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LICHTSETUP: ON-CAMERA-PAPARAZZI

25. November 2010 | Lichtsetups

Irgendwie scheint es mir, als dass die technischen Anforderungen in materieller Hinsicht im Blog in letzter Zeit drastisch reduziert wurden. Das letzte Setup wurde gemacht mit einem 100 € Dauerlicht von Walimex, heute kommt ein Setup bei dem ein einfacher Aufsteckblitz ohne irgendetwas an Zubehör vollkommen genügt.

Ich würde sagen, wir fangen mal direkt mit den finalen Fotos an.

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

Die Fotos sind nicht Jedermanns Geschmack. Der Style ist eben keine normale Beautyaufnahme mit einer Dish von einem Galgen herab und ein bisschen Farbe und Streiflichter im Hintergrund.

Bevor wir uns jetzt aber auf das Setup stützen oder sogar noch schlimmer, das Foto von Anfang an schlecht oder gut sprechen, gehen wir mal ganz neutral an die Sache und versuchen die Bildelemente zu erforschen. Bildelemente sind die Elemente, die das finale Foto komponieren und zum finalen Shot machen.

  • Das Foto wirkt sehr penetrant! Sowohl von der Lichtführung als auch vom Inhalt.
  • Der Style geht sehr stark auf einen USED-LOOK zurück.
  • Unterschwellig spielen wir hier mit einem Element des Spannens oder auch des Paparazzos (Beinstellung, Kleid etc.)
  • Die Szenerie mit Zigarette, Telefon und dem „zerstörten“ Bettzeugs zeugen von einer Realitätsstimmung.
  • Das Modell beachtet die Kamera nicht. Distanz wird in das Foto gebracht.

All diese Punkte zielen auf einen bestimmten Look ab. Und zwar dass dieses Foto eben „perfekt“ ausgeleuchtet nicht in dieser Art existieren könnte. Es geht oftmals darum, eben nicht 100% perfektes Glamourlicht zu setzen sondern ganz im Gegenteil, Unperfektheit, Makel und Fehler ins Bild auch in lichttechnischer Hinsicht zu transportieren.

Und genau deswegen wurde dieses Bild so gemacht, wie es auf den nachfolgenden Shots zu sehen ist.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Der Aufsteckblitz wurde verwendet und zwar auf der Kamera. Im Querformat auf das Modell geblitzt. Und wie wir auch deutlich an den Distanzen erahnen können, wurde zudem sehr weitwinklig und nahe am Motiv fotografiert.

Der Weitwinkel erfordert übrigens eine hohe Vertrautheit mit dem Modell. Ich rate allen Fotografen sowas nur zu machen, wenn das Modell sich sichtlich wohl fühlt und auch mit der Situation zurecht kommt. Selbst Profis können bei zu kurzen Kameradistanzen noch aus der Routine geworfen werden und gerade bei solchen Posen ist Vertrauen, Zuversicht, Bestimmtheit ein absolutes Muss. Aber der Look der Fotos bezahlt jede Müde.

Denn der generelle Einsatz des WW-Objektivs sorgt für einen sehr nahen Look. Der Bildbetrachter fühlt sich im Raume stehend. Mit dabei! Mit Brennweite spielt man als Fotograf in dieser Hinsicht, dass man die Positionierung des Betrachters übernimmt.

Der Aufsteckblitz als extrem kleine Lichtquelle zeichnet Schlagschatten wie mit dem Lineal gezogen auf den Hintergrund. Die Ausleuchtung ist platt und extrem achsennah. Wir kennen diesen Look von „totgeblitzten“ Fotos. Wobei, totgeblitzt kommt dem Licht nicht annähernd nahe. Meistens wenn mit dem Aufsteckblitz so fotografiert wird, dann haben wir eben nicht eine so hübsche, lasziv gekleidete und anrüchig posende Megafrau vor uns wie Julia. Geschweige denn, dass wir so nah so viele Aufnahmen machen können und oft wird eben auch der Fehler gemacht, das Ganze in Farbe zu lassen… und all das machen wir eben anders.

Licht ist nicht schlecht, Licht blitzt nicht tot, wir müssen Licht einsetzen! Nach unseren Wünschen.

Denn wir spielen mit dem entsprechenden Look. Der Aufsteckblitz-Look gibt dem Foto die Penetranz der Lichtführung, die es eben notwendig hat. Es geht darum, dass wir gezielt etwas ekelhaftes an Lichtführung eingebaut haben. Um die Szenerie zu unterstützen aber gleichzeitig einen Kontrast zum Modell zu geben.

Schaut euch mal die Einstellungen an. Alle Fotos wurden so aufgenommen.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Das Zimmerlicht wurde über die Blende/ISO/Zeit Kombination ausgeblendet. Die Schärfe im Weitwinkel wurde durch die f9 auf die Spitze getrieben. 1/60s ist in dieser Hinsicht egal, weil wir durch f9 bei ISO200 in einem gewöhnlichen Zimmer ohne direkte Sonneneinstrahlung absolute Exklusivität des Blitzlichtes bekommen. Dann könnten wir noch länger belichten, das Foto wäre durch das Momentlichts des Blitzes trotzdem scharf.

Wir haben sogar im P Modus fotografiert um diese Werte zu erreichen. Und zwar haben wir im P-Modus die Belichtungskorrektur (das ist auf dem Display die Skala von -2 bis +2) auf 2 Blenden unterbelichtet gestellt.

Picture Style war MONOCHROM direkt in der Kamera um den finalen Look in S/W auch direkt kontrollieren zu können.

Und die Blitzbelichtungskorrektur wurde auf plus 1 1/3 gestellt. Damit haben wir den Blitz über 1 Blende hochgeregelt und erzeugen dadurch noch ein extra überbelichtetes / totgeblitztes Foto in den hellen Werten.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Schaut euch mal den Blitz an. Der Zoom wurde manuell auf 105mm gestellt. Bei der Verwendung von Weitwinkel in Verbindung mit dem extrem Zoom am Blitz erzeugen wir einen Spoteffekt im Bild. Die Ränder des Fotos bleiben dann schwarz! Es findet eine Fokussierung auf den Spot statt und dem Betrachter wird noch mehr Tiefe vermittelt.

Als Objektiv kam übrigens das 24-70 DG HSM EX von Sigma zum Einsatz. Merkt euch bitte, dass wenn ihr schon Weitwinkel in so extremer Art mit Menschen kombiniert, dass es ein gutes WeitwinkelObjektiv sein sollte. Unterschiedliche Objektive haben teils unterschiedlich starke Verzerrungen und teilweise ist es ein Unterschied, der gar nicht so richtig begründet werden kann, optisch aber eben trotzdem DEN Unterschied ausmacht.Fotografiert haben wir meistens bei 24mm. Eigentlich nur!

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Da wären wir auch schon am Ende des Setups.

Was lernen wir aus dem heutigen Post, bzw. was kann man daraus lesen? LÖSUNG: Es gibt kein schlechtes Licht. Es gibt bloß die falschen Entscheidungen des Fotografens, das falsche Licht an der falschen Situation zu nutzen. Nutzt Licht so, wie es für die Bildsprache und den Look genutzt werden muss und nicht nachdem, was toll wäre, was „man so tut“ und was nicht.

Natürlich sieht das Bild von der puren Lichtcharakteristik wie ein totgeblitztes Foto mit Aufsteckblitz aus. Aber kombiniert mit dem Spoteffekt am Blitz, dem Outfit, der Pose und dem harten S/W Look, ergibt sich eben erst das stimmige Foto.

Schaut euch z.B. nochmals das nächte Foto an. Dort kann man sehen, dass man mit all diesen extremen Einstellungen von Licht, Modell, Look, Outfit, Posing, Kameraperspektive ja auch noch einen extremen Schnitt ins Bild mit einbauen kann. In diesem Fall durch die Augen. Und das Bild wird für mich sogar noch stärker!

Das absolut Wichtigste am Ende: Gerade wenn das Licht so „problematisch“ in den Volksaugen daherkommt und so simpel ist, dann muss umso mehr auf die Kombination der Bildelemente geachtet werden. Man kann nicht einfach in S/W Modus mit dem Aufsteckblitz umherlaufen. Es geht gerade um die Details mit dem Zoom, der leichten Blitzkorrektur, die Nutzung des Weitwinkels für den Bildeindruck. All das spielt eine essentielle Rolle. Das ist die Aufgabe des Fotografens! Die Kombination aller Elemente im Bild!

Das wars für heute, wir sind auf nach Kölle, unter anderem FotoTV besuchen, Blitzgerät austauschen, Farbe kaufen beim Baumarkt, 5 Monate Pfandflaschen aus dem Studio zurückgeben (YIPPPIEE… wir sind danach reich!) und unseren Cuttern in Köln neues Futter zum Arbeiten zu geben… und und und..

SEE U NARA 🙂

TECHNICAL Vergleich Fotos

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TECHNICAL Vergleich Fotos

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Kommentare (9)

9 thoughts on “LICHTSETUP: ON-CAMERA-PAPARAZZI

  1. Vielen Dank für den inspirierenden Beitrag.

    Habt ihr eine „Cropkamera“ verwendet ?
    Dann wären 24mm ja nicht soo… extrem.

    Gruß
    taylor

  2. Sehr interessantes Futter 🙂

    Das mit der Cropkamera würde mich auch interessieren. Auf den „Making Of“ Fotos scheint Martin die 5D2 in der Hand zu haben, jedenfalls nicht die 550D, von der das Displayfoto und das nachfolgende mit Aufsteckblitz gemacht wurden… 😉

    1. Die Fotos wurden mit einer 550D gemacht. Also Crop. Die Fotos sind bei einem Workshop entstanden und der Peter hat eben keine Cropkamera… BÄÄÄÄHHH :-)…

  3. hey… ich hab die einstellungen grad mal mit meiner eos 70d und meinem metz 52 af-1 nachgestellt aber der spot-effekt kommt leider nicht so rüber wie bei euch. ganz im gegenteil… eher viereckig und mit kleineren „mustern“. habt ihr mir irgendeinen tip oder könnt ihr mir sagen an was das liegen könnte?

    vielen dank im voraus.

    gruß phil

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