GLEICHES LICHT ABER ANDERE POSITION

25. Dezember 2013 | Lichtführung und setzung, Photoschool

Wer kennt noch das klassische Kartenquartett? Also z.B. Auto-Quartett? Heute spielen wir mal Foto-Quartett. Und wenn ich das spielen würde, dann würde ich immer mit Lichtposition loslegen. Warum? Weil Lichtposition alles sticht. Lichtposition ist wichtiger als Lichtformung. Was bringt mir der schönste und teuerste Lichtformer der Welt, wenn er einfach scheiße gesetzt ist? Um es mal derbe zu sagen. Das schönste Licht der Welt kann an der falsche Stelle ganz schnell und einfach zum hässlichsten Licht der Welt werden.

Und daher wollen wir es heute nochmals predigen. Auch wenn es hoffentlich schon alle!!!! regelmäßigen und langjährigen Blogleser wissen, man kann es nicht oft genug sagen. Ich selbst bin immer wieder erstaunt was die richtige Position wirklich ausmacht. Gestern an Heiligabend wurde in der Kirche darüber gepredigt, dass wir die Weihnachtsgeschichte so oft gehört haben, dass man nicht mehr richtig hin hört. Gewohnheit und Langeweile ist ein böses Ding. Und genauso geht es auch uns Fotografen. Wir hören etwas oft und öfter und irgendwann verlieren wir das Augenmerk auf genau diese Sache. Die ist aber so wichtig, dass man darauf immer extrem achten sollte.

Nachfolgend also zwei Fotos. Beide Fotos sind mit der identischen Lichtquelle gemacht. Die Lichtquellen waren bei beiden Aufnahmen im gleichen Abstand und auch die Einstellungen waren identisch. Und wir haben hier einmal zwei Vergleichsbilder gemacht, die nicht komplett unterschiedlich aber trotzdem einen großen Unterschied im Lichtwurf aufweisen.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Bitte nicht von den Haaren ablenken lassen :-)! Schaut auf den Schattenwurf auf dem Hintergrund oder im Motiv selbst.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Wir haben hier also einmal ein frontales Licht und einmal ein kontrastreicheres Seitenlicht. Bei einem Foto haben wir einen sehr deutlichen und großen Schlagschatten, bei anderen Bild fast gar keinen Schattenwurf.

In Anbetracht der Tatsache, dass der Lichtformer bei beiden Aufnahmen identisch war, sehen die beiden Fotos doch ziemlich unterschiedlich aus. Viele Fotografen scheinen sich immer wieder auf den Lichtformer zu werfen. Softbox, 50cm total anders als 70cm und das Licht aus ner Octabox in 80cm sieht total anders aus als aus einer quadratischen Box mit 80cm Seitenlänge. Ah…. ja! Wohl kaum… natürlich kann man im Detail so kleine Unterschiede erkennen aber sind die wirklich so extrem? Meine Meinung: Eher nur auf den zweiten Blick. Und dabei sprechen wir nicht von einer 3m Softbox im Vergleich zu einem 10cm Reflektor. Ja, das sieht man direkt. Wir sprechen von 70 auf 90cm oder von 150 auf 100cm… das sieht man nicht ohne den Aufbau zu wissen! So schlimm es klingen mag.

Wenn man uns fragt, dann sagen wir immer Lichtführung ist wichtiger als Lichtformung. Bevor ich anfange das Licht in der Art zu ändern, muss ich es perfekt gesetzt haben. Und mit Lichtsetzung ist gemeint, dass die Schattenwürfe in die richtige Richtung gehen.

Dahinter steht auch in gewisser Weise das Können mit nur einem knall harten Aufsteckblitz in der richtigen Position ein tolles Licht zaubern zu können. Es gibt viele Fotografien die mit einem knall harten Licht gemacht wurden und trotzdem toll aussehen. Weil hartes Licht eben nicht immer schlecht ist sondern auch gut aussehen kann, WENN ES RICHTIG GESETZT WURDE! Und damit ist eben die Position gemacht.

Wie man unten im direkten Vergleich erkennen kann, kann man über die pure Position des Blitzes schon den Schatten extrem kontrollieren. Mehr Schatten und weniger Schatten, Kontraste und Sichtbarkeit. Angeblitzter Look oder eben natürliches Seitenlicht. Derlei Optionen sind mit der nackten Position steuerbar und brauchen nicht zwangsweise 10 verschiedene Lichtformer.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Also lieber mal einen Gang zurück schalten mit den Lichtformern und dem ganzen Zeugs drumherum…. Klar gibt es Unterschiede aber braucht man die? Sind all die Unterschiede wirklich so stark sichtbar? Das muss sich wohl jeder Fotograf selbst fragen aber sollte dabei immer derlei Vergleiche im Hinterkopf behalten. Vor allem wenn der nächste Kauf ansteht. Wir hätten heute auch den Unterschied krasser machen können, also von Front z.B. auf ein volles Seitenlicht. Haben wir aber absichtlich nicht gemacht. Wir wollen mehr kleinere Unterschiede in Zukunft wieder zeigen.

Daher an dieser Stelle mal eine Aufgabe. Versucht doch einfach mit nur einer Lichtquelle (egal ob hart oder weich!) zwangsweise mehrere Fotos zu machen. Und spielt dabei mit der Position und verändert aber sonst nix. Ihr werdet erstaunt sein wie unterschiedlich die Fotos aussehen. Schränkt euch doch mal für ein Fotoshooting auf nur einen Lichtformer ein!

Lieben Gruß

Martin & Marc

Kommentare (8)

8 thoughts on “GLEICHES LICHT ABER ANDERE POSITION

  1. Vielleicht mögt ihr noch dazu schreiben, was denn nun genau für ein Lichtformer zum Einsatz kam und ja wie der genau stand? Klar, einmal frontal und einmal seitlich, vielleicht noch etwas genauer? Ich finde eure Skizzen, die ihr ab und zu bringt, sehr hilfreich. Vielen Danke!

  2. Guten Morgen und frohe Weihnachten!
    Schöner Bericht – bin auch der Meinung dass es nicht immer der Full Set sein muss an Studioblitzen wenn man nur weiss wie man das Licht setzt.

    Wie genau habt ihr das Licht in beiden Bildern gesetzt? Speziell beim Bild ohne Schattenwurf würde mich der Aufbau interessieren. Könnt ihr eine Skizze zeigen? Daaanke!

    Viele Grüsse
    Marco

  3. Ich glaube der Punkt ist, dass es egal ist, welche Lichtquelle und -former hier zum Einsatz gekommen sind und wie sie gesetzt wurden.

    Ich sehe den Blog als Aufruf. Nimm, die Lichtquellen die du hast und teste damit. Dann brauchst du keine Zeichnungen o. a. Hilfestellungen. Dann reicht das eigene Auge, um einschätzen zu können, welches Setting für die fotografierte Situation die richtige ist bzw. war. Oft genug praktiziert, wird sich das über die Erfahrung regeln. Genau genommen wurde im Blog auch keine Aussage getroffen, welches Setting das „bessere“ ist.

    Ich glaube es ist ein gutes Gefühl, wenn man weiß, wie das Licht, wo aufgestellt und wie ausgerichtet, auf das Endergebnis wirkt. Und das am besten schon vor dem Fotografieren.

    Ich nehme die Herausforderung an :o)

    Danke.
    Bert

  4. Schöner Bericht und
    Beim Bild ohne Schattenwurf sieht man beim Modell rechts unten (vom Ellenbogen an abwärts) den Schlagschatten.
    Es ist erstaunlich wie gut wie gut man beim setzten der Lichtquelle mit dem Schatten spielen kann.
    Wenn bei der gleichen Lichtsetzung der Lichtformer größer gewesen wäre, hätte es da keinen Schlagschatten (beim Frontalsetzen)
    auf der rechten Seite unten gegeben oder hätte man es durch die Entfernung und Lichtstärke kompensieren können?
    Eine Skizze und die Angabe der Lichtformer wäre da sehr hilfreich.

    1. Deine Frage: „Eine Skizze und die Angabe der Lichtformer wäre da sehr hilfreich.“

      Martins Antwort im Blog: „Daher an dieser Stelle mal eine Aufgabe. Versucht doch einfach mit nur einer Lichtquelle (egal ob hart oder weich!) zwangsweise mehrere Fotos zu machen. Und spielt dabei mit der Position und verändert aber sonst nix.“

      Aus den Bildern Side-by-side kannst Du sehr gut die Lichtsetzung lesen. Tipp: wo sind Schatten zu sehen und wo muss dann die dazugehörige Lichtquelle sein 😉

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Anzeigen