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LICHTSETZUNG: DETAILS MACHEN DEN UNTERSCHIED

29. Januar 2012 | Lichtführung und setzung

Spätestens seitdem Heide „ihre“ Mädels ins Fernsehen quält, bekommen immer mehr Einsteiger in die Peoplefotografie einen sehr falschen Eindruck von der eigentlichen Arbeit hinter der Kamera.

Warum? Weil dort im knallbunten Fernsehen irgendwie nur gezeigt wird, wie das Modell fröhlich Purzelbäume vor der Kamera schlägt und der Fotograf gleich dabei mitmacht. Und genau das ist das Problem. Nicht, dass dort nicht anständig und toll fotografiert werden würde. Es geht um den Eindruck der vermittelt wird WÄHREND des Fotografierens.

Nämlich der anschneinend unstatische Umgang mit Positionen und dem Modell. Da passiert es oft auf der Mattscheibe, dass der Fotograf ganze 180° um das Modell herumspringt, das Modell sich mehrere Meter herumbewegt und irgendwie bewegt sich alles in jede Richtung und überall hin. Und genau so geht es eben nicht. Und am besten deutlich wird dieser Fehler bei der Arbeit mit harten, kleinen und sehr kontrastreichen Lichtquellen. Und im Umkehrschluss bedeutet das dann auch für die Arbeit mit derlei Lichtquellen, dass auf fixierte Positionen eben besonders wert gelegt werden muss. Diese Erkenntnis ist aber gerade für Aufsteckblitzer unglaublich essentiell.

Anmerk. d. Red.: Natürlich gibt es auch Aufbauten bei denen man wirklich 360° fotografieren kann. Aber das ist doch eher die Seltenheit und sollte vermieden werden.

Bei den nachfolgenden Fotos haben wir die Position von Blitz zu Modell absolut identisch gehalten und dabei nur die Kamera bewegt. Es handelt sich jetzt in diesem Beispiel sogar um eine sehr untypische, reduzierte Situation denn normalerweise würde sich das Modell ja zusätzlich bewegen. Diesen zweiten Bewegungsfaktor haben wir an dieser Stelle mal ausgeschaltet um besser zeigen zu können, was allein die Bewegung der Kamera um ein paar Centimeter erzeugt.

Schauen wir uns erstmal die Fotos an. Also nicht vergessen, der Blitz zielt frontal auf das Modell, die steht 40-50cm vor der Wand und die Kamera bewegt sich um das Modell herum! Der Blitz selbst wurde in der Höhe maximal 10-15cm bewegt.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoLeicht seitlich, ca. 15°, Blitz auf Augenhöhe

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSchräg seitlich, ca. 50°, Blitz leicht oberhalb

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Der Blitz direkt an der Kamera, 0° zur Seite, Blitz leicht oberhalb

SETUP HOW TO Tutorial PhotoGenau unter der Lichtquelle! 0° zur Seite aber Blitz am Objektiv!

Kurze Erklärung: Die Nullachse ist die, vom Blitz zum Modell, der oben angegebene Winkel dann der Winkel zwischen dieser Achse und der Kamera-Modell-Achse.

Erstaunlich wie unterschiedlich die Fotos wirken und wie verschieden die Bilder ausgeleuchtet sind. Und umso erstaunlicher als dass die Bilder eben mit wenigen Centimeter Entfernungsunterschied gemacht wurde. Keine 2m von links nach rechts sondern in unserem Falle nur 30-40cm die Kamera nach Links, und Blitz nach oben oder unten.

Und um zu zeigen, dass die Position des Modells genauso ausschlaggebend ist für den Bildlook wie die Kameraposition. Und daher an dieser Stelle noch ein Bildvergleich bei dem das Modell näher an den Hintergrund gerückt wurde. Und schon schmelzen die Schatten dahin. Bei gleichbleibenden Einstellungen von Blitz, Kamera und sonstigen Positionen erzeugt eine Bewegung des Modells eine genauso ausschlaggebende Änderung wie die Veränderung der Kameraposition.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Absolut identischer Blitz wie oben (0° zur Seite aber 10° nach oben!) aber das Modell näher am Hintergrund.

Man kann also zusammenfassen, dass jede Bewegung eines der Elemente beim Fotografieren, Kamera, Blitz, Modell eine Verschiebung der Achsen und Winkel herbeiführt und daher das Bild verändert. Und gerade bei der Arbeit mit harten Lichtquellen ist die Positionierung die Wichtigste Komponente.

Und jetzt kommts nochmals: Eine klassische „harte Lichtquelle“ und auch sehr beliebt ist und bleibt ja der Aufsteckblitz entfesselt gezündet frei nach Strobist. Und genau damit zu arbeiten erfordert, das haben wir ja gerade gelernt, eine unglaublich genaue Kontrolle der Positionen und Winkel. 10-20cm können einen gigantischen Unterschied ausmachen und das Bild komplett anders wirken lassen.

Anders kann toll sein, es kann perfekt sein aber anders ist eben anders als geplant und wir wollen ja den Punkt halten, an dem wir genau das auf die Kamera bekommen was wir wollen und nicht irgendwelche Zufallstreffer. Wer also rumspackelt um das Modell, mit dem Blitz Roulette spielt, der erzeugt Zufall und ist dann davon auch abhängig. Kann funktionieren, tut es aber meistens nicht. Jedenfalls macht es nicht glücklich… 🙂

In diesem Sinne, haltet eure Positionen fix und bewegt euch nur auf der Achse! Nicht neben der Achse. Dazu aber später mal mehr!

LG

Martin & Marc

Kommentare (4)

4 thoughts on “LICHTSETZUNG: DETAILS MACHEN DEN UNTERSCHIED

  1. Hi,

    dass Problem kenn ich auch ganz gut…das viele Leute ein falsches Bild von Fotografie haben…so nach dem Motto…is doch gar nicht so schwer ein paar mal auf den Auslöser zu drücken…vor allem wenn man noch so ne schöne Reihenaufnahmefunktion hat…und Blitze machen ja auch nur Blitz…was anderes können die ja nicht… 😉 also liegt es nicht an mir (dem Modell) wenn schlechte Fotos entstehen…da ist dann schnell der Fotograf schuld, obwohl man dem Modell zum Xten-mal gesagt hat wo man am besten steht und in welche Richtung am besten gepost werden sollte…auch werd ich meistens etwas schräg angeschaut, wenn ich ne kleine markierung auf den Boden klebe…so nach dem Motto…da soll ich stehen bleiben?!? wo bleibt die Action und der Spass?!? so nach dem Motto…. was habt ihr so für Erfahrungen in dieser hinsicht gemacht? würde mich mal interessieren…

    LG Chriss

  2. Sehr schön erklärt. Indoor hab ich diese Erfahrung schon machen müssen. Kritisch wird das wirklich wenn man wie in dem Weitwinkeltutorial von euch auf Engem Raum fotografiert… Da ist man schnell mal von der Achse.

    Was mich interessiert:

    Wie verhält sich das bei Outdoorshootings?

    Wage mich grad erst an Portraitaufnahmen herran. Ich bin beim letzten Outdoorshooting in ca 5m entfernung auf 100mm Brennweite schon meine 2-3m ums Model rumgerannt… Und musste aus bestimmten Winkeln auch Roulette mit den Blitzen spielen damit ich keine schatten auf den Bäumen habe..

    Gruß

  3. Hi Martin,

    schöner Artikel und für viele sehr Hilfreich. Ein wichtiges Detail stört mich jedoch etwas. Die Brille sitzt viel zu Tief, sodass das obere Augenlied fast nicht mehr zu erkennen ist 🙂 Darauf sollte man auch achten 🙂

    Euch viel Spaß im neuen Studio und viele Grüße aus Hamburg

    Markus

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