20.4.2009    10

LICHTSETUP: DINER ACTION POSTER SHOOT

20. April 2009 | Lichtsetups

Ok Jungs, hier kommt der lang erwartete Post zu einem weiteren Poster-Shooting. Ich weiß, ich hätte es früher machen sollen… aber ihr wisst ja garnicht wieviel mehr Arbeit es ist, gleich alles in zwei Sprachen zu verfassen.

Aber zurück zum Thema. Diesmal waren wir im Ruhrpott unterwegs. Wir hatten wieder das komplette ASTC dabei, ein LAPD SWAT Reanactment Team und mehr als 8 andere Modelle. Jaja… war ein ganz schöner Tumult :-)…

WARNUNG: Das hier wird ein ziemlich langer Post werden. ZIEEEMLICH LANGE… also wenn ihr jetzt schon keine Zeit habt, dann tut euch das ganze Wissen auch nicht an. 🙂

Wie immer fangen wir direkt mit dem fertigen Foto an. Guckt das euch in groß an und nehmt euch auch etwas Zeit die ganzen Details zu finden. Angefangen vom erschossenen Polizisten im Diner mit dem angefressenen Donut bis hin zur bösen Freundin des erschossenen Football-Spielers die mit der Waffe des Polizisten sich rächen möchte. Die Diner-Chefin, die vor Schreck fast den Krug fallen lässt, die Verbrecherin mit der Granate in der Hand oder die geknebelte Geisel… es gibt viele viele Details. HINGUCKEN :-)…

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Und wie haben wir das nun gemacht? Haben wir tausend Fotos zusammengeflickt??? NE… natürlich nicht. Sowas nennt man Fotografie :-)…. Wir haben alles in einer Auslösung aufgenommen. Alles was ihr seht war ein Foto :-)… naja, nicht ganz alles. Eine Besonderheit in der Retusche gab es. Aber dazu später mehr.

Wir wollen uns jetzt erstmal Schritt für Schritt alle Etappen der Enstehung des Bildes erklären.

  • DIE PLANUNG

Die Planung ist mit der wichtigste Schritt im gesamten Prozess. Ihr müsst eigentlich alles planen. Von der einzelnen Requisite bis hin zur benötigten Ausrüstung. Alles muss vorher feststehen und viel wichtiger ist auch die BILDIDEE.

Wir hatten uns vorher eine kleine Kritzelei auf einem Bierdeckel gemacht. Kein Witz. So ist die Idee entstanden. Und dann haben wir uns kleine Einzelszenen überlegt. Und das ist super wichtig: Stellt euch vor wir hätten vor Ort beschlossen einen Polizisten ins Bild einzubauen, hätten aber gar keine amerikanische Uniform besorgt. Das wäre ziemlich blöde gewesen… YOU GET THE POINT?

Und dann gibt es eine ganz wichtige Sache. Planung vor Ort. Schaut euch mal das Foto unten an. Wir haben ca. 1 Stunden alle Einzelheiten vor Ort besprochen. Aufgaben zugeteilt, Outfits besprochen und den Ablauf koordiniert.

Überlegt, dass wenn ihr nachher ein Modell ihr Outfit ändern lässt, dann warten die ganzen anderen Personen vor Ort untätig rum. Weil eben jede Person gebraucht wird, müssen alle auch gleichzeitig parat stehen.

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Zudem sind wir gemeinsame durch das Diner gelaufen und haben alle Sachen dort hingelegt, wo sie auch wirklich gebraucht werden. Versucht bei großen Shoots immer euch das Foto so gut wie möglich im Kopf „vorzubauen“. Klingt blöde oder einfach aber wenn ich sehe, dass der Kaffee und der Donut auf dem Tisch liegen, dann kann ich mir viel besser vorstellen wer an dieser Stelle was genau macht.

  • STAY-AWAKE-GEAR

BY THE WAY… immer genügend Sachen mitnehmen, um auch über Stunden und „Tage“ die Augen aufhalten zu können… Verbrauch in dieser Nacht: 3 Paletten Billig-Red-Bull, 2 Paletten Nescafe Express und 2 Kannen Kaffee. :-)…

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  • DIE KAMERA UND DAS BILD

Nach all dem Gebabbel können wir nun endlich zum wesentlichen Teil des SETUP-Tutorials kommen. Und wir fangen mit dem Wichtigsten an! Der Kamera, dem Objektiv und dem Bildwinkel. Der Bildwinkel ist absolut entscheidend. Mit ihm steht und fällt das Bild. Es soll immer ein bestimmtes Ziel verwicklicht werden. Hier waren es NÄHE, ACTION, GRÖßE und REALISMUS… wir mussten viel aufs Bild bringen, konnten aber kein Fishauge nehmen. Wir mussten nahe ran, wollten aber keine verzerrten Gesichter oder Menschen…

Wir haben uns dann für eine bestimmte Position in Kopfhöhe entschieden. 16mm Brennweite am Vollformat.

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So, jetzt habt ihr schon Teile des Setups gesehen. Aber gehen wir Schritt für Schritt voran. Ihr wisst, dass wir die großen Elinchrom Ranger dabei hatten und zwar nicht zu wenige. Aber wir brauchten so viel Licht. Warum? Ganz einfach, das gilt es jetzt zu klären.

 

Seht euch unterhalb mal dieses Meisterwerk an Skizziertechnik an… 🙂 BY MARTIN! 🙂

 

  • DAS LICHTSETUP

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Es soll eigentlich ne Blaupause des Diners sein. Man sieht die Bar, die Durchreiche zur Küche und die vielen kleinen Sitzgruppen. Wir haben mal die Kamera und den Bildwinkel eingetragen. Eigentlich haben wir die Kamera in eine Ecke des Diners gefetzt und die ganze Szenerie aufgenommen.

Wir wollten auf jeden Fall die Bar und die Atmosphäre genügend auf dem Foto haben. Das hat aber auch einige Probleme gemacht. Guckt euch mal die Dimensionen an. Wir reden hier von 7-8 Meter Bar. Was glaubt ihr, wieviel Licht ihr braucht um sowas auszuleuchten. Und wir haben kein Composing gemacht und jede Person einzeln belichtet.

Mit der Position der Kamera stand automatisch auch die Blende fest. Warum? Naja, wegen der Tiefenschärfe. Die am nahestehenste Person war gerademal 1 Meter weit weg von der Kamera, die Person im Hintergrund hatten locker 6 Meter bis zur Kamera. Wenn das nicht ein Grund für Tiefenschärfe ist. Zudem ist die Unschärfe im Weitwinkel sehr unschön weil wenn, dann gar keine richtige Unschärfe entsteht, sondern das Bild nur „unscharf“ wird.Blende war also fix bei 22 bei ISO 200 (ISO 200 weil dadurch die Blitze einfach stärker wurden.)

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Angefangen haben wir einfach mit einer dicken Batterie aus Softboxen aus Richtung der Kamera. 2x Octabox Rotalux 135cm und noch ein Normalreflektor in der Mitte der beiden.

Plötzlich standen wir aber vor einem dicken Problem. Denn schaut euch mal die Lichtabnahme an. Also Licht verliert ja über die Entfernung an Stärke und es gilt ja die alte Faustformel: Doppelte Entfernung, viertel des Lichts. Also wenn ich korrekt auf die Person einen Meter vor der Kamera belichte, dann bekommt die Person 1 Meter weiter hinten nur noch 2 Blenden weniger Licht ab. Und so weiter und so fort. Das bedeutet also, das andere Ende des Diners ist dunkel! SCHWARZ!!!

UND DAS IST ECHT BESCH…!

Wir haben aber eine einheitliche und großflächige Ausleuchtung benötigt. In einem Diner gibt es ewig viele Lichter und wir konnten da ja nicht ankommen und eine Lichtquelle setzen.

Also war das nächste Problem die „dunkle Seite“ des Diners in Angriff zu nehmen… 🙂 Und was wir gemacht haben, das könnt ihr unten sehen! 2 große Kleinigkeiten 🙂

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2 weitere Ranger und schwub die wup… wir hatten unser „Grundlicht“.

  1. Den ersten Ranger seht ihr unten links. Wir haben einen großen Reflector aufgesetzt und den Blitz direkt an die Decke gerichtet. So haben wir eine sehr große und gleichmäßige Ausleuchtung bekommen, ohne tausende Blitze einzusetzen.–> Am Anfang haben wir ja von einer Kleinigkeit Digitalretusche gesprochen. Eine Brise Retusche bitte… und jetzt wisst ihr sicherlich was wir gemacht haben. Die Decke war logischerweise total überbelichtet. Wir mussten also eine 2 Belichtung machen, diesmal korrekt auf die Decke belichtet.
  2. Nachdem wir nun die beiden Hälften des Diners ausgeleuchtet hatten, war die Mitte übrig. Wir hatten aber nur noch einen weiteren Ranger übrig, keine großen Lichtformer mehr.Da kam dann MR. SUNBOUNCE ins Spiel. Wir haben einfach einen Swatter genommen, aufgebaut (das ist so ein halb durchlässiges Teil zum abdunkeln der Sonne) und ans Fenster gelehnt. Damit hatten wir uns eine 1,5 auf 2m große Softbox gebaut :-)… NINJA STYLE!

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An dieser Stelle hatten wir unser Zwischenziel erreicht. Eine schöne und gleichmäßige Ausleuchtung. Aber gleichmäßig ist weit weg von toll. Eher nah an LANGWEILIG :-)… außerdem hatten wir ja ein Foto geplant, was mit lauter Leuten überfüllt war. Total überfüllt… mit dieser Ausleuchtung hätte es ein wildes Kuddelmuddel gegeben…

Highlights sind die wichtigsten und bedeutsamsten Hilfsmittel wenn es um Tiefe und Abtrennung geht Es gestaltet ein Bild interessant und spannend. Und das kam jetzt! High-Light-Setzing-Deluxe :-)…

Krolop-Gerst-Style ist bekannterweise mit Aufsteckblitzen. Und die haben wir auch eingesetzt.

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Was haben wir genau gemacht?

  1. Die Durchreiche zur Küche haben wir mit einem extrem starken Blitz erhellt. Wir wollten das schwarze Loch im Hintergrund vermeiden und der Blitz aus der Küche gab gleichzeitig auch noch schöne Reflexe auf die Modelle auf der Bar.
  2. Wir haben 4 oder 5 kleine Aufsteckblitze genutzt um versteckt hinter Tischen und Menschen Lichter zu setzen. Nutzt den Vorteil der Größe auch wirklich aus und platziert die Blitze direkt im Foto.Damit bekommt ihr Reflexe ins Bild, ohne Retuschierorgien oder dergleichen.
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  • SPECIAL-TRICKS

Das war das SETUP… einfach oder??? Versucht eben immer möglich viel über das was ihr tut nachzudenken. Alles hat einen Grund, alles hat LOGIK!!!

Wir wollen aber jetzt nach der Lichtsetzung auch auf ein paar speziellere Ratschläge eingehen:

-> Wir nutzen immer die Direktverbindung zu einem Laptop. Die wenigsten wissen, dass alles im Lieferumfang enthalten ist. Das Kabel, die Software… alles (jedenfalls bei Canon). Das nennt sich TETHERED SHOOTING. Nach der Auslösung wird jedes Foto direkt auf dem Laptop angezeigt. IN GROß!!!

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-> Wir haben das Bild auf dem Desktop abgeklebt. Um das korrekte Format herauszubekommen. Versucht doch auch mal möglichst genau zu arbeiten und so viel während des Shootings schon vorzukorrigieren. Das hängt alles zusammen. Wir übertragen sofort alle Fotos auf den PC, wir kleben den Bildschirm ab… wir kontrollieren und korrigieren… nachträglich kann man nix mehr machen JUNGS!!!

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  • TRY, TRY, TRY AND TRY AGAIN

Tja, und da brauch ich nix mehr drüber sagen! Ab diesem Zeitpunkt heißt es nur noch VERSUCHEN VERSUCHEN VERSUCHEN!

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Und jetzt hängt ihr sicherlich schon auf eurer Tastatur. Aber eine wirklich wichtige Sache gibt es noch zu sagen! ZEIT! TIME IS WHAT MATTERS! Ihr müsst euch den Aufwand auch mal vor Augen halten und das für eure nächsten Projekte einplanen. Wir haben um kurz vor 22 Uhr angefangen und kurz vor 6 Uhr haben wir den letzten und ersten Kaffee bei Mäckes (McDO) getrunken… 8 Stunden nur für eine Foto. 8 Stunden mal 20 Personen!

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Aber es war die Sache wert. Denkt ihr nicht auch… egal… mir und uns war es die Sache absolut wert!!!

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Und jetzt habt ihr euch sicherlich gefragt: HEY woher kommt die geile Retusche-Arbeit. Die Antwort wie auch beim letzten Poster-Shoot ist CALVIN HOLLYWOOD. Wobei hier noch zu bemerken ist, dass er für sein eigenes Portfolio eine etwas andere Endversion erstellt hat. Um die zu sehen, geht einfach auf  SEINE HOMEPAGE!

Kommentare (10)

10 thoughts on “LICHTSETUP: DINER ACTION POSTER SHOOT

  1. Hey,

    also Acht Stunden habe ich noch nie für ein Bild gebraucht, euer Ergebnis zeigt mir aber eindeutig das ich viel zu schnell auf den Auslöser drücke. Werde mich jetzt auch länger mit der Planung und der Vorbereitung beschäftigen. Mein neues Motto ist „What you see is waht you get“ !!!

    Danke für den Beitrag

  2. Die Zeit finde ich nicht wirklich überraschend, eher noch moderat. Etwas erschreckender eher der „Drogen“-Verbrauch. 😉

    Was mich aber primär interessiert und völlig offen ist: Die ganzen Modelle, die Requisiten, die Ausrüstung…kosten eine Unmenge an Geld. Wie finanziert ihr solche Projekte und davon abgesehen woher bekommt ihr Requisiten wie die SWAT-Kleidung oder die Waffen?

  3. Die Finale Version mag mir nicht so ganz zusagen.

    Da fehlt Korn und Stimmung (Kinofilmcharakter).

    Das gesmudgete gefällt mir hier nicht so. Zu glatt und zu wenig

    grafische Wirkung

    Aber Geschmacksache.

    Der fotografische Part ist super. Daumen hoch

    lg Calvin

  4. Hallo Calvin, also ich hab da mal drüber nachgedacht… 🙂 Ich denke der Grund warum ich das Diner so dargestellt habe ist, dass ich dort war. Die Farben sind so krass cool und irgendwie hat mich diese Farbstimmer dort total mitgenommen… 🙂 Ich saß vor dem Rechner und konnte irgendwie nicht wirklich eine farbliche Veränderung vornehmen. Ging irgendwie nicht!!! Warum???? Keine Ahnung! Manchmal ist es eben gut, wenn man „nur“ die Retusche macht. Dann ist man frei!

    Hallo Marc, also ich denke das Motto ist gut und geht bei jedem Shooting wirklich in Richtung Qualität. Außerdem sparst du dir oftmals Nachbearbeitungszeit am Rechner.

    Hallo Micha, also das ist harte Arbeit über Wochen wenn nicht gar Monate. Finanzieren tun wir solche freien Arbeiten über unser normales Geschäft. Geld geht da immer mit drauf und nicht zu knapp. Ich denke du solltest mit ca. 1000-2000 Euro rechnen in der Dimension. Ohne Arbeitsaufwand. In Köln gibt es ja Filmverleiher und dergleichen… einfach durchs Web surfen. Dann findest du sowas.

  5. Hallo Martin,

    mal wieder eines der verdammt gut gelungenen Setup-Tutorials. Kostüme, Location, Scene etc – TOP !!! Ich muss sagen ich bin schwer beeindruckt.

    Hätte da allerdings noch ’ne kleine Frage : mit wieviel Funkauslösern (PW’s) habt ihr gearbeitet ? Oder habt ihr die meisten Blitze über Fotozellen ausgelöst ?

    Macht bloß weiter so !!!!

    Grüße Dominik

    1. Hallo Dominik, danke für das Lob. Also wir hatten damals Elinchrom Skyports mit dabei. 5 RX-Empfängr für die Ranger und dann noch ca. 7-8 Empfänger für die Aufsteckblitze. Die Studioblitze wurden tatsächlich mit Fotozelle gezündet.

  6. Hi MArtin,

    mir stellt sich bei so etwas nur die Frage wie man möglichst kostenlos an so eine Location kommt?

    Ich versteh schon das ihr für freie Arbeiten ordentlich Geld ausgeben könnt. Ich kann das derzeit leider nicht.

    Also falls du da mal nen Tip hast, raus damit:)

    schönen Gruß aus Hürth

    Holger

    PS. den alten Ami Polizeiwagen den ich auf der Photokina mal angesprochen hatte, der ist leider schrott.

    1. Hallo Holger,
      also meine Antwort mag jetzt blöde klingen, aber es ist wirklich so. Einfach fragen. Erklär den Leuten was du machen willst und warum und lass sie teil haben. Wichtig ist, dass du fragst, offen bist, ehrlich und vor allem fragst, wie du Sie einbauen und integrieren kannst.
      Dann klappt das immer zu 50% bei uns!

      LG
      Martin

  7. Ich durfte mal wieder ein super Setup-Tutorial lesen und konnte viele hilfreiche Tips mitnehmen…

    Natürlich bin ich auch ein wenig traurig, da Fotografie in diesem Format für mich als kleiner „Hobby-Knipser“ nahezu unerreicbar ist…

    Vielen Dank für Eure tolle Webseite !

    Beste Grüße

    Dirk

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