27.4.2012    11

LICHTSETUP: LOW BUDGET GLAMSHOT

27. April 2012 | Lichtsetups

Aufsteckblitze sind genial. Klein, handlich und vom Licht auch unglaublich effizient. Und genau darum machen wir heute mal wieder ein Setup über Aufsteckblitze bzw. nur über einen Aufsteckblitz. OneLight-Klassiker mit nur einem Blitz aber zusätzlich noch verschärft durch einen kleinen weiteren Ausrüstungsgegenstand. Gesamte Ausrüstung mit allen Lichtformern, Blitzen und Auslösern maximal 500 € wobei die Lösung langfristig und professionell sein muss. Und dieses Foto ist ein Startklassiker…

Das ist das Foto und dieses Foto ist mit einem unglaublich einfachen Licht gemacht. Ihr werdet gleich sehen wie einfach.

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

Voila… unten seht ihr das Setup. Ein Blitz, ein Stativ und das Modell. Mehr nicht.

Und wenn man sich jetzt mal das Foto nochmals genauer anschaut, so erkennt man das Erstaunliche. Dieses Licht kommt aus einem nackten, puren Aufsteckblitz. Viele Leute denken nämlich immernoch, dass hartes Licht auch hart und grausam wirken muss. Aber nicht hier. Das Licht wirkt sehr radikal aber wir haben keine extremen Schlagschatten auf dem Foto. Warum?

Weil das Foto hochfrontal ausgeleuchtet wurde. Ganz nah an der Achse zwischen Kamera und Modell und genau überhalb dieser Achse. Das sorgt dafür, dass die Schatten zwar nicht weniger hart und knackig werden, wir bewegen aber mit dem Licht den Schatten hinter das Modell und verstecken damit den großen Schlagschatten im Bild hinter dem eigentlichen Motiv. Dazu kommt, dass wir durch eine sehr nahe Position an der Kameraachse auch die Schatten AUF dem Modell minimieren. In unserem Fall haben wir das Kinn sogar nach oben bewegt und damit erzeugt, dass gar kein Nasenschatten auf dem Bild zu sehen ist.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Und bevor jemand sich über die Relation oben von Ausrüstung zum Galgenstativ* beschwert. Ja, der ist teurer als der gesamte Blitz samt Auslöser und Wabe aber die Position dieses Setups erfordert ein solches Stativ oder einen kleinen Trick. Wer keinen Galgen hat, der kann einfach seinen Schirmneiger* um 90° zur Seite neigen und hat dann auch unterhalb des Blitzes freien Platz. Auf jeden Fall braucht man Platz genau unterhalb des Blitzes. Einfach ein Stativ und den Blitz oben drauf funktioniert also nicht. Er muss zur Seite geklappt werden oder eben auf einen Galgen.

Der Vorteil von Aufsteckblitzen, das sehr geringe Gewicht, kann nämlich gerade mit Galgen sehr gut genutzt werden. Aber hier soll es ja nicht um Galgen gehen. Es geht um das Setup.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Das Setup ist wirklich so schlicht wie genial. Blitz aufbauen, auf das Modell positionieren und dann genau drunter durch fotografieren. Und bitte, wirklich genau drunter durch und damit meine ich, dass man nicht einmal 10cm zur Seite gehen sollte. Denn bewegt man die Kamera zur Seite, dann öffnet man die Winkel zur Lichtquelle und die Schatten auf dem Modell bewegen sich zur Seite hin. Ziel ist es aber, dass man die Schatten direkt nach unten gehen hat.

Übrigens, das Kabel was ihr da weggehen seht, das ist das Tethering zum Laptop. Also nicht wundern, wir lösen den Blitz wie meistens mit den alten und gleichfalls guten Yongnuo RF-602* aus.

Manch einer mag denken, dass wir auf dem finalen Foto die Vignettierung nachträglich über Photoshop eingefügt hätten. Dem ist nicht so. Wir haben das Bild genau so fotografiert und ihr sehr das Foto direkt wie aufgenommen. Nachträglich wurde nur noch die Sättigung entfernt und dabei haben wir auch die Klarheit reduziert und etwas Rauschen über LR hinzugefügt. Die Randabdunklung war aber nicht objektivbedingt sondern lichttechnisch gewünscht und umgesetzt.

Wir haben den Blitz mit einer Wabe bestückt und damit den Lichtstrahl begrenzt. Achtung. Viele verwechseln, dass eine Wabe nicht das Licht reduziert sondern nur den Lichtwurf eingrenzt. Sie bündelt das Licht aber auch nicht. Eine Wabe lässt eben nur einen bestimmten Bereich des Lichts durch und der Rest wird intern abgeblockt.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Wir nutzten im Setup eine Honl Photo 1/4 Speed Grid* um damit einen extrem kleinen Lichtstrahl zu bekommen und das sorgte dann auch für den Lichtabfall am Rande und die anscheinende Vignettierung.

Damit hätten wir euch schon das gesamte Setup erklärt. Es ist unwichtig welche Blende oder ISO ihr einstellt. Das hängt von euren Bildwünschen ab. Wir nutzen ungefähr eine Blende von 5.6 und einen ISO Wert von 100. Aber wie gesagt, lasst euch davon nicht irgendwie eingrenzen. Macht wie ihr es für schön empfindet.

Das Bild ist aber in einem weiteren Punkt noch erklärenswert. Denn wir haben mit diesem hochfrontalen Setup natürlich zwangsweise einen sehr penetrant direkten Look. Viele Fotografen nennen das Licht immernoch „totgeblitzt“. Um diesen Eindruck nicht entstehen zu lassen raten wir euch, das Foto im entsprechenden Look zu verbinden.

Natürlich könnt ihr Tante Gerda damit fotografieren aber der Look entspricht doch mehr dem eines Bühnentheaters. Nicht ohne Grund wird das Setup auch Marlene-Dietrich-Licht genannt. Das Licht besitzt automatisch eine gewisse Provokanz und Direktheit und dieses Licht verbindet sich damit unglaublich gut mit etwas anrüchigen Bildinhalten. Daher bei uns auch die zerzausten Haare, der leicht eckstatistische Blick, der leicht seitliche Schnitt, das Chaos mit Händen… all das passt zum Look.

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

Noch viel wichtiger als den Bildinhalt dem Licht anzupassen ist aber das Licht dem Motiv anzupassen. Jetzt kommt eine kleine Beichte zum Ende des Beitrages: 🙂 Hoffe niemand fühlt sich in seiner Professionalität angegriffen. Wir nutzen oft ein entsprechendes Licht wenn z.B. das MakeUp oder die Haare besondere Mängel aufweisen. Wenn die Haare nicht so wollen wie wir, wenn irgendwas schief geht, dann kann man auch sehr leicht das Licht dem Look anpassen und die Makel damit verbergen. Sind die Haare ein einziges Chaos, dann ist es eben eine gute Möglichkeit so ein Licht wie oben aufzusetzen und dann noch mit den Händen das Chaos schlimmer zu machen. In diesem Fall unterstützt das Licht dann das Motiv und verdeckt ungewollte Fehler indem diese dann gewollt wirken.

So, das wars für heute… viel Spaß beim Fotografieren. Jetzt gehts direkt nach Wien. 10h Autofahren… aber für die Wiener ist das nichts, das tun wir gerne.

Martin & Marc

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Kommentare (11)

11 thoughts on “LICHTSETUP: LOW BUDGET GLAMSHOT

  1. Wozu überhaupt ein Stativ

    wenn der Blitz genau über der Kamera sein soll?

    Genau da ist er schließlich schon, wenn er auf dem Blitz-Schuh steckt.

    1. Andere Brennweiten, 10cm weiter weg vom Blitz macht schon einen gigantischen Unterschied…, Freiheit beim Fotografieren, Hochformat…
      4 fette Gründe Marc… 🙂

  2. Das gefällt. Beitrag und Details kurz und verständlich erklärt. Finde es echt gut das immer wieder mal auf einfache und effektive Mittel zurückgeriffen wird. Genau richtig für Fotografen ohne teuere Studioausstattung. 🙂

  3. Kann dazu ohne Werbung machen zu wollen, wärmstens die DVD vom Martin empfehlen „Praxistraining Fotografie: Blitzlicht“. Hier wird sehr schön auf das Thema Aufsteck blitz und entfesselt Blitzen sowie die unterscheide eingegangen.

  4. hab mir 2 Grids aus pappe und schwarzen coctailhalmen gebaut funktioniert auch sehr gut …. nur zum Thema Low Budget 😉 Setup find ich gut auch die Ausage mit dem Look triffts eindeutig……

    LG MIKE

    PS.: ein Thema was wieder im Netzwerk geteilt wird 🙂

  5. Falls man die Low-Budget-Variante braucht, tuts auch ein Paket (schwarze) Strohhalme und Gaffa-Tape…

    Einfach umwickeln und in die richtige Länge schneiden… Funktioniert prima…

  6. ein richtig schöner Bildstil! gefällt mir gut…habe ein ähnliches Resultat erreicht mit dem beschriebenen Schirmneigertrick…und einem selbst gebastelten Blitzwabe…in dem Sinne EINFACH…aber genial!

    LG Chriss

    PS: Vllt sollte man auch mal auf die Aufsteckblitzworkshops hinweißen..dort bringen Martin und Marc euch solche Setups bei… 😉

  7. Ganz ok, aber die beiden schwarzen Punkte, Flächen unter dem Kinn (links relat.klein, Mitte gross) gefallen mir gar nicht. Wenn man die mal gesehen hat ……..

    LG ours

  8. Gutes Tutorial! Ich habe für mein Galgenstativ (neu) bei ebay 30 euro bezahlt. Trägt locker einen sb25 und eine 1 meter Octabox. Klar, ein Gewicht hinten dran ist Pflicht. Auf jeden Fall hätte das gute Stück locker in euer Budget gepasst!

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