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LICHTSETUP: DAUERLICHT FOREVER I

13. November 2010 | Lichtsetups

Sicherlich haben alle fleisigen Blogleser gestern bemerkt, dass ein Freitag ins Land gegangen ist, ohne dass ein neues LETS BOUNCE Video online gesetzt wurde. Das ist ja auch schon früher mal passiert, gestern ist es aber dennoch mit Absicht passiert. Wir pausieren mit den restlichen Videos aus der LETS BOUNCE REIHE bis nach den kalten Tagen. Was bringt es denn, wenn wir Videos aus der Sonne zeigen, wenn es draußen Regen gibt und es bitterlich kalt ist. NIX… von daher werden wir die Strecke über einige Monate pausieren. Die restlichen Videos gibt es dann in 2011.

Dafür werden wir in der kalten Zeit jetzt wieder verstärkt auf die Thematik STUDIO und INDOOR Fotografie eingehen. Und damit fangen wir heute gleich an. Ein Setup aus dem Studio.

Es geht heute auch darum, mit was für einfachen Mitteln man faszinierende Ausleuchtungen erzeugen kann.  Eingesetzt wird in diesem Setup ein einfaches Dauerlicht. Diesmal ein Dauerlicht von Walimex. Es ist ein 1000W Quarzdauerlicht (*SHOPLINK) mit einem einfachen Normalreflektor auf der Leuchte.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

So ein Dauerlicht kostete um die 100€ in der einfachsten Form damals und wir nutzen es bei unseren Events seit ca. 1 Jahr und zudem, dass es cooles Licht macht, fühlen sich alle Modelle noch pudelwohl weil es eben auch schön warm ist :-)… bloß vorsicht, man sollte nicht zu nah an die klassischen Glanzstellen (Stirn, Kinn und Wangenknochen) herankommen. Sonst wird aus angenehmer Wärme ganz schnell ein schwitziges Unterfangen.

An dieser Stelle bleibt natürlich noch zu sagen, dass man auch einen Blitz hätte nehmen können. Das Dauerlicht mit 1000W selbst mit diesem Normalreflektor ist deutlich schwächer als jeder Aufsteckblitz. An dieser Stelle kommt es einzig und allein auf die Tatsache an, dass der Lichtformer einen schönen Schatten- und Lichtwurf besitzen muss. Denn die Schattenkante ist nachher das definierende Element des fertigen Fotos.

Und jetzt kommen wir direkt zum Setup. Auf dem nächsten Foto sieht man deutlich was wir gemacht haben. Wir haben die Lichtquelle schräg über das Modell gehalten. Abstand ca. 1m  und der Winkel in einer Art und Weise, dass man normalerweise ein TOTENKOPF-GESICHT bekommen würde. Denn bei einer zu hohen Lichtquelle fällt kein Licht mehr in die Augenhöhlen und diese erscheinen dann komplett schwarz.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Aber jetzt direkt bitte nochmals auf das Foto schauen. Wie genau haben wir den „Totenkopf“ vermieden? Man sieht es auf dem Foto. Antwort: Über die genaue Position des Kopfes des Models. Nase hoch zum Licht und schon kommt Licht in die Augenhöhlen.

-> MERKEN: Man muss nicht immer die Position des Lichts verändern, denn oft genügt es auch schon, das Model leicht in der Position, der Haltung oder der Blickrichtung zu korrigieren.

Und damit hätten wir das Setup schon besprochen. Ein hohes, sehr hartes und knackiges Licht. Steiler Winkel und fertig! Wie schaut dann das Foto aus? Voila, das finale Foto gibt es jetzt:

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

Und schon wieder erkennen wir einige wichtige Fragen. Der Hintergrund ist weiß? Woher kommt das? Woher kommt der Reiz der Lichtführung? Was macht das Bild aus?

-> MERKEN: Die Komposition, Bildidee und das Arrangement machen das Foto. Ohne die Maske, die Pose und der Kombination mit diesem brutalen Licht würde das Bild nicht so vollständig wirken. Bevor wir uns also für Objektive, Kameras, Blitze oder Leuchten interessieren, sollten wir uns dafür interessieren, was wir überhaupt fotografieren.

So, kommen wir zurück zu den technischen Fragen. Der weiße Hintergrund z.B.. Der ist so weiß, weil der Kontrast im finalen Foto so hoch geschoben wurde und im anfänglichen Foto die Lichtquelle den kompletten Hintergrund ausgeleuchtet hat. Die eine Lichtquelle hat also sowohl das Modell als auch den HG belichtet. Und zwar durch die hohe Position. Der Schatten des Modells befindet sich zu ihren Füßen und nicht auf dem Hintergrund.

Die Schattenführung ist nicht perfekt. Man hätte darauf achten können, dass die Hand im Vordergrund inkl. dem Handballen im Schatten liegt. Man hätte auch den Kinnschatten etwas dezenter ausgestalten können und etwas auf die Seite bewegen sollen. Aber genau da wären wir bei einem wichtigen Punkt. Das Foto ist weder überall scharf, noch ist es perfekt in der Ausleuchtung bzgl. Symmetrie. Aber genau diese Makel machen auch den Reiz des Fotos aus.

-> MERKEN: Ein tolles Foto muss nicht immer technisch perfekt sein. Solange das finale Resultat überzeugt, egal ob durch technische Perfektion oder Unperfektheit. Völlig egal, das Ergebnis zählt!

Fotografiert haben wir übrigens mit einer 50mm Festbrennweite.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Und da wir Dauerlicht eingesetzt hatten, konnten wir uns auch auf den eingebauten Belichtungsmesser der Kamera verlassen. Wir nutzen daher die Blendenvorwahl bei einer Blende von 2.8. Warum aber genau der Av Modus? Dafür gibt es nämlich noch eine weitere Begründung. Oben auf dem Foto sieht man, dass wir die Leuchte mit der Hand gehalten haben und keinen Galgen genutzt hatten. Durch das menschliche Halten kommen in die Lichtführung immer wieder Schwankungen hinein und die würden wir im manuellen Modus eigenständig ausgleichen müssen. Im Av Modus macht das die Kamera für uns. Wir müssen nur einmal die Korrektur für unser gewünschtes Bild wählen.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Schaut mal auf das Foto oben rechts. Dort sieht man, dass die Haltung der Leuchte schon komplett anders ist, die Distanz viel viel höher ist. Der Av Modus gleicht diesen Lichtverlust einfach aus!

  • Aufgrund des hellen Hintergrundes und der hellen Haut haben wir das Bild mit einem EV+1 korrigiert.
  • Der Messmodus war Mehrfeldmessung denn die Gefahr im Mittenbetonten- oder Spotmodus auf die schwarzen Haare, die Maske oder sonst einen dunklen Bildteil zu treffen ist einfach zu hoch.
  • ISO war bei 200 obwohl wir schon bei Belichtungszeiten um die 1000tel waren. Warum? Ist einfach so ne Angewohnheit nicht immer nur auf 200 zu fotografieren. Außerdem waren auch Nikon-Nutzer auf dem Event und bei diesem ersten Setup wollten wir vermeiden, dass man die Werte umrechnen muss. 🙂 DAS KOMMT IMMER ERST SPÄTER 🙂

SETUP HOW TO Tutorial Photo

BY THE WAY… probiert mal eure PICTURE STYLES an eurer Kamera. Ich würde niemals sagen, dass man damit die klassische Nachbearbeitung wegfallen lassen kann aber es gibt einen tollen Nebeneffekt. Man kann das Foto in einer Art und Weise anzeigen lassen, welche dem finalen Look möglichst nahe kommt. Und durch diese Annäherung an den finalen Look kann man vor Ort viel besser entscheiden ob es gut ausschaut oder eben auch nicht. Daher haben wir in diesem Foto den Kontrast im monochromen Modus auf Maximum gesetzt. Ohne dies wäre das Foto uns mit leicht grauem Hintergrund angezeigt worden und der Kinnschatten hätte niemals diese Knackigkeit. Und dann muss man als Fotograf schon wieder Teile seines Gehirns für die interne Umwandlung und Vorsimulation der Bildbearbeitung opfern obwohl man viel lieber beim Modell und dem Fotografieren bleiben sollte.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

So, das wars für das heutige Setup. Wie man deutlich gesehen hat, man braucht nicht immer MEGASOFTBOXEN, 10m Schirme oder WEICHES LICHT. Knackig und kontrastreich ist oft viel viel schöner!

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

Viel viel Spaß am restlichen Wochenende.

Gruß

Martin und Marc

Kommentare (9)

9 thoughts on “LICHTSETUP: DAUERLICHT FOREVER I

  1. Hi,

    ich finde eure Beiträge immer klasse.

    Eure Bilder sind meist gut, aber oft nur halt das übliche (das jetzt bitte nicht falsch verstehen)

    Aber das da oben, ist wirklich cool!

    Erinnert mich total an David Lachapelle´s Angelina Jolie Bilder.

    Sehr schön, und vor allem so fette Kontraste wie ich es mag.

    Viele Grüße

    Christian

  2. Danke für den mal wieder sehr informativen Post.Es ist immer wieder faszinierend was für große Auswirkungen die kleinsten Dinge auf ein Photo haben.Ich freue mich sehr über Studiobeiträge!
    LG Jan

  3. Wieder ein klasse Beitrag.

    Für mich DIE Aussage des Beitrags: „Bevor wir uns also für Objektive, Kameras, Blitze oder Leuchten interessieren, sollten wir uns dafür interessieren, was wir überhaupt fotografieren.“

    Die Vorarbeit im Kopf ist wichtig und wird oft vernachlässigt und einfach drauf losgeknipst.

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