9.10.2012    5

LICHTSETZUNG: REFLEXIONEN AUF GLASFENSTERN VERMEIDEN

9. Oktober 2012 | Lichtführung und setzung

Heute geht es um ein sehr wichtiges Thema für Fotografen. Nämlich die passende Lichtsetzung wenn Glas oder andere reflektierende Oberflächen im Hintergrund oder Vordergrund des Bildes stehen.

Jeder von euch wird früher oder später vor einem solchen Hintergrund stehen. Oder er hat es schon zig Male. Eine spiegelnde Oberfläche oder selbst eine Spiegelwand wird euch aber am Ende dieses Beitrages keine Angst mehr machen. Ihr werdet nur noch müde Lächeln… 🙂

Schauen wir uns ein Foto mal genauer an. Gemacht voller Fotospaß in der Nähe von Göttingen. Wichtig ist aber nicht wo das Foto gemacht wurde sondern was darauf zu sehen ist. Und zwar eine komplette Fensterfront aber ohne den Hauch einer nervigen Spiegelung. Das dieses Bild aber brutalst geblitzt wurde, das sieht jeder sofort am dunklen Hintergrund. Fast 500Ws waren hier im Einsatz. Und eine riesige Glasfront im Hintergrund… Wo also ist der Reflex hin? Wie erreicht man so eine Ausleuchtung ohne Reflexionen und was steckt an Denklogik dahinter? Darum geht es jetzt.

TECHNICAL Vergleich Fotos

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Grundlegend agiert Licht unglaublich greifbar und vorhersehbar. Die Reflexion ist nicht weg sondern eben nicht mehr auf dem Foto. Man kann (höchstens mit Hilfe der Polarisation) keine Reflexionen abschalten. Man kann diese nur richtig und entsprechend des eigenen Motivwunsches positionieren. Und genau das haben wir gemacht. Keine Reflexe gelöscht sondern nur versetzt.

Das gilt erst einmal als Grundlage. Das muss im Hinterkopf bleiben denn viele Fotografen denken, man könne Reflexionen so einfach mal abschalten. Das geht so nicht. Wenn wir die Übeltäter also nicht abschalten können, wie können wir deren Lage dann beeinflussen? Gerade dann gilt ein Satz als über allem stehendes Leitmotiv.

EINFALLWINKEL GLEICH AUSFALLWINKEL!

Im Endeffekt ist es also wie ein Billardspiel. Es gibt drei Elemente die unser Foto beieinflussen. 1) Die Position des Blitzes, 2) die Ausrichtung des Hintergrundes und 3) die Position der Kamera.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Auf dem oberen Schaubild sehen wir bei drei unterschiedlichen Kamerapositionen also eine unterschiedliche Lage der Reflexion auf dem Hintergrund. Im Endeffekt nimmt sich das Licht also den kürzesten Weg bzw. den direktes Weg.

Bei unserem Making-Of Bild sieht man diese Aussage sehr gut. Die Reflexion der BeautyDish auf dem Fenster ist genau die direkte Sichtverbindung zwischen Kamera und Lichtquelle. Würde das Fenster ein Spiegel sein und der Blitz wäre ein andere Mensch, dann könnten wir diesen auch sehen.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Problematisch für Fotografen wird eine Reflexion immer dann, wenn man sich diese „einfängt“. Das bedeutet, dass dabei gegen die Lichtquelle fotografiert wird. Auf dem Schaubild oben sind es also die Positionen 1 und 2 die gemeint sind.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Befindet man sich sehr nahe an der Lichtquelle, so nimmt die Problematik ab. Auf dem Bild unten kann man erkennen, dass das Motiv bereits ohne Reflexion fotografiert werden könnte. Diese befindet sich bereits relativ weit links aus dem Bild raus. Fotografiert man also so nahe am Blitz aber trotzdem noch auf der Gegenseite der Lichtquelle, so befindet sich die Reflexion irgendwo weit außen aber immer noch irgendwo im Motiv. Wenn auch weit weit außen.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Die große Änderung tritt aber erst dann auf, wenn wir uns auf die andere Seite der Lichtquelle bewegen. Jetzt strahlt nämlich die Lichtquelle von uns weg mit der spiegelnden Oberfläche und wirft damit den Reflex komplett aus dem Motiv. Ich könnte hier ein 360° Panorama machen und würde nirgendwo eine Reflektion sehen.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Eine noch weitwinkligere Aufnahme von noch weiter links beweist es. Die Reflexion wird nicht aufgefangen und zur Kamera zurück geworfen sondern aus dem  Bild nach hinten raus an die Wand. Weg von der Kamera und damit weg von unserm Bild.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Für uns gilt also ein sehr einfacher Leitsatz um das Problem der nervigen Reflexionen zu beenden:

Mit der Lichtquelle und entlang der spiegelnden Oberfläche zu fotografieren, vermeidet störende Lichtreflexe im Motiv.

Probiert es aus, vermeidet gegen die Lichtquelle zu fotografieren. Dabei gilt besonderes Augenmerk auch möglichen Streif- und Akzentlichtern. Die kommen ja aus der Natur der Sache heraus immer von hinten oder der Seite und stellen sich äußerst problematisch dar. Den Grund kennt ihr ja jetzt. Ihr fang euch durch den Gegenwinkel bei solchen Lichtquellen einfach alle Reflexe direkt ein. Eine wirkliche Lösung gibt es dabei nicht außer den Winkel nach oben zu erhöhen und folglich die Lichtquelle von sehr weit oben kommen zu lassen.

Der Reflex wandert dann mit der Lichtquelle nach oben mit und ist hoffentlich dann irgendwann auch aus eurem Bild heraus…

So, hier nochmals das Foto…

TECHNICAL Vergleich Fotos

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Viel Spaß beim Fotografieren…

Martin & Marc

Kommentare (5)

5 thoughts on “LICHTSETZUNG: REFLEXIONEN AUF GLASFENSTERN VERMEIDEN

  1. Sieh eine an, war es doch halbwegs sinnvoll beim Physikunterricht nicht nur Schifferl versenken zu spielen sondern etwas aufzupassen.:-) Weil das macht den Unterschied zwischen jeep und wääääää.

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