind im Detail einzelne Fasern zu finden. Bei einem weichen Licht sind die Fasern alle korrekt belichtet mit leichter Zeichnung. Nehme ich ein hartes Licht darauf, so bekommt jede einzelne Faser ein kleines Highlight aufgesetzt. Dieses Highlight sorgt in der Ausleuchtung dann für einen höheren Mikrokontrast und dadurch für mehr Schärfe.

Übertragen wir das ganze jetzt auf unsere Thematik der Peoplefotografie, dann wirkt das Licht dort genauso. Hartes Licht erzeugt ein schärferes Ergebnis und höhere Details als ein weiches Licht.

Auch hierzu gibt es einen Lichtvergleich aus der Praxis. Die Leonie einmal mit einem 150cm Schirm und dann nochmals mit einem puren Aufsteckblitz, ohne Lichtformer davor.

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

Bedenkt bitte, dass beide Bilder mit gleichem Objektiv, Kamera etc. gemacht und vor allem auch mit gleichen Einstellungen exportiert worden sind. Gleiche Schärfeeinstellung bei gleicher Blende… Natürlich hängen auch die obigen Kriterien mit drin, ein gutes Objektiv wird schärfer abbilden als ein schlechteres Objektiv. Aber Licht wirkt viel mehr an der Schärfe als man denkt. Einmal wirkt das Bild fast überschärft (unten) während das Portrait oben fast schon etwas weichgezeichnet in der Haut wirkt.

Wie können wir das jetzt in die Praxis übertragen? Direktes Sonnenlicht wird mehr Schärfe generieren als wenn Wolken davor sind. Habe ich eine etwas unschöne Haut, dann sollte ich nicht in hartem Licht fotografieren sondern eher das weiche Licht suchen.

Möchte ich Strukturen und Texturen herausarbeiten, dann sorgt für eine harte Lichtkante oder eine zusätzliche Schärfelichtquelle im Bild. Ein Trick aus der Praxis ist z.B. trotz einer weichen Hauptlichtquelle für das Bild noch eine zusätzliche Blitzquelle zu setzen für die Konturen und Texturen. Die kann 2-3 Blenden dunkler und damit fast unscheinbar belichtet werden, aber die Schärfe wird dadurch neue Bereich erklimmen.

So, das wars für heute… denkt man drüber nach was ihr für Erfahrungen zum Punkto LICHT & SCHÄRFE gemacht habt und schreibt diese Erfahrungen gerne in die Kommentare. Anders, gegenteilig, gleicher Meinung??? Wir wollen eure Erfahrungen lesen.

Lieben Gruß

Martin & Marc

Kommentare (12)

12 thoughts on “LICHTSETZUNG: HART GLEICH SCHÄRFER

  1. Hallo Martin! Toller Beitrag!

    Da ich bis vor einiger Zeit immer mit Available Light fotografiert habe und meine Ergebnisse je nach Sonnenlicht und Tageszeit unterschiedlich waren, dachte ich, es läge an meiner etwas veralteten Leica und dem günstigeren Digital Zuiko Objektiv von Olympus.

    Dann habe ich mir Aufsteckblitze gekauft und diese mit einem Lichtformer benutzt und siehe da: ein scharfes Bild nach dem anderen!!! Wenn ich früher ins Bild gezoomt habe, war alles so platt, jetzt wo ich das Licht benutze, egal ob nackt oder mit Lichtformer, sind die Ergebnisse gleich umm mindestens 100 % schärfer. Knackig und man sieht es auch im Zoom!

    Das ist meine Erfahrung damit.

    MFG Babis (Charalampos Papadopoulos)

  2. „[…]Ein Trick aus der Praxis ist z.B. trotz einer weichen Hauptlichtquelle für das Bild noch eine zusätzliche Blitzquelle zu setzen für die Konturen und Texturen. Die kann 2-3 Blenden dunkler und damit fast unscheinbar belichtet werden, aber die Schärfe wird dadurch neue Bereich erklimmen.[…]“

    Was ist damit gemeint? Wenn ich bspw. eine Fläche weich beleuchte und dann die selbe Flche zusätzlich noch mit einem dunkleren harten Licht, wie kann dies dann Auswirkungen haben? Das wird dann doch total überbelichtet??? Oder sind damit Streiflichter gemeint?

    1. @Tom… Wir müssen darüber glaube ich mal ein Tutorialvideo machen. Du setzt im Endeffekt eine kleine, harte Lichtquelle in die selbe Position der großen Hauptquelle um damit die Highlights und Schattenwirkungen auf dem Motiv zu erzeugen.

  3. „Schärfe“ wird in diesem Artikel permanent falsch benutzt. Gemeint ist der „Schärfeeindruck“. siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%A4rfe_%28Fotografie%29

    Hartes Licht erhöht letztendlich NUR den Kontrast, was oft als höhere Schärfe EMPFUNDEN wird. Die physikalische Schärfe steigt dadurch nicht.

    Durch Erhöhung des Kontrastes und/oder Kantenschärfung kann man Bilder mit weicherem/flauerem Licht auf vergleichbaren Schärfeeindruck bringen.

    Physikalische Schärfe kann man hingegen NICHT durch Bildbearbeitung erhöhen.

  4. P.S.: Im Autobeispiel ändert sich zudem nicht nur die LichtHÄRTE, sondern auch die LichtRICHTUNG. Das verfälscht die Vergleichbarkeit.

  5. @ Rolfus

    Haben wir doch oben geschrieben Rolf. Man kann so einen Beitrag positiv als auch negativ lesen. Ein bisschen erinnert mich dein Kommentar an Frauen die ihren Mann fragen: NA WIE SCHAUT DAS AN MIR AUS. Egal was man antwortet, es wird einem negativ ausgelegt :-)… nicht böse nehmen aber ich denke du weißt was ich das jetzt meine und wie ich es gemeint habe.

    Jetzt meine ich es nicht böse und im Beitrag habe ich auch die Schärfenwirkung gemeint.

    Lieben Gruß

    Martin

  6. @ Rolfus

    Das ist jetzt definitiv nicht richtig. Das Licht kam schräg von der Decke in Form von Neonleuchten und ich habe die Taschenlampe im ungefähr selben Winkel von schräg oben über das Auto gehalten. Die Richtung stimmte also so gut es ging.

  7. Sehr guter Beitrag! von der gleichzeitigen Benutzung von weichem und harten Licht habe ich noch gar nichts gewusst…wieder was dazugelernt! 🙂

    Gruß, Chriss

    1. @Winnerger Achtung, es darf nicht die Charakteristika gemischt werden. Darf schon aber ist nicht Sinn der Sache. Sinn ist es noch ein kleinen Mikro-Spitz-Licht zu setzen um die Knackigkeit in den Details zu kicken.

  8. Geht in die Richtung wie den Mond (im kl. Fernrohr) bei Vollmond oder Halbmond zu betrachten.

    Bei Halbmond erscheinen scharfe Schatten = Viele Details ersichtlich.

    Bei Vollmond ist alles in Sonne getaucht = man erkennt keine wirklichen Details (Mikrokontraste sind weg).

    Aber das auf die Fotografie angewendet? Manchmal liegts so nah und man denkt trotzdem nicht dran.

    Daher: Vielen Dank für den Beitrag und schönen 2. Advent!

  9. @admin:

    Ich sag es mal anders.

    Sowohl Eure Überschriften als auch die Korrektheit in den Artikeln erinnern inzwischen eben einfach mehr an die BILD als an die FAZ.

    Überschrift provokativ und populistisch, Inhalt dafür stark simplifiziert bis Tatsachen verdrehend – wenn auch gut gemeint.

    Beispiele: „Licht formt unser Motiv und kann unser Motiv auch unscharf werden lassen.“-Geringerer Kontrast? Ja. Dadurch geringerer Schärfeeindruck? Ja. Unschärfe? NEIN!

    „Licht trennt sich im Endeffekt auf in weiche und harte Schatten“ – LICHT trennt sich auf in SCHATTEN?

    Fällt mir nicht zum ersten Mal auf, ich sage es nur zum ersten Mal.

    Ihr könnt die Kritik auf- und annehmen oder mich als „Meckertante“ abtun.

    Nehmt Ihr Eure kritischen Leser aber nicht ernst, wenden die sich auf Dauer einfach kommentarlos ab.

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