BLITZLICHT MIT UMGEBUNGSLICHT MÖGLICHST NATÜRLICH BALANCIEREN

4. Februar 2014 | Lichtführung und setzung, Lichtsetups, Photoschool

Letzte Wochen veröffentlichten wir einen Beitrag über unsere Planungs-App im Ipad. Es geht um folgende Skizze und Ergebnisfotos.

wuppertal1_04

Auch wenn man das Skirbble erstmal nicht versteht, so sollte man nach den kommenden Zeilen nochmals auf die Zeichnung schauen. Dann wird sicherlich vieles einfacher zu verstehen sein.

Bevor wir loslegen mit den Erklärungen gibt es erst einmal die finalen Fotos um sich wirklich einen Eindruck verschaffen zu können.

villa-blitz-light-tageslicht-mischen-1-ergebnis villa-blitz-light-tageslicht-mischen-2-ergebnis villa-blitz-light-tageslicht-mischen-3-ergebnis

Ihr seht, ein wirklich interessantes Setup und die Gedanken hinter den Fotos sind ebenfalls sehr besonders. Es handelt sich hierbei auch nicht um ein einfaches Available Light Setup sondern die Arbeitsweise als auch die fotografischen Denkstrukturen sind schon eher fortgeschritten. Es ist eben keine Holzhammer-Ausleuchtung heute.
Ausgangspunkt für das Foto ist folgende Situation: Es handelte sich um einen nach zwei Seiten offenen Raum. Einmal die Fenster im Erker beim Flügel. Die anderen Fenster waren in Wirklichkeit ein Wintergarten und befinden sich im Rücken der Aufnahme von unter diesem Textabsatz.

Erster Schritt war, eine Seite mit Vorhängen abzudunkeln und dafür zu sorgen, dass der Raum eine Lichtrichtung bekam. Während vorher das Licht vorher förmlich von überall kam, haben wir durch die geschlossenen Fenster jetzt einen klaren Verlauf in den Raum. Vorne hell, hinten dunkel. Das ist eine deutlich verbesserte Ausgangssituation weil der Betrachter den Raum mit einer klaren Lichtsprache lesen kann.

MERKE: Immer im Raum selbst anfangen Licht zu setzen. Vorhänge zu oder auf sind essentielle Elemente mit dieser Arbeit.

2169_2013_1-80 Sek. bei f - 2.0_ISO 10000_PC080019

Als nächsten Schritt haben wir die Kamera eingestellt. a) offenste Blende, b) längste Verschlusszeit und c) ISO langsam hoch fahren. Rausgekommen sind wir bei den Werten von f1.8, ISO3200 und 1/80 Verschlusszeit. Bei 55mm ist 1/80 natürlich eher kritisch, aber eben noch im Rahmen!

2172_2013_1-60 Sek. bei f - 2.0_ISO 1250_PC080022

Viel kritischer war aber die resultierende Helligkeit. Denn das Bild war dabei einfach noch zu dunkel. Unten im direkten Vergleichsbild sieht man das linke Bild mit den oben genannten Einstellungen. Man erkennt den Raum aber es ist einfach noch nicht genug Licht im Spiel. Um das rechte Bild zu bekommen haben wir aber nicht das Bild an der Kamera heller gemacht, die ISO hoch gefahren oder noch länger von einem Stativ belichtet. Wir haben einen Blitz dazu gefügt.

1917_2013_1-80 Sek. bei f - 1.8_ISO 3200_DSC00335

Der geübte Leser sollte sich jetzt sofort fragen, wie man ein Bild genau mit dem vorhandenen Dauerlicht heller belichtet. Normalerweise müsste doch eine zweite, neue Charakteristik hinzu kommen. Wie kann es denn sein, dass ein Blitzlicht komplett unsichtbar das Bild heller macht und sonst gar keine andere Charakteristik erzeugt?

Die Antwort ist relativ simpel und findet sich in der Position des Blitzes und in der Richtung des Blitzes. Wir haben hier nämlich gar nicht direkt auf das Motiv geblitzt sondern vom  Model in den Wintergarten hinein. Ja, richtig gehört, der Blitz stand im Wintergarten und hat einfach an die Decke geblitzt.

2156_2013_1-80 Sek. bei f - 2.0_ISO 200_PC080005 2157_2013_1-60 Sek. bei f - 2.0_ISO 250_PC080006

Oben sieht man auf dem Bild des Rückteils des Blitzes auch gleichzeitig die entsprechende Leistung. Wir haben ein D-Lite RX ONE genutzt und dieses D-Lite hatten wir zusätzlich noch auf kleinster Leistung. 0.1 auf dem Blitzgerät entspricht in Ws irgendwas um die 3-4Ws. Also lächerlich wenig 🙂

Und wie deutlich 4Ws schon ein natürliches Raumlicht verstärken können, das zeigt eben der obige Bildvergleich. Das Bild ist locker doppelt wenn nicht gar dreifach so hell. Wer hier in diesem Foto mit mehr als einem so winzigen Blitz ran gegangen wäre, der hätte gleich wieder einpacken können. Es kommt nicht immer auf die Größe an, ganz im Gegenteil! Oft gibt es Bilder die eben gerade nur mit wenig Licht funktionieren und keinen 500Ws Blitz brauchen.

MERKE: Es gibt kaum etwas Schlimmeres als zu viel Blitzlicht zu haben und es einsetzen zu müssen!

2159_2013_1-60 Sek. bei f - 2.0_ISO 8000_PC080008

Damit haben wir das Licht also lediglich verstärkt und nicht verändert. Diese Methode ist unglaublich wichtig denn als Fotograf muss man oft ein natürliches Licht nutzen, braucht es aber stärker, trotzdem muss es weiterhin natürlich aussehen. Optional hätte man auch eine große Softbox aufstellen können. Die hätte aber zusätzlich Geld gekostet und wäre nicht derart natürlich gewesen sondern hätte sich durch Schattenwürfe und Lichtabfall im Raum gezeigt.

MERKE: Ein Licht ist dann am Natürlichsten, wenn es keine gar neue Lichtquelle darstellt.  Man setzt das Licht einem bereits existierenden Licht auf. Als Fotograf also immer die Augen aufhalten, ob man nicht ein vorhandenes Licht einfach verstärken kann.

2181_2013_1-60 Sek. bei f - 2.0_ISO 1600_PC080031

Bitte macht euch übrigens nicht so viele Gedanken über Weißabgleich und Co. Wir haben den Weißabgleich auf den Bildern oben sowieso nach unserem Geschmack angepasst. Der Blitz mischt sich mit dem vorhandenen Licht und solange das nicht gerade ein volles Warmlicht ist, so ist es doch kaum sichtbar. Natürlich sollte man als Fotograf immer auf evtl. farbige Wände oder Decken achten, aber das natürliche Sonnenlicht wird ja ebenfalls im Raum gefangen und würde dabei gleich mit verfärbt werden.

Wir setzen ja nur eine weitere Sonne und sowohl das Sonnen- als auch das Blitzlicht werden im gleichen Raum gestreut. Wenn da eine rote Wand wäre, dann würde sich ja bereits das Sonnenlicht in dieser Wand verfärben und das Blitzlicht würde die Verfärbung nicht zwangsweise schlimmer machen.

++++++++

Übrigens hier noch ein lustiges Ratespiel voller Sinnlosigkeit aber nicht ohne etwas Witz und Spaß. Wir haben sowohl mit der Nikon D800 fotografiert als auch mit der Sony a7. Beides mal mit 50mm bzw. 55mm 1.8er Festbrennweite. Dabei einmal ein Zeiss für ca. 1000 € an der Sony und ein 100 € Objektiv an der Nikon.

Unter den drei Ergebnisse oben sind zwei Bilder mit der Sony und ein Bild mit der Nikon. Na, wer errät welches Bild welche Kamera war?

1626_2013_1-60 Sek. bei f - 2.0_ISO 2000_PC070001

So, das wars für heute… viel Spaß beim Fotografieren. Probiert doch mal das Blitzlicht zu verstecken und wirklich unmerklich zu machen!

Lieben Gruß

Martin & Marc

Kommentare (17)

17 thoughts on “BLITZLICHT MIT UMGEBUNGSLICHT MÖGLICHST NATÜRLICH BALANCIEREN

  1. Mein Tipp: Das erste ist mit der Nikon aufgenommen.
    Eine Frage noch: Warum sieht das Model nach einem (guten) Computerspielcharakter aus? Sehr flach und texturlos, Ölfilter in Photoshop?
    Danke für eure Beiträge, allesamt sehr lehrreich

  2. Ich mal wieder 😉

    Tolles Tut. Welches Bild mit welcher Kamera – bei den Ergebnissen fast nebensächlich.

    Wichtiger ist, dass man mit Wissen, Können und Verstand heute mit „fast“ jeder Kamera geniale Bilder erzielen kann.

    Lg Stephan

  3. Hallo,

    Danke für die tolle Idee, den Blitz in das vorhandene Licht einzumischen. Sehr elegant.

    Eine Frage habe ich: Weshalb habt ihr den Blitz nicht heller strahlen lassen und dafür die ISO verringert?

    Da bei beiden Kameras der gleiche Sensor verbaut ist und ich nicht annehme, dass ihr auf der Nikon ein schlechtes Objektiv verwendet habt, ist es doch unmöglich festzustellen, welches Bild ihr mit welcher Kamera gemacht habt…

    Viele Grüße, Johannes

  4. Der beitrag gefällt mir auch sehr gut.aber warum ein blitz bei so vielen natürlichen licht.ist die farbtemperatur vom blitz nicht anders als das Sonnenlicht? Eine gute zum ausprobieren aber. Beste grüße Jens

  5. Gefällt mir sehr gut der Beitrag. Gut zu lesen, einfach zu verstehen, Skizze erklärt vieles und ist ergänzend zum Text sehr hilfreich.
    Macht ihr immer solche Skizzen oder nur für den Blog?
    Sich wenn’s keine Rolle spielt, mit welcher Kamera was aufgenommen wurde, ich tippe auf das dritte Bild (Model kniet am Sessel) wurde mit der D800 gemacht?!?

  6. Ich würde auch sagen, dass die Bilder 1+2 mit einer und das dritte mit einer anderen Kamera aufgenommen wurde. Mein Tipp wäre, 1+2 mit der D800 und 3 mit der Sony. Schöner Beitrag auch, die Skizze ist natürlich großartig! Werde euch mal bei Facebook liken!

    p.s.: Das 50mm 1.8er muss sich an der D800 so oder so übrigens nicht verstecken. Das ist eigentlich nur unwesentlich schlechter als das 1.4er. Muss man sich halt vor dem Kauf gut überlegen was einem der Preisunterschied wert ist. Absolut überragend sind beide nicht.

  7. Hi Martin,
    das ist wirklich ein super Beitrag! Auch wenn ich ihn im Feb schon einmal gelesen hatte, habe ich ihn heute, mit Begeisterung, wieder gelesen 🙂
    Aber du schuldest deinen Lesern noch die Auflösung zu deiner Frage. Welches Bild ist denn nun mit der D800 gemacht worden?
    Ich bin mir da auch gar nicht sicher, tippe aber mal auf Bild Nr. 1 mit der D800. Oder doch Nr.2? Naja, löse mal bitte auf…
    Danke!
    VG aus Dreieich
    Leon

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