27.11.2010    6

LICHTSETZUNG: JEDER TOPF HAT SEINEN DECKEL (LICHT!!!)

27. November 2010 | Lichtführung und setzung

Eigentlich hätte ich diesen Post zur Fussball-WM oder EM bringen müssen. Warum? Na schaut euch doch mal das Foto weiter unten genauer an. Vor allem auf die Farben sollte man achten :-). Aber zurück zum Thema. Irgendwie könnte man die letzten Tage im Blog zu den Aufsteckblitztagen erklären. Und das geht heute nochmals so weiter. Es geht nämlich um ein spezielles Thema.

Wie ihr gesehen habt, handelt es sich heute um einen Beitrag aus der Kategorie LIGHTING. Und jeder Lighting Beitrag hat sich ja speziell um ein lichtspezifisches Thema zu drehen. Ihr kennt sicherlich die Aussage : „ICH HAB NEN AUFSTECKBLITZ IM KELLER ABER DEN NUTZE ICH NICHT.  DER MACHT NUR DRECKSLICHT!“ oder genauso gut „MIT DEM AUFSTECKBLITZ SEHEN ALLE FOTOS SO TOT AUS“.

Diese beiden Aussagen bzw. die Kernaussage dahinter hat einen kleinen Wahrheitsanteil und eine große Unrichtigkeit. Natürlich ist ein Aufsteckblitz keine 2m-2000Ws-Softbox-Schlagmichtot-Lösung. Ein Aufsteckblitz, vor allem eben wenn an der Kamera eingesetzt, sieht eben auch aus wie ein Aufsteckblitz.

Aber dieses Licht muss nicht schlecht aussehen, tut es auch nicht! Es hat eben eine bestimmte Aussage und eine bestimmte Bildcharakteristik. Als wir bei einem Nachtshooting in München vor 3-4 Monaten bei der Lichtschmiede e.V. waren, da haben wir die Fotos des heutigen Setups gemacht.

Wir haben damals auf die Spitze getrieben, dass ein Licht eine ganz bestimmte Bildcharakteristik besitzt und dass es kein schlechtes Licht gibt, sondern eben nur ein Licht zur falschen Zeit am falschen Ort eingesetzt.

Dank einer 7er BMW Edellimo mit allem Pi-pa-po konnten wir die Situation erzeugen, die diese gräuliche Lichtführung des Aufsteckblitzes auf der Kamera nimmt, und um 180° in ein perfektes Licht verwandelt. Schauen wir uns die fertigen Ergebnisse an. Beachtet… alle mit einem Aufsteckblitz AUF dem Blitzschuh der Kamera gemacht.

TECHNICAL Vergleich Fotos
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Die Fotos haben wieder, wie beim letzten Setup, eine Art von Penetranz. Von Brutalität des Aufsteckblitzes und der beim Betrachter daraus resultierenden Verknüpfung im Kopf mit einem Paparazzo. Und jetzt macht es sicherlich klick bei jedem Leser. Wir haben die Situation dem Licht angepasst, haben den Aufsteckblitz passend gemacht, über die Wahl der richtigen Location, des Modells, der Szenerie und dem Look. Plötzlich sieht der Aufsteckblitz und dessen Licht so verdammt passend und perfekt aus, dass man sich fragt, warum das nicht immer so ausschaut.

Tut es auch, aber eben nur in so perfekten Situationen wenn alle Punkte des Bildes so STIMMIG sind.

Auf den nachfolgenden Fotos sieht man es. Wirklich nur der Aufsteckblitz. 50mm an Kleinbildsensorgröße und den normalen 580 EX von Canon. Wer es nicht glaubt, für den gibt es noch 8 Teilnehmer und ein Modell als Zeugen.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Die Kameraeinstellungen der ersten Fotos waren recht simpel. Kurze Verschlusszeit, offene Blende und keine Umgebungshelligkeiten. Wir haben allein auf das Blitzlicht aus dem Aufsteckblitz zurückgegriffen und nur damit das gesamte Foto belichtet. ISO Zahl war bei 400 um den Blitz zu schonen.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Die letzte Aufnahme entstand mit gänzlich anderen Werten. Hier wurde das Umgebungslicht mit einbezogen, dafür die Belichtungszeit auf 1/6s verlängert, die Blende geschlossen aber die ISO auf 3200 hochgefahren. Damit hatten wir die Möglichkeit die Innenraumbeleuchtung des 7ers ins Bild zu nehmen und gleichzeit fingen sämtliche Lichtreste im Hintergrund an zu leuchten!

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Um nur das Motiv, den Oberkörper und das Gesicht des Modells auszuleuchten, nicht aber die Türe, das Auto die Felgen etc. haben wir noch eine Richtung des Blitzlichtes vorgenommen über eine Fokussierung des Zoomreflektors und einer kleinen Aufsteckwabe.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Jetzt bin ich aufgrund der notwendigen Kernerklärungen des Fotos irgendwie schon wieder abgedriftet, weg vom LIGHTING, hin zum SETUP-Beitrag. Also kommen wir nochmals zurück zum Wesentlichen. Ihr seht an den Fotos, dass es kein falsches, kein ekelhaftes oder schlechtes Licht gibt.

WIR SIND DER FEHLER, WENN NUR MÜLL RAUS KOMMT. DENN DANN HABEN WIR DEM TOPF DEN FALSCHEN DECKEL AUFGESETZT.

In diesem Beitrag geht meiner Meinung nach gut hervor, was wirklich unter Fotografie und der Möglichkeit mit Licht zu malen gemeint ist. Man kann Stimmungen über die Situation und die Stimmung transportieren. Man kann den Betrachter mit dem richtigen Licht die Wirkung der Szenerie noch verstärkt darlegen oder aber komplett kaputt machen.

Fragt euch also absofort immer wieder. IST DAS LICHT WIRKLICH DAS RICHTIGE FÜR DIE SITUATION. Und da braucht man nicht so viel Erfahrung. Oft sehen Laien das besser als Fotografen die schon völlig betriebsblind geworden sind. Wenn man sich etwas Ruhe gönnt und das jeweilige Foto etwas mehr durch die kleinen grauen Zellen jagt, dann kommt man wenigstens dahinter, ob das Licht den gewünschten Look unterstützt oder aber alles kaputt macht. Und weiß man das, dann kann man auch versuchen es richtig zu machen. Problem erkannt, schon fast gebannt.

Und hier nochmals die finalen Shots.

TECHNICAL Vergleich Fotos
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Einen schönen Wochenanfang euch allen!

Kommentare (6)

6 thoughts on “LICHTSETZUNG: JEDER TOPF HAT SEINEN DECKEL (LICHT!!!)

  1. Die Bilder gehören zu meinen Favorites von Euch. Besonders das mit Einbeziehung des Umgebungsglichtes.

    War auch ein klasse Workshop, wie immer bei Euch.

    lg

    Elmar

  2. Hallo, mal wieder muss ich für diesen Beitrag danken.

    Ich nutze meinen Aufsteckblitz sehr gerne, das liegt aber auch daran das ich dank euch gelernt habe ihn zu nutzen. Am meisten nutze ich Ihn zur indirekten Aufhellung. Eine Frage habe ich aber nun: Wie wirkt das schließen der Blende auf das Umgebungslicht? Ich war der/bin der Annahme das eine offene Blende dem Umgebungslicht eher die Möglichkeit gibt den Weg auf den Sensor zu finden. Falsch? Oder geht es „nur“ um die Schärfe im Hintergrund? Ich meine damit das letzte Bild hier im Beitrag.

    Danke vorab und ein schönes WE noch!! Ronny D.

  3. Schöner Beitrag.

    Leider offenbart es aber auch eine gewisse Schwäche: Wenn der Aufsteckblitz auf der Kamera nur in dieser (oder wenigen, anderen Situationen) gut aussieht, bedeutet das nicht, dass es in vielen anderen Situationen dann doch eben die falsche Wahl ist? 🙂

    Eines würde mich noch freuen: Martin, könntest Du das letzte Bild (ISO3200) als RAW reinstellen? Gerne auch mit der XML. Würde es mir gerne mal „aus der Nähe“ anschauen. Das sieht nämlich verdammt scharf aus, für ISO3200?!?

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