9.4.2012    16

LICHTSETZUNG: "HIGH-KEY" PERFEKT DANK GALGEN

9. April 2012 | Lichtführung und setzung

Heute gehts um Lichtführung und speziell um das Thema HIGHKEY. Wir werden einen Ausrüstungsgegenstand (GALGENSTATIV) vorstellen, was euch Geld spart und die Arbeit vereinfacht. Mit HighKey sind in diesem Beitrag übrigens Bilder gemeint, die einen sehr hell dominierenden Part besitzen. Meistens mit einem strahlend weißen Hintergrund. Klassische HighKeys sollten so wenig dunkle Inhalte wie möglich haben. Aber das dritte Bild unten würden wir auch noch grob als HighKey durchgehen lassen. Trotz des schwarzen Sackos. Wobei klassische HighKeys deutlich heller aussehen und dem eigentlichen HighKey kommt das erste Bild oben links am nächsten. OBACHT liebe Blogleser. Es ist ein weitverbreitetes Fehlwissen, dass die Haut in einem HighKey weiß und ausgebrannt sein muss. Ganz im Gegenteil. Gute HighKeys haben eben einen weißen Hintergrund, sind weiß-dominiert aber haben in allen wichtigen Bildbereichen trotzdem noch Zeichnung. Also schauen wir uns mal die besagten Beispiele an. Von 99% HighKey bis hin zu dem Möchtegern-Krolop&Gerst-Nennen-Es-Mal-Auch-HighKey-Foto mit dem schwarzen Sacko.

Manfrotto Galgen Boom

Der Knackpunkt bei der Erstellung von HighKeys im Studio ist ein Galgenstativ. In unserem Falle ein genialer Studiogalgen. Der Manfrotto Superboom MA 025BS (*Hersteller) oder die einfache Standard-Version, das Manfrotto Galgen MA 085BS (*Hersteller). Und bitte jetzt nicht mit dem Argument kommen, der Galgen kostet Geld. 🙂 Es geht auch ein günstigerer Galgen! Wichtig ist allein die Position, nicht der Galgen selbst. Ich habe kleine Heimstudios betreten, da war ein einfacher Bolzen an die Decke geschraubt, mittig über dem Hintergrund. Egal was wir nutzen, hier geht es um die Logik und den Grund dahinter!

Mit diesem Lighting-Trick braucht ihr fortan nur noch einen Blitz für den Hintergrund für ein perfektes GANZKÖRPERHIGHKEY. Ja, ihr habt richtig gelesen. Ein Blitz für Ganzkörperfotos! Wie wir das machen und was das mit einem Galgen zu tun hat, das seht ihr im nachfolgenden Foto. Das ist unsere Grundkonstruktion für ein HighKey bzw. das ist der Teilaufbau für den Hintergrund. Der Galgen ragt nämlich mit einer dicken Softbox über den Hintergrund in das Foto hinein. Daran befestigt ist dann der Blitz und der strahlt schräg von oben auf den Hintergrund.

Manfrotto Galgen Boom

Normalerweise sagt man ja, dass der Hintergrund für ein sauberes Highkey von mindestens zwei Blitzen ausgeleuchtet werden muss. Warum? Weil eine Lichtquelle immer auch einen Lichtverlauf hat und der Hintergrund muss ja ganzflächig und einheitlich weiß ausgeleuchtet werden.

Viele Fotografen setzen eine seitliche Lichtquelle auf den Hintergrund und fotografieren damit ein HighKey. Funktioniert aber eben nicht optimal und in 90% der Fälle ist damit kein Ganzkörperfoto möglich. Je höher man den Blitz dreht, umso mehr strahlt das Licht in den Raum und umso heller wird der Verlauf. Egal wie hoch oder tief man den Blitz dreht. Der Verlauf bleibt und damit entstehen oft Fotos, bei denen eine Seite über das Motiv strahlt. Da die Distanzen für solch einen seitlichen Hintergrundblitz oft sehr kurz sind, ist auch der Lichtverlust über den Hintergrund sehr hoch. Positioniert man den Blitz 1m vom Hintergrund seitlich weg, dann ist nach bereits einem Meter auf dem Hintergrund, das Licht um zwei Blenden schwächer. Will man mehr Hintergrund haben, dann fehlen teilweise auf einer Seite bis zu 4 Blenden an Licht im Vergleich zur hellen Seite.

Unten haben wir mal zwei Verläufe auf den Hintergrund eingezeichnet. Achtung: Mit dem Blitz auf dem Galgen und unserer hier gezeigten Variante haben die Verläufe nix am Hut. Es soll bloß demonstrieren wie man sonst ein HighKey ausleuchtet. Nämlich von LINKS UND RECHTS mit jeweils einem Blitz. Vorzugsweise bei Ganzkörperaufnahmen mit zwei Striplights.

Manfrotto Galgen Boom

Jede Lichtquelle, die von links und die von rechts, hat einen eigenen Verlauf über den Hintergrund. Das heißt, das Blitzlicht auf der linken Seite ist logischerweise auch auf der linken Seite am stärksten und fällt nach rechts hin ab.

Daher setzt man konsequenterweise einen komplett entgegengesetzten Verlauf durch einen zweiten Blitz mit identischen Einstellungen und gleicher Lichtformung. Dadurch heben sich dann beide Verläufe gegenseitig auf.

Im Bild oben haben wir Photoshop den Schnittbereich verrechnen lassen und man sieht, dass durch die beiden identischen Lichtquellen eine einheitliche Fläche entsteht. Dort wo das Licht abnimmt, wird das stärkere Licht der Gegenseite hinzugefügt.

Jetzt zu unserer Variante. Es geht dabei darum, die Mathematik des Lichts auszunutzen. Der natürliche Abfall der Lichtstärke ist nämlich entfernungabhängig und unser Grundproblem entsteht nur deswegen, weil die Entfernungsunterschiede auf dem Hintergrund mit einer seitlichen Lichtquelle zu hoch werden. Die logische Konsequenz ist also, dass wir eine Position für unser Licht finden müssen, die möglichst gleiche Entfernungen auf den vollflächigen Hintergrund aufweist. Und genau diese Position ist sehr einfach zu finden. Es ist nämlich genau über dem Modell, in der Mitte des Hintergrundes mit einer möglichst großflächigen Lichtquelle.

Der Lichtabfall wird bei einer mittigen, hohen Position über den Modell dann nach unten hin erfolgen. Die Frage für uns ist aber nur noch, wie stark er sein wird und genau diese Stärke hängt von den Entfernungen ab.

Manfrotto Galgen Boom

EINSCHUB ZUM THEMA DISTANZEN: Es muss kurz gesagt werden, dass die Hintergrundrolle im Bild etwas klein wirkt. In der Realität ist es eine 3,75cm breite Rolle. Wir leuchten hier also einen fast 4m breiten Hintergrund einheitlich und ganzflächig mit nur einem Blitz am Manfrotto Galgen MA 085BS (*Hersteller) aus.

Um den Lichtabfall zu berechnen müssen wir uns das Setup von der Seite anschauen. Da können wir die Entfernungen genauer vergleichen.

Manfrotto Galgen Boom

Wir haben in das seitliche Bild mehrere Entfernungen und Markierungen eingefügt. Mit grün und gelb ist die Position des Modells markiert. Das Modell darf nicht vom Licht der Softbox getroffen werden. Daher steht es rechts von der direkten Verlängerung der Softbox-Sichtlinie (GRÜN). Für eine Ganzkörperaufnahme müssten wir also den Hintergrund weiter ausfahren und unter das Modell verlängern.

Wenn wir jetzt die Entfernungen vergleichen, dann sehen wir, dass A, B und C relativ gleich sind und damit auch gleichmäßig starkes Licht abbekommen. Selbst der Boden direkt unter der Softbox ist genau A in der Entfernung und wird damit genauso weiß und hell ausgeleuchtet. Da die Softbox keinen Strahlcharakter hat sondern diffus in jede Richtung strahlt, wird damit auch die Ausleuchtung des Bodens gesichert.

Und genau das ist die Krux bei unserem Setup. Die Position oberhalb des Modells ist die perfekte Position um den Hintergrund auszuleuchten. Dafür braucht es aber einen ordentlich starken Galgen und dafür haben wir den Manfrotto Galgen MA 085BS (*Hersteller). Wie ihr sehen könnt, hält der sogar eine so gigantische Softbox schräg über das Setup und das mit Leichtigkeit.

Manfrotto Galgen BoomManfrotto Galgen Boom

Die Größe der Softbox ist übrigens nicht unwichtig. Die Größe sorgt nämlich dafür, dass die Entfernungsunterschiede weiter relativiert werden. Nutzt eine so große Softbox wie irgendwie nur möglich. Dadurch wird der Hintergrund noch gleichmäßiger ausgeleuchtet. Je größer die Softbox an das Verhältnis von 1:1 an den Hintergrund heran kommt, umso gleichmäßiger wird die ganze Sache ausgeleuchtet.

So, und damit wären wir schon beim eigentlichen Ende angekommen. Mit dieser Lösung erreicht ihr tollste HighKeys mit minimalem Aufwand.

Das große Rollstativ ist übrigens ein CINE-Stativ. Das ist notwendig weil der Galgen nicht geschoben oder getragen werden sollte. Sondern gefahren. Bei voller Auslage und bei großem Gewicht am Ausleger (so wie im Beitrag genutzt) ist jedes Wackeln eine echte Belastung für den Galgen. Daher gilt: Rumfahren und zwar langsam und vorsichtig und dann machen selbst viele Kilogramm am Ausleger nix aus! Das Rollstativ ist ein MA 608B (*Hersteller) ebenfalls von Manfrotto. Egal ob der Galgen von Walimex, Manfrotto oder sonst wem ist. Bitte nicht rumtragen. Da gibt ganz böse Schwingungen und kann den Galgen in Sekunden schrotten.

Manfrotto Galgen Boom

Jetzt zum Thema Effizienz: Im gezeigten Beispiel haben wir mal einen Broncolor Generator angeschlossen. Der kleine Senso A2 hat 1200Ws maximale Leistung und wir haben den Generator auf 150Ws gestellt (7 anstatt 10). Und dann haben wir mit der gigantischen Softbox von ca. 150cm Breit den Hintergrund ausgemessen. Bei einer Blende von 5.6 wird der Hintergrund 2 Blenden überbelichtet. Das heißt also, dass wir die korrekte Belichtung bei f11 hätten. Mit der einen Softbox können wir also mit 150Ws schon ein HighKey bei f5.6 erzeugen und haben einen perfekt weißen Hintergrund bis hin zum Boden.

Manfrotto Galgen BoomManfrotto Galgen Boom

Was bringt euch denn der Galgen und diese Ausleuchtungsmethode???

  • Die hier gezeigte Variante spart euch einen Blitzkopf samt Lichtformer und Stativ. Selbst der günstigste Blitz mit Lichtformer, einem ganz billigen Stativ und Auslösung kostet euch 300 €. Und normalerweise braucht ihr für ein perfektes HighKey zwei davon… jetzt nur noch einer!
  • Ihr spart Verbrauch und Abnutzung von mehreren Blitzen. Denn mit den reinen Anschaffungskosten ist es ja nicht getan. Fortan nutzt ihr beim Fotografieren nur noch einen Blitz und das ist auf die Dauer auch günstiger. Vor allem wenn Blitze dann mal mehr kosten.
  • Ein Blitz ist einfacher zu handhaben. Ihr könnt die gesamte Belichtung über nur einen Leistungsregler steuern. Veränderungen und Anpassungen sind im Fotoshooting deutlich schneller gemacht.
  • Der Boden wird deutlich angenehmer bestrahlt und hat einen deutlich schöneren Verlauf. Das (Streulicht) kann aber für manch Portraits auch wieder hinderlich sein.

Ihr seht… absoluter Pluspunkte sprechen für unseren Lighting-Vorschlag und ein dicker Pluspunkt kommt noch. Der große Galgen kann auch noch bei allen anderen Setups eingesetzt werden und vereinfacht in jedem anderen Fotosetup die Arbeit. In diesem Beitrag haben wir nicht einen einfachen Galgen benutzt sondern einen Galgen mit einer grandiosen Funktion. Nämlich mit zwei Kurbeln am Ende des Galgens und mit Hilfe dieser beiden Kurbel kann der Blitzkopf am anderen Ende um zwei Achsen rotiert werden. Einmal gedreht und einmal geneigt. Damit kann selbst eine so gigantische Softbox mit nur ein paar Umdrehungen an der Kurbel perfekt in Position gebracht werden. Dieser Galgen heißt bei Manfrotto deswegen auch SUPERBOOM 🙂 Geiler Name aber echt treffen! Manfrotto Superboom MA 025BS (*Hersteller)
Der Aufpreis für diesen besonderen Galgen liegt bei ca. 200-300 €. Wir haben selbst nur einen solchen Galgen und die anderen Galgen sind die einfachen großen Booms oder die kleinen kompakten Combi-B0oms.

Manfrotto Galgen BoomManfrotto Galgen Boom

Ein großer Beitrag heute aber ich denke ein tolles Beispiel um Theorie mit Praxis und Vorteilen zu verbinden. Natürlich ist Lichtrechnerei manchmal trocken aber genauso kann es eben auch nützlich sein und wie hier gezeigt Geld sparen.

So, damit sagen wir Tschüss, wünschen FROHE OSTERN und einen guten Start in die Woche. Als nächsten Beitrag zeigen wir euch dann ein Foto was genau mit dieser Hintergrund-Ausleuchtung entstanden ist.

Liebe Grüße

Martin & Marc

Kommentare (16)

16 thoughts on “LICHTSETZUNG: "HIGH-KEY" PERFEKT DANK GALGEN

  1. Danke für das Setup. Werde ich wohl mal ausprobieren.

    Aber ist es nicht eigentlich eine 0-Rechnung? Günstigster Blitz als Beispiel kostet 300,- €. Normalerweise zwei also 600,- €. Wenn ich aber das Stativ kaufe, was ja auch nicht gerade günstig ist bin ich bei etwas mehr als 600,- €. Ok, vielleicht ein wenig Erbsenzählerei. Aber sparen ist anders 😉

    1. @Marc
      Wie schon geschrieben. Nicht nur Kaufanschaffung sondern auch Verbauch rechnen. Und ein Blitz bei manchen Herstellern kostet 800 €, plus 150 € Lichtformer und auch ein gutes Rollstativ kostet 200 €. Und plötzlich ist die Rechnung nicht mehr NULL.
      Natürlich ist der Vergleich extrem. Günstigster Blitz gegen Turbo-Mega-Luxus-Galgen… 🙂 Aber ich denke die Rechnung stimmt und viel wichtiger ist die Tatsache, dass der Galgen ja nicht nur für den Hintergrund Sinn macht. Er ist unsere absolutes Standard-Stativ für das Führungslicht!

  2. Euch auch erst mal frohe Ostern.

    Wieder einmal alles super erklärt und dargestellt.

    Diese Methode finde ich sehr genial, wobei die Stative auch nicht so günstig sind, wie alles im Bereich der Fotografie. Ich frage mich warum Fotografen immer so abgezockt werden? 😛

    Für Fotografen die oft solche Aufnahmen machen, oder gerne mit Galgen arbeiten lohnt sich die Investition sicher, da man das Stativ ja auch für andere Sachen verwenden kann.

    Wollte eigentlich noch wissen, wie viel Gegengewicht ihr da so verwenden müsst? Denn wenn ich meinen Aufsteckblitz + 60×60 Softbox an nen Galgen hänge, dann packe ich schon gut an Gegengewicht drauf.

    MfG,

    Dan

  3. Danke erst mal für die viele Mühe, die Ihr Euch immer gebt – und erst recht für die Bereitschaft, Euer Wissen zu teilen. Ist ja wahrlich nicht selbstverständlich…

    Toll finde ich hier, dass man Informationen bekommt und zum selber denken angeregt und in die Lage versetzt wird. Und das ist für mich der größte Gewinn aus dem hier geschriebenen. Gerade der Verlauf der Lichtleistung ist immens wichtig und wird bei vielen wohl noch nicht wirklich richtig verstanden.

    Was mir weniger gefällt, ist zum Ersten die Verwendung des Begriffes HighKey in einem solchen Zusammenhang. Hier geht es doch eigentlich „nur“ um ein perfektes/gleichmäßiges Ausleuchten eines weißen Hintergrundes. Dieser könnte ja auch farbig sein – solange man einen gleichmäßig ausgeleuchteten HG haben möchte, gilt all das hier gesagte. Mit HighKey selber hat das erstmal gar nichts zu tun.

    Wichtiger aber finde ich die Kostenrechnung. Sorry, aber hier würden zwei einfache Blitze samt Striplight und Stativ einfach weniger kosten als so ein Spezialstativ in dieser Güte (ein einfaches würde die Box in dieser Größe nicht halten können) und einer solchen großen Softbox samt Blitzkopf.

    Und auch wenn der Galgen weitere Einsatzszenarien ermöglicht – das tun zwei Blitze statt einer ebenfalls. Nullsummenspiel.

    Auch braucht man für Euer Setup hier sehr viel Raumhöhe und auch Platz HG zu Motiv – und zwar noch mehr, als das auch bei zwei Blitzen und weißem HG eh schon nötig ist. Dann noch der Abstand Fotograf zum Modell bei Ganzkörper und „nichtverzerrender“ Brennweite… Sollte man vielleicht wenigstens erwähnen, bevor jemand auf die Idee kommt, das zu hause im Keller nachbauen zu wollen 🙂

  4. Mal eine ganz andere Frage:Was ist das für eine Kupplung, mit der Euer Blitzkopf da am Galgenstativ befestigt ist? Ich habe nämlich auch so einen Boom von Manfrotto (sogar den Megaboom :-), aber das Problem, das mein Biltz da mit einer Spigot-Kupplung dran hängt und sich dementsprechend immer dreht, wenn man in ein bißchen schrägere Positionen kurbelt, ziemlich nervig. Das beI Euch sieht deutlich stabiler aus…

    Danke im voraus,

    Chris

  5. Martin, Marc, wenn einer von Euch die Zeit für eine kurze Antwort finden würde, würde ich mich sehr freuen! Danke und viele Grüße,

    Chris

  6. Ist keine besondere Kupplung Chris… 🙁 Leider… aber wir versuchen die Belastung eben nicht schräg sondern vertikal zu haben. Das Zahnrad ist deutlich stabiler als die seitliche Drehung. LG Marc

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