LICHTSETZUNG: DER HINTERGRUND GEHÖRT DAZU!

12. März 2012 | Lichtführung und setzung, Photoschool

Hallo zusammen und wir hoffen ihr hatte ein tolles Wochenende. Um euch gleich wieder mit Wissen über Fotografie zu überschütten und euch ein paar wichtige Details vor den Latz zu knallen gibt es heute einen Lighting-Beitrag.

Der eine oder andere Blogleser wird sich schon bei der Überschrift gefragt haben, warum der Hintergrund denn mit zur Lichtsetzung gehört? Was hat denn der Hintergrund mit Lichtsetzung zu tun. Alles ist die Antwort! Denn Lichtsetzung ist die Arbeit mit Licht und Schatten und der Hintergrund ist oftmals der Ort an dem diese Schatten sich zeigen und das bedeutet, dass der Hintergrund überhaupt die Grundlage für viele Lichtführung ist.

Zudem bildet der Hintergrund in eigentlich allen Peopleshots die Grundlage und die Kontrastgrundlage. Was genau Kontrastgrundlage bedeutet, dass werden wir heute besprechen zusammen mit der Frage wie der Hintergrund Lichtführung modifizieren kann.

Um eine perfekte Ausgangssituation zu bekommen, haben wir im Studio die Leonie dreimal für diesen Blogpost abfotografiert. Wir wollen euch nicht lieblos eine Puppe hinstellen. Das würde zwar unsere Arbeit so viel einfacher machen aber das ist weder real noch ist es sinnvoll. Puppen haben dann doch eine ganz andere Oberfläche als wirkliche Menschen. Und nur um sich die Arbeit zu ersparen???? Ne… dann doch lieber richtig mit Leonie.

Wir haben also bei den nachfolgenden Fotos die eigentlich Lichtformung und Lichtpositionierung nicht angerührt. Wir haben also AUSSCHLIESSLICH den Hintergrund verändert. Wir hatten drei Rollen am Hintergrundsystem und haben die einfach hoch und runter gekurbelt. Alle Entfernungen, Winkel und Distanzen sind absolut identisch auf den drei Fotos.

Schaut euch die drei Fotos mal an!

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

Nach weißem Hintergrund kommt die schwarze Papierrolle runter!

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

Und abschließend noch der graue Hintergrund.

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

Als ersten Punkt muss man an dieser Stelle anmerken, dass der Unterschied der Bildwirkung gigantisch ist. Und das ist schon der erste Aha-Effekt dieses Blogbeitrages. Oder er soll es sein :-).

Allein das wechseln des Hintergrundes lässt das Bild anders wirken. Der Grund dafür sind die bereits angesprochenen Bildkontraste. Also keine Mikrokontraste auf der Textur oder kleinen Falten sondern der globale Kontrast. Bei manchen Bildern trennt der Hintergrund das Motiv extrem vom Hintergrund hervor (schwarz) und auf einem anderen Bild haben wir fast die gleichen Helligkeitswerte (weiß). Diese unterschiedlichen Kontraste lassen unser Auge das Bild verändern. Das ist die gleiche Situation wenn ihr ein graues Papier auf ein großen schwarzes Papier legt und das blaue Papier anschließend auf ein weißes Papier legt. das innen liegende Grau wird jeweils anders wirken weil unser Kopf den Kontrast in gewisser Weise „anpasst“.

Viel interessanter finde ich bei den drei Fotos von oben allerdings einen anderen Aspekt. Und zwar fällt beim Vergleich von grau und weiß (Hintergrund) direkt der deutliche Schatten um die Hüfte auf. Beim weißen Hintergrund ist der total verschwunden. Wohin???

1. Unterschiedliche Helligkeiten haben unterschiedliche Schattenwirkungen. Natürlich ist der Unterschied der Helligkeit auf dem weißen Hintergrund identisch mit dem auf dem grauen Hintergrund. Allerdings wurden die Bilder ja leicht in der RAW-Entwicklung bearbeitet. Während der Schatten auf dem grauen Hintergrund verstärkt wurde, war der Schatten auf dem weißen Hintergrund so hell, dass er durch die Bildbearbeitung weiß wurde. Eine einfache S-Kurve in der Gradation sorgt ja dafür, dass dunkle Bildbereiche noch dunkler werden, helle Bildbereich aber heller. Nichts anderes ist eine Kontrastverstärkung!

Also war die Ausgangslage auf dem Raw-Foto auch ein Schatten. Aber ein heller Schatten wurde heller und damit unsichtbar gemacht. Auf dem grauen Hintergrund wurde er deutlich verstärkt. Dazu kommt, dass der weiße Hintergrund natürlich auch eine höhere Reflektionswirkung hat damit mehr Streulicht in den Raum bringt und den Schatten erst gar nicht so dunkel werden lässt.

Beim schwarzen Hintergrund finden wir aber auch einen einen interessanten Aspekt. Es gibt keinen Schatten wenn alles schwarz ist. 🙂 Diese Logik mag jetzt so einfach und banal sein, dass man sich an den Kopf fassen wird. Aber es ist wichtig sich zu vergegenwärtigen. Denn immer dann wenn eine extreme Lichtquelle versteckt werden soll, kann ein tief schwarzer Hintergrund dafür sorgen, dass die Lichtführung weg vom Schatten auf dem Hintergrund nur noch auf dem Motiv anliegt.

Ein vierter wichtiger Punkt im heutigen Blogbeitrag ist zudem auch noch, dass der weiße Hintergrund durch die oben genannte Streulicht-Wirkung oftmals noch die Schatten „killt“. Möchte man tief dunkle Schatten dann sollte man auf einen hellen, strahlenden Hintergrund verzichten oder diesen extrem weit nach hinten setzen.

Der Hintergrund kann also zudem noch aktiv in die Lichtführung eingreifen. Er kann Schatten aufhellen. Gut, wenn gewünscht, aber echt schlimm wenn ungewünscht.

So, viele Punkte waren das heute. 🙂 Aber auch extrem wichtig zu wissen. Wir hoffen ihr habt gemerkt, dass Lichtführung oftmals mehr als nur ein neuer Lichtformer ist. Seid vorsichtig mit Lichtformern und Co. Teilweise wird einem eingeredet, dass der neue Lichtformer ein so viel tolleres Licht macht, das alles besser wird und so viel anders. Aber hätten wir an den Bildern oben von unserem gewählten 125cm Schirm auf eine 1m Box gewechselt, der Unterschied in der Bildwirkung wäre nicht wirklich sichtbar gewesen. Verändert man jedoch einfach mal den Hintergrund, so ändert man das Foto und die Bildwirkung viel mehr als man oft mit dem Wechsel des Lichtformers erreichen kann.

Spart also euer Geld und fangt an Hintergründe zu wechseln… 🙂 Hüstel…

Lieben Gruß

Martin

Kommentare (15)

15 thoughts on “LICHTSETZUNG: DER HINTERGRUND GEHÖRT DAZU!

  1. Toller Beitrag! Danke dafür!

    Könntest du verraten, was für einen blauen Hintergrund du auf dem letzten Bild benutzt hast?

    Schließlich will ich nun andere Hintergründe haben 😉 und ich mag das blau!

    Viele Grüße,

    Christoph

  2. Klasse Beitrag MArtin…. ist der letzte kein Lichtgrau ? habe im Studio so einen da lässt sich viel machen vom anblitzen zu weiß und weiter weg richtig schwarz absaufen lassen auch interessant das schwarz mit farbfolie anzublitzen …. hast du das schon mal probiert?

  3. Hehe,

    um die Verwirrung mit blau und grau noch zu verstärken, habt ihr wohl den schreibfehler im zweiten Absatz nach den Bildern, vorletzte Zeile extra eingebaut 🙂

    blaues Papier = graues Papier

    LG Andy

  4. Das mit dem Weiß find‘ ich irre. Spannend wäre zu sehen, wie man auf dem weißen Hintergrund harte Schatten und Farbnuancen durch Abstand und Lichtformer erzeugt. Kannst Du dazu was sagen? Manchmal kommt es vor, dass der weiße Hintergrund eher bläulich wird, wenn man den Abstand verändert – aber woran das liegt kann ich nicht sagen. Ist bisher eher Zufall…

    VG

    Peter

  5. Wie war den eure Lichtführung ?

    Habt ihr den weisen Hintergrund separat noch mal belichtet das er strahlend weiß wurde oder rein durch die RAW Bearbeitung ?

    Danke für die ganzen Infos …

    Lg

  6. Hey,

    herzlichen Dank für den Beitrag. Da ich grad mir Hintergründen etwas experimentiere, kommt der grade recht. Nutze jetzt einen Stoffhintergrund, den ich durch Papier ersetzen möchte. Stoff ist mir zu faltig. Selbst mit Bügeln ist da nicht viel drin.

    Wie wichtig ist den ein Alukern in der Rolle? Bringt das wirklich was, bzw. biegt sich die Rolle wirklich mit der Zeit durch wenn kein Alukern verwendet wird?

    Herzliche Grüße aus Frankfurt

    Peter

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