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10 GRÜNDE, WARUM MAN BLITZEN (KÖNNEN) MUSS!

11. August 2015

Naturgemäß sollte man immer vorsichtig sein, wenn jemand schreibt, dass man etwas MUSS – und genau so ist es auch mit diesem Beitrag. Wieviele von euch sind nur wegen der doch etwas provokant formulierten Überschrift hierher gekommen? 🙂 Keine Sorge, es steht mir natürlich keineswegs zu, zu behaupten, dass man Blitzen können muss. Bloß: extrem sinnvoll ist der richtige Umgang mit Blitzlicht – wenn man es denn verwendet – dann schon! Und genau darum geht es in diesem Beitrag. Warum überhaupt Blitzlicht gezielt für die Fotografie nutzen? Gibt es Gründe für Blitzlicht und wenn ja, welche sind das? In letzter Zeit vernehme ich zunehmend eine gewisse Tendenz zur AL-Fotografie, dagegen habe ich auch nichts, ganz im Gegenteil: viele Fotos sehen nur mit dem vorhandenen Licht eben sehr realistisch aus… aber dennoch steckt in der Blitzlichtfotografie eine ungeheure Macht für uns Fotografen.

Es gibt kein Gut oder Schlecht, es gibt nur unterschiedliche Stile und Zwecke, ein Foto zu gestalten. Trotzdem muss ich aber hier und jetzt einfach eine öffentliche Liebeserklärung für das Blitzlicht aussprechen… Wow, wie ich diesen Look liebe!!! Diese Qualität, die Schärfe, die Brillanz und einfach das „Anders-Sein“, das gewisse Etwas, das ein Foto zu etwas Besonderem macht.
Wie immer gilt aber auch hier: gewusst wie! 🙂

0364_ISO 1600_1-500 Sek. bei f - 1,8_55 mm_ILCE-7RM2_FE 55mm F1.8 ZA_Manuell_DSC01841_7R2, 7rII, 42MP, Berlin, Blitz, Boxclub, Boxen, Boxing, Boxtempel, Broncolor, Flash, Schärfe, Sony Alpha 7rII, Strobe 0361_ISO 100_1-200 Sek. bei f - 5,6_55 mm_ILCE-7RM2_FE 55mm F1.8 ZA_Manuell_DSC01809_7R2, 7rII, 42MP, Berlin, Blitz, Boxclub, Boxen, Boxing, Boxtempel, Broncolor, Flash, Schärfe, Sony Alpha 7rII, Strobe

Fair ist fair! Contra – warum Blitzlicht auch „böse“ sein kann!

Es gibt natürlich auch viele Gründe gegen die Fotografie mit Blitzlicht. Die sollen an dieser Stelle zwar nicht allumfänglich besprochen werden, aber trotzdem möchte ich einige der Hauptargumente schon nennen: Viele Fotografen scheuen das Blitzlicht nicht nur, weil es auch wirklich Geld kosten kann, sondern vielmehr aufgrund der Größe und des Gewichts der gesamten Ausrüstung. 3 Blitze brauchen eben auch 3 Stative, 3 Lichtformer und 3 Stromkabel. Und weil man nie weiß, ob man nur einen Blitz oder gleich 3 Stück braucht, schleppt man höchstwahrscheinlich dann immer auch wirklich die 3 Stück mit sich rum. Und damit man auch etwas Auswahl hat, braucht man dazu oft noch 4-5 Lichtformer als Variationen. Dann ist der Kofferraum schon dicke voll und der Rücken deutlich belastet…

Zudem macht eine solche Ausrüstung auch unflexibel. Baut man ein Setup auf und macht einen Fehler, dann kann man nicht einfach in wenigen Sekunden zum nächsten Spot springen und dort weitermachen. Jeder einzelne Blitz muss aufgebaut und eingerichtet werden, das Model hat an einem Platz zu stehen und sich möglichst nicht zu bewegen. Available Light-Fotografie ist dagegen fast schon ein Schlaraffenland. Kaum Aufwand, kaum Kosten, kaum Anstrengungen und eine unglaubliche Freiheit und Flexibilität in der Fotografie.

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Zum obigen Vergleich: Hier musste ohne Blitzlicht die Blende auf 2.0 geöffnet werden und zudem die ISO hoch gefahren werden. Man sieht, Rauschen, Bewegungsunschärfe und die grünen CAs des Objektivs. Scharf ist da wirklich nix. Und das Interessante dabei ist, dass man in einer kleinen, nachgeschärften Version das gar nicht gesehen hätte. Oben auf dem Ganz-Bild-Vergleich wirken die beiden Bilder ja sehr ähnlich von der optischen Qualität. Im Detail fällt man dann fast um so deklassiert ist das AL Bild.

Logisch, dass das böse Blitzlicht dagegen fast wie ein kleiner Teufel wirkt, oder? Ist es aber nicht – und dazu kommen wir jetzt: 10 Gründe, warum gekonnt blitzen einfach genial ist!!!

Nicht hinnehmen was da ist… besser machen!

Ich propagiere ja immer wieder die Einfachheit von Blitzlicht und rate meist auch eher dazu, nur einen anstelle von zwei oder mehr Blitzen zu verwenden. Trotzdem muss an dieser Stelle auch gesagt werden, dass ich es genauso liebe, mit vielen Blitzen zu jonglieren! Und warum? Dafür gibt es genügend Gründe 🙂

  1. Mehr Licht
    Vorhandenes Licht ist einfach nicht immer stark genug. Um z.B. bei geschlossenen Blenden zu fotografieren, braucht man extrem viel Licht und Blitzlicht bietet die Möglichkeit, stärkeres Licht als die Sonne zu nutzen. Geschlossene Blenden sorgen dabei für extreme optische Qualität und Brillanz.
  2. Licht genau dort, wo ich es möchte
    Vorhandenes Licht kommt aus der Richtung, in der es eben „vorhanden“ ist. Wo kein Licht vorhanden ist, dort ist eben dunkel. Mit Blitzlicht kann genau da Licht gesetzt werden, wo es gebraucht wird. Licht formt unser Motiv und woher das Licht kommt, definiert natürlich auch den Look des Fotos. Streiflichter für die Formung, Motivlicht für die Aufhellung oder Effektlicht. Was ich als Fotograf haben möchte, das mache ich mir mit Blitzlicht einfach.
  3. Besser als die Realität
    Blitzlicht ist in 90% der Fälle qualitativ höherwertiges Licht, teilwiese sogar besser als Sonnenlicht. Das Farbspektrum sorgt für einen tollen Look der Farben des Motivs.  Keine Farbverschiebungen, keine Farbbeeinträchtigungen. Das, was fotografiert wird, wird auch dargestellt!
  4. Blitzschnell
    Gute Blitzgeräte (nicht alle!!!) sind extrem schnell in ihrer Abbrennzeit. Das sorgt für extrem scharfe Bilder und Brillanz bis in die Haarspitzen. Sogar beim Sport, sogar wenn eine Maus mit voller Geschwindigkeit auf einen Gegner zusaust.
  5. Mehr Lichtquellen
    Die Sonne ist EINE Lichtquelle! Was ist, wenn ich das Motiv aber nicht nur belichten sondern zusätzlich auch formen möchte? Verschiedene Lichter sorgen für verschiedene Effekte auf einem Bild und um ein Motiv herum.
  6. Lichtformung
    Es gibt unzählige Lichtformer für Blitzgeräte. Damit lässt sich das Licht modulieren, man muss also nicht mit wahllos gestreutem Licht fotografieren, sondern kann genau das Licht auf das Motiv werfen, welches gewünscht wird. Für unsere Boxer haben wir z.B. einen großen 222cm Para von vorne genommen und zwei harte Reflektoren von hinten. Man könnte das Licht außerdem zum Beispiel mit Waben eingrenzen, es mit Diffusoren streuen oder es einfärben…
  7. Licht balancieren
    Bei der Fotografie mit vorhandenem Licht erreiche ich nur im Schatten eine wirklich ausgeglichene Dynamik. Mit Blitzlicht kann ich ein Motiv zusätzlich an meine Umgebung anpassen und das Licht besonders ausbalancieren. In unserem Boxbeispiel sehen wir im „Nachher“-Bild, dass das ganze Drumherum auf einmal nicht mehr ausgebrannt ist. Wir fotografieren Indoor in einem Raum und trotzdem ist die Welt draußen nicht überbelichtet, sondern schön in der Dynamik vereint. Dieses „Balancieren des Lichts“ ist eine der größten Mächte des Blitzlichts. Man muss ja auch nicht immer ganz ohne Sonnenlicht fotografieren, sondern kann das Blitzlicht zusätzlich setzen.
  8. Konstanz
    Blitzlicht ist konstant und das ist ein riesengroßer Vorteil. Einmal eingestellt bleibt es so eingestellt und sorgt für immer gleiche Ergebnisse! Dadurch wird die Arbeit verlässlicher und einheitlicher.
  9. Es sieht einfach anders aus
    Ich hatte es oben ja schon angesprochen. Der Look von Blitzlichtfotos ist einfach komplett anders – oder kann es jedenfalls sein. Und genau das ist das Fantastische, Blitzlicht-Fotos können und dürfen einfach anders aussehen! Zu beurteilen, ob es dann ZU VIEL Künstlichkeit ist, das sei jedem Fotografen selbst überlassen. Blitzlicht KANN definitiv künstlich sein. Es kann aber auch sehr natürlich wirken. Egal wie, blitzen erzeugt einen ganz eigenen Look…
  10. Abgrenzung
    Der letzte Punkt ist sicherlich ein besonders wichtiger Grund, Blitzlicht zu nutzen. In einer Welt, in der sich mehr und mehr Menschen „Fotograf“ nennen, gibt es zwar immer mehr Kameras, aber immer weniger Fotografen, die den soliden Umgang mit Blitzlicht beherrschen. Dabei spreche ich jetzt nicht davon, dass man einen Blitz auf ein Portrait setzt – ich spreche von komplexeren Setups und feineren Beleuchtungen. Blitzlicht wird immer mehr ein Mittel zur Abgrenzung gegenüber anderen Fotografen und hebt einen guten Blitzlicht-Könner entscheidend von der Masse ab.

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Wichtig ist beim Blitzen genauso wie bei AL einfach das genau Hinsehen… das Beobachten, Analysieren und dann entscheiden, welches Licht brauche/möchte ich wo! Natürlich erfordert das einiges an Übung aber – es ist noch kein Fotograf vom Himmel gefallen und schon garkeiner, der sofort perfekt mit Blitzlicht umgehen konnte!!! Und wie schon erwähnt – auch Blitzlicht und Blitzlooks sind am Ende immer noch Geschmackssache!

In diesem Sinne, vielleicht greift ihr beim nächsten Fotoshooting einfach einmal mehr zum Blitzlicht. Momentan ist Blitzen wohl eher uncool und die Zeit verlangt gerade förmlich nach AL-Fotos. Die Gefahr dabei ist aber, seinen eigenen Geschmack aus den Augen zu verlieren und das Können ebenfalls zu vergessen, anders zu fotografieren. Blitzen kann sooooooo schön sein, also schnappt euch die Dinger, probiert ganz viel aus und findet heraus, was euch gefällt! 🙂

Lieben Gruß
Martin