15.5.2009    15

LICHTSETZUNG: MINIMALISMUS

15. Mai 2009 | Lichtführung und setzung

Heute gibt es den ersten LICHT-GURU-Beitrag. Ich hab ja vor langer Zeit schonmal erklärt um was es bei der Reihe gehen soll. Um pure und öde Lichtsetzung. Aber das machen wir im Hinblick auf anwendbare Fotografie. Also was müsst ihr ganz Spezielles über „LICHTFÜHRUNG“ wissen. Vielleicht mal ohne konkretes Foto-Setup… nur mit einem Beispiel zur Verdeutlichung.

Der heutige Jungfernbeitrag heißt ja MINIMALISMUS… und er geht über SOFT LIGHT… und zwar so weiches Licht, dass es fast garnicht mehr wahrgenommen wird… und Licht im Allgemeinen. Also noch wisst ihr nicht wovon ich zum Teufel spreche… aber einfach weiter lesen und ihr werdet erleuchtet werden :-)…

Das menschliche Auge ist ja die erste Station der Bildentwicklung. Bevor ihr den Auslöser drückt, seht ihr ja was kommt… und so einfach das klingt, so blöde ist die ganze Sache auch. Unsere Augen sind einfach richtig spitze. Ziemlich gut was Kontrastumfang und Schärfe betrifft… aber wir sind dem garnicht gewachsen. Oder ich formuliere es anders. Die Kameras sind dem nicht gewachsen. Und was resultiert daraus? Naja, die Realität wie wir sie sehen und wie es die Kamera sieht, sind eben nicht identisch. Und das ist richtig kacke!!!

Und da bleibt dem Fotografen nix anders über, als seine Augen und sein Gehirn in eine künstliche Kamera zu verwandeln!!! 🙂 Schlechter zu machen! Aber jetzt wirds langsam zu dicke. Schaut euch mal das folgende Beispiel an und ihr werdet verstehen von was ich spreche.

Werner mit SunbounceMan braucht nicht Unmengen an Blitzen. Oft reicht ein einfacher Reflektor!

… und lasst uns nun mal die Situation betrachten.

Ich würde mal sagen, dass wir einen ziemlich „weichen“ Tag haben. Keine direkte Sonne, keine Schatten, keine harten Kontraste… alles weich… und wir stehen da mit dem Sunbounce. Und die goldene Seite guckt weg… was bleibt da noch??? Die weiße Seite. Behaltet das mal im Hinterkopf! WEIßE REFELEXIONSSEITE…

Ok, und jetzt kommen wir zu dem KAMERA-DENK-ABSCHNITT. Wir sehen, dass unser Model schwarzes Jacket und weißes Hemd trägt. Igit… blöde Sache… aber bis jetzt ja noch kein Problem. Das kriegen wir locker hin bei einem so weichen Licht. Aber wo ist jetzt die Neuigkeit dieses Beitrages, wenn doch alles kein Problem ist? Das kommt jetzt.

Was gehört denn zum Fotografieren dazu? Die Bildbearbeitung. Früher gab es Filme und jeder Film hatte einen eigenen Look, eigene objektive Werte. Und heute ist es eben Lightroom oder Aperture. Das gehört zu den Rohdaten wie die Henne zum Ei. Und wenn wir über das Fotografieren nachdenken, dann müssen wir gleichzeitig auch über die Nachbearbeitung sinnieren. Ich meine jetzt keine Retuschierorgien aber die grundsätzlichen Anpassungen eben.

Und leider ist es so, dass unser menschliches Auge auf Fotos gerade nicht mehr die Realität schön findet. Wir wollen keinen geraden Dynamikumfang, wir wollen einen typische S-Kurve in der Gradation. Das bedeutet, dass unser menschliches „SCHÖN-FINDEN“… eben gerade harte Kontraste und Schärfe toll findet. Und plötzlich haben wir den Salat. Zusammenfassung:

  • Wir sehen unglaublich viel Dynamik
  • Wir können aber weniger Dynamikumfang aufnehmen
  • Und leider finden wir noch weniger Dynamik auf einem Foto toll… 🙂 Na PROST!

Aber ihr versteht jetzt sicherlich nicht genau was ich meine. Dann gibt es jetzt mal ein paar Fotos auf die Augen…

Werner mit SunbounceWerner mit Sunbounce

Denkt ihr, es sind identische Fotos? Naja, dann seid ihr falsch…  🙂 Unterschiedliche Fotos, unterschiedliche Ausleuchtung…

Ihr denkt jetzt sicherlich, dass wir das selbe Foto unterschiedlich bearbeitet haben. Ist aber nicht so. Es sind unterschiedliche Fotos, einmal mit und einmal ohne Reflektor. Und was wir identisch gemacht haben, das ist die Nachbearbeitung. Wir haben absolut identische Einstellungen bei Lightroom gewählt. Für beide Fotos. Und jetzt merkt ihr plötzlich was ein weißer Reflektor im sowieso schon weichen Licht ausmachen kann. Nicht viel auf dem Foto in der Kamera, aber wenn es dann darum geht Kontrast zu bekommen, Dynamik zu reduzieren, Kurven zu verstärken… Schwarz zu beschneiden… dann wird aus „kaum Unterschied“ plötzlich eine ganze Welt.

Ich wette ihr nutzt einen weißen Reflektor im sowieso schon weichen Licht sehr selten. Warum? Grund ist, weil ihr den Unterschied beim Fotografieren kaum wahrnehmen könnt. Eure Augen sind zu gut. In dem riesigen Kontrastumfang nehmen wir so eine kleine Änderumg kaum wahr. Das heißt aber nicht, dass sie nicht da ist. Nur weil wir etwas nicht sofort sehen, nur weil der Reflektor nicht wie ein Spiegel leuchtet, ist das Licht eben trotzdem noch da.

Schaut euch auch mal einen Ausschnitt aus dem Foto von oben an. Die Augen auf dem Bild sind super abgebildet. wir haben sehr harte Kontraste, hartes schwarz und trotzdem sehen wir alle wichtigen Details.

Werner mit Sunbounce

Das ist ein Ausschnitt aus dem Portraitshot weiter oben…

Ok, also um was ging es heute in dem Post? Ich versuchs mal in ein paar kurze Sätze zu fassen.

FAZIT: Beginnt einfach wie eine Kamera zu denken, die schon weiß was mit dem Foto danach noch passiert. Schaut nach kleinen Details. Details der Lichtführung die sich nicht sofort ins Auge brennen, die aber ein gutes Foto zu einem perfekten Foto machen. Und die Details sind eben meistens nicht so sichtbar. Da müsst ihr vordenken.

Wenn ihr auch auf einen Kontrastlook steht, wie wir es tun, dann könnt ihr all eure Lichtgegebenheiten „multiplizieren“ und verstärken. Alles was ihr seht kommt extremer rüber. Und das muss man als Fotograf wissen und verstehen.

So, das wars für heute… schreibt doch mal wie euch solche Artikel gefallen. Bringen die euch was, gefallen sie oder versteht uns kein normaler Mensch mehr??? 🙂

LG

Martin & MARC

PS: Zur Zeit ist bei uns die Hölle los. Neue Küchen haben wir eingebaut und 2 Tage gebraucht… Nikon Solutions… Mallorca, Wien und bald gehts wieder ins Ausland… aber wir tun unser Bestes fürs Blog…

Kommentare (15)

15 thoughts on “LICHTSETZUNG: MINIMALISMUS

  1. Bitte mehr davon. Der Schreibstil ist vielleicht etwas zu „locker-flockig“ (keine Ahnung, wann ich das letzte Mal „kacke“ in einem Foto-Artikel gelesen habe ;-), aber inhaltlich ist er auf den Punkt gebracht. Ich gebe zu, dass ich bei weichem Licht auch selten einen Reflektor nutze. Wird sich ändern – wenn ich einen Assistenten gefunden habe 🙂

  2. Super – alles verstanden, bitte mehr davon! Du hast völlig Recht, die weiße Seite meines Sunbounce nutze ich z.B. oft nicht, weil ich nur einen geringen Unterschied in der Ausleuchtung sehe. Aber die Zeit ist wohl nun vorbei… 🙂

  3. Über die Weiße Seite bei eh schon Soften Licht habe ich mir noch nie Gedanken gemacht, Vielen dank das ihr meinen Horizont erweitert habt. Von der Schreibweise finde ich die Blog Beiträge mehr als genial und Freue mich immer wenn etwas neues im Blog steht. Das Leben ist schön trocken genug da ist es ganz schön wenn die Beiträge Locker und spritzig geschrieben sind, frei nach schnauze ist eh immer am besten.

    Kurz gesagt alles Toll!!

  4. Muss ich R.Kneschke recht geben, der Schreibstil ist Locker-flockig. Ich finde ihn aber echt super. Gefällt mir sehr gut wie die Beiträge geschrieben sind.

    Möchte gerne mehr solche Posts lesen. Ihr macht einen gute Arbeit.

    Vielen Dank

  5. Danke für die Aufklärung… 😉 Auf jeden Fall interessanter Ansatz – gibt es Möglichkeiten, soetwas auch spontan (und auch einen Hauch kompakter) mit in den Alltag einfließen zu lassen? Denn leider rennt mein (nicht vorhandener) Assistent nicht immer mit rum wenn ich Fotos mache. Da muss etwas kleiner her, was ich event. auf ein Stativ packen könnte, aber auch noch so klein, dass ich es im Rucksack verschwinden lassen kann.

    Schreibstil ist gut, eventuell das vulgäre etwas dezimieren, sonst passts gut – ist ja auchn‘ Blog, was. 😉

  6. Hallo,

    ja mehr davon finde ich super und ich finde der Schreibstil ist so gut es läßt sich so besser lesen als eine hoch wissenschaftliche Beschreibung 😉

    Lg

    stefan

  7. Ich liebe solche Artikel. Sowas hat Hand und Fuß und ja, man verstehts sogar. 🙂 Sowas liest man sich auch gerne dann zwei- oder dreimal durch.

    Bitte weiter so!!!

  8. Hallo,

    klasse Beitrag. Würde für mich doch dann im Umkehrschluss heissen, dass ich versuche die Voransicht auf meinem Display so kontrastreich wie möglich zu gestalten, damit ich einen Eindruck der Verhältnisse sehen kan. Oder hab ich da grad einen Denkfehler ??

    1. JEIN… grundsätzlich geht deine Idee in die perfekte Richtung. Allerdings fehlen dir am Display die Feineinstellungsmöglichtkeiten. Das wäre die Holzhammermethode…
      Ich spreche davon, dass du eigentlich schon alles siehst. Das ungeübte Auge sieht den kleinen Unterschied eben nicht, das geübte und geschulte Auge erkennt es sehr leicht und kann kann den gesamten Foto-Prozess weiterspinnen im Kopf.
      Ich hoffe man versteht was ich damit sagen möchte. Wir haben als Menschen das Potential… nur müssen wir denken das Foto im Kopf weiter“bauen“. Das Display ist da schon wieder ZUUU! extrem.

  9. OK .. ich werd bei den nächsten Shootings mal mehr drauf achten.(Die Geduld der Models vorausgesetzt). Generell habe ich (Nikon D700) mit einem Kumpel (5DMarkII) festegestellt, das die Helligkeits und Konstrastdarstellungen auf beiden Cams bei gleichen Einstellungen eh sehr unterschiedlich sind. Wir sind auch immer wieder verblüfft, wie unterschiedlich die ISO Interpretationen bei Canon und Nikon sind ;-). Aber solche Beiträge wie der hier, sind es die den Unterschied zwischen „Gut“ und „Saugeil“ am Bild klarmachen. Ich freu mich auf mehr.

  10. Guter Beitrag. Ich beginne gerade den Umgang mit Reflektoren zu lernen. Bei Silber/Gold und Gold-Reflektoren ist mir der Effekt aber oft viel zu stark- zu farbstichig oder die Gesichter sehen mir zu glänzig und unnatürlich ausgeleuchtet aus. Gehört das so oder mache ich etwas falsch? Hast du mir einen Tipp? Sobald ich wieder Gelegenheit habe und jemanden zum halten, probier ich das mit dem Weiss, die Aufhellung ist sehr schön und dezent. Der Schreibstil ist doch ok, liest sich schnell und verständlich und danke für die Information.

  11. Schöner Beitrag und nett geschrieben 🙂 Das zeigt einem dann doch wieder, dass man den Reflektor besser immer dabei hat.
    Blöd nur, wenn der zweite Mann zum Halten fehlt 😛 Aber die Beispielfotos sind wirklich sehr anschaulich. Danke für den Post!

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