30.3.2011    19

LICHTSETZUNG: KÜNSTLICHE FLARES

30. März 2011 | Lichtführung und setzung

Irgendwie ist es schon komisch was in den nachfolgenden Zeilen geschrieben bzw. erklärt wird. Im Endeffekt werden wir gleich eine ziemlich abstruse Logik erklären. Keine Sorge, die Technik ist und bleibt sinnvoll sonst wäre es den Blogbeitrag nicht wert. Trotzdem; es ist und bleibt komisch…

Was genau komisch ist, fragt ihr euch? Die Antwort ist einfach: Wir kaufen uns eine super-dolle-top-Foto-DSLR-Kamera, ein super geniales, hochmodernes Objektiv, eine Horde von Ingenieuren ackert sich halb kaputt um jegliche Flares und Fehlbildungen durch die Optik zu vermeiden und wir ballern extra noch nen Blitz aus 30cm ins Objektiv um alles wieder kaputt zu machen?

Warum dann nicht gleich eine Holga kaufen?

Ganz einfach… Flares (die weißen, überbrennenden Fehlbildungen) sind ein optisches Werkzeug eines Fotografens. (EDIT: Wie Sven uns in den Kommentaren richtigerweise gesagt hat, waren wir mit dem Namen FLARE doch etwas unpräzise. Flares, da hat Sven Recht, sind eigentlich die kleinen Blendenpunkte. Nichts desto trotz kann man unserer Meinung die Fehldarstellung iSv milchig, kontrastarm, hell und weiß auch als Flaring zu titulieren. Im Endeffekt sind es Fehldarstellungen des Objektivs, egal ob als Punkt oder als weißer Schleier. Verzeiht uns einfach mal die Ungenauigkeit!. Ein Flare entsteht, indem die Blende sich auf einer Linse im Objektiv spiegelt. Unsere Falschdarstellungen entstehen, weil das komplette Innere des Objektivs strahlt und leuchtet und sich daher auch auf den Linsen wiederspiegelt. Die Linsen werden milchig. Also fast identisch als wenn sich nur eine Blende spiegelt, spiegelt hier eben das ganze Objektivinnere!) Normalerweise bekommt man die Flares automatisch in bestimmten Situationen. Aber ein Fotograf ist eben erst dann ein Fotograf, wenn er zu jeder denkbaren Zeit jedes gewünschte Resultat hinbekommt. Und genau darum zeigen wir heute, warum man sein teures Objektiv optisch schrotten sollte.

Guckt euch mal die Fotos an… die beiden Fotos wurden für Lindegger Brautmoden aufgenommen. Die Chefdesignerin hat ausdrücklich ein Foto mit Flares habenwollen, sie liebt Flares und diese milchigen Fotos und sie wollte auch den Heuboden auf dem Foto haben… Na prima. Heuboden ohne Sonne aber Flares…

TECHNICAL Vergleich FotosTECHNICAL Vergleich Fotos

 – click on image to enlarge –

So sah die Location ohne Blitze aus… Man erkennt schon wie alles aufgebaut war.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Wir nutzten eine Lichtquelle als Führungslicht aus der Richtung der Kamera (Octabox 100cm) und dann noch einen Blitz mit Reflektor von sehr sehr weit hinten. Der hintere Reflektor war ca. 5-6m hinter dem Motiv aufgestellt.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Fotografiert haben wir mit einer Blende von 10, ISO200 und 1/160s Belichtungszeit.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Und jetzt der Gag! Wir haben mit einem handgehaltenen Reflektor aus kürzester Nähe in das Objektiv geblitzt.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Wollt ihr diesen Effekt genauso erzeugen, dann müsst ihr folgende Punkte im Hinterkopf behalten.

  • Die Stärke des Flares ist zufällig und hängt von vielen Einzelfaktoren ab. Entfernung, Winkel, Distanz, Objektiv, Kamera, Sensorgröße, Reflektor, Blende… Schon geringste Abweichungen ändern das Foto.
  • Sensorgröße ist extrem wichtig, denn bei einem APS-C Sensor werden die kritischen Randbereiche des Objektivs garnicht erst aufgenommen. Dort findet man aber den stärksten Schleier…
  • Handgehalten gibt es nie identische Ergebnisse, jedes Foto schaut anders aus.
  • Variation und Wiederholung ist das Schlüsselwort. Probieren und experimentieren bis die Kamera qualmt.
  • Je offener die Blende umso stärker die Flarebildung.
  • Je stärker die Leistung umso stärker die Flares.
  • Je steiler der Winkel zum Objektiv, umso weniger Flares.
  • Je mehr Dreck auf der Linse, umso mehr Effekte. (Dann leuchtet nicht mehr das Innere aber eben der Dreck auf dem Objektiv. Anderer Effekt, gleiche Wirkung!)

Ihr fragt euch jetzt auch sicherlich nach der Leistungsverteilung. Der Ranger Quadra kann maximal 400Ws und wir haben davon insgesamt ca. 300Ws abgefordert. Diese 300Ws waren so verteilt, dass 200Ws auf das Führungslicht in der Softbox (AUSGANG A) und 100Ws (AUSGANG B) in den Blitz in der Hand gingen.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Teilweise sind wir sogar bis auf 10 oder 15cm an das Objektiv heran gegangen.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Mann kann die Dreiteilung deutlich erkennnen. Das Modell und die Szenerie werden durch das Führungslicht erhellt die Szenerie durch das Streiflicht von hinten welches gleichzeitig schon den ersten großen Flare im Objektiv rechts oben erzeugt. Die restliche MILCHIGKEIT erzeugt der Blitz an der Kamera.

Hier das Vergleichsbild mit den Markierungen in Farbe:

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Dat war es schon. Probiert es aus, sieht genial aus und mann kann diesen Effekt bei Blende 10 schon mit einem Aufsteckblitz nachmachen. Geht einfach und sieht genial aus.

TECHNICAL Vergleich FotosTECHNICAL Vergleich Fotos
– click on image to enlarge –

PS: Für alle Photoshopler… bitte ein anderes Blog besuchen… hier gehts um Fotografie. Natürlich kann man den Effekt auch mit PS machen, ja, es wäre sicherlich besser bei einem Auftrag, trotzdem stehen viele Kunden noch auf wirkliche Fotografie und es ist doch auch für sich selbst als Fotograf ein anderes Feeling ein fertiges Foto aus der Kamera bekommen zu können.

LG

Martin & Marc

Kommentare (19)

19 thoughts on “LICHTSETZUNG: KÜNSTLICHE FLARES

  1. hallo marc, hallo martin,

    toller post, leider ein wenig zu oberflächlich, ein flare, also blendenfleck entsteht wie der name sagt durch die blende, und hat erstmal nix mit „dreck“ auf der linse zu tun (die sollte bei sachgemäßer nutzung meiner meinung nach eh nie dreckig sein). deshalb muss ich vehemend darauf hinweisen, dass euer resultat eigentlich kein flare, sondern stinknormales streulicht, verursacht durch massives beleuchtung in das innere des objektivs. ein blendenfleck im klassischen sinne entsteht durch die spiegelung der blende auf einer linse im objektiv, je kleiner die blende, desto klarer der fleck. hat auch nix mit der sensorgröße zu tun. ebenso wenig wie sich streulicht bei einem kleinen sensor irgendwie anders auswirkt. streulicht mindert die kontraste im ganzen, oder in teilen des fotos. ich habe schon genug bilder in gegenlicht situationen gemacht und deshalb erlaube ich mir an dieser stelle diese kritik.

    beste grüße

  2. Schon faszinierend das ihr oftmals genau Sachen bringt die ich wenige Tage oder Wochen später gebrauchen kann 🙂 Weiter so Jungs! Danke für den Beitrag. Wann seid ihr mal wieder in der Weinheimer Gegend?

  3. Klasse Beitrag!

    Das muss ich die Tage auch mal ausprobieren.

    Mal eine Frage zu der Blende… Ich habe ein Sigma 50mm f1.4 und schieße meine Bilder zu 75% auf Blende 5.6 da bei dieser Blende die Auflösung und Schärfe am besten ist. Nimmt die Auflösung deutlich ab wenn ich auf Blende 10 Ftotgrafiere? Dann würde ich das ganze auf jeden fall mal die Sage mit meinem Systemblitz ausprobieren…

    1. Also ich finde es eher problematisch, dass du abblendest wegen Qualität… FUCK THE QUALITY… nimm die Blende die du willst weil dein Foto eben so aussehen muss. Brauchst du Unschärfe nimm 1.4 und brauchst du Schärfe nimm 10. Vergess mal dein bisheriges Denken komplett!!!

    1. Versteh das nicht falsch… für mich klingt das so als ob jemand mit einem Ferrari sagt, er würde nur im 2. Gang fahren, weil dann die Übersetzung die stärkste Beschleunigung entfalten würde und dann bei einem Kollegen fragt, ob man mit dem Ferrari wirklich auch im 1. oder im 6. Gang fahren kann.
      Jede Blende ist unterschiedlich und die beste Leistung hat man sicherlich im Bereich von Blende 8 bis 11. f32 oder f1.4 sind kritische Blenden aber man braucht sie genauso wenn man den entsprechenden Look haben möchte. Fotografier so wie dein Foto aussehen soll!

  4. Interessanter vergleich Martin 😉

    Diese Einstellung gefällt mir so bei dir… Aber du predigst selber immer wieder wie schwierig es ist das Wissen im richtigen Moment wieder abzurufen. Meistens verfällt man dann doch wieder in das gewohnte Muster. Aber ich nehme mir vor für das nächste shooting mal bewusst mit anderen Blenden zu arbeiten.

  5. @sven

    also in „light – science & magic“ wird flare sehr schön als „non-imaging light“ bezeichnet. die simple übersetzung mit blendenfleck finde ich nicht ausreichend, da stoßen wir einfach auf unschärfen in der übersetzung.

  6. Toller Beitrag und toller Effekt. Könntest Du bitte noch den vollständigen Produktname des Ranger Quadra posten?

    Liebe Grüße

    Julia

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Anzeigen