15.1.2010    6

LICHTSETUP: "ZWIE-LICHT"-SHOOT

15. Januar 2010 | Lichtsetups

Wenn es darum geht, mit nur wenige Lichtquellen viele unterschiedliche Effekte in einem Foto zu vereinen, dann geht es darum, möglichst exakt zu arbeiten. Exaktheit ist nötig, denn Effekte werden durch minimale Veränderungen erzeugt. Sich dies einzuprägen ist der erste, bedeutsame Schritt hin zum fertigen Foto.

Schauen wir uns das fertige Foto an. Dieses Foto wurde so ausgeleuchtet .

 Vergleich Fotos

 

– click on image to enlarge –
 Vergleich Fotos

 

– click on image to enlarge –

Welche Elemente haben wir auf den Fotos, durch dieses Lichtsetup verbunden? Wir können sie einfach zusammen aufzählen.

  • Das Motiv ist schön ausgeleuchtet.
  • Ein Teil des Motivs verschwindet eher im Schatten. Das Gesicht ist „zwiegespalten“ durch den Schatten.
  • Wir haben eine einheitliche Hintergrundausleuchtung OHNE Motivschatten durch das Modell.
  • Wir haben Streiflichter über den gesamten Körper verteilt.
  • Die Streiflichter sind nicht überbelichtet sondern belichten die Seiten korrekt.

Wie viele Lichtquellen wurden für dieses Foto denn eingesetzt. Normalerweise würde man mit der Zahl 3 rechnen. Führungslicht, Streiflicht und Hintergrund. Allerdings ist dies nicht wahr. Hier wurden nur zwei Lichtquellen genutzt. Das Besondere an diesem Setup ist unter anderem auch, dass der Hintergrund von einer Kombination aus Führungs- und Streiflicht belichtet wurde.

Setup HOW TO Tutorial Photo

Das Führungslicht wurde mit einem großen Galgen seitlich über das Modell gebracht. Die exakte Postion wurde so gewählt, dass der Hut die halbe Seite des Kopfes abschirmte. Durch die seitliche Position wird der Schatten als direkte Konsequenz auch seitlich nach hinten geworfen. Wohin der Schatten also genau fällt, hängt neben dem Winkel des Hauptlichtes im zweiten Punkt von der Entfernung der Wand zum Modell ab. Wir haben verschiedene Denkszenarien.

  • Ist die Wand weit entfernt, dann wird der Schatten von oben seitlich nach unten seitlich hinten geworfen. Ab einer Gewissen Distanz trifft kein Schatten mehr die Wand sondern wird direkt auf den Boden geworfen. Allerdings wird als direkte Konsequenz der hohen Entfernung von Wand und Blitz die Wand auch dunkler belichtet.
  • Soll die Wand heller bestrahlt werden, so muss sie näher an das Modell. Um den Schatten auf der Wand zu vermeiden muss die Lichtquelle noch seitlicher gefahren werden oder noch höher positioniert werden. Daraus resultiert dann aber auch gleich wieder eine andere Ausleuchtung des Motivs im Gesicht und auf dem Körper. Zudem wird das Führungslicht irgendwann zu hoch und zu seitlich für ein Modeshot stehen, weil dann das Motiv nicht mehr genügend frontales Licht abbekommt und zu viel im Schatten versinkt.
  • Je näher wir die Lichtquelle an das Motiv heranfahren, umso weicher wird das Licht und dadurch auch der Schatten, aber umso dunkler wird wieder der Hintergrund, aufgrund des erhöhten Unterschieds der Entfernung von Wand zu Blitz und Blitz zu Motiv.

Des Rätsels Lösung ist ein Mittelweg. Der Schatten, man kann es auf dem Foto unter diesem Text sehen, wird halbwegs aus dem Bild geworfen. Der Schatten fängt also ungefähr hinter der linken Schulter des Modells an. Warum ist der Schatten aber dann auf dem besagten Foto unten nicht wirklich sichtbar? Der Schatten ist auf dem Foto nicht sichtbar, weil auf diesem Foto noch die zweite Lichtquelle aktiviert war.

Und genau um solche Überlegungen geht es in der Studiofotografie. Diesen Gedankengang muss man fähig sein VORHER zu gehen. Vor dem Aufbau und bei der eigentlichen Ideenfindung. Was ändert sich wenn ich das mache, was dann, was mit dieser Änderungen und worin resultiert eine solche Veränderung. Es sind Grundlagengedanken die nach wenigen mathematischen Formeln gehen. Dem Lichtverlust über die Distanz und das Grundverhalten von harten, weichen oder konzentrierten Lichtquellen z.B.

Setup HOW TO Tutorial PhotoSetup HOW TO Tutorial Photo

Zurück zum Text. Es ging gerade ja darum, weshalb der Schatten auf dem Foto doch nicht zu sehen ist, dort wo er eigentlich sein müsste. Grund dafür: Die zweite Lichtquelle, unser Streiflicht für die seitliche Aufhellung des Modells, sehen wir auf dem Foto oben. Es ist eine rechteckige Softbox, die über ein Frontdiffusortuch zu einem sehr engen Striplite geformt wurde. So ca. 15cm in der Breite und über 1m in der Länge. Dieses Streiflicht erzeugt mit der Hauptlicht gleichzeitig den Effekt der Hintergrundaufhellung und der Aufhellung des Motivs im Schattenbereich.

Der Grund für diesen Effekt ist, dass das Licht so nahe an der Wand steht und damit über das streuende Licht gerade in den Bereich des Schattenwurfes der Hauptlichtquelle einwirken kann. Weg vom Schatten, hin zum Licht des Führungslichtes wirkt das Streiflicht hingegen nicht mehr, denn dort lässt dessen Leistung über die Entfernung zu stark nach. Die geringe Breite der Softbox verhindert zudem, dass das Steiflicht zu nahe an den Hintergrund kommt und dass zu viel Licht vagabundieren kann.

Wenn man ganz genau auf dieses Foto schaut, dann sieht man auch den angedeuteten Schatten unseres Modells. Er beginnt links neben dem rechten Arm des Modells. Der Kopf unseres Modells wird ungefähr auf Höhe der Schulter geworfen. Wie bereits geklärt, wird der Schatten aber über die zweite Lichtquelle „versteckt“ / aufgehellt.

 Vergleich Fotos

 

– click on image to enlarge –

Die große Höhe stellt dabei sicher, dass das Streiflicht auf dem Körper von Rosa gleichmäßig über den gesamten Körper bis in den Beinbereich fällt.

Setup HOW TO Tutorial Photo

So, das war es für heute. Mit diesem Setup möchte ich auch mal dafür plädieren, mehr mit dem Führungslicht zu spielen und zu variieren. Hohe Positionen, Schattenwürfe, harte Linien und starke Kontraste müssen nicht immer störend sein, wenn sie genau und präzise gesetzt werden.

BY THE WAY 1: Wenn wir über präzise Lichtsetzung sprechen, dann bedeutet dass natürlich im Umkehrschluss, dass das Modell einen festen Platz hat. Sie kann nicht einfach 10cm nach hinten oder vorne gehen. KEINE 10CM!!!!! Das sollte klar sein.

BY THE WAY 2: Auch gute Modelle sind Koffein-RED BULL-süchtig :-)…

Setup HOW TO Tutorial Photo

Fotografiert wurde dieses Foto mit dem 24-70mm 2.8 L Objektiv von Canon (*shoplink zu achatzi). Das Objektiv hatten wir schon zig mal gekauft und irgendwie jedes Mal wieder verkauft. Das Objektiv ist keine Empfehlung von uns. Marc und ich sind beide Fans des 24-105 mit f4 und IS. Gerade am Vollformat überwiegt der Vorteil der Brennweite und im Studiobereich sind die Blendenwerte nicht so entscheidend. Genauso zählt aber auch der IS im Studio weniger. Schärfentechnisch geben sich beide Objektive nicht wirklich was. Das nur als kleiner Zusatz. Ich weiß ja, dass viele Leser das Objektiv am Foto oben anhand der Geli erkennen. Daher hier nochmals der Ratschlag. KEIN DOLLES OBJEKTIV UND NICHT WIRKLICH ZU KAUFEN!!!!

Ich wünsche dann noch viel Spaß am Wochenende. Wir sind unterwegs, diesmal in der Nähe von Mannheim und werden das gesamte Wochenende mal wieder Videos für euch drehen. Haben jetzt 4 Wochen kein einziges Video regulär unter der Woche machen können, also brauchen wir mal wieder ein Wochenende nur für euch Blogleser! BYE!

Kommentare (6)

6 thoughts on “LICHTSETUP: "ZWIE-LICHT"-SHOOT

  1. Schönes Setup!! Und mit den 10cm habt ihr völlig recht. Manchmal wünscht man sich schon ne kleine Nagelpistole um störrische Models an Ort und Stelle festzutackern. 😉 *zwinker*

    Die starke Vignette hab ihr aber schon gephotoshopt?

    Was das 24-70er angeht.. ich hab erst gerade vom 24-105er auf das 24-70er gewechselt. Ausschlaggebend war dabei für mich jedoch die Lichtstärke, da ich viel an Konzerten unterwegs bin und f2.8 da schon das obere Ende darstellt.. Qualitativ hab ich bis jetzt keinen Unterschied festgestellt. Empfinde das 24-70er etwas Schärfer, dafür wäre ein IS manchmal wünschenswert..

  2. Hi Martin,

    vom Kommentieren her meine Premiere heute bei Dir/Euch. Super Beiträge – wie auch dieser – Danke!

    Als Besitzer des 24-70L kann ich mich über dieses nicht wirklich beklagen und wäre daran interessiert zu hören, was dich in deiner Meinung bestärkt.

    Viele Grüße

    Jan

    1. Würde gerne mehr dazu sagen können. Aber derzeit liegen alle Videos noch im Schnitt. Wir haben alle Videos gedreht, alle Nachbearbeitung… es muss alles nur noch fertig gemacht werden.

  3. Servus,

    interessantes Lichtsetup. Ich hätte meinen Hintern drauf verwettet, dass es 3 Lichtquellen sind, zumindest hätt ichs so gemacht und es wäre sicherlich vom Aufwand her einfacher gewesen 😉 Aber umso interessanter find ichs, was ihr hier beschrieben habt.

    Die Vignette ist aber nicht geblitzt?! Also da müsst ich jetzt ganz doll falsch liegen, wenn dieses Setup auch noch genau diese kreisförmige Ausleuchtung des HG bringt 😉

    Grüße

    Andreas

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Anzeigen