18.10.2011    12

LICHTSETUP: HOCHFRONTAL + ÜBERBELICHTET

18. Oktober 2011 | Lichtsetups

Bei all den Schlauchboot-Videos, Lightroom-Tutorials dürfen wir nicht vergessen, dass wir ja noch so einige geschriebene Reihen offen haben und dass auch diese fortgesetzt werden. So auch die SETUP-Reihe. Heute in Ausgabe 44…

Also starten wir direkt mit dem Inhalt des heutigen Beitrages. Es geht um die Kombination von verschiedenen Bild-Look-Elementen, welche, für sich einzeln genommen, wohl den einen oder anderen Fotografen ziemlich abstoßen. Aber wenn man richtig kombiniert, dann wird aus ganz bösen Sachen plötzlich ein tolles Foto. Doch erstmal die beiden Aufnahmen. An dieser Stelle noch die kleine Information, dass wir die Bearbeitung ausschließlich mit Lightroom vorgenommen haben und daher finden sich bestimmt noch hier und dort einige Unreinheiten und auch ist die Bearbeitung in Lightroom etwas gröber und oftmals etwas weniger fein als in Photoshop. Dazu aber in der Lightroom-Strecke mal mehr.

TECHNICAL Vergleich Fotos

 

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TECHNICAL Vergleich Fotos

 

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Nachdem wir jetzt also die Fotos die am Ende heraus kommen kennen, können wir uns fragen um welche „gehassten“ Elemente es geht.

1. Es geht einerseits um die Postion der Lichtquelle. Der Blitz war „hochfrontal“ über die Kamera gesetzt und zwar dort, wo eigentlich der Aufsteckblitz thront.

2. Das Licht ist ziemlich hart im Schattenverlauf, die Lichtquelle war also nicht sonderlicht weich.

3. Die Belichtung wurde absolut ins helle gefahren. Andere würden sagen „überbelichtet“ aber da würden wir fragen „respektiv zu was überbelichtet“? Wir haben das Bild eben absichtlich sehr hell belichtet, was aber nicht überbelichtet lauten muss.

(Anmerk. d. Red. :-): ÜBERBELICHTET ist für uns ein Bild erst in dem Moment wenn es heller ist als wir oder der Kunde das Bild eigentlich wollten. Sonst wäre ja ein HighKey-Foto ein überbelichtetes Foto, was es aber nicht ist. Ein HighKey ist ein helles Foto mit weißem Hintergrund und den Dominanzen im hellen Graubereich und so wenig Schwarzwerten wie eben für das Bild nötig.)

4. Der Schnitt ist durch Hand, Nase, Augen, Gesicht, etc…

5. Die RAW-Entwicklung ist sehr kontrastreich. Zusätzlich zum hellen Bild kam hier noch ordentlich Kontrast drauf.

Jedes Element für sich ist in vielen Fotobüchern/Fotolehrgängen als „DO NOT“ gekennzeichnet. Also sind es Elemente, die man eigentlich nicht tun sollte. Aber erst in der Kombination aus alle diesen Punkten zusammen ergibt sich dann ein Bild was rockt.

ZU 1. Durch die Frontalität erzeugt man auf dem Bild eine Art brachiale Ausleuchtung. Der Bildlook durch das Licht ist eine Art von Realismus. Man versteckt nichts im Schatten, der Zuschauer fühlt sich nicht manipuliert. Ganz im Gegenteil, bei der Betrachtung des Fotos kann man auch als Nichtfotograf diese direkte Lichtführung bemerken. Es wirkt einfach brachial, frontal, direkt. Und damit wirkt auch das Bild so. Kombiniert mit dem Motiv der beiden Frauen ergibt sich dann schon wieder ein Kontrast.

ZU 2. Die harte Abgrenzung von Schatten und Licht erzeugt die notwendige Knackigkeit. Weichere Schattenverläufe würden das Licht nicht so aggressiv wirken lassen. Es wäre schmeichelhafter. Es soll aber nicht schmeichelhaft sein, die beiden Modelle sollen wie im Rampenlicht wirken.

ZU 3. Textur, Hautzeichnung, Schattenverläufe, Formen und Farben würden den Bildbetrachter vom eigentlichen Inhalt, der Szenerie, den Farben und den Münden ablenken. Es geht hier um einen altbekannten Fotografentrick. Alles mit was man den Bildbetrachter nicht belasten möchte, schneidet man weg oder entscheidet sich für schwarz oder weiß :-)… ist kein Trick aber so läuft eben Fotografie. Man kann Dinge ausblenden indem man diese Sachen weg lässt vom Foto oder einfach schwarz oder weiß belichtet. Dann fängt sich das Auge des Betrachters nicht daran.

Zu 4. Der Schnitt war notwenig um die Szenerie auf den Mund zu konzentrieren. Augen lenken ab. Das sieht man an den beiden Fotos. Auf dem Foto ohne Augen fängt man sich vielmehr am Mund. Die Augen geben Persönlichkeit und ziehen die Aufmerksamkeit vielmehr auf die Persönlichkeiten im Foto. Daher auch die beiden Vergleichsfotos oben. Bitte nochmals genauer anschauen.

ZU 5. Natürlich hätten wir viele „Informationen retten“ können. Aber wozu. Wir wussten doch von Anfang an, dass wir ein helles, kontrastreiches Bild haben wollen. Hätten wir es anders haben wollen, dann hätten wir doch auch anders fotografieren können. Es geht in der Bildbearbeitung also darum, den schon beim Fotografieren gewünschten Bildlook zu finalisieren. Bitte nutzt Photoshop und Co. nicht dafür, euch zu entscheiden wie ihr das Bild haben wollt. Schnitt, Look, Kontrast etc… das muss vorher schon bewusst und bekannt sein.

Ihr seht also, der Sinn und Zweck eines Fotosetups ist es, den eigentlichen Bildlook zu erzeugen. Dafür muss man aber vorher wissen was gewünscht ist und man muss sich gezielt entscheiden. Entscheidungen beim Fotografieren zu treffen ist also mit das Wichtigste überhaupt. Nachträglich kann man nichts mehr verändern sondern nur nach versuchen zu retten. Und das kann es ja nicht sein. Und dazu muss man einfach offen und ehrlich sagen, dass es keine fixen Regeln gibt. Schnitt, Belichtung, Lichtformung und alle restlichen Entscheidungen ebenfalls sind abhängig von euren Vorstellungen.

Nehmt euch die Zeit Entscheidungen zu treffen. Egal ob ein Buch, ein Blog oder sonst wer schreibt, dass man es so gerade nicht machen soll. Macht es trotzdem.

So, und für alle mit Interesse an den technischen Einstellungen des Fotos hier nochmals kurz die Auflistung mit Fotos der verwendeten Technik.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Genutzt wurde ein Ranger Q* mit einem einfachen Reflektor. Also ein 400Ws Generator mit dem 60°-Reflektor-Aufsatz. Durchmesser kaum größer als ein Aufsteckblitz.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Durch das leichte  Gewicht beim Q*  haben wir ein Galgen genutzt um frei und schön unten durch zu fotografieren. Die Position der Kamera war also genau unterhalb des Blitzkopfes. Die Modelle standen genau im Spot des Reflektors. Wir haben eine ganz normale Wand im Studio genutzt.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Hier nochmals der Reflektor von der Seite!

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Der Reflektor wurde ohne Wabe oder Ähnlichem verwendet. Abstand zur Wand bzw. zu den Modellen war ca. 1m.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Einstellungen an der Kamera waren 1/160s, f22 und ISO200.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Leistung des Rangers war auf ca. 100W. Also mehr als 100Ws ist für dieses Setup nicht notwendig und um gleich beim Thema Leistung zu bleiben. Das wäre auch mit einem Aufsteckblitz möglich zu machen!

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Fotografiert wurde mit einer D700* mit 105er Makro*. Geiles Teil… 🙂 (Da kommt der Technikfanatiker durch!)

So, dat wars für heute… viel Spaß beim Fotografieren. Und immer schön Regeln brechen! Absichtlich!

Martin & Marc

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Kommentare (12)

12 thoughts on “LICHTSETUP: HOCHFRONTAL + ÜBERBELICHTET

  1. Auf Beiträge von der Setup-Reihe freue ich mich immer besonders.

    Wieder eine geiles Setup finde ich 🙂 Die Ergebnisse gefallen mir, Das erste Bild wo die Augen weggeschnitten sind wirkt schon sehr geil 😀

    LG Beni

  2. Was ich mich immer schon mal gefragt habe: Ihr setzt ja ganz überwiegend auf Canon Knipsen. Wann und wieso holt ihr die D700 raus, von der sich zumindest Martin ja auch sonst schon mal schwer begeistert gezeigt hat?

  3. Hallo,

    mal eine kurze Frage an Euch…

    Ich verstehe nich ganz, warum Ihr mit ISO200 und Blende 22 fotografiert habt?

    Warum nicht mit ISO100 und Blende 16?

    Gruß Thomas

  4. Ja sieht es… es ist nicht so scharf. Du hast bei ner 22er Blende eine stärkere Beugungsunschärfe im Objektiv .

    Deswegen würde ich bei dem Ausschnitt sogar Richtung Blende 11 oder gar 8 gehen… gerade weil Du ja auch Überbelichten willst…

    Zum zweiten würde ich wg. dem Dynamikumfang immer ISO100 als ISO200 bevorzugen.

    Ist vielleicht zu idealisiert gedacht…. war aber nur ein Gedanke.

    LG Thomas

    1. Also Nikon ist bei ISO200 stärker als bei ISO100. Deswegen haben viele Nikons ja gar keine ISO100… die Chips sind meines Wissens eher auf ISO200 ausgelegt. Und Beugungsunschärfe ist für mich ein komisches Märchen… als ob es bei den Fotos auf 1% Schärfe ankommen würde. Das Bild wird sowieso nachgeschärft bzw. bearbeitet. Da ist das doch Jacke wie Hose… Über sowas machen wir uns echt keine Gedanken. Wir fotografieren auch bei Blende 64 wenns sein muss. Dann eben Mittelformat. Und da sollte die Beugungsunschärfe ja dann brachial sein, oder? Macros nutzen wir auch oft bei 32…
      Sich heutzutage über ISO100 zu ISO200 und f11 zu f22 an nem Nikkor 105er Makro zu unterhalten ist schon irgendwie komisch von uns beiden, findest du nicht? Ich meine, wären die Bilder etwas anders gewesen im Endeffekt bei f11? Würden wir das bei einem normalen Druck sehen? Ich würde das Verneinen aus der Erfahrung heraus!

  5. …“ Also Nikon ist bei ISO200 stärker als bei ISO100. Deswegen haben viele Nikons ja gar keine ISO100… die Chips sind meines Wissens eher auf ISO200 ausgelegt.“

    LOL! Geil!

    …“ Und Beugungsunschärfe ist für mich ein komisches Märchen… als ob es bei den Fotos auf 1% Schärfe ankommen würde.“

    1% ist gefährliches Halbwissen, denn es kommt auf die Sensor bez. Filmgröße an und welche Brennweite vorne drangeschnallt ist.

    Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Beugungsunsch%C3%A4rfe

    (Für denjenigen den es interesiert)

    …“Auswirkungen in der Fotografie [Bearbeiten]

    Die Winkelauflösung der Beugungsunschärfe ist von der realen Größe D der Blendenöffnung abhängig und nicht von der Blendenzahl f/D. Allerdings steigt mit der Brennweite f auch die geforderte Winkelauflösung, so dass für ein Bild einer gewissen Schärfe die Blendenzahl f/D die entscheidende Größe ist.

    Je kleiner die Blende (größer die Blendenzahl f/D) ist, desto größer ist der durch die Beugungsschärfe entstehende Fleck. Für eine maximal zulässige Größe dieses Fleckes ergibt sich damit eine maximal sinnvolle Blendenzahl. Die maximal zulässige Größe des Fleckes kann man entweder durch die Größe des lichtempfindlichen Bereichs festlegen (z. B. Bilddiagonale/3000) oder durch die Auflösung des lichtempfindlichen Bereiches (Halbleitersensoren: Pixelgröße, Filmmaterial: Auflösungsvermögen des Films).

    Kameras mit sehr kleinen Sensoren (die im Wesentlichen durch Halbleitersensoren erst sinnvoll geworden sind) haben eine sehr hohe Auflösung, die maximal sinnvolle Blendenzahl ist dort daher sehr niedrig und liegt teilweise im Bereich zwischen 4 und 8. Bei Großformatkameras sind zum Teil Blendenwerte von f/64 noch sinnvolle Arbeitsblenden.“

    …“Sich heutzutage über ISO100 zu ISO200 und f11 zu f22 an nem Nikkor 105er Makro zu unterhalten ist schon irgendwie komisch von uns beiden, findest du nicht?“

    Es hat nichts mit heutzutage oder Nikon oder sonst was zu tun, sondern mit dem Optimum welches ich aus einer Situation gemäß der Physik herausholen kann. Du sagst es ja selber… “ Nehmt euch die Zeit Entscheidungen zu treffen. Egal ob ein Buch, ein Blog oder sonst wer schreibt, dass man es so gerade nicht machen soll. Macht es trotzdem.“.

    …“ Ich meine, wären die Bilder etwas anders gewesen im Endeffekt bei f11? Würden wir das bei einem normalen Druck sehen? Ich würde das Verneinen aus der Erfahrung heraus!“

    Kommt darauf an was Du dir unter einem normalen Druck vorstellst?

    Im kleingerechneten 13x18cm Hausfrauen Print oder für Internetpräsentationen magst Du recht behalten. Aber bestimmt nicht wenn es um großformatige FineArt prints geht.

    Das ist aber ja auch das schöne an der Fotografie… Sie birgt für jeden Anspruch ein passendes Verfahren.

    In diesem Sinne Gut Licht.

    1. Also dann meine persönliche Meinung zu dem Thema: Ich denk garnicht an sowas… ich hab beim Fotografieren schon genügend Probleme und ich werde nicht anfangen nur noch bei Blende 8 zu fotografieren, weil da die Qualität „am Besten“ ist. Wenn ich ne Blende von 1.2 haben will, dann nehm ich das. Dann ist die Qualität am Sack. Und das gilt für mich bei jeder Blende. Über Qualität mach ich mir keine Sorgen mehr. Bei ner D700 und nem 105er VR hat sich noch nie jemand beschwert. Auch bei f22 und bei Prints auf über 1m… Ich denke man muss da einfach mal den „Anspruch auf Qualität“ im Zaum halten.

  6. Vielleicht magst Du recht haben. Beim shooting mit Menschen ist sowieso die Kommunikation mit dem Klienten am wichtigsten. Wenn Das nicht passt bringt einem die Blende 8 auch nix. Ich denke als Landschaftsgärtner und Hausmeisterfotograf halt in anderen Variablen.

    Nix für Ungut… hehe und meine Canon geht bis ISO 50 runter.

  7. Bin mir sicher dass die Nikon Kameras einen Lo1- oder ähnlichen Modus haben…
    Klar, aus Prinzip ist ISO 100 immer gut, aber letzten Endes ist (gerade bei Nikon und der D700) doch die Qualität bei ISO 200 wirklich ausreichend genug. Ich glaube ich hab in irgendeiner Zeitschrift bei einem Kameratest aber tatsächlich mal gesehen dass dier Auflösung bei ISO 200 etwas besser war.
    Ausserdem hat Martin ein Makro Objektiv benutzt das „irgendwie“ mehr auf kleine Blenden optimiert ist.
    Ich selber wäre wohl auf ISO 100 mit f11 gegangen, aber whatever. Dafür hätte ich das Licht nicht so geil gesetzt 😉

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